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21. Sonntag nach Trinitatis
von Prädikantin Gisela Johannes
und Pfarrer Friedhelm Peters

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Prädikantin Gisela Johannes und Pastor Friedhelm Peters

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Predigt am 24. Oktober 2010

Stärke aus Gottes Kraft

10 Und schließlich: Werdet stark durch die Kraft und Macht des Herrn!
11 Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt.
12 Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs.
13 Darum legt die Rüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils standhalten, alles vollbringen und den Kampf bestehen könnt.
14 Seid also standhaft: Gürtet euch mit Wahrheit, zieht als Panzer die Gerechtigkeit an
15 und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen.
16 Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen.
17 Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes.

Epheser 6, 10-17

Liebe Gemeinde!

1.1 Stärke ist angesagt. Stärke, die nicht aus eigener Kraft, sondern aus der Kraft Gottes resultiert.

1.2 Unser Predigttext fährt im wahrsten Sinne des Wortes schweres Geschütz auf. Er spricht von Waffen, von Panzer, Schild und Schwert. Das sind alles Worte, von denen wir wissen, dass sie in einem christlichen Kontext nicht gerne gesehen sind.
Rüstungen haben bei uns mit Krieg zu tun, mit Raketen und Abwehrsystemen, mit Leid und nachfolgenden wirtschaftlichen und politischen Problemen. Wir sehen es im Irak, in Afghanistan, in Darfur, um nur einige dieser Kampfzonen zu nennen, in denen Waffen eine Rolle spielen.


2.1 So gerne wir es anders hätten: unser Text benutzt diese martialischen Worte. Kampf bleibt Kampf und Waffe bleibt Waffe. Auch in modernen Bibelübersetzungen treten sie uns nicht anders oder in abgemilderter Form gegenüber. Vielleicht hätte der Verfasser des Epheserbriefes, der ein Schüler von Paulus gewesen sein muss, heute andere Bilder als die der griechischen Antike benutzt.

2.2 Liest man sorgfältig, so wird schnell deutlich, dass er auf keinen Fall der Gewalt das Wort redet. Ausdrücklich spricht er von einem Kampf, der nicht gegen Menschen gerichtet ist. Aber wofür und wogegen soll ein Christenmensch kämpfen?
Der Briefschreiber spricht von einer finsteren Welt, in der es unsichtbare Mächte - Fürsten, Gewalten, Beherrscher und böse Geister - gibt, denen die Menschen ausgesetzt sind und die sie bedrohen.

2.3 Passt das zu einem aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts? Wir können doch so viel naturwissenschaftlich erklären! Außerirdische, der Kampf in den Lüften, im Weltall, das ist doch nur ein Thema der Unterhaltungsindustrie z.B. im Film.
Aberglauben, da schüttelt der moderne Mensch den Kopf. Das ist nur etwas für Hinterwäldler und ängstliche Gemüter.

2.4 Sind wir uns da so sicher, dass der Mensch so frei ist, wie er zu sein glaubt? Unser Briefschreiber beharrt darauf, dass es böse Geister gibt, nicht nur zum Spaß auf einer Halloweenparty.


3.1 Böse ist das Gegenteil von gut. Alles was dem Mensch an Leib und Seele schadet, ist nicht gut sondern böse. Wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir uns eingestehen, dass es so etwas wie einen bösen Geist, etwas Zerstörerisches im menschlichen Handeln gibt. Ist es das, wogegen es zu kämpfen gilt?

3.2 Wir alle wissen, dass Lügen und Intrigen überall auf der Tagesordnung stehen. Sind sie einmal in die Welt gesetzt, können sie sich zu einer ausufernden Boshaftigkeit mit einer großen Eigendynamik entwickeln. Sie verselbständigen sich und lassen sich durch nichts mehr einfangen. Ein zerstörter Ruf kann das Leben eines Menschen physisch und psychisch vernichten.
Unsere allgegenwärtigen Medien machen davon hemmungslos Gebrauch. Mühsam erstrittenen Dementis wird kaum Beachtung geschenkt. Hier ist das Böse mit Händen zu greifen.

3.3 Nicht nur handgreiflich, sondern auch als eine geistige Macht kann das Böse zerstörerisch wirken. Immer wieder taucht es in unserem Alltag auf.
Da verletze ich durch eine zielsichere Bemerkung mein Kind, meinen Freund oder den Partner.
Da versuche ich einen kleinen Vorteil, der mir so nicht zusteht, ob es das Schwarzfahren oder ein Steuervorteil ist, zu meinen Gunsten zu nutzen. Wer kennt das in der einen oder anderen Form nicht? Schlimmer noch ist es, und das tritt nach außen gar nicht so offensichtlich auf, dass wir oft so lieblos sind.
Es macht Mühe, einen Griesgram mit schlechter Laune auszuhalten. Es macht Mühe, Geduld für langsame, alte oder gar behinderte Menschen aufzubringen. Wie oft machen wir uns aus dem Staub, wenn wir in diesen Situationen gefordert sind? Ist das nur ein bisschen "böse"?


