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16. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 19. September 2010

Vier Gaben zu Beginn

7 Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
8 Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen; schäme dich auch meiner nicht, der ich seinetwegen im Gefängnis bin, sondern leide mit mir für das Evangelium. Gott gibt dazu die Kraft:
9 Er hat uns gerettet; mit einem heiligen Ruf hat er uns gerufen, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aus eigenem Entschluss und aus Gnade, die uns schon vor ewigen Zeiten in Christus Jesus geschenkt wurde; 10 jetzt aber wurde sie durch das Erscheinen unseres Retters Christus Jesus offenbart. Er hat dem Tod die Macht genommen und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht durch das Evangelium.

2.Timotheus 1, 7-10

Liebe Gemeinde!

1.1 Ich lese Ihnen einige Worte unseres Textes noch einmal. Erkennen Sie den Zusammenhang?

1. So steht geschrieben im zweiten Brief an Timotheus: Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen (2.Timotheus 1, 7-8). Sei nun stark durch die Gnade in Christus Jesus. Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren. Leide mit als ein guter Streiter Christi Jesu. Und wenn jemand auch kämpft, wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht (2.Timotheus2, 1-3.5).
2. Lieber Bruder. Im Gehorsam gegen den Auftrag, den der Herr seiner Kirche gegeben hat, und im Vertrauen auf seine Verheißung führe ich dich ein in das Amt eines Pfarrers.
Führe dein Amt in der Furcht Gottes mit Liebe und Treue.
3. Liebe Gemeinde: Euch aber bitte ich: Achtet den Dienst dieses Pfarrers. Steht ihm bei. Betet für ihn. Bedenkt, dass wir alle aufgrund der Taufe zum Zeugnis und Dienst in der Welt berufen sind.
4. Der Gott des Friedens mache uns tüchtig in allem Guten, dass wir seinen Willen tun. Er schaffe in uns, was ihm wohlgefällt, durch Jesus Christus. Ihm sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

1.2 Sie haben Recht gehört. Das sind die Worte zur Einführung eines Pfarrers in den Dienst. Und manche werden sich erinnern. Die gleichen Worte werden auch gesprochen zur Einführung in den Dienst als Prädikantin und als Prädikant.

1.3 Unser Text ist ein Einführungswort. Ein Brief an Hirten. Pastoralbrief heißt er deshalb auf lateinisch. Drei kennt das Neue Testament. Der erste und zweite Timotheus Brief und der Titusbrief gehören dazu. Sie stammen aus Zeiten erster christlicher Gemeinden. Es könnte sein, dass Timotheus für Ephesus verantwortlich war. Paulus schreibt (1.Timotheus 1,3): Bei meiner Abreise nach Mazedonien habe ich dich gebeten, in Ephesus zu bleiben. Ob er nur dort wirkte, ob dieses Schreiben von ganz vielen Mitarbeitenden in Gemeinden gelesen wurde, wir wissen es nicht.

1.4 Was zählt für die Leitung christlicher Gemeinden? Es ist erstaunlich, dass nicht erst heute diese Frage aktuell ist. Bischöfe stehen auf dem Prüfstand. Was soll Gemeinde- und auch Kirchenleitung leisten? Wofür sind sie Vorbild? Die heutige Debatte um Glaubwürdigkeit Verantwortlicher in der Kirche hat eine lange Vorgeschichte. Wann muss ein Bischof gehen? Das ist ja eigentlich die letzte Frage. Was soll mit einem Bischof kommen? ist viel entscheidender. Der widmet sich hier Paulus.

1.5 Und dabei geht es nicht nur um die Oberen. Wahr ist: Ein jeder hat von uns hat einen anderen Grad von Verantwortung zu tragen. Doch heißt es im Einsetzungswort auch: Bedenkt, dass wir alle aufgrund der Taufe zum Zeugnis und Dienst in der Welt berufen sind. Was für die Leitung gilt, gilt auch für jeden Christen.
Schauen wir, wozu wir alle berufen sind.


