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 <>< Predigt zu Sexagesimae
von Prädikantin Gisela Johannes

(Rückmeldung oder Frage an
Prädikantin Gisela Johannes)

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Predigt am 27. Februar 2011

Same der Gottesgewissheit

26 Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;
27 dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie.
28 Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.
29 Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.

Markus 4, 26-29

Liebe Gemeinde!

lese ich diese Textstelle, so steht augenblicklich das sonnendurchflutete Gemälde vom "Sämann mit untergehender Sonne" von Vincent van Gogh vor meinem inneren Auge. Wenn ich mich recht erinnere, schmückte es in meiner Jugend viele Konfirmationsurkunden. Da schreitet ein Sämann energisch über den gepflügten Acker. Mit der einen Hand hält er das Saatgut, das sich in seiner Schürze befindet, fest an seinen Körper gepresst. Mit der anderen Hand wirft er den Samen schwungvoll aufs Land. Warm leuchtet die untergehende Sonne im Rücken des Sämanns auf. Die Sonne und der Sämann sind ein Bild von Werden und Wachsen. Seit Jahrtausenden bestimmt es unser Leben.

Auch Jesus benutzt dieses vertraute Bild, um den Zuhörer in einem Gleichnis vom Reich Gottes zu erzählen. Zurzeit Jesu ging man davon aus, dass Gottes neue Welt sehr bald kommen würde. Vielleicht waren manche Jünger ungeduldig geworden, und hatten Jesus gefragt, wie das aussehen könne, und wann es soweit wäre. Und Jesus setzt das "Warten" gegen die Ungeduld. Er erzählt das Gleichnis von der selbst wachsenden Saat.

Das Reich Gottes, Gottes neue Welt, das ist ein Leben unter seiner Herrschaft. In Jesus Christus hat es Gesicht und Gestalt gewonnen. Dieses Reich ist ganz anders als unsere Herrschaftsvorstellungen. Wer herrschen will muss dienen, und wer der erste sein will, muss sich hinten anstellen.
Und vor allem muss der Mensch Geduld haben, denn es ist Gottes Plan mit uns. Wir sind der Boden, "das Land", auf den der Sämann seinen Samen auswirft.
Wir alle wissen, dass so ein Boden vorbereitet sein muss. Damals war es in mühevoller Handarbeit mit der Hacke, heute brechen schwere Maschinen die Erde auf. Aber immer öffnet sich etwas.

Sind wir offen für Gottes Wort? Sind wir bereit zu hören, das Wort wirken zu lassen?
Mit unserer Taufe ist der Same in unser Leben gekommen. Gott ist der Sämann, der großzügig und schwungvoll seinen Samen auswirft. Der Sämann, der Bauer in unserem Bild, hat Vertrauen und Geduld. Er bringt seine Saat aus, mehr kann er nicht tun. Im Gleichnis heißt es, das er nach getaner Arbeit sein Leben gelassen lebt, er schläft, er steht auf, und überlässt den Acker sich selbst.
Wir alle kennen so ein Leben von der Erziehung unserer Kinder her. Wir können fördern, Möglichkeiten eröffnen, ihnen Liebe schenken, ihnen Werte und Gedanken vermitteln. Auf den Verlauf ihres Lebens haben wir keinen Einfluss. In einem Tauflied heißt es: "Kind, du bist uns anvertraut. Wozu werden wir dich bringen? Wenn du deine Wege gehst, wessen Lieder wirst du singen?" Wir können nur vertrauen. Das Wachsen und Gedeihen folgt eigenen Regeln.

Und der Same geht auf, heißt es in unserem Predigtwort.
Was für ein Samen ist das? Für mich ist es die Zuversicht, dass Gott in meinem Leben gegenwärtig ist. Der Same der Gottesgewissheit ist in mir angelegt und wächst langsam wie das Korn auf dem Feld. Ich gewinne Vertrauen in Gott. Immer wieder spüre ich, dass Gott sich mit mir beschäftigt. Wie viel Bewahrung ist mir in vielen gefährlichen Situationen zuteilgeworden, wie viel Schönes durfte ich sehen, denken erleben. Das war kein Zufall, sondern Zuwendung und Geschenk ohne mein Zutun, einfach so. Der Same der Gottesgewissheit fällt uns in Form von Gottes Wort zu. Bei Jesaja (55, 10-11) wird es so beschrieben, dass das Wort vom Himmel in unsere Herzen fällt. Dort kann es wachsen zu dem, was Gott mit uns vorhat.

Samen wächst und bringt Frucht. Zuerst den Halm, dann die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. Uns Menschen, die immer wieder Bilder brauchen um zu verstehen, leuchtet das ein. Das ist vertrautes Gelände, das wir aus unseren Spaziergängen auf dem Land aus eigener Anschauung kennen.
Es wäre schön, wenn wir uns mit unserem Gottvertrauen auch so stehen "lassen" könnten, uns nicht ständig in Frage stellen. Wir meinen immer, dass wir nicht genug Vertrauen besitzen, nicht großzügig genug, zu unbedeutend oder nicht klug genug sind. Nein, so ist der in uns von Gott gelegte Samen nicht gemeint. Jesus sagt: Sorge dich nicht. Die gute Saat der Gerechtigkeit, der Liebe, der Hoffnung, der Geduld und des Verstehens ist in dein Herz gelegt. Die Zeit der Reife wird es wachsen lassen. Die Früchte werden da sein bei jedem einzelnen, nach seiner eigenen Art. So will es Gott. Es ist sinnlos, immer wieder wie beim Radieschen im Gemüsebeet nachzuschauen, ob es schon Frucht gebracht hat. Gott hält unser Wachsen in seinen Händen.

Und eines Tages ist der Zeitpunkt der Ernte gekommen.
Wenn ich noch einmal auf das eingangs beschriebene Bild von Vincent van Gogh zurückkomme, sehe ich im Rücken des Sämanns ein goldgelbes, reifes Weizenfeld. Dort im Sonnenlicht steht es als ein Bild für ein gelungenes Wachstum.
Wie das Wachsen wird uns auch die Ernte geschenkt. Voller Dankbarkeit loben wir Gott. In einem Lied heißt es: "Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt, ihm dankt, und hofft auf ihn." Danken wir also!


Amen.



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Zuletzt geändert am 01.03.2011 von: (fp)