Deutschsprachiges Evangelisches Pfarramt an der Costa del Sol - online
Startseite

Grußwort

Gottesdienste

Predigten

Predigtplan

Gottesdienste
passiert...notiert...
und Fotos
Veranstaltungen
Wissenswertes
Kontakt und Anreise










 <>< Predigt zum
3. Sonntag nach Epiphanias
von Prädikantin Gisela Johannes

(Rückmeldung oder Frage an
Prädikantin Gisela Johannes)

pdf zum Ausdrucken

Predigt am 23. Januar 2011

und reiche dem Wunder leise die Hand

46 Jesus kam wieder nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser in Wein verwandelt hatte. In Kafarnaum lebte ein königlicher Beamter; dessen Sohn war krank.
47 Als er hörte, dass Jesus von Judäa nach Galiläa gekommen war, suchte er ihn auf und bat ihn, herabzukommen und seinen Sohn zu heilen; denn er lag im Sterben.
48 Da sagte Jesus zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht.
49 Der Beamte bat ihn: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt.
50 Jesus erwiderte ihm: Geh, dein Sohn lebt! Der Mann glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte, und machte sich auf den Weg.
51 Noch während er unterwegs war, kamen ihm seine Diener entgegen und sagten: Dein Junge lebt.
52 Da fragte er sie genau nach der Stunde, in der die Besserung eingetreten war. Sie antworteten: Gestern in der siebten Stunde ist das Fieber von ihm gewichen.
53 Da erkannte der Vater, dass es genau zu der Stunde war, als Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er wurde gläubig mit seinem ganzen Haus.
54 So tat Jesus sein zweites Zeichen, und zwar nachdem er von Judäa nach Galiläa gekommen war.

Johannes 4, 46-54

Liebe Gemeinde!

"und reiche dem Wunder leise die Hand", las ich vor kurzem. Wunder, heute, in einer Welt der Logik, der Rationalität mit dem Anspruch alles erklären zu können? Was soll da ein Wunder sein?

Ein Wunder ist zunächst einmal das worüber wir uns wundern, etwas, was wir nicht erwartet haben. Der heutige Predigttext erzählt uns von einem Wunder.

Erst einmal ist es wie bei den meisten Menschen, die einen Angehörigen oder einen lieben Freund haben, der schwer erkrankt ist und zu sterben droht. Da ist es ganz normal, dass man alle Möglichkeiten durchdenkt wie man Hilfe herbeiholen kann, damit das Kind doch noch gesund wird. Hilft die Schulmedizin nicht weiter, versucht man es mit alternativen Heilungsmethoden, und man greift nach jedem Strohhalm um den Tod abzuwenden.
Auch unser königlicher Beamter wird so vorgegangen sein. Er hatte sicherlich genug Geld, um einen Arzt und die Medizin zu bezahlen, die sein Kind hätte heilen können. Nichts hatte geholfen.
Aber da hatte er einen Tipp bekommen. Ob er schon einmal etwas von Jesus gehört habe? Er erinnert sich. Richtig, dieser Mann hatte neulich ein Wunder in Kana vollbracht, hatte dort auf einem Hochzeitsfest aus Wasser Wein gemacht. Ein Wunder. Ob er so eines auch an seinem Kind würde tun können? Unser Mann wird hellhörig. Ja, von diesem Jesus hatte er gehört. Auf dieses Hören hin, mit dem ganzen Mut der Verzweiflung eines liebenden Vaters, macht er sich auf den Weg zu ihm. Der Mann traut Jesus zu, dass er helfen kann, er sieht in ihm eine Art Arzt. Sicherlich glaubt er nicht, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Er sieht nur das Wunder, das Jesus in Kana getan hat, das Zeichen aber nicht die Person, die es bewirkt. Jesus ist für ihn die letzte Chance, sein Kind am Leben zu erhalten. So bittet er ihn, mit ihm nach Kapernaum zu kommen, damit er seinen Sohn heilt.