2.1 Es ist erstaunlich, dass am Anfang eines Christenlebens nicht ein Arbeitsvertrag steht. Etwa so: Der Vertrag ist angelegt auf 10 Jahre Arbeit für den Herrn, Verlängerung nicht ausgeschlossen. Das und das sind Ihre Aufgaben: Erstens, zweitens, drittens. Bei Nichterfüllung ist vorgesehen: Gespräch, Abmahnung, Versetzung. Ihre Leistung wird belohnt nach Himmelswährung: Vergelt's Gott.

2.2 Stellen Sie sich vor, Sie führen ein Einstellungsgespräch und sind nichts anderes als: Eingeladen. Ein Tisch, gedeckt mit Schönem, ein freundlicher Empfang. - Wir wittern sofort einen Trick. Das muss ja besonders hart werden, was uns da erwartet. - Nein, es bleibt bei dem Geschenk von guten Gaben. Unglaublich.

2.3 Mit vier Gaben steigt Gott bei uns ein. Der Herr der Welt beruft in Seinen Dienst und stattet aus: Nehmen Sie bitte mit und vergessen Sie nie. Hier. Zunächst: Einen Geist, nicht verzagt zu sein. Zweitens: Kraft. Drittens: Liebe. Und viertens, besonders wichtig für den Umgang: Besonnenheit, wird auch gelegentlich Weisheit genannt. So sieht Einführung bei dem Herrn aus.

2.4 Nun kann ER auch nicht verhindern, dass unzählige von Christen vom Tisch aufstehen und diese Gaben einfach liegen lassen. Wollen wir das? Wollen wir sie nehmen? Schauen wir sie uns an.

2.5 Der Geist der Unverzagtheit. Die Gottesgaben sind nicht weltlicher Natur, obwohl sehr weltlich wirksam. Sie sind zunächst unsichtbar. Sie sind Geist.
Geist packt man nicht in eine Tasche und nimmt ihn mit. Man bucht ihn nicht aufs Konto. Man schickt ihn nicht per E-Mail. Man kann ihn nicht ausdrucken.

2.6 Geist Gottes ist Pendant zu meinem Herz. Wo schlägt dies? Wo dockt es sich an? Wo geht die Sehnsucht meines Herzens hin? Worauf verlässt es sich? Kurz: Geist ist Tankstelle für mein Herz.
Man kann an Tankstellen vorbeifahren und bleibt irgendwann stehen. Niemand kann mich zwingen zu tanken. Wer nicht will und stehen bleibt, dem geschieht kein Unrecht, selbst wenn er laut um Hilfe jammert.

2.7 Ich nehme, Herr, von Dir. Mein Herz ist leer vor Dir. Füll es. Gib meinem Geist von Deinem so viel, wie Du es willst. Ich bin bereit. Komm, Heiliger Geist, erfüll die Herzen Deiner Gläubigen, auch meines. - Wichtig ist die Bereitschaft innerlicher Offenheit, mit eigenem Herzen sich ans Herz Gottes anzuschließen. Nicht Worte zählen, sondern Haltung. Es nutzt nichts, wenn das eigene Herz sich gar nicht Gott zuwendet, sich abschließt oder spazieren geht.

2.8 Solche Gebet um Gaben des Herrn dauern 3 Sekunden und 3 Tage. Drei Sekunden, weil der Herr in einem Augenblick uns alles geben kann. Es strömt, wir sind erfüllt. Doch nie wissen wir, wann und wie ER es macht. Deshalb ist Dauer und Beständigkeit, die Alten sagten Treue, wohl gefragt: Drei Tage und auch länger vor Ihm bleiben. Herr, ich bin immer noch da. Immer wieder. Ich warte. Bis Du gibst. Du gibst.


3.1 Der Geist der Unverzagtheit ist der Mut. Es ist das erste, was wir brauchen. Josua, der Nachfolger Moses, erhielt das als erstes bei seiner Berufung. Josua 1,8: Siehe, ICH habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dich nicht gereuen und entsetzte dich nicht. Denn ICH bin mit dir, in allem was du tust. Unverzagtheit oder Mut ist die Gabe, beim Ziel zu bleiben. - Da soll es hin gehen. Ein Abgrund dazwischen. Gut, dann suchen wir eine Brücke. Ein Fluss trennt uns davon. O.k., wir nehmen einen Umweg. Sie wollen alle nicht mehr. Dann machen wir neu Mut.

