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Letzten Sonntag nach Epiphanias
von Prädikantin Gisela Johannes

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Prädikantin Gisela Johannes)

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Predigt am 13. Februar 2011

Gesucht wird eine Person

1 Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb.
2 Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht.
3 Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht?
4 Als der Herr sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich.
5 Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden. 6 Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.
7 Der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid.
8 Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.
9 Jetzt ist die laute Klage der Israeliten zu mir gedrungen, und ich habe auch gesehen, wie die Ägypter sie unterdrücken. 10 Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus!
11 Mose antwortete Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte? 12 Gott aber sagte: Ich bin mit dir; ich habe dich gesandt, und als Zeichen dafür soll dir dienen: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr Gott an diesem Berg verehren.
13 Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen?
14 Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der "Ich-bin-da". Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der "Ich-bin-da" hat mich zu euch gesandt.

2. Mose 3, 1-14

Liebe Gemeinde!

"Mit klaren Zielen in die Zukunft", so lautet die Überschrift einer Stellenanzeige. Gesucht wird eine Führungspersönlichkeit, die bereit ist, eine umfassende, unternehmerische Verantwortung zu tragen. Wer kommt dafür in Frage? - Wir alle sehen und hören es zurzeit täglich in den Nachrichten. In den Führungsetagen der deutschen Wirtschaftsunternehmen gibt es nur wenige Frauen. Es ist allen klar: da muss sich etwas ändern. Allein die Modalitäten werden kontrovers diskutiert.

Eine Führungsposition ist auch in unserem Predigttext zu vergeben. Mit unseren Marktstrukturen hat sie allerdings nichts zu tun. Eine Stellenausschreibung gibt es nicht, wohl aber einen konkreten Plan. Die Führungspersönlichkeit ist von Gott bereits ausgewählt. Aufgabenbereich und Anforderungsprofil sind klar umschrieben. Und der Kandidat ist sogar namentlich bekannt: ein gewisser Mose.

Warum Mose? Wir wissen es nicht. Den meisten von uns ist er seit Kindertagen immer mal wieder begegnet, sei es im Kindergottesdienst, in einer Kinderbibel oder auch auf Kirchenfenstern gemalt.

In unserem Text ist Mose gerade mit den Schafen seines Schwiegervaters Jethro auf verschiedenen Weideflächen unterwegs. Eines Tages treibt er die Tiere über das übliche Gebiet hinaus, unmittelbar an den Horeb, den Berg Gottes. Wir alle wissen, dass Mose als Prinz von Ägypten keine Schafe gehütet hat. Nachdem er aber im Affekt einen Ägypter erschlagen hatte, floh er in das Nachbarland Midian. Dort gründete er eine Familie und hütete seitdem die Schafe seines Schwiegervaters. Mose, der Flüchtling, verlässt also mit seinen Tieren vertrautes Territorium, wagt eine Grenzüberschreitung.
Dort, am Horeb, trifft er auf einen brennenden Dornenbusch. Feuer lodert aus diesem Busch, ohne dass der Busch verbrennt. So ein Dornenbusch ist sehr dicht gewachsen, so dass kein Vogel darin nisten kann. Man trifft sie zahlreich. Aber dieser dort leuchtet im Licht.
Neugierig geworden möchte Mose der Erscheinung auf den Grund gehen und macht sich auf den Weg. Doch er kommt nicht weit. Noch während er sich dem Busch nähert, vernimmt er seinen Namen. Täuscht er sich? Aber da hört er es noch einmal: Mose! - Ja, ich höre, antwortet er. Nun wird ihm gesagt, dass er nicht weitergehen soll, dass er sich die Schuhe ausziehen soll, weil er sich auf heiligem Boden befinde. Ein heiliger Ort, was ist das? Warum wird Mose auf Distanz gehalten?
Das wird ihm spätestens dann klar, als der Sprechende sich zu erkennen gibt: "Ich bin Gott, der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs." Eine lange, gemeinsame Geschichte verbindet Mose mit Gott, die Geschichte seiner Familie, seines Volkes, eine altbewährte Erfahrung. Als Gott ihn anruft: "Mose, Mose", in diesem Augenblick erkennt Mose, dass Gott nicht nur ein Wort vom Hörensagen ist, sondern, dass er, Mose, persönlich gemeint ist. Mose verhüllt sein Angesicht vor Angst. Er möchte Gott nicht sehen, ihm nicht direkt begegnen. Er versteckt sein Gesicht in seiner Kleidung. Aber dadurch verschwindet Gott nicht, sondern er erklärt sich Mose in drei Schritten.
1. Ich habe gesehen, dass es meinem Volk in Ägypten schlecht geht.
2. Ich habe gehört, dass es um Hilfe ruft.
3. Ich weiß um das Elend meiner Menschen.

