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Judika
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

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Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 10. April 2011

Prüfung Abrahams - Isaaks Opferung

1 Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. 2 Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija, und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar. 3 Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, holte seine beiden Jungknechte und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Opfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte. 4 Als Abraham am dritten Tag aufblickte, sah er den Ort von weitem. 5 Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten: Bleibt mit dem Esel hier! Ich will mit dem Knaben hingehen und anbeten; dann kommen wir zu euch zurück. 6 Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander. 7 Nach einer Weile sagte Isaak zu seinem Vater Abraham: Vater! Er antwortete: Ja, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer? 8 Abraham entgegnete: Gott wird sich das Opferlamm aussuchen, mein Sohn. Und beide gingen miteinander weiter. 9 Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham den Altar, schichtete das Holz auf, fesselte seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. 10 Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. 11 Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. 12 Jener sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus, und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten. 13 Als Abraham aufschaute, sah er: Ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.


1. Mose 22, 1-13

Liebe Gemeinde!

1.1 In Bethel, der großen diakonischen Einrichtung von Westfalen, steht ein Krankenhaus, das trägt den Namen dieses Berges: Morija. Es ist eine Akut - Psychiatrie.
Was hier in der Geschichte geschieht ist ebenfalls kurz vor dem Wahnsinn, wenn wir heutige Maßstäbe anlegen. Ein Vater soll sein Kind opfern. Unfassbar.

1.2 Das wird auch nicht besser, wenn man das Ganze geistlich zu verstehen sucht.
Isaak, der Sohn Abrahams, ist der Verheißungsträger, den Gott Abraham angekündigt hatte. Land, Volk, Segen - diese drei großen Dinge hatte Gott dem Abraham versprochen. Lange blieb der Nachkomme aus. Irrte Gott? Das war die ständige Frage. Doch endlich war er da, der verheißene Erbe, der Sohn.
Und dann das Wort: Opfere Isaak! Das passt nicht ins geistliche Konzept. Das ist kurz vor dem Unglauben. So wird Gottes Werk zerstört. Gott kann doch nicht gegen sich selbst sein.

1.3 Und auch von Gottes Seite macht alles keinen Sinn.
Wie klar verbietet Er in Seinem Wort das Menschenopfer, das damals in besonderen Momenten gängig war. Deshalb hat er das überlegene Israel Seinen Zorn spüren lassen, als in einer Schlacht der König der Moabiter zur Rettung seines Volkes demonstrativ auf der Stadtmauer seinen eigenen Sohn opferte (2.Kön.3,27). Jahwe hat Israel verwehrt, den Kanaanäern gleich dem Moloch die eigenen Kinder zu opfern (2. Kön.23,10). Du sollst nicht morden, heißt es im 5. Gebot. Nein, Gott will keine Menschenopfer.

1.4 Was hat diese rätselhafte Geschichte in die Bibel gebracht? Worin liegt ihr Sinn?

1.5 Ist sie eine kulturgeschichtliche Demonstration? Will sie zeigen: Im Unterschied zu allen Göttern im Orient gilt, unser Gott Jahwe macht Schluss mit Menschopfern. So Historiker.

1.6 Oder ist sie eine Versuchungsgeschichte mit Scheitern? Abraham hätte von Anfang an protestieren sollen. Die göttliche Stimme war in Wahrheit die Stimme des Versuchers. Weg mit dir, Satan, hätte er sagen müssen. Jahwe wollte nicht Abrahams Ja. Er wollte sein Nein. Weil er es nicht gab musste Gott am Ende noch einen Engel schicken, der Isaak vor dem blinden Abraham rettete. So eine Auslegung orthodoxer Juden.

1.7 Aber das steht nicht im Text. Dort wie auch im Hebräerbrief wird Abraham als Glaubenszeuge gelobt. Der Engelsbote sagt: denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen (12). Und im Hebräerbrief (11, 17-19): 17 Aufgrund des Glaubens brachte Abraham den Isaak dar, als er auf die Probe gestellt wurde, und gab den einzigen Sohn dahin, er, der die Verheißungen empfangen hatte 18 und zu dem gesagt worden war: Durch Isaak wirst du Nachkommen haben. 19 Er verließ sich darauf, dass Gott sogar die Macht hat, Tote zum Leben zu erwecken; darum erhielt er Isaak auch zurück. Das ist ein Sinnbild.

1.8 Die Bibel selbst betrachtet diese Geschichte als Prüfung von Abraham. Glaubensprüfung ist ihr Thema, nicht Menschenopfer. Wir wollen unter dieser Frage unseren Text betrachten.


2.1 Dies vorweg: Keiner geht den Weg lebendiger Führung durch Gott, ohne wie Abraham geprüft zu werden. Merkwürdig: Bei dieser Prüfung stirbt Glaube und lebendiger Glaube wächst.

2.2 Ein Glaube, der davon lebt: Dies ist richtig und jenes ist falsch, zerbricht wenn Prüfungen beginnen. Denn in der Prüfung erscheint uns Gott als hart, als finsteres Schicksal, als Böses. Der Glaube sagt: Warum soll ich mich an Verheißungen halten? Sie stimmen doch nicht. Ich erlebe wie sich alles auf den Kopf stellt. Wofür soll es gut sein, an das Gute zu glauben? Ich werde doch vom Bösen weggerissen. Ich gebe den Glauben lieber auf. Ich bleibe noch ein anständiger Mensch. An einem Glauben kann ich nur verzweifeln.

