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 <>< Predigt zum drittletzten Sonntag im Kirchenjahr
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Predigt pdf

Gottesdienst am 7. November 2010

7 Keiner von uns lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber:
8 Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.
9 Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende.

Römer 14, 7-9

Nicht durch Zufall bin ich da, Gott hat mich gemacht.
Nicht durch Zufall steh ich hier, Gott hat mich gemacht.
|:Ich bin bei euch jeden Tag:| (3x) spricht Jesus Christ.
|:Ich bin bei euch jeden Tag:| (3x) spricht Jesus Christ.

Klare Führung schenkt ER mir, wenn ich auch nichts spür.
Seine Kraft ist wirklich da, immer wieder neu.
Ich bin bei euch jeden Tag ...

ER begleitet jeden Tag meinen Lebensweg.
Einsam, traurig und allein, brauch ich nicht mehr sein.
Ich bin bei euch jeden Tag …

Meine Schuld vergibt ER mir, sie hat mich gedrückt.
Darum sing ich frohgemut, dass es jeder hört:
Ich bin bei euch jeden Tag …

Jesus Christus ist und bleibt ohne Konkurrenz.
ER bringt mich zu Seinem Ziel wie ER es verheißt.
Ich bin bei euch jeden Tag …

Liebe Gemeinde!

1.1 Wir begegnen in unserem Text der alten Frage, wofür wir leben. Und wie so oft bei zentralen Dingen: Wir sind nicht gewohnt, darüber zu reden. Andererseits lugt unsere Einstellung im Alltag aus uns heraus. "Ach, wofür soll ich heute leben?" - denkt mancher. Und dabei scheint nur einmal die Sonne nicht so wie sonst. Rums, der Lebenssinn ist im Keller. Und da nutzt kein Sektfrühstück, wenn ich nicht weiß, wozu ich lebe.

1.2 Nicht nur unser Alltag, auch unsere Kultur ist von der Sinnfrage geprägt. Was muss man für ein Mensch sein, um ein Bauwerk wie den Kölner Dom oder die Sagrada Familia in Barcelona zu entwerfen. Es sind Bauwerke, die man zu seiner eigenen Lebenszeit nie vollenden kann. Das kann man nur mit der Idee im Herzen, zu etwas Höherem geboren zu sein. Folgen Sie einmal mit Ihren Augen den Säulen eines gotischen Bauwerks. Sie spüren von welcher Art ihre Baumeister waren. Ihr Blick geht nach oben. Ist unsere heutige Kultur noch von diesem Sinn geprägt? Was zeigen uns Flughäfen und Hotels?

1.3 Der Einbruch in der Sinnfrage wird oft mit dem schicksalhaften Einsturz der Brücke von San Luis Re und dem Erdbeben von Lissabon im November des Jahre 1755 in Verbindung gebracht. Plötzlich tauchte die Frage auf: Ist unser Leben vielleicht doch ohne Führung von oben? Sterben wir zufällig? Richten sich unsere Blicke nach oben vielleicht ins Leere? Gibt es einen Sinn? Wie könnte Gott sonst solches Leid zulassen? Diese Frage begleitet bis heute das Lebensgefühl vieler Zeitgenossen. Warum?

1.4 Seit Auschwitz haben wir gezeigt, was ein Staat organisieren kann: Menschen an das Böse zu verkaufen. Wenn das heute an jedem Platz der Welt sein kann, dann bleibt für viele die Maxime, sich dem Genuss zu verkaufen. Dass es nicht genug für alle gibt wissen wir. Also kann froh sein, wer möglichst viel von dem bekommt, was zu haben ist. Dafür rennen wir. Das soll uns stolz machen. Macht es das?

1.5 Leider werden unsere Nachfahren in ihren Herzen von unserem Stolz nicht satt. Nicht unser Stolz, wir selber sind schon wichtig. Denn wer als Kind nicht seinen Brei für Mama und für Papa isst, der weiß nicht, wofür er da ist: Ich für dich. Und du für mich. Wenn uns das nicht mehr erfüllt, was soll unsere Nachfahren erfüllen? Was geben wir als ältere Generation unserer nachfolgenden weiter? Ich bin völlig überflüssig! Ich will beim Spaß mal vergessen! Ich nehme, was ich kriege! Ich weiß auch nicht wozu ich da bin!

1.6 Ohne Sinn verdirbt die Kultur. Ohne zu wissen wofür wir leben stehen wir mit dem Rücken an der Wand.


2.1 Wie heute lebten auch die Christen zur Zeit des Paulus in einer Welt kultureller und persönlicher Sinnesleere. Man betete zwar den Kaiser an, doch lieber betrank man sich mit Wein, wenn man es sich leisten konnte. Wofür lohnt sich zu leben? Ist das wichtig? Mach solange wie du kannst bevor dich ein Messer erwischt oder die Krankheit. Genieße. Frage nicht wofür. Der Hedonismus blüht.

2.2 In der Gemeinde war das nicht anders. Man glaubte an Gott und an den Erlöser Jesus Christus. Doch man lebte in einer völlig heidnischen Welt im völlig heidnischen Alltag.
Was wir gewohnt sind halten wir in der Regel auch für richtig. Und was wir für richtig halten, halten wir oft auch noch für christlich. So auch damals.


