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2. Sonntag nach Epiphanias
von Prädikantin Gisela Johannes

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Prädikantin Gisela Johannes)

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Predigt am 16. Januar 2011

Mose will Gottes Herrlichkeit schauen

17 Der Herr erwiderte Mose: Auch das, was du jetzt verlangt hast, will ich tun; denn du hast nun einmal meine Gnade gefunden, und ich kenne dich mit Namen.
18 Dann sagte Mose: Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen!
19 Der Herr gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will.
20 Weiter sprach er: Du kannst mein Angesicht nicht sehen; denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben.
21 Dann sprach der Herr: Hier, diese Stelle da! Stell dich an diesen Felsen!
22 Wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, stelle ich dich in den Felsspalt und halte meine Hand über dich, bis ich vorüber bin.
23 Dann ziehe ich meine Hand zurück, und du wirst meinen Rücken sehen. Mein Angesicht aber kann niemand sehen.

2. Mose 33, 17b-23

Liebe Gemeinde!

was war Mose doch für ein mutiger und hartnäckiger Mensch! Er lässt nicht locker. Gerade hat Gott ihm zugesagt, dass Gott sein Volk Israel in das gelobte Land begleiten wird, da äußert er schon die nächste Bitte: "Lass mich deine Herrlichkeit sehen." Mose geht aufs Ganze. Er will erkennen mit wem er es zu tun hat.

Haben Sie schon mal gefragt: Gott, wer bist Du? Oder hat Sie schon jemand gefragt: Gott, wer ist das? Im Allgemeinen reden wir, wenn überhaupt, über Gott, aber nicht mit ihm. Das ist bei Mose anders. Gott ist für ihn eine reale Macht mit der er sich auseinandersetzt. Vielleicht möchte Mose Gott sehen, weil er für ihn das Wichtigste auf der Welt ist.

Diesen Wunsch Gott zu sehen gibt es bis heute. Sicherlich ist damit die Hoffnung verbunden, dass, wenn man Gott sehen könnte, alle Zweifel beseitigt wären und die Menschen glauben könnten. Aber ist das wirklich so? Wie oft stellen wir Gott unendlich viele Fragen nach dem "warum". Wie er den Tod eines lieben Menschen, eine schwere Krankheit, eine Naturkatastrophe zulassen konnte. Und wir erleben, dass Gott schweigt. Kann es sein, dass wir nicht aufmerksam hören können wenn Gott durch einen anderen Menschen leise zu uns spricht? Kann es sein, dass wir uns nicht auf ihn einlassen können? In diesen Situationen scheint uns Gott der Herr unendlich fern, von unserem Alltag losgelöst.

Auch Moses Bitte: "Lass mich deine Herrlichkeit sehen", wird zunächst nicht beantwortet. Stattdessen sagt Gott, dass er wie ein König in ganzer Pracht und Hoheit an Mose vorbeiziehen wird, und dass sein Name "der Herr" vor ihm ausgerufen wird. Dass ist ein machtvolles Bild bei dem man unwillkürlich an eine königliche Prozession denkt. Gott stellt sich mit seinem Namen vor, er ist "der Herr". Schon am brennenden Dornenbusch hat Gott seinen Namen preisgegeben, " ICH bin der ICH sein werde". Einen Namen der dem Volk Israel so heilig ist, dass die Menschen ihn bis heute nicht in den Mund nehmen. Im Hinblick auf seinen Namen ist Gott aber noch viel weiter gegangen. Wir kommen von Weihnachten her und wissen, dass Gott sich in Jesus Christus einen Namen gegeben hat: Jesus Menschensohn.

In unserem Text verbindet Gott mit seinem Namen Gnade und Erbarmen. Gott spricht davon, dass es in seiner freien Entscheidung liegt, wem er seine Gnade erweist und wem er sein Erbarmen schenkt. Für uns ist das schwer auszuhalten. Wir wollen unsere Umgebung, unsere Zukunft kontrollieren. Wir lieben Überraschungen nur wenn sie positiv sind. Leistung und Gegenleistung, das ist unsere Devise. Darauf lässt Gott sich nicht ein. Die Gnadenwahl steht ihm zu.


