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Quasimodogeniti
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

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Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 1. Mai 2011

Auferstehungsleben

1 Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
2 Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling), Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.
3 Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
4 Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5 Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6 Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
7 Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.
8 Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.
9 Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot.
10 Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.
11 Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
12 Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.
13 Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.
14 Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.


Johannes 21, 1-14

Liebe Gemeinde!

1.1 Es ist schon eine merkwürdige Erzählung. Der auferstandene Jesus tritt wie von der Seite in die Alltagswelt der Jünger. Und an der Weise wie ER es macht erkennen sie ihn. Das Brotbrechen war es bei den Emmaus Jüngern. Da erkannten sie IHN. Hier war es: Werfet das Netz aus (6). Und Johannes spricht es aus: Es ist der Herr (7).

1.2 Petrus ist nicht mehr auf der Flucht: Herr, geh von mir hinweg. Ich bin ein sündiger Mensch. Er wirft sich ins Wasser und schwimmt zu Ihm. Ihn treibt die Liebe zu seinem Herrn. Hin zu Ihm.

1.3 Dann erleben sie wie sich die Rollen verkehren. Sie wollten etwas zum Essen fangen. ER füllt ihnen nach ihrem Misserfolg das Netz. Sie wollen Essen bereiten. ER lädt sie ein, bei IHM Platz zu nehmen. Kommt her und esst (12).

1.4 Fast ein bisschen schinant wirken alle Jünger. Betroffen, ehrfürchtig, wie träumend. Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war (12). Sie wagten nicht, IHN anzusprechen. Doch Jesus trat auf sie zu. ER holt sie zurück in die Realität. ER nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch (13).

1.5 Das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte (14), so beschreibt es unser Text. Erst den Frauen, dann den Jüngern und Thomas. Und jetzt - als Nachklang in einem angehängten Kapitel des Johannesevangeliums - den Jüngern im Alltag.

1.6 Was sagen uns diese Erscheinungen des Auferstandenen?


2.1 Die Bibel legt wert darauf, dass die Erscheinungen des Auferstandenen nur kurz dauerten. Nach 40 Tagen war die Zeit vorbei, in der Jesus mit seinem Auferstehungsleib auf Erden erschien. Himmelfahrt ist Zeichen dieser Zäsur. 10 Tage später beschreibt Pfingsten die Ausgießung des Heiligen Geistes. ER macht Jesus groß, lässt Seine Stimme vernehmen. ER ersetzt die Gegenwart des Herrn im Auferstehungsleib. Der auferstandene Jesus spricht durch Ihn.

2.2 Viele Christen sind neidisch auf die ersten Jünger. Hatten sie es nicht besser? Sie konnten mit dem Auferstandenen Fisch essen. So schön dies war. Im Glauben haben sie uns nichts voraus.


3.1 Auch wenn die Jünger mit Jesus aßen: für die Auferstehung Jesu war dies kein Beweis. Es war eine Erfahrung, ein persönliches Erlebnis. Ein Erweis, kein Beweis.

3.2 Beweise sind gut für vieles im Leben. Doch das meiste was das Leben trägt ist nicht beweisbar. Nehmen Sie die Liebe. Wer sie beweisen will, verliert sie.
Für alles Wichtige im Leben zählen überzeugende Hinweise: So ging es mir. Guck, ob es dir auch so gehen könnte.

3.3 Bei der Auferstehung war es ebenso: Wir haben es gemerkt, Jesus lebt. Wir waren beschämt, verwirrt, brauchten eine Zeit. Doch dann war es uns klar. Du siehst das an unserer Geschichte. - Vielleicht merkst du es ähnlich. Dann hast du deine Geschichte mit dem Auferstandenen.
Wir haben erlebt, lebendiger Kontakt ist mit Ihm möglich. - Versuch du es auch.
Wir haben erfahren, ER bleibt der gute Hirte, der uns versorgt. - Traue Ihm das auch zu.
Wir begriffen, ER lebt. Seine Geschichte geht weiter, sogar mit uns. - Erwarte das für dich.

3.4 Wahrheit im Glauben gibt es nicht als Beweis, sondern nur als meine Wahrheit. Deshalb die Auferstehungsgeschichten. Persönlich wird in ihnen von Jesus erzählt. Das stellt mir die Frage: Und du? Hast du Ihn auch erlebt in deinem Leben, in deinem Alltag? Kennst du Hingabe an Ihn wie es die Jünger lebten? Kennst du Seine Stimme und hörst du sie?
So die Erfahrung und den Glauben der ersten Jünger anschauen gibt uns wertvolle Hinweise.