3.2 Es gibt so viele ganz verzagte Christen. Sie sind sogar darüber noch verzagt, dass sie verzagt sind. Das ändert sich nicht durch geistliches Seelentraining. Und eine neue Gemeinde ist auch nicht die Lösung. Das ändert sich beim Herrn. Herr, füll mich neu, füll mich neu mit Deinem Mut. Ich will neu Dein Ziel für mein Leben sehen. In Deinem Licht. - Jeden Tag Mut beim Herrn tanken. Damit anfangen.


4.1 Das zweite Geschenk: Geist der Kraft. Die Tatkraft ist so vielen Menschen abhandengekommen. Und das liegt nicht am Rheuma, das sie vielleicht haben. Es ist wie eine innere Blockade. Wenn ich innerlich nicht den Besen sehe, dann werde ich auch im Leben nicht nach ihm greifen um zu fegen. Tatkraft ist ein geistiger Akt. Er wächst aus einem inneren Bild, das in die Wirklichkeit drängt. Andere und ich, wir werden es umsetzen. Tatkraft ist eine Gabe der Gemeinde. Der Herr gibt sie in unseren Geist, wenn wir Ihn bitten. Dann wird Gestaltung schön, authentisch, lebendig, einladend, frisch.

4.2 Herr, gib mir den Geist der Tatkraft. Ich möchte sehen, was Du siehst. Was soll geschehen? Vielleicht durch mich? Ich lebe in Deiner Berufung.


5.1 Das dritte Geschenk: Geist der Liebe. Die Liebe ist das Gegenteil der Hölle. In beiden brennt das Feuer des Geistes. Die Liebe hat es akzeptiert und in sich aufgenommen. Sie brennt für ihren Herrn und brennt für alles Gute für die Menschen. Die Hölle lehnt es ab. Das Innere bleibt kalt. Das Feuer brennt von außen. Es hilft nicht, es wird zur Qual. Natürliche Feuersbrünste sind schon schrecklich. Was wird, wenn wir auf Gottes verzehrendes Feuer treffen. Auf Erden fangen Liebe und auch Hölle an.

5.2 Herr, wenn Du Feuer gibst, dann gib es in Mein Herz. Ich will von Deinem Feuer ewiger Liebe für mich nehmen. Mach Deine Liebe in mir groß, zu Dir und allen Menschen. Lass meine Augen davon leuchten und aufstrahlen. Denn kein natürliches Feuer ist Deinem je gewachsen. Von dem gib mir.


6.1 Als letztes: Der Geist der Besonnenheit. Sofronismós, was hier im Urtext steht, ist das Gegenteil von husch, husch. Ich gehe über alles schnell hinweg. Ich hab ein lockeres Maul. Ich lass mich treiben. Nein, sagt sofronismós. Ich beherrsch mich. Mein Inneres ist kein wilder Garten, sondern ein Beet. Ich will nicht, dass andere darauf rumtrampeln. Ich will das auch bei anderen nicht. Ich achte auf den Herrn, auf mich und auch die anderen. Die Achtung lebt nicht irgendwie. Sie lebt mit ja und nein. Sofronismós.

6.2 Herr, gib mir den Geist, der auf Dich achtet. Der Ja sagt, wenn es dran ist. Aber auch: Nein. Dem Salomo hast Du die Weisheit gegeben, als er Dich darum bat. Gib sie auch mir für meinen Weg mit Dir. Gib mir die Weisheit für Deine Gemeinde. Für meinen Partner, für mein Alleinsein. Für meine Kinder, Enkel. Meine Freunde, Nachbarn. Für meinen Umgang mit Deiner Schöpfung. Geist der Weisheit: Komm.


7.1 Das sind die Anfangsgaben von Berufenen. Vier Gaben Seines Geistes: Unverzagtheit, Tatkraft, Liebe und Besonnenheit. Vier Dienstbereiche unseres Lebens und Seiner Gemeinde. Wenn Leitung damit ernst macht, das zu leben, dann sieht es gut aus. Und wenn wir alle einstimmen, dann noch viel besser.

Amen.



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Zuletzt geändert am 16.09.2010 von: (fp)