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 <>< Predigt zu Reminiszere
von Prädikantin Gisela Johannes

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Prädikantin Gisela Johannes)

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Predigt am 20. März 2011

Zeichen verweigert

38 Zu dieser Zeit sagten einige Schriftgelehrte und Pharisäer zu ihm: Meister, wir möchten von dir ein Zeichen sehen. 39 Er antwortete ihnen: Diese böse und treulose Generation fordert ein Zeichen, aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Propheten Jona. 40 Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Innern der Erde sein. 41 Die Männer von Ninive werden beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie haben sich nach der Predigt des Jona bekehrt. Hier aber ist einer, der mehr ist als Jona. 42 Die Königin des Südens wird beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Hier aber ist einer, der mehr ist als Salomo.

Matthäus 12, 38-42

Liebe Gemeinde!

der Ton ist rau. Es klingt nach Provokation, als die Pharisäer und Schriftgelehrten von Jesus ein Wunder, einen Beweis, einfordern. Der soll ihnen zeigen, dass Jesus von Gott beauftragt ist.

Aber ist es nicht verständlich, dass seine Gegner ihn danach fragen? Da behauptet einer, er sei Gottes Sohn. Und sie sollen ihm das glauben? Schon manches haben sie von ihm gehört, schon manches mit ihm erlebt. Für sie ist das, was Jesus sagt und tut, anmaßend, dicht an der Gotteslästerung und unakzeptabel. Er gibt vor, im Namen Gottes zu handeln. Er predigt, vergibt Sünden und tut Wunder. Vieles verstehen sie nicht. Jesus ist anders. So hat bisher noch niemand mit ihnen über Gott gesprochen. Sie sind verunsichert und fühlen sich herausgefordert. Verwundert es da, dass sie ein Zeichen von Jesus fordern?

Und wie steht es mit uns heute? Haben wir nicht so manches Mal gedacht: "Gott, wenn ich das oder jenes erleben könnte, dann würde ich richtig glauben und nicht mehr zweifeln?" Meinen wir nicht auch manchmal, dass sich unser Glaube irgendwie "lohnen" müsste?

Wir Menschen lieben Zeichen. Unsere Welt ist voll davon. Da tragen Eheleute einen Ring am Finger als Zeichen dafür, dass sie sich an einen Menschen gebunden haben, in der Hoffnung, dass diese Beziehung ein Leben lang hält. Da fährt jemand mit dem Zeichen des Fischs am Auto vor mir im Straßenverkehr. Da weiß ich gleich: der ist Christ und vertraut auf Gott. Wieder andere tragen ein bestimmtes Freundschaftsarmband als Zeichen ihrer Verbundenheit. Zeichen können für etwas stehen, was wichtig ist im Leben. Für etwas, was wir nicht machen können, für etwas, was nicht in unserer Hand steht. Damit meine ich auch die Kraft des Glaubens, Liebe und Treue, oder das Gute, oder Freundschaft. Das sind Dinge, die wir nicht sehen oder gar erklären können, auf die wir aber dringend angewiesen sind.

Die Gesetzeslehrer und Pharisäer verlangen ein Zeichen zu ihrer Absicherung. Dabei hätten sie, die sich so gut mit den Texten der Schrift auskennen, es eigentlich besser wissen müssen. Denn für Glaube und Vertrauen gibt es keine Sicherheiten. Man kann Glauben nur erleben, wenn man sich darauf einlässt. Denken Sie z.B. an eine Liebesbeziehung. Können Sie sich vorstellen, dass Sie denjenigen, den Sie lieben, auffordern: "Beweise mir, dass du mich lieb hast?" Was sollte der Mensch Ihrer Meinung nach tun? Sie küssen? Auch ein Kuss ist kein Beweis. Er ist ein Symbol, ein Zeichen der Zuneigung. Liebe lässt sich nur erleben, aber nicht beweisen. Hier geht es um Glauben, um Vertrauen, etwas dass man in sich trägt.

Und Jesus, der sonst so liebevoll mit den Menschen umgeht, reagiert ungewöhnlich schroff auf die Forderung seiner Gegner. In seiner Wortwahl ist er nicht zimperlich. Er attestiert ihnen, dass sie böse und abtrünnig seien. Einen Beweis lehnt er rundheraus ab. Aber zugleich macht Jesus ihnen ein Zugeständnis.

