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Neujahrstag 2011
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 1. Januar 2011

Lebensstil Feinesliebe - Jahreslosung 2011 Felger, Jahreslosung 2011

17 Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht!
18 Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden!
19 Rächt euch nicht selber, liebe Brüder, sondern lasst Raum für den Zorn (Gottes); denn in der Schrift steht: Mein ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr.
20 Vielmehr: Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen, wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken; tust du das, dann sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt.
21 Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!


Römer 12, 21 im Zusammenhang

Liebe Gemeinde!

1.1 In einer Welt, wo jeder tut, was er will, wirkt dieses Wort der Bibel schon merkwürdig. Auf Gutes bedacht sein. Das Böse durch das Gute besiegen. Feindesliebe.
Feinde gibt es genug. Liebe gibt es auch. Aber beides zusammen? Wie geht das?

1.2 Paulus wusste um die Wirkung von Werten. Lebst du mit Ehrfurcht und in Liebe, dann wirkt sich das aus. Lebst du in Feindschaft mit dir und anderen, dann hat auch das Konsequenzen. Was du auch tust, es wirkt sich aus. Denn Gott ist Garant der Werte. ER ist gleichsam der erste Lehrer von Lebensweisheiten. Deshalb heißt es: Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang. Ich zitiere mal einige Lebensregeln aus den Sprüchen, die daraus folgten.

1.3 25, 20 Essig auf Laugensalz - (so ist,) wer Lieder singt vor einem missmutigen Herzen.
[Wie die Motte am Kleid, der Wurm im Holz, so nagt der Kummer am Herzen des Menschen.]
21 Hat dein Feind Hunger, gib ihm zu essen, hat er Durst, gib ihm zu trinken;
22 so sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt, und der Herr wird es dir vergelten.
23 Der Nordwind bringt Regen, eine heimtückische Zunge zornige Gesichter.
24 Besser in einer Ecke des Daches wohnen als eine zänkische Frau im gemeinsamen Haus.
25 Kühles Wasser für eine durstige Kehle ist eine gute Nachricht aus fernem Land.
26 Ein getrübter Brunnen, ein verschütteter Quell ist ein Gerechter, der vor dem Frevler wankt.
27 Zu viel Honig essen ist nicht gut: Ebenso spare mit ehrenden Worten!
28 Eine Stadt mit eingerissener Mauer ist ein Mann, der sich nicht beherrscht.
26,1 Wie Schnee im Sommer und Regen zur Erntezeit, so unpassend ist Ehre für einen Toren.
2 Wie der Spatz wegflattert und die Schwalbe davonfliegt, so ist ein unverdienter Fluch; er trifft nicht ein.

1.4 Davon sind wir heute weit weg. Doch merkwürdig: Natur, Geschichte und das eigene Leben lehren uns, dass wir diese Werte nicht ungestraft beiseite legen. Brechen wir die Lebensregeln, tragen wir und unsere Kinder die Konsequenzen. Lösen wir unsere Werte von Gott, dann ist ER auch weg. Am Ende sind wir die Leidtragenden.

1.5 Was lässt uns eher auf Gewalt und Macht setzen statt auf Versöhnung und Frieden?

1.6 Paulus hatte dafür das beste Beispiel mit Rom vor Augen, wenn er diese Worte an die Gemeinde in Rom schrieb. Was war das Symbol für Rom, die Wiege auch unserer Zivilisation und Werte? Wir lesen und sehen es bei Cesar. De bello gallico. Teile und herrsche. Dafür braucht man ein Messer oder wenn es mehr ist auch ein Schwert. Cesar erlebte es selbst, wie eine Klinge ihn tötete. Wer das Schwert nimmt kommt durch das Schwert um, weissagte Jesus.

1.7 Paulus setzt einen anderen Lebensstil dagegen. Er weiß: Was im Alten Testament auf dem Papier steht, das hat Jesus im Neuen Testament ins Herz gestellt. Der neue Lebensstil der Christen. Lebendige Herzensweisheit, Feindesliebe eingeschlossen. Wenn dein Feind hungert, gib ihm zu essen. Wie können wir das als Christen leben?


2.1 Um das zu verstehen machen wir zunächst einige Überlegungen. Was ist ein Feind? Ein Feind ist jemand, der mir schadet. Um zu überleben benötige ich Schutz vor ihm. - Was ist Liebe? Liebe gibt dem anderen Zugriff auf mein Herz. Wer liebt ist verletzlich. - Wie kann ich jemandem Zugriff auf mein Herz geben, der mir schadet? Was ist mein Schutz, dass Liebe nicht zum Schaden wird?

