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Briefmarke Friedrich Spee 1991





Trutznachtigall Trutznachtigall





Professor der Beredsamkeit
Friedrich Spee
Professor der Beredsamkeit






Denkmal Jesuitenkolleg Trier
Denkmal Jesuitenkolleg Trier





Sarkophag Jesuitenkirche Trier
Sarkophag Jesuitenkirche Trier





 <>< Predigt zum
2. Advent 2010
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 5. Dezember 2010

"O Heiland reiß die Himmel auf", Evangelisches Gesangbuch 7
Friedrich Spee, Trutzgesänge der Nachtigall

15 Blick vom Himmel herab, und sieh her von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist dein leidenschaftlicher Eifer und deine Macht, dein großes Mitleid und dein Erbarmen? Halte dich nicht von uns fern! 16 Du bist doch unser Vater; denn Abraham weiß nichts von uns, Israel will uns nicht kennen. Du, Herr, bist unser Vater, "Unser Erlöser von jeher" wirst du genannt.
17 Warum lässt du uns, Herr, von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart, so daß wir dich nicht mehr fürchten? Kehre zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Eigentum sind. 18 Erst vor kurzem haben unsere Feinde dein heiliges Volk vertrieben; dein Heiligtum haben sie zertreten. 19 Uns geht es, als wärest du nie unser Herrscher gewesen, als wären wir nicht nach deinem Namen benannt.

Reiß doch den Himmel auf, und komm herab,

so dass die Berge zittern vor dir. 1 Komm wie ein Feuer, das Reisig entzündet, wie ein Feuer, das Wasser zum Sieden bringt. Mach deinen Feinden deinen Namen bekannt, so dass die Völker zittern vor dir, 2 wenn du schreckliche und nie erwartete Taten vollbringst. 3 Seit Menschengedenken hat man noch nie vernommen, kein Ohr hat gehört, kein Auge gesehen, dass es einen Gott gibt außer dir, der denen Gutes tut, die auf ihn hoffen.

Jesaja 63, 15-16.19b.64,1-3

Liebe Gemeinde!

1.1 Auf einer Briefmarke hat die Deutsche Bundespost den Liederdichter Friedrich Spee 1991 verewigt. Sein 400. Geburtstag war der Anlass. Was machte ihn so berühmt, dass sein Bild unsere Briefe schmückt? Es war nicht nur das Weihnachtslied, das aus seiner Feder floss.

1.2 Friedrich Spee wurde in Nordrhein-Westfalen in Kaiserswerth bei Düsseldorf geboren. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie wurde er katholischer Priester, Priesterweihe im Mainzer Dom, später Professor an der Jesuiten-Universität in Paderborn. Gegen den Willen der Eltern trat er in den Jesuitenorden ein, aus dem er später wieder ausgeschlossen wurde.

1.3 Er muss ein ausgesprochenes Sprachtalent gewesen sein, dieser Jesuit Friedrich Spee. Unser Wort "Schäferstündchen" geht auf seine Dichtungen zurück. Sie werden in der Literatur "Bukolik" genannt. Hirtenromantik als Naturerleben wird dort beschrieben, oftmals im Kontrast zur "sonst so bösen Welt". Es war die damalige Ökologiebewegung, die sich in alternativer Lyrik ein Protestfenster öffnete. Zwischen Massengräbern von Pest-Toten und dem Kriegsparolen des Dreißigjährigen Krieg entstanden solche Verse:

1.4 Wacht auff jhr schöne vögelein / jhr Nachtigalen kleine / Die jhr auff grünen zweigelein / noch eh die Sonn recht scheine / stimmt an die lautbar schnäbelein / gedräht von helffenbeine. Lobt Gott/ jhr süsse schwetzerlein / Jhr Nachtigalen kleine / Jhr lufft- vnd wolcken-Sängerlein / Für jhn bestelt alleine / Mit euch zun besten liedelein / Ich harpff vnd Laut vereine. Habt jhr kein sonders Liedelein / So lernet nur das meine / Ist gnug mit einem seufftzerlein / Man darff der ander keine. / Singt nur allein: Gelobt sey GOTT / GOTT Sabaoth alleine.