2.3 Viele Christen sind in ihrem Leben durch solche Prüfungen gegangen. Der Glaube bekam Löcher, manchmal war er ganz weg. Anständigkeit blieb übrig, Gutes wollen. Doch alle Unbekümmertheit ist weg. Auch Freude über Gott, sie fehlt. Es fehlt der kurze Draht zu Ihm.
Denn - so der Geprüfte - gibt es einen Gott, der für das Gute sorgt? Das scheint höchst zweifelhaft. Wenn ja, dann ist ER wohl bei mir vorbeigegangen. Und bei den großen Katastrophen dieser Welt: Hat Er da weggeschaut? Wo Er doch alles sieht.
Wer alt genug ist, wer lange genug glaubt kennt diese Gedanken.

2.4 Unser Text führt uns hier weiter. Wie Abraham auch damals weiter geführt wurde. Gerade das Schlimme ist der Schlüssel. Es öffnet den Weg des lebendigen Glaubens. Wieso?


3.1 Es gilt: Was uns gelingt, darin sind wir verliebt.

3.2 Gelingt es mir, Kuchen gut zu backen, dann bin ich stolz - hoffentlich - und auch darüber froh. Habe ich nette Verwandte - und dafür kann ich nichts - dann bin ich darüber glücklich. Wie stehe ich da.

3.3 Im Glauben ist das nicht anders. Erlebe ich Gebetserhörung, wie stehe ich da. Und bin ich mutig genug, dann hören das auch die anderen: Hör mal. Bete mal. Ich habe viel Gebetserhörung - und du? Ich bin mit Gott durch diese Krise gekommen - und du?
Der Ton macht die Musik. Das Ungesagte hebt mich über den anderen. Ich bin, ich habe, ich kann - das macht mich größer als die anderen. Und das dringt durch, durch noch so fromme Worte.


4.1 Die Frage jedoch ist: Lieben wir den Herrn? Oder lieben wir die Weise wie ER uns mal begegnet ist? Genau das trennt Glauben vom lebendigen Glauben. Denn Gott ist ständig neu. Nie ist Er Programm. ER lebt. ER ändert sich. ER fragt nicht, ob wir Liturgien, Frömmigkeitsstile, Orte unserer Kirchlichkeit lieben, die alle - hoffentlich - Weisen Seiner Anwesenheit sind. ER ist ein eifersüchtiger Gott, wie die Bibel es sagt. ER fragt: Liebst Du Mich, den lebendigen Gott? Oder liebst Du ein paar Regeln, die Ich aufstellte, denen zu folgen nützlich ist.

4.2 Um dies zu prüfen nimmt der Herr für eine Weile weg, was ER uns gab. Gott begegnet uns hart. Damit wir klar haben, was wir lieben: IHN oder Seine Gaben.


5.1 Abraham war mit Gut und Menschen gesegnet. Das war seine Herkunft, seine Vergangenheit. Liebt er sie? - Ja. Gott nimmt sie weg. Geh weg, sagt ER, aus deiner Heimat.
Abraham war mit einem Nachkommen gesegnet. Das war seine Zukunft. Liebte er seinen Sohn? - Ja. Gott nimmt ihn weg. Opfere Isaak.

5.2 Gott prüft unsere Liebe zu IHM. Da habe ich nichts mehr in der Hand. Gott selbst wird mir zum Rätsel. Es bleibt nur, an Seiner Liebe festzuhalten. Verstehen kann ich nichts. Es bleibt nur ER allein.

5.3 Abraham liebt Gott. Er liebte IHN mehr als sich. Seine Vergangenheit beim Auszug, seine Zukunft bei der Opferung des Isaak. Das ist der Punkt, wohin uns Gott im Glauben führt. Das nennt die Bibel, gehorsam sein zu Gott. Das ist lebendiger Glaube.

5.4 Als das raus war kriegt Abraham alles zurück. Nach der Bereitschaft seinen Sohn zu lassen, bekommt er ihn wieder geschenkt. Der Weg des Opfers trägt zwei Früchte: Gott wird der Größte, das Leben wird ein Geschenk. Weil Abraham diesen Weg ging, wurde er zum Vater des Glaubens. Zu Vätern und Müttern im Glauben will Gott jeden machen, Sie, mich.


6.1 Gott sei Dank prüft Gott nicht jeden gleich so hart. Doch verstehen wir IHN? Es kann sein, dass ER manchmal nimmt, damit ich loslasse und IHN allein liebe. Erst danach kann ER uns neu beschenken. ER übt das an den alltäglichsten Dingen des Lebens, an Freundschaft, Verlust von Geld, an Schwierigkeiten. Warum? Damit Vertrauen wächst, Vertrauen zu IHM.

6.2 Gott wollte nicht den Wahnsinn eines Kindesopfers, der damals in der Welt von Kanaan durchaus noch üblich war. ER wollte für Abraham so groß werden, dass nichts den Segensstrom mehr unterbrechen konnte, den ER ausgoss. Nur angeschlossen an IHN, nicht an Regeln, Ideen, Hoffnungen. Das ist lebendiger Glaube.


Amen.


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Zuletzt geändert am 08.04.2011 von: (fp)