Gott geht nun schließlich doch auf Moses Bitte ein, aber begrenzt, so dass Mose nicht untergeht. Gottes Güte, Gottes Schönheit bekommt er soweit zu sehen wie es für ihn als Menschen möglich ist. Gott spricht: "Kein Mensch wird leben, der mich sieht." Das heißt im Umkehrschluss: wer Gott sieht, der ist tot. Da ist eine Linie, eine Grenze, und die ist klar und messerscharf gezogen. Gott ist so unvorstellbar groß und unbegreiflich, dass wir sterben wenn wir im gegenüberstehen.

Eine alte jüdische Legende schildert es so:
Vier Lehrer hatten die Unbegreiflichkeit Gottes schauen dürfen. Als sie in unsere Welt von Raum und Zeit zurückkehrten waren sie verstört. Der erste ging in sein Haus zitternd wie Espenlaub. Stumm stierte er gegen die Wand. Er verweigerte Speis und Trank. Sein Gesicht verfiel. Seine Augen erloschen. Der zweite warf sich zu Boden, weil alles in furchtbarer Gleichzeitigkeit auf ihn stürzte. Er hielt sich die Augen zu. Er schrie laut und schlug mit dem Kopf gegen die Wand. Es nutzte nicht, dass andere ihm zu Hilfe kamen. Er verfiel dem Wahnsinn. Der dritte sprach: Wir haben das Maßlose gesehen. Die Welt ist uns verwandelt. Was sind wir anders als ein Stück Sinnlosigkeit, vom großen Sinn abgesplittert. Was sind wir anders als ein Stück Vergänglichkeit, vom Ewigen abgebrochen? All unsere Lasten zu tragen ist nutzlos. All unsere Gesetze sind noch nicht einmal eine halbe Stufe aufwärts zum Göttlichen. Und er ging seiner Wege und warf sich den Sünden der Welt und der Verzweiflung des Unglaubens in die Arme. Auch der vierte Lehrer barg sein verstörtes Gesicht lange in den Händen. Dann sprach er: Wehe uns! Wie tot sind wir, gemessen am Lebendigen! Wie eng sind wir, gemessen am Unendlichen. Wie töricht sind wir, gemessen an der ewigen Weisheit. Aber Gottes Hand trägt uns. An uns ist es, uns demütig zu fügen und in dieser Welt zu wirken. Denn nicht nach unserem Erkennen werden wir gerichtet, sondern nach unserem Wollen und Wirken. Und der Rabbi ging zurück in seinen Beruf, Ewiges in den Formen der Erde zu lehren.

Gott ist unfassbar, Gott ist unsichtbar. Gott liebt uns und will uns Nähe schenken. Er gibt uns Menschen einen Raum der für uns da ist. Er sagt: hier auf dem Fels neben mir kannst du stehen. Ich habe einen Platz für dich, festen Grund unter deinen Füßen, direkt neben mir. Das ist unendlich verständnisvoll und fürsorglich.


Und Gott geht noch weiter. Er verspricht, wenn meine Herrlichkeit an dir vorüberzieht, stelle ich dich in einen Schutzraum und halte meine Hand behütend über dich. Gott will, dass wir leben.

Und Gott schenkt uns auch noch die Möglichkeit ihn zu erkennen, gibt einen bestimmten Blickwinkel auf ihn, Gott, frei. Er erlaubt, dass wir ihm nachsehen können. Das heißt: wir können über Gott "nachdenken", wir können Gottes Wege "nachzeichnen". Ich kann Gott also nur in dem erkennen was war, niemals in dem was ist oder wird. Erst wenn Gott vorübergegangen ist, kann ich seine Spuren sehen. Ich denke diese Erfahrung hat schon mancher von uns gemacht.


Moses ist Gott sehr nahe gekommen, so wie keiner vor ihm. Er durfte Gottes Herrlichkeit von einem Schutzraum aus erleben.

Nur Jesus Christus ist Gott am nächsten gekommen. Durch ihn ist auch uns zugesagt, dass wir eines Tages Gott schauen werden von Angesicht zu Angesicht.

So wie Mose mutig und hartnäckig mit Gott gesprochen hat, so mutig sollten auch wir diesem liebenden Gott vertrauen, und ihn darum bitten, dass auch wir ihn in unserem Leben erfahren dürfen.


Amen.



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Zuletzt geändert am 10.01.2011 von: (fp)