4.1 Dem Verfasser des Briefes geht es sicherlich nicht nur um moralische Dinge. Die Verbindung zu Gott legt er uns ans Herz. Diese Nabelschnur, die uns seit unserer Taufe mit Gott verbindet. Sie ist für uns existenziell. Oder ist diese Verbindung für uns nur noch eine ferne Kindheitserinnerung?`Es ist möglich, Gott zu verlieren.
Wenn es in der Familie oder im Bekanntenkreis als ganz selbstverständlich gilt, das Religion und Glaube nicht so schrecklich wichtig genommen werden, ja dass dies eigentlich ganz egal sei, dann nistet sich diese Selbstverständlichkeit ganz leicht in unserem eigenen Gefühl ein. Wir sprechen nicht mehr darüber, weil das nur peinlich wäre. - Wir haben so viel angeblich Wichtigeres zu tun, dass auch wir oft nicht daran denken, dass Gott die Kraft unseres Lebens ist.Wie schnell ist da die Verbindung zu Gott unterbrochen. Wir haben ihn nicht mehr auf unserem Radarschirm. Wir lassen uns hineinnehmen in die tägliche Routine. Fragen stellen wir kaum und schon gar keine selbstkritischen. Wir funktionieren im Alltag, ohne uns im Gebet mit Gott auszutauschen.

4.2 Um nicht ins Leere zu laufen brauchen wir die Orientierung und einen tragfähigen Grund. Daran will uns die Botschaft aus dem Epheserbrief erinnern. Das war für die damalige Gemeinde ebenso notwendig wie heute.

4.3 Darum sollen wir auf die Waffenrüstung Gottes zurückgreifen. Damit ist weder eine Rakete noch ein Gewehr gemeint. Wie sieht sie aus?


5.1 Der Gürtel: Das ist die Wahrheit. Unsere Wahrheit: Jesus möchte uns Wahrhaftigkeit schenken. Ehrlich sein vor Gott, uns selbst und unseren Mitmenschen. Seine Wahrheit: Wir können auf Gottes Wahrheit über uns vertrauen. Jesus bringt unser Leben zu Seinem Ziel. Das soll nicht nur unser Lippenbekenntnis sein, sondern das hält uns wie ein Gürtel zusammen.

5.2 Der Panzer, vor dem Rücken, vor der Brust: Er ist Gottes geschenkte Gerechtigkeit, nicht unsere Selbstgerechtigkeit. Wir können uns darauf verlassen: wir sind Gott " recht". Mehr noch: Gott liebt uns so sehr, dass er Seinen Sohn gab, um alle menschliche Schuld ein für alle Mal zu tilgen. Durch Jesu Tod am Kreuz sind wir vor Gott gerecht. Wir sind Gottes liebster Sohn, Gottes liebste Tochter, neben allen anderen Lieblingssöhnen und -töchtern, die Gott auch noch hat. Das schützt unser Herz und unseren Rücken.

5.3 Die Schuhe. Wir gehen in Seinem Frieden. Dieser innere Friede lässt unsere "aufgeschreckten Seelen" zur Ruhe kommen wie Dietrich Bonhoeffer es einmal formuliert hat. Wir laufen in Schuhen des Friedens. Welche Größe? Friede Christi. Wir sind bereit, im Frieden zu gehen, Frieden weiter zu tragen, wo Streit regiert.

5.4 Der Schild des Glaubens. Anfechtungen treffen uns von allen Seiten, besonders wenn wir es nicht erwarten. Wachsam den Glauben überall hin halten, wo wieder ein Feuerpfeil ansaust. Der brennt und will Zorn entbrennen lassen. Er trifft den Schild unseres Glaubens, unseren Herrn am Kreuz: Herr, Du trägst auch das. Keiner besteht ohne den Schild des Glaubens. Jeden Abend muss er sauber gemacht werden. Sonst fehlt er morgen.

5.5 Der Helm des Heils. Der sitzt über dem Kopf, unserer Denke. Den Willen, die Phantasie, die Tatkraft und das Gefühl - das gesamte Denken dem Heil Jesu widmen, das ist der Helm.

5.6 Das Schwert des Geistes: Es ist das letzte Rüstzeug. Es verwandelt Finsternis in Licht. Es vernichtet Schuld und stiftet Vergebung. Es tötet was tot macht und lässt Leben entstehen. Wir führen es nicht. Es ist selbstwirksam. Es liegt nur in unserer Hand. Und wir können es auf andere legen in unserem Geist. Es ist das Wort Gottes selbst, vollmächtig. Es dringt durch.


6.1 Ausgerüstet mit den Waffen Gottes können wir uns auf den Weg machen.
Dem Gürtel der Wahrheit, dem Panzer der Gerechtigkeit, den Schuhen Seines Friedens, dem Schild des Glaubens gegen Anfechtung, dem Helm des Heils über unserem Denken, dem Schwert des Geistes vollmächtiger Worte von Gott. Diese Stärke ist angesagt.

6.2 Schön mit dieser unsichtbaren Rüstung Gottes zu leben. Sie ist verlässlicher als jede waffenstrotzende Rüstung dieser Welt.


Amen.



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Zuletzt geändert am 10.01.2011 von: (fp)