4.1 Jesus im Alltag.
Der Vorhang im Tempel zerriss. Sie erinnern sich. So hieß es in der Kreuzigungsgeschichte. Was das bedeutet? Der Vorhang vor dem Allerheiligsten trennte die Gegenwart Gottes von der Alltagswelt im Diesseits. Man war nicht in Gefahr, am Gemüsestand einem Engel zu begegnen, geschweige denn dem Allmächtigen selbst. Das war im Allerheiligsten dem Hohenpriester einmal im Jahr vorbehalten. Doch dieses war jetzt anders.

4.2 Jesus, der Auferstandene, eins mit dem Vater, lebte nicht mehr im reservierten Bereich eines Tempels. Die Zeichen von Bundeslade, Gnadenthron und Schaubrottisch - sie hatten sich erfüllt: In IHM. ER, der Herr des Allerheiligsten, tritt heraus, der Vorhang zerreißt. ER durchschreitet erst die Todeswelt und erfüllt im Jenseits dort Seinen Auftrag. Und dann erscheint ER hier im Diesseits als Heiland. Den Sieg über den Tod und die Sünde als Trennung von Gott bringt Er als Gaben mit.


4.3 Der Alltag hatte sie wieder. Die Jünger gingen fischen. Mit einem guten Fang haben sie gerechnet. Doch der blieb aus. Und dann: Werft eure Netze noch einmal aus. Dies Alltagswort reichte. Johannes spricht es aus: Das ist der Herr. - So macht ER es. Im Alltag tritt ER auf. Durch ein Wort, eine Geste, einen Hinweis. Und ER tritt ein in unser Leben.

4.4 Es ist der Herr.
- War das nicht eine Bewahrung auf der Straße. So sagt vielleicht ein Mitfahrender im Auto. - Es ist der Herr. - Danke, Herr, dass Du mit dabei warst. Du hast geholfen. Danke.
- Und schöne Grüße auch von Elli. So steht es unter dem Brief. - Und im Herzen spricht es. Du musst nach Elli schauen. Sie braucht dich. ICH möchte, dass Du sie anrufst. - Es ist der Herr.
- Was hier passiert ist pures Unrecht. Wie kann mir das nur jemand vorwerfen. - Segne. So sagt die Stimme mir im Herzen. Was? Ich kann nicht. - Aber ICH. Und du folgst Mir. Segne. - Ich frage freundlich nach den Gründen. Ich kläre. Im Herzen spreche ich den Segen: Ich lege Deinen Frieden, Herr, auf diesen Augenblick. - Es ist der Herr.
Der Auferstandene kann uns fortan an jeder Stelle, selbst am Gemüsestand begegnen. Wir sollten keine Beweise suchen oder uns ans Seeufer setzen, dass ER dort mit uns Fisch isst. Als Auferstandener tritt ER wie von der Seite in unser Alltagsleben ein. Dort sollten wir mit Seiner Stimme ständig in uns rechnen. Es ist der Herr.


5.1 Jesus im Hintergrund.
Noch ein Hinweis zum Schluss. Warum 153 Fische? Was hat Johannes dazu bewegt, die Zahl festzuhalten? Darüber hat man viele Spekulationen angestellt.

5.2 So hat schon Hieronymus, ein Zeitgenosse Augustins aus dem 5. Jahrhundert, herausgefunden: es gab im See Genezareth 153 Fischgattungen. In der Donau sind es übrigens 68. Was soviel für unsere Geschichte bedeutet wie: Jeden meint der Herr. Keinen lässt ER aus, den ER zu sich holen möchte.

5.3 Andere haben den Schlüssel in der Zahlenmystik gesucht. Im Hebräischen steht jeder Buchstabe für eine Zahl. So steht die Zahl 153 auch für: zukünftiger Äon. Oder auch für: Söhne Gottes. Ebenso stimmt: Gott ist Liebe. - Was für wunderbare Dinge. Sie alle stimmen. Tritt der Auferstandene auf, wird ER erkannt und angenommen, dann setzt sich Gottes Liebe durch, dann werden wir zu Kindern Gottes, dann bricht schon etwas von der Ewigkeit an.

5.4 Ich glaube, Johannes hat diese geheimnisvolle Zahl genannt, um aufzuzeigen: Spricht ER ein Wort und wir folgen, dann ordnen sich die geheimsten, unsichtbarsten Dinge dieser Welt zu einem Ganzen, zum Rechten. Sie stimmen. Sie fügen sich. Sie passen. Sie kommen zum Ziel. Denn das heißt 153 auch noch: Ziel.


6.1 Zum Ziel möchte der Auferstandene auch in unserem Leben kommen. Und das geschieht, wenn die Auferstehungsgeschichten der Jünger in unserem Leben Fortsetzung finden.


Amen.


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Zuletzt geändert am 26.04.2011 von: (fp)