1.5 "Trutznachtigall oder geistlich-poetisch Lustwäldlein" hat er sein Liederbuch genannt: Eine Nachtigall im Kampf. Wogegen hat sie gesungen? Was bewegte Friedrich Spee? Was ließ ihn so gefährlich werden, dass seine trutzigen Nachtigallentöne zum Lobe Gottes ihm am Ende Kopf und Kragen kosteten.


2.1 Als Priester war Friedrich Spee für einen besonderen Dienst eingeteilt. Er musste Hexen die letzte Beichte abnehmen. Diese Frauen, gefoltert, verleumdet, verstoßen, klagten ihm ihr Leid vor dem Scheiterhaufen. Wir hören dazu seine furchtbaren Aufzeichnungen: "Ehe die Angeklagte gefoltert wird, führt sie der Henker zur Seite und besieht sie genau, ob sie sich etwas durch Zauberkraft unempfindlich gemacht habe. … Dann wird sie gefoltert, damit sie die Wahrheit sagt, das heißt, sich als Zauberin bekennen soll. … Wenn der Anfang mit der Folter gemacht ist, so hat man das Spiel gewonnen, sie muss bekennen, sie muss sterben. Bekennt sie, so ist die Sache klar, und sie wird getötet, denn Widerruf gilt hier nicht. Bekennt sie nicht, so martert man sie zum zweiten, dritten und vierten Mal, denn bei diesem Prozess gilt allein, was dem Untersuchungsrichter beliebt. … Wenn nun eine die Marter nicht ertragen kann und unschuldiger Weise bekennt, so geht das Elend erst an, da es kein Mittel gibt, die Angeklagte loszubekommen. Im Gegenteil, sie muss andere Menschen selbst wenn sie von ihnen nichts Böses weiß, anzeigen und gerade jene nennen, deren Namen ihr von den Untersuchungsrichtern in den Mund gelegt werden. Werden dann auch diese gefoltert, so müssen sie wieder andere nennen, die aber erneut andere, und so ist hier kein Ende oder Aufhören."

2.2 "Cautio criminalis" - "sorgfältige Untersuchung", nannte er doppeldeutig seine anonyme Schrift, in der er das unfassbare Grauen aufzeichnete. Es war eine Trutzschrift gegen Willkür und Rechtlosigkeit der Hexenprozesse, ein Krimi ganz besonderer Art. Die Schrift wurde wohl in Rinteln, Weserbergland, gedruckt. Sie ging herum wie ein Lauffeuer. Zu viele litten unter der Not der Inquisition. Doch schnell fand man die Spur zum Autor nach Paderborn. Sein Protest durfte die Inquisition nicht stören. Sie hielt das Land nach innen im Bann, während nach außen der Dreißigjährige Krieg alles lahm legte.


3.1 Gegen diesen Wahn dichtete der tapfere Mönch weiter. Zu seiner Anklageschrift traten Lieder und Gedichte. Seine Schäferlyrik entsteht auf blutigem Boden. Ein bekanntes Weihnachtslied fließt jetzt aus seiner Feder:
Zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein. / Das hab ich auserkoren, sein eigen will ich sein. / Eia, eia, sein eigen will ich sein.
In seine Lieb versenken will ich mich ganz hinab; / mein Herz will ich ihm schenken und alles, was ich hab. /
Eia, eia, und alles, was ich hab.
O Kindelein, von Herzen dich will ich lieben sehr / in Freuden und in Schmerzen, je länger mehr und mehr. /
Eia, eia, je länger mehr und mehr.
Dich wahren Gott ich finde in meinem Fleisch und Blut; / darum ich fest mich binde an dich, mein höchstes Gut./
Eia, eia, an dich, mein höchstes Gut.
Dazu dein Gnad mir gebe, bitt ich aus Herzensgrund, / dass dir allein ich lebe jetzt und zu aller Stund. /
Eia, eia, jetzt und zu aller Stund. (EG 32, GL 140)

3.2 Es waren Verse, in denen er seine Zukunft ahnt. Seine Vorgesetzten im Jesuitenorden, die tief in die Hexenprozesse verstrickt waren, schickten ihn ins Kriegs- und Seuchengebiet nach Trier. Das war ein beabsichtigtes Todesurteil.