2.2 Wir sehen, so geht es nicht. Bertold Brecht, Der gute Mensch von Sezuan, zeigt: Du kannst nicht gut sein und leben. Die Umstände geben das nicht her. Es geht nicht ohne den Dritten, ohne Gott.


3.1 Die Frage ist: Wie stark ist ER in mir? Wie groß ist mein Vertrauen? - Kann Gott mir helfen? - Ja. - Kann Gott mir jetzt helfen? - Ja. - Kann Gott mir jetzt gegen diesen Schaden helfen? - Ja. - Das sind die Fragen.

3.2 Die Feindesliebe ist eine Liebe ohne Sympathie. Sympathie geht nicht zum Feind. Sie ist eine Liebe aus dem Willen. Sie ist eine Liebe, die Gott gehorchen will. - Sie ist eine Liebe, die nur in großer Gottesliebe gelingt. Denn Liebe zu einem Störenfried geht nur in großer Gottesliebe. Liebe zu einem Gegner geht nur in Liebe zu Gott.


4.1 Wie sieht sie aus? Sie gibt dem anderen zu essen damit er nicht verhungert, schenkt ihm aber nicht den Eisschrank. Sie gibt dem Falschen eine Chance, gibt ihm aber nicht Recht. Sie würdigt den anderen, macht aber nicht Lüge zur Wahrheit. Sie schließt Unrecht aus, aber nicht die Liebe Gottes für den, der Unrecht tut.

4.2 Ohne Gottesliebe als Schatz geht das nicht. Nur in Seiner Liebe sind wir so reich, dass wir selbst einen Feind aushalten. In ihr werden wir warm, ohne sie werden wir arm. Und dann muss der Feind zahlen und daran glauben. -
Nur in großer Gottesliebe ist unser Schutz stärker als das Böse. Es will ja nur unser Herz angreifen, aufreißen, eindringen und mit Reaktionen erfüllen. Dann sind wir selbst Feind geworden und tragen das Übel in uns. Allein eine starke Gottesliebe ist eine feste Burg gegen diesen Feind in uns. - Ob Feindesliebe den Feind ändert, wissen wir nicht. Aber sicher ändert sie unser Herz.


5.1 Unsere Jahreslosung ist von dem Künstler Felger gemalt worden. Sein Bild zeigt eine Mauer. Mauern verschließen. Feindschaft mauert sich ein. Bleib mir weg, sonst gibt es was auf die Mütze. Mauern trennen. Sie laden nicht ein. Brauchen wir so viele Mauern, weil wir so viel Feindschaft fürchten?

5.2 Doch mitten in der Mauer leuchtet die Sonne. Sie strahlt nach oben, unten, links und rechts. Ein Kreuz. Es ist als ob die Mauer nicht mehr dicht ist. Sie glüht. - Feurige Kohlen sammeln. - Sie brennt ein Loch hinein. Noch ist sie nicht durch, doch ist die Wirkung schon enorm. Es gibt noch Mauern. Und doch sehen sie schon ganz schön anders aus: Hell leuchtend, einladend licht.

5.3 Stark in Gottes Liebe sein. Dann werden unsere Mauern hell und durchsichtig. Dann wird Feindschaft im Herzen besiegt.


6.1 Von dem l988 verstorbenen Dichter Erich Fried stammt ein Gedicht mit der Überschrift "Weltfremd":
Wer denkt, /
dass die Feindesliebe /
unpraktisch ist, /
der bedenkt nicht /
die praktischen /
Folgen /
der Folgen /
des Feindeshasses.

6.2 Eine chassidische Parabel verbindet mit Gut und Böse Licht und Finsternis, Tag und Nacht. Hören wir: "Ein alter Rabbi fragte einst seine Schüler, wie man die Stunde bestimmt, in der die Nacht endet und der Tag beginnt. - Ist es, wenn man von weitem einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann? fragte der Schüler. Nein, sagte der Rabbi. Ist es, wenn man von weitem einen Dattelbaum von einem Feigenbaum unterscheiden kann? fragte ein anderer. Nein, sagte der Rabbi. Aber was ist es dann? fragten die Schüler. - Da antwortete der Rabbi: Es ist dann, wenn du in das Gesicht irgendeines Menschen blicken kannst und deine Schwester und deinen Bruder siehst."

6.3 Zu diesem Lebensstil ruft unser Wort uns auf. Feindesliebe eingeschlossen.


Amen.


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Zuletzt geändert am 21.12.2010 von: (fp)