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von Prädikantin Gisela Johannes

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Prädikantin Gisela Johannes)

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Predigt am 27. März 2011

Wahres Opfer

41 Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel.
42 Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein.
43 Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. 44 Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.

Markus 12, 41-44

Liebe Gemeinde,

und Jesus " sah zu" heißt es in unserem Predigttext. Er ist ganz gegenwärtig, konzentriert und schaut sehr bewusst hin. Schaut hin auf was?

Nie werde ich eine Begegnung in der Berliner S-Bahn vergessen. Sie liegt schon eine paar Jahre zurück. Unser Zug hatte gerade den S-Bahnhof verlassen, als einer der vielen Obdachlosen uns um Kauf seiner Zeitung oder um ein paar Cent bat. Da das sehr häufig vorkommt, beachtete ihn niemand, schenkte ihm keiner seine Aufmerksamkeit. Verzweifelt rief er schließlich in den Waggon: "Wenn Sie mich doch wenigstens ansehen und ‚Nein' sagen würden. Ich bin doch auch ein Mensch."

Jesus schaut hin. Genau gegenüber dem Gotteskasten sitzt er und schaut. Schaut auf was? Er sieht die Menschen an, die Geld in den 13. Opferstock, den Gotteskasten, legen. Dieser steht mit 12 weiteren im Vorhof des Tempels. Dort im inneren Tempelbereich, direkt vor den Vorratsräumen für Wein, Brandopferholz und Öl, standen diese dreizehn Opferstöcke. Sie hatten die Form von Posaunen, waren also oben eng und unten weit, um Diebstähle zu verhindern. Ähnlich wie unsere zweckgebundenen Kollekten hatten die ersten zwölf Opferstöcke eine feste Zweckbestimmung. Aber der dreizehnte Opferstock war für freiwillige, ganz persönliche Gaben bestimmt. Priester standen dort, und fragten die Spender, wofür sie dieses geben wollten. Sie überprüften die Höhe der Beträge. Diese wurden dann laut ausgerufen.
Jesus beobachtet, wie so mancher Reicher viel Geld in den Gotteskasten einlegt. Das machte wahrscheinlich nur einen Bruchteil seines Vermögens aus. Aber es war großzügig gemeint. Und schließlich kommt sie, diese Frau, von der unser Text als Witwe spricht. Sie legt zwei kleine Kupfermünzen ein. Das ist eine außerordentliche Gabe, denn diese Frau gibt damit ihr all ihr Geld für diesen Tag aus der Hand.
Bisher hat Jesus das Geschehen am Gotteskasten kommentarlos mitverfolgt. Aber nun ruft er seine Jünger herbei und macht sie darauf aufmerksam, was hier am Opferstock vorgeht. Da sind zum einen die Wohlhabenden und Reichen, denen es nicht wirklich wehtut, wenn sie großzügig spenden. Und zum anderen ist da diese arme Frau, die alles gibt was sie besitzt, und damit für ihre Verhältnisse unendlich viel mehr in den Kasten einlegt als alle vor ihr. Wohlgemerkt, Jesus rühmt nicht die großzügigen Spenden der Reichen dieser Welt, so wie wir es gerne in den Spendenmarathons tun.
Er übergeht nicht den geringen Geldbetrag der Witwe. Er wertet sie nicht ab.

Und nun - werden sich manche von uns betroffen fragen, was heißt das für uns? Was würde Jesus uns sagen?
Diese Frau, die den Ernährer verloren und mit Sicherheit keinen Rentenanspruch hat, gibt ihren Lebensunterhalt für einen ganzen Tag weg. Vielleicht arbeitet sie noch als Tagelöhnerin. Es ist also gar nicht sicher, dass sie jeden Tag ihr tägliches Brot verdient. Sie lebt unter unsicheren Existenzbedingungen.
Aber diese Frau gibt alles weg, hat offensichtlich nichts zu verlieren. Sie lässt los.

Uns erscheint so ein Handeln unvernünftig. Es kann doch nicht sinnvoll sein, dass jemand sein ganzes Geld verschenkt, um dann selbst als Bettler dazustehen. Ist das nicht naiv? Wäre es nicht gescheiter gewesen, wenn sie schon etwas geben will, die Hälfte zurück zu behalten?
Wir merken, dass wir hier mit logischer Argumentation nicht weiterkommen. Warum handelt diese Frau so?
Um das Spenden von Geld allein geht es Jesus in unserem Predigttext sicher nicht. Indem er seine Jünger herbei ruft und ihnen das Geschehen am Gotteskasten erklärt, will er auf etwas anderes hinaus.

Es geht nicht um das Punkten vor Gott mit großen Geldbeträgen. Es geht um das wahre Teilen, um die mitmenschliche Zuwendung.
Die Witwe gibt ihr letztes Geld in den Kasten, weil sie es möchte. Sie hat keine Angst davor wie es mit ihr weitergehen wird. Ihr Vertrauen in Gottes Güte und Begleitung ist grenzenlos. Sie hat gute Erfahrung mit ihm gemacht. Seine Güte geht durch Menschenhände. Da bringt er immer wieder so viele Menschen mit offenen Augen, Herzen und Händen auf den Weg. Darum ist ihr nicht bange. Sie fühlt sich mit Gottes Liebe beschenkt. Aus ihr lebt sie. So gibt sie ihr Geld in den Opferkasten aus Freiheit und Lust und nicht, um Eindruck zu machen. Auf Gott setzt sie, der auch am folgenden Tag für sie da sein wird.
Auch hier in Moldau, in diesem armen Land, in dem ich heute lebe, beobachte ich das immer wieder. So wenig die Menschen auch haben, ihr Vertrauen in Gott ist groß. Das wenige was im Alltag da ist wird geteilt.

Jesus schaut hin, schaut die Menschen an. Er erkennt ihren Blick auf das Leben. Er sieht, wie viel sie auf Gott setzen.
Er schaut auch auf uns, dahin wo unser Herz ist. Das Leitwort des diesjährigen Kirchentags in Dresden gilt auch hier: "Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz" (Matthäus 6,21).

Es geht um uns, um diesen Schatz, den wir in uns tragen, den wir einbringen können. Da geht es um unser Vertrauen, unsere Hingabe, unseren Einsatz, um unseren Glauben, unsere Liebe, Fröhlichkeit, Hilfsbereitschaft und Freude. Es geht um Leidenschaft, Herzenswärme, Barmherzigkeit und unsere Hoffnung.
Für alles das steht die Witwe in unserer Geschichte. Ihre "Gabe", ihr kleines Geld und ihr ganzes Vertrauen in Gott, das hat sie eingebracht. Das sieht Jesus. Diese Frau handelte nicht unvernünftig, sondern aus Leidenschaft für Gott. Dazu sollten wir uns begeistern lassen.

Über wie viel Geld auch immer wir verfügen, wir tragen einen großen Schatz an Gaben in uns. Teilen wir ihn! Jesus sieht in unser Herz. Er weiß, dass wir zum Opfer fähig sind. Und unsere Freude wird groß sein.


Amen.



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Zuletzt geändert am 16.03.2011 von: (fp)