4.1 Auf meinem Heimatfriedhof im Ruhrgebiet, in Herne Sodingen, ragt über den Priestergräbern ein besonderes Kreuz. Es erzählt von den Leiden dieser Zeit. Pestkreuz wird es genannt. Für alle, die der schwarze Tod nahm, wurde es errichtet. Das war die Welt von Friedrich Spee.

4.2 Zunächst begleitete und pflegte der die Leidenden in Trier. Zu den Ärmsten brachte er die "Trutzstimme der Nachtigall" wie er zuvor den Hexenopfern seine Stimme lieh.
Doch lange hielt er dieser Belastung nicht stand. Er infizierte sich und starb mit 44 Jahren.
Lass mich von dir nicht scheiden, knüpf zu, knüpf zu das Band / der Liebe zwischen beiden, nimm hin mein Herz zum Pfand. / Eia, eia, nimm hin mein Herz zum Pfand.
Die letzte Strophe seines Weihnachtslieds beschließt sein Leben.


5.1 Die Botschaft dieses Priesters aus einer Zeit von Krieg, Krankheit und Kirchenübel der Inquisition ist klar. Sie klingt durch die süßen herben Verse seiner Lieder. Es ist die Botschaft der Busse. Mit seinen Worten:
Ermahnung zur buß an den Sünder/ dass er die Burg seines hertzens Christo auffmache / vnd einraume:
Thu auff / thu auff / du schönes Blut / sich Gott zu dir will kehren.
O sünder greiff nun hertz / vnd mut / hör auff die sünd zu mehren.
Wer buß zu rechter zeit verricht / der soll in wahrheit leben.
Gott will den todt deß sünders nicht / wan wiltu dich ergeben?


Amen.

EG 7
O Heiland reiß die Himmel auf
2. O Gott, ein' Tau vom Himmel gieß, im Tau herab, o Heiland, fließ. Ihr Wolken, brecht und regnet aus / den König über Jakobs Haus.
3. O Erd, schlag aus, schlag aus, o Erd, dass Berg und Tal grün alles werd. O Erd, herfür dies Blümlein bring, o Heiland, aus der Erden spring.
4. Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt? O komm, ach komm vom höchsten Saal, komm, tröst uns hier im Jammertal.
5. O klare Sonn, du schöner Stern, dich wollten wir anschauen gern; o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein / in Finsternis wir alle sein.
6. Hier leiden wir die größte Not, vor Augen steht der ewig Tod. Ach komm, führ uns mit starker Hand / vom Elend zu dem Vaterland.
7. Da wollen wir all danken dir, unserm Erlöser, für und für; da wollen wir all loben dich / zu aller Zeit und ewiglich.

Friedrich Spee (* 25. Februar 1591 in Kaiserswerth bei Düsseldorf; † 7. August 1635 in Trier) war ein deutscher Jesuit, der sich als Moraltheologe, Lyriker und Schriftsteller ausgezeichnet hat. Er wurde bekannt als Hexentheoretiker und Kritiker der Hexenprozesse. Er hatte "Hexen" als Beichtvater auf ihrem letzten Weg zum Scheiterhaufen begleitet und dabei die Gewissheit ihrer Unschuld gewonnen, was der Antrieb zu seinen kritischen Schriften war.
Berühmt wurde er auch als Kirchenlieddichter.



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Zuletzt geändert am 26.11.2010 von: (fp)