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 <>< Predigt zu Invokavit
von Prädikantin Gisela Johannes

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Prädikantin Gisela Johannes)

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Predigt am 13. März 2011

Sündenfall

1 Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? 2 Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; 3 nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen, und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben. 4 Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. 5 Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. 6 Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß. 7 Da gingen beiden die Augen auf, und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz. 8 Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten hörten, versteckten sich Adam und seine Frau vor Gott, dem Herrn, unter den Bäumen des Gartens. 9 Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du? 10 Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. 11 Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe? 12 Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben, und so habe ich gegessen. 13 Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt, und so habe ich gegessen. 14 Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. 15 Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse. 16 Zur Frau sprach er: Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. Unter Schmerzen gebierst du Kinder. Du hast Verlangen nach deinem Mann; er aber wird über dich herrschen. 17 Zu Adam sprach er: Weil du auf deine Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem zu essen ich dir verboten hatte: So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen. Unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens. 18 Dornen und Disteln lässt er dir wachsen, und die Pflanzen des Feldes musst du essen. 19 Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück.

1. Mose 3, 1-19

Liebe Gemeinde!

ach ja, "der Sündenfall", ein Stichwort, das uns locker über die Lippen geht. Wer weiß von uns nicht, was damit gemeint ist? Gott, Adam, Eva und die Schlange, die Positionen sind uns seit Kindheit geläufig. Da lief offensichtlich etwas schief. Und seitdem ist es so, wir befinden uns jenseits von Eden. Wie kam es dazu, dass durch das Übertreten von Gottes Gebot die menschliche Geschichte zu einer Abfolge von Katastrophen wurde? Lassen Sie uns genauer hinschauen.

"Sollte Gott gesagt haben?" So beginnt der Dialog zwischen der Schlange und der Frau, die Adam später Eva nennt. Beginnt so das "Böse"?
Vielleicht mit dem Gespräch darüber, ob das Gute wirklich gut ist, und wenn ja, ob es nicht noch zu verbessern wäre? Eine Atmosphäre der Zweideutigkeit wird geschaffen. Habe ich richtig verstanden? Halbwahrheiten kommen ins Spiel. Zweifel werden in die Gedanken der Frau gestreut. Wir Menschen werden in so einer Situation misstrauisch und unruhig. Wir beginnen etwas anderes, mehr zu wollen als das, was wir bisher als ausreichend und richtig erkannt haben. "Etwas" kommt ins Spiel, das etwas zerstört in uns Menschen. Ein Wesen, das Gott und seine Ordnung hasste, und den Menschen in diesen Hass mit hineinziehen wollte. Dieses "etwas" wird im Buch Genesis nicht benannt. Erst in Matthäus (4, 8ff) ist vom Teufel die Rede, der Jesus versucht. Hier treffen wir auf die Schlange, die Eva ins Gespräch verwickelt. Sie wird als Bild für den Versucher benutzt. Gott wird verdächtigt, etwas ganz anderes im Kopfgehabt zu haben, als er das Verbot ausgab, nicht von einem bestimmten Baum zu essen.

Eva ist zunächst einmal in ihrer Antwort ganz ohne Hintergedanken. Sie verteidigt Gott, indem sie sachlich über Gottes Gebot spricht. Sie weiß, dass der Ungehorsam schon beim Berühren beginnt. Die Schlange hält dagegen, dass sie Gott besser kenne. Sie behauptet, auch wenn man von diesem verbotenen Baum esse, werde man nicht sterben. Sie bezichtigt Gott der Missgunst, ja sogar gelogen zu haben. Mächtiger und klüger werde der Mensch werden, denn er könne zu der Erkenntnis kommen, was gut und böse ist.

Durch den Zweifel, der nun aufkommt, wird Gott in eine falsche Position gebracht. Gott hat seinen Menschen heilsame Grenzen gesetzt, um sie zu schützen. Und nun soll das auf einmal anders sein?