Er verweist sie auf den Propheten Jona und das Wunder, das mit ihm geschah. Ein Zeichen gibt es also schon, nachzulesen im Buch Jona.

Jona und der Fisch. Viele von uns kennen diese Geschichte. Im Auftrag Gottes sollte Jona zu den Einwohnern von Ninive gehen. Deren Bosheit schrie zum Himmel. Jona sollte zu ihnen gehen und ihnen Gottes Strafgericht ankündigen. Aber Jona will nicht. Er macht sich auf den Weg nach Spanien. Dort ist er aber nie angekommen, weil ihn unterwegs ein Fisch verschluckt hat. Nach drei Tagen wird er lebendig wieder ausgespuckt. Nun ist er bereit nach Ninive zu gehen, einer großen Stadt im assyrischen Reich. Das Land und die Stadt befanden sich in einer Krisensituation. Die angrenzenden Länder warteten nur auf den totalen Niedergang von Ninive. Die Menschen, die dort lebten, wussten nichts von Gott, kannten seine Gebote nicht. Jona nahm seinen ganzen Mut zusammen und predigte Gottes Wort. Das Wunder wurde Wirklichkeit. Die Bürger von Ninive nutzten ihre Chance. Sie taten Buße, sie orientierten sich neu. Sie vertrauten auf Gott und seinen Boten Jona.
Nach einem Zeichen fragten sie nicht. Gott lässt diese Menschen nicht fallen, er spricht mit ihnen. Darum weist Jesus auf die Bewohner von Ninive hin.

Und noch ein Zeichen gibt es seit langer Zeit. Auch darauf verweist Jesus. Die Königin von Saba, die sich auf den Weg zu König Salomo macht. Diese Frau kommt aus einer ganz anderen Lebenssituation als die Menschen in Ninive. Als Königin auf dem Höhepunkt ihrer Macht hört sie von König Salomo in Jerusalem. Sein legendärer Ruf als weiser Herrscher, der sein Land klug und besonnen regiert, ist bis zur Königin des Südens vorgedrungen. So begibt sie sich auf die beschwerliche Reise, um diesen Mann kennenzulernen, um ihn zu testen. Sie verlangt keine Zeichen, keine Sicherheiten. Vertrauensvoll macht sie sich auf den Weg. Auch ihr war, genau wie den Einwohnern von Ninive, der biblische Gott unbekannt. Hinter Salomos Weisheit entdeckt sie Gottes Liebe und preist ihn dafür.
Auch die Königin von Saba orientiert sich neu.

Die Menschen von Ninive und die Königin von Saba brauchen keine Zeichen. Vertrauensvoll lassen sie sich auf Gott ein.

Mit diesen beiden Hinweisen weist Jesus auf sich selber hin.
Die Zeichen Seines Wirkens sind sein Sterben und seine Auferstehung. Drei Tage wird er wie Jona in der Tiefe verborgen sein. Das Kreuz ist dafür Zeichen. Es ist Symbol größter Erniedrigung und größter Liebe. Jesus Christus, dem auferstandenen Herrn, dürfen wir glauben - wie damals die Menschen in Ninive Jona -, dass Gott uns liebt und uns in Jesus Christus von aller Schuld frei macht.
Und Jesus weist auf Sabas Weisheit hin. Sie entdeckte als Fremde bei Salomo die Liebe Gottes. Wie viel mehr ließe Gottes Liebe sich in den Worten und Taten Jesu entdecken.

Glauben heißt vertrauen und nicht beweisen. Darum bleibt der Glaube immer ein Wagnis. Kein Zeichen kann uns dieses Wagnis abnehmen. Verlangen wir von Gott, dass er sich ständig beweisen soll, so ist das kein Glaube mehr.
Zeichen können den Glauben nicht ersetzen, aber sie können ihn stärken. Das Kreuz ist für uns das größte Zeichen. Jesu Worte und Taten sind weise Zeugnisse. Sie erinnern uns an Gottes große Liebe zu seinen Menschen.

Jesus hat dem ungläubigen Thomas erlaubt, seine Hand in seine Wundmale zu legen. Damit wollte er ihm sagen: Schau hin Thomas, vergewissere dich, glaube an mich.


Amen.



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Zuletzt geändert am 01.03.2011 von: (fp)