3.1 Haben Sie eine Weiche vor Augen? Eine Mechanik legt ein Stück Eisen um. Ein ganzer Zug kriegt dadurch eine andere Richtung. - Eine solche Weiche ist unser Wort. Paulus legt sie um. Unser Lebenssinn soll erfüllt werden. Der Zug unseres Lebens bekommt dadurch eine andere Richtung. Eine ganze Kultur ist so geprägt worden und kann es wieder werden. Wie das?

3.2 (7) Keiner von uns lebt sich selber, und keiner stirbt sich selber: (8) Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.

3.3 Das ist der neue Lebenssinn der Christen: Sie sprechen in ihrem Herzen: Herr, ich bin Dein und gehöre Dir. Dein neues Leben ist in mir. Mein altes Leben ist an Deinem Kreuz gestorben.
Wer so spricht und lebt, der hat die Taufe in seinem Herzen angenommen. Er lebt dem Herrn und nicht für sich selbst. Sogar die Todeskultur - auch mich kann es jeden Augenblick erwischen - kann das nicht außer Kraft setzen. Sterbe ich, so ist das kein Zufall, sondern ich gehe zum Herrn und sterbe für Ihn. Immer bin ich Sein. Nicht durch Zufall steh ich hier. Gott hat mich gemacht. (8) Ob wir leben oder sterben, wir gehören dem Herrn.

3.4 Füllt sich damit mein Herz, dann ist das ein Anfang. In mir bleibt nicht die Leere als letzte Bedrohung und als mein Schicksal. In mir lebt die Quelle des lebendigen Herrn. ER hat mich erlöst, gewollt, gemocht. Ich bin nicht etwas, weil ich verlange, weil ich will. Ich bin, weil ER nach mir verlangt, weil ER mich will. Das ist der Sinn meines Lebens. ER ist der Sinn meines Lebens. (9) Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein über Tote und Lebende. Auch über mich.

3.5 Mit Jesus finde ich den Sinn meines Lebens. Mit Ihm macht es Sinn, Lebensstil und Kultur zu gestalten.


4.1 Tun Sie das in Ihrem Leben? Ist Jesus Sinn Ihres Lebens geworden? Dann haben Sie wahrscheinlich auch tiefen Frieden gefunden. Und wenn das nicht erst gestern war, sondern schon einige Zeit her ist, dann wissen Sie auch, wovon ich jetzt spreche. Kaum ist der Friede da spüre ich tiefen neuen Unfrieden. Mein Weg des Friedens ist mit Stolpersteinen gepflastert.

4.2 Sie sitzen im Gottesdienst, tief berührt von dem neuen Sinn Ihres Lebens. Und schon fällt Ihr Blick auf eine bestimmte Person. Auch Sie ist jemand, in der der Herr lebt. Unmöglich, denken Sie. Unmöglich wie sie sich Dir gegenüber benommen hat. Solche Verachtung und dieser Neid. Das kann doch nicht Recht sein. Und darin habe ich Recht! - Und ER? Es ist als wenn ER sagte: Recht hast du. Aber was ist dein Sinn? Heißt es für dich etwa: Leben wir, so leben wir dem Recht. Sterben wir so sterben wir dem Recht. Darum, ob wir leben oder sterben, wir gehören dem Recht?

4.3 Aber Herr. Diese Person hat sich überhaupt nicht nach Dir gerichtet. Das ist doch nicht gerecht, wenn DU mich wie diesen Menschen behandelst! - Und ER: Mein Kind. Weißt du was einem anderen gerecht wird? Heißt es für dich etwa: Leben wir, so leben wir der Gerechtigkeit, sterben wir so sterben wir der Gerechtigkeit. Darum, ob wir leben oder sterben, wir gehören der Gerechtigkeit?

4.4 Aber Herr. Wo bleiben denn Kampf und Strafe? Es ist doch herzlos, das Falsche so stehen zu lassen. - Und ER: Weißt du, was für den anderen falsch ist? Kennst du seine Umkehr? Heißt es für dich: Leben wir, so leben wir der Strafe. Sterben wir so sterben wir aus Strafe. Darum, ob wir leben oder sterben, wir gehören der Strafe? - O Herr, meine Stolpersteine! Wo ist es nur geblieben: Leben wir so leben wir dem Herrn. Du bist mein Sinn. Ich will Dir folgen. Und dann flutet es wie ein Hochwasser. ER füllt das Herz. Wir gehen Friedenswege. Zu Petrus sagt der Herr über diesen Weg: Ich will dich gürten und führen wohin du nicht willst.


5.1 Den Sinn des Lebens in Jesus finden. Darum geht es damals wie heute.

5.2 Und Paulus meint, dass unsere anderen wichtigen Themen - Recht, Gerechtigkeit, Kampf und Strafe, am Ende auch der Tod - sich nur besiegen und sinnvoll gestalten lassen unter der Führung des Herrn. Wenn ER der Erste in uns ist. Das will geübt sein. Und ER übt es an unseren Stolpersteinen.

5.3 Christen gehen darin damals wie heute einen einsamen Weg. Aber einen mit dem Herrn. Und Der macht Sinn.


Amen.


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Zuletzt geändert am 05.11.2010 von: (fp)