Oft verstehen wir nicht warum Gott zwar sieht, hört und weiß, aber nicht handelt und eingreift wo wir meinen, dass es dringend erforderlich sei. Treffen uns harte Schicksalsschläge, Naturkatastrophen oder andere schreckliche Ereignisse, bekommen wir auf unsere hilflose Frage nach dem "warum" keine Antwort.
Aber hier, am Berg Horeb, hat Gott beschlossen zu handeln, sein Volk zu befreien. Er sagt, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, wo er die Unterdrückung seines Volkes nicht mehr hinnehmen will. Dafür hat er einen Plan. Das Volk soll aus Ägypten geführt werden in ein bestimmtes, gutes fruchtbares Land.

Gott ruft zum Aufbruch. Und er bestimmt den Anführer des Exodus, Mose. Er, Gott, hat Mose dafür auserwählt. Gott beruft. Er tut dies, obwohl Mose einen Fehler gemacht hatte. Gott braucht keine Idealbesetzung für seine Führungsrollen. Diese Stelle bekommt Mose, weil Gott es so will.

Aber Mose sieht sich nicht als Führer seines Volkes. Er widersetzt sich. Er hat Einwände. Er fühlt sich Gottes Auftrag nicht gewachsen. In Ägypten hat er einen Menschen getötet. Nun soll er dahin zurück? Es ist beeindruckend wie Gott und Mose miteinander sprechen, von gleich zu gleich. Sie hören einander zu wie Partner in einem Gespräch. Sie gehen wechselseitig aufeinander ein.
Aber Gott lässt sich nichts abhandeln. Er bleibt fest in seinem Plan. Auch wendet er sich nicht von Mose ab, weil dieser zu feige oder zu ängstlich ist. Gott verspricht ihm vielmehr: Ich werde dir beistehen. Er sagt nicht wie. Aber er versichert Mose, dass er diesen Gott gewollten Weg nicht alleine gehen wird, sondern mit Gott an seiner Seite.
Gott ist diesen großen Schritt auf Mose zugegangen. Je mehr Mose Gott vertraut, desto freier wird er. Schließlich ist er dazu bereit, sich in Gottes Dienst zu stellen.

Mose ahnt, dass es nicht einfach sein wird, das Volk Israel zum Aufbruch aus Ägypten zu überzeugen. Er bittet Gott um etwas Elementares, er bittet ihn um seinen Namen. Und der Namenlose gibt seinen Namen preis. Und Gott spricht: Ich werde sein, der ich sein werde.
Der Name ist das Geheimnis. Der Name steht für sein Wesen. Das bedeutet: Gott ist Da-sein, Gott ist Wirksam sein, Gott ist Mit-sein, Gott ist Für-sein, Gott ist Für uns sein. Mit diesem Geheimnis Gottes leben wir. In sein Geheimnis können wir nicht vordringen, denn Gott ist nicht fassbar. Dass wir diesen Abstand zu Gott achten ist unsererseits ein Akt der Treue zu Gott. Was uns jetzt noch verborgen ist, werden wir am Ende schauen von Angesicht zu Angesicht.

Auch heute spricht Gott zu uns: Ich werde sein, der ich sein werde.
Auch heute ruft Gott Menschen, die er für seinen Dienst auswählt. Vielleicht ist das keine ganz so spektakuläre Führungsrolle wie er sie für Mose vorgesehen hatte. Vielleicht möchte er, dass wir dazu beitragen, wie Menschen in Gott wahre und bleibende Freiheit für ihr Lebens finden, heute und in Ewigkeit.
Wozu er auch ruft: Unter seinem Auftrag wirken ist ganz anders und vielleicht vielmehr als manche hochdotierte Führungsrolle welcher Art auch immer.


Amen.



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Zuletzt geändert am 22.01.2011 von: (fp)