Es dauert ein wenig bis er eine Antwort erhält. Beim Lesen unseres Textes spürt man bei Jesus eine Art inneren Widerstand. Schließlich sagt er: "Ihr alle glaubt mir nur, wenn ihr Aufsehen erregende Wunder seht." Wir wissen nicht mit welchem Unterton Jesus diesen Satz gesagt hat, ob er resignierend, aufgebracht oder gar bitter klang.
Jesus hält uns den Spiegel hin. Wie steht es denn mit unserem Glauben? Sind wir nur bereit zu glauben, wenn Gott das tut was wir von ihm erbitten? Denken wir nicht manchmal: Gott, wenn du dieses oder jenes tust, mir in einer schwierigen Situation hilfst, dann bin ich bereit zu glauben, dass du Gott bist? Möchte ich, dass sich Gott mir beweist? Und wenn er das nicht tut? Verhandele ich mit ihm, bin ich enttäuscht, wende ich mich gar von ihm ab?
Wenn ich so denke, dann erscheint Gott als handlungsunfähig. Ich sehe ja nicht, dass er etwas tut.
Eines ist sicher. Gott existiert nicht nach meinen Bedingungen. Er ist derjenige, der den Menschen entgegenkommt, weil Er es will.

Der königliche Beamte verhandelt nicht mit Jesus. In seiner Not bittet er ihn noch einmal: "Herr, komm doch mit mir, bevor mein Kind stirbt." Nur dieses eine möchte er.
Jemand hat in einem solchen Zusammenhang einmal von diesem einen Wunsch als "Reinheit des Herzens" gesprochen. Die Lebenssituation dieses Mannes, sein todkrankes Kind und die Hoffnung, dass Jesus ihm helfen kann, hat ihn zu Jesus geführt. Seine berufliche Stellung, sein Vermögen, das alles nützt ihm nichts. Es gibt nur noch diese einzige Bitte in seinem Herzen: "Komm doch mit ".

Und Jesus ist bereit sich von seiner Not berühren zu lassen, sowie er sich immer unseren Nöten öffnet. "Geh ruhig heim, dein Sohn lebt", sagt Jesus zu ihm. Er sagt nicht: ich komme mit und mache deinen Sohn gesund. Aber er wendet sich ihm zu, spricht mit ihm. Er kommt diesem Vater entgegen, weil Er, Jesus, es will.

Und der königliche Beamte glaubt Jesus auf sein Wort hin. Er geht heim. Vielleicht zweifelte er. Aber er tut was ihm gesagt wurde.
Das ist der Dreh- und Angelpunkt in dieser Geschichte. Der Mann traut Jesus zu, dass er ihm helfen kann. Vertrauen und Hoffnung machen seinen Glauben an Jesus aus. Sicher kann er sich nicht sein ob sein Sohn gesund wird. Aber er vertraut darauf, dass der Weg, den er im Gehorsam eingeschlagen hat, richtig ist.
Sein Glaube bekommt eine Bestätigung. Diese tritt später ein, nachdem er sich in banger Erwartung auf den Heimweg gemacht hat. Seine Leute kommen ihm entgegen, um ihm mitzuteilen, dass sein Sohn lebt. Voller Freude und Staunen kann er feststellen, dass die Genesung seines Kindes in dem Augenblick eintrat, als Jesus ihn aufforderte heim zu gehen.
Gott kommt uns entgegen wo immer wir in unserem Leben stehen. Manchmal können wir auf dem Heimweg, in der Erinnerung, sehen wie er uns entgegengekommen ist. Andere Male geschieht es auf andere Weise.

Wundergeschichten, also Geschichten in denen etwas Außergewöhnliches, etwas Wunderbares erzählt wird, sind Glaubensgeschichten. Sie wollen nicht zeigen, was für wunderbare Kräfte Jesus hatte, sondern sie wollen zeigen, wie der Glaube eines Menschen stärker und fester gemacht wird - dadurch - dass Jesus eingreift.
Wer Zeichen fordert, um sich vom Glauben überzeugen zu lassen, der ist auf dem Holzweg, weil er sich zum Richter über Gott macht. Wer das tut fordert: Du Gott, musst mir beweisen, dass du Recht hast. Oder: du musst mir beweisen, dass es dich, Gott, gibt.
Wer glaubt vertraut darauf, dass Gott sich um uns kümmert, uns im Blick hat, und uns dort, wo wir in unserem Leben stehen, entgegenkommt. Diesen Glauben gilt es auszuprobieren, zu belasten und nicht zu schonen.

Wer mit den Augen des Glaubens sieht, kann die Spur Gottes in seinem Leben finden.
Darum gilt auch heute:

Reiche dem Wunder des Glaubens leise Deine Hand.

Amen.



Zur Startseite      Zum Anfang dieser Seite

Zuletzt geändert am 21.01.2011 von: (fp)