Langsam entfremdet sich der Mensch von Gott. Er steht in der Gefahr sich zu vergreifen. Er will an etwas teilhaben, was allein Gott zusteht. Wie Gott- sein-wollen. Das ist Hochmut, Überheblichkeit, ist Sünde. Der Griff nach den Sternen ist Größenwahn. Es ist ein Streben ohne Grenzen.
Wir erleben das in der Wissenschaft, wir können klonen und Gene manipulieren. Der Mensch greift tief in die Schöpfung ein, will selbst zum Schöpfer werden.
Nachfrage und Profitdenken sind die Versuchung in unserem Alltag. Kann und will der Mensch noch unterscheiden, was "gut" und was "böse" ist?
Ich denke, dass wir das grundsätzlich können. Aber umgehen können wir mit dieser Erkenntnis nicht. Der Mensch sollte nicht alles tun, was er kann. Ein Tun ohne Verantwortung ist maßlos. Die Orientierung an Gott und die Bewahrung seiner Schöpfung sollte der Maßstab menschlichen Handelns sein. Forschen und Wissenserweiterung sind an sich nichts Schlechtes und werden weiter betrieben werden. Ob sie zum Segen oder Fluch für die Menschheit werden, darüber entscheidet der Mensch. Die Erkenntnis von "gut" und "böse" im biblischen Sinn bedeutet Allwissenheit und Allmacht. Diese steht nur Gott allein zu. Die Schlange stellt uns in Aussicht, dass der Mensch selbst darüber entscheidet was für ihn gut oder schlecht ist. Der Mensch steht in Gefahr sich aus Gottes Fürsorge zu lösen.

Wie schaut es in unserem Text aus mit der Loslösung? Völlig unspektakulär wird darüber berichtet. Von Gewissenskonflikten oder abwägenden Gedanken ist keine Rede. Blitzschnell geht das. Eva sieht sich den Baum an. Er gefällt ihr und die damit verbundenen Möglichkeiten auch. Sie nimmt sich davon und gibt auch an Adam, ihren Mann, etwas weiter. Beide essen von der verbotenen Frucht. Es ist leicht, Gottes Gebot zu übertreten. Die Geschichte menschlicher Katastrophen beginnt.

Und Eva und Adam, hat ihnen dieser Vertrauensbruch die erwünschte Wissenserweiterung gebracht? Gottgleich sind sie nicht geworden. Nackt sind sie, ganz gewöhnliche Menschen. Die Unbefangenheit untereinander ist auch nicht mehr da. Sie schämen und bedecken sich.

Aber Gott, der Allwissende forscht nach ihnen. "Adam wo bist du?" Gott zieht den Menschen zur Rechenschaft. Und Adam antwortet mit Angst. Vor Gott kann man sich nicht verstecken. Auch wenn "ich die Flügel der Morgenröte nähme und bliebe am äußersten Meer" immer bist du da (Psalm 139,9).
Das Gespräch, das sich zwischen Gott und ihm entwickelt, erinnert an eine richterliche Vernehmung. Adam weicht in Schuldzuweisungen aus. Eva habe ihn verführt. Indirekt bezichtigt er Gott einer Mitschuld, denn er habe ihm Eva ja schließlich zur Frau gegeben. Er spielt sich zum Richter auf und macht Gott zum Angeklagten. In wechselseitiger Schuldzuweisung kündigen Adam und Eva ihre zwischenmenschliche Solidarität auf. Fehler werden nicht eingeräumt.

Diese Flucht in Ausreden erinnert an das diesjährige Thema der Fastenaktion "7 Wochen ohne" der Evangelischen Kirche in Deutschland. "Ich war`s", dieser kleine Satz, das Bekenntnis zu den eigenen Fehlern, fällt uns schwer. Wir erleben es in unserem Alltag immer wieder, dass wir schnell bereit sind, einen Dritten zum Sündenbock zu machen. Das eigene Selbstbild soll möglichst nicht beschädigt werden. Alle reden von der Verantwortung, die jemand übernehmen soll. Gemeint sind dabei meistens die anderen. Man kann aber lernen, zu den eigenen Fehlern zu stehen. Wir wissen uns durch Gott in Gnaden angenommen.

Das Paradies ging uns Menschen verloren. Aber Gott geht seinen Weg mit uns weiter, von Adam zu Christus. Unser Predigttext steht am Anfang und nicht am Ende der Bibel. In Christus wurde Gott Mensch, uns voller Liebe und Vergebung zugewandt. Ihm können wir unsere Schuld, unser Versagen anvertrauen. Nichts kann uns von seiner Liebe trennen.


Amen.



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Zuletzt geändert am 01.03.2011 von: (fp)