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4. Sonntag nach Epiphanias
von Prädikantin Gisela Johannes

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Prädikantin Gisela Johannes)

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Predigt am 30. Januar 2011

Gottes Sohn

22 Gleich darauf forderte er die Jünger auf, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken.
23 Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg.
24 Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind.
25 In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See.
26 Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst.
27 Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!
28 Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.
29 Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu.
30 Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich!
31 Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
32 Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind.
33 Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn.

Matthäus 14, 22-33

Liebe Gemeinde!

"Du bist wirklich Gottes Sohn". Dieses Bekenntnis der Jünger am Ende unserer Geschichte bündelt alles was sie erfahren, gesehen und erkannt haben. Ein Abglanz himmlischen Lichtes ist in ihr Herz gefallen, hat Staunen und Dankbarkeit hervorgerufen und die Gewissheit, dass Jesus Gottes Sohn ist.

Was für eine dramatische Geschichte ist dem vorausgegangen! Nach einem langen Tag möchte Jesus allein mit Gott sein und bittet seine Jünger, mit dem Boot ans andere Ufer des Sees Gennesaret vorauszufahren. Sie haben ein klar definiertes Ziel, aber der Weg erweist sich als schwierig. Massiver Gegenwind erschwert ihnen die Fahrt. Der See tobt und hohe Wellen bedrängen sie. Angst kommt hoch trotz ihrer Erfahrung als Fischer. Angst davor, dass etwas außer Kontrolle gerät. Sei es, dass die Wellen über ihnen zusammenschlagen, sei es dass das Boot voller Wasser läuft. Sie haben Angst, dass der Tod nur eine Welle entfernt ist.

In dieser Situation kommt Jesus auf dem Wasser zu ihnen.
Nun kann ich mir kaum vorstellen, dass man auf ruhigem Wasser gehen kann, geschweige denn auf hohen Wellen. Trotzdem kommt Jesus über das Wasser und steigert noch ihre Angst, weil sie ihn nicht erkennen sondern als Gespenst fürchten.
Anstatt die Jünger zu beruhigen, bittet er sie, mutig zu sein. Erst danach gibt er sich zu erkennen. "Ich bin´s", sagt Jesus. Im griechischen Text heißt das "ego eimi". Es ist derselbe Satz, den Gott benutzt als Moses ihn nach seinem Namen fragt. Und Jesus fügt hinzu: "Fürchtet euch nicht." An dieser Botschaft gegen die Angst erkennen die Jünger ihn. Und das gilt bis heute.

Was fangen wir damit an? Bemühen wir uns herauszufinden was dieser Geschichte für unser heutiges Leben bedeutet. Schauen wir auf Petrus und was ihm bei Jesus geschieht.

Petrus will auf Jesu Zusage hin gleich alles. Er sagt: Wenn du, Jesus, der "ich bin der ich bin" bist, dann befehle mir, zu dir zu kommen.
"Ich bin´s". Diese Offenbarung Jesu ist für Petrus die Gewissheit, dass Jesus der Herr der Welt ist und damit auch der Herr über diese Wellen.
Von Jesus hört Petrus nur ein Wort: "Komm". Ohne zu zögern lässt Petrus sich nun auf dieses Wasserabenteuer ein. Er tritt aus dem Boot in der Gewissheit, dass Jesus der Herr der Wellen ist, dass er sich im Vertrauen auf ihn auf dieses Wagnis einlassen kann. Das was ihn gerade noch so geängstigt hat, das kann er nun betreten. Er wagt sich heraus aus dem Boot, riskiert einen ganz unmöglichen, undenkbaren Schritt. Er macht die Erfahrung, dass ihn der Glaube für einen kleinen Moment trägt.
Dieses "Komm", das Petrus vernimmt, ist eine klare Ansage. Auf die Demonstration seiner übernatürlichen Kräfte kommt es Jesus bestimmt nicht an. Er will Petrus in Bewegung setzen.
Das könnte sich für jeden von uns verschieden anhören. So könnte Jesus uns zurufen: Komm, du Kind Gottes! Schau hin, ob dein Boot, deine schmale Sicherheit zu eng geworden ist. Ich brauche dich! In dieser Welt gibt es so viel Not, soviel was man verbessern kann. Du weißt darum.

Wer morgens die Zeitung aufschlägt liest über Terror und Gewalt, über Hungersnöte und Krankheiten. Ein Meer von Ängsten wartet in der Welt außerhalb unserer kleinen, vermeintlich sicheren Lebensinsel. Zögerlich werden wir Gott fragen: Ist es denn dort "draußen" sicher für uns, können wir uns wirklich hinauswagen?
Im Gebet, im Gespräch mit Gott erlangen wir Gewissheit: Nein, sicher ist nichts. Aber komm, lass uns gehen. Denn mit Jesus ist der in die Welt gekommen, der mit uns durch die Stürme und Fluten unseres Lebens gehen will. Gott ist gegenwärtig in unserem Leben. Rechnen wir damit? Es geht darum, dass wir Jesus inmitten unseres Alltags im Blick haben.

Das ist Petrus auch zunächst gelungen. Solange er Jesus vor Augen hat, an seine Stärke glaubt, solange ist er sicher. Aber dann verliert er diesen Blickkontakt zu Jesus. Er zweifelt, zögert, schaut auf die Wellen, das Meer der Angst. Und nun droht er ins Bodenlose zu fallen, im Meer der Ängste zu ertrinken.
Dieses Ertrinken kann vielfältig sein. Ertrinken in den eigenen, viel zu hohen Ansprüchen, im Pflichtgefühl, in der Gleichgültigkeit, im Gebrauchtwerden wollen, in Abhängigkeiten. Beispiele dafür gibt es ohne Ende.
Aber Petrus hat nicht verlernt zu schreien, im Gebet zu Gott zu rufen: Herr, sei mit mir, Christus erbarme dich!

Das sollten wir von Petrus lernen. Wir haben jemanden an den wir uns wenden können. Jesus können wir alle Sorgen und Ängste zurufen, anvertrauen. Wir entdecken, dass wir keine Helden des Glaubens sind. Aber wir wissen, dass Gott uns nicht fallen lässt. Jesus hält uns immer seine ausgestreckte Hand hin, die uns hält und die uns davor bewahrt unterzugehen. Wir müssen sie nur ergreifen. Wir sind Gott alle Mühe wert und fallen aus seiner Zuwendung und Fürsorge nie heraus.
Er bringt uns zurück in die Sicherheit, ins Boot, auch wenn um uns herum Chaos und Sturm ist. Aber mitten darin ist Jesus, der heilbringendes Leben für uns alle bereithält.
Vielleicht schaffen wir es, unsere Ängste nicht überhand werden zu lassen, uns aus unserer angeblichen Sicherheit hervor zu wagen wenn wir seinen Ruf hören: Komm!
Was werden wir antworten?

Schenke uns Gott die Erleuchtung, dass wir wie die Jünger sagen können: "Du bist wirklich Gottes Sohn".


Amen.



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Zuletzt geändert am 22.01.2011 von: (fp)