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Miserikordias Domini
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 8. Mai 2011

Falsche Hirten
Hesekiel 34, 1-16.31

Liebe Gemeinde!

1.1 Wer ist ein Hirte Gottes, ein Pastor, wie es auf lateinisch heißt? Das ist eine gute Frage für einen Pastor?

1.2 Die katholische Kirche sagt es im Kern so. Der Papst ist es. Und nach ihm durch die Weihe alle, die den Segen von ihm in Sukzession - Abfolge - erhalten.
Ist das so? Sind alle deshalb gute Hirten? Nicht erst die Frage um den Missbrauch im Priesteramt hat das Thema aktuell gemacht. Schon Luther und viele nach ihm fragten: Können Päpste denn nicht irren? Und wenn, sind sie dann gute Hirten?

1.3 Und bin ich - nach katholischer Lehre - als evangelischer Pastor deshalb in der Kirche kein Hirte Gottes, weil mir päpstlicher Segen fehlt? Luther und viele andere bestritten dies. Gott beruft zum Hirtendienst. ER allein. Menschen bestätigen nur und setzen ein.

1.4 Zudem: Menschelt es nicht in allen Kirchenämtern gleich welcher Konfession? Sind nicht alle Pastoren nur "Bodenpersonal Gottes" und damit fehlbar. Muss sich nicht deshalb jeder fragen, der in der Kirche ein Amt hat: Mach ich es recht? Bin ich ein guter Hirte?

1.5 Was Hirten Gottes sind und sein sollen, das wird in unserem heutigen Predigttext gesagt. Und Gott spart nicht an Deutlichkeit. Erschreckend wie ER durch den Propheten redet. Hören wir.


1 Das Wort des Herrn erging an mich:
2 Menschensohn, sprich als Prophet gegen die Hirten Israels, sprich als Prophet, und sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Weh den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden. Müssen die Hirten nicht die Herde weiden?
(3 Ihr trinkt die Milch, nehmt die Wolle für eure Kleidung und schlachtet die fetten Tiere; aber die Herde führt ihr nicht auf die Weide.
4 Die schwachen Tiere stärkt ihr nicht, die kranken heilt ihr nicht, die verletzten verbindet ihr nicht, die verscheuchten holt ihr nicht zurück, die verirrten sucht ihr nicht, und die starken misshandelt ihr.
5 Und weil sie keinen Hirten hatten, zerstreuten sich meine Schafe und wurden eine Beute der wilden Tiere.
6 Meine Herde irrte auf allen Bergen und Höhen umher und war über das ganze Land verstreut. Doch keiner kümmerte sich um sie; niemand suchte sie.
7 Darum ihr Hirten, hört das Wort des Herrn:
8 So wahr ich lebe - Spruch Gottes, des Herrn: Weil meine Herde geraubt wurde und weil meine Schafe eine Beute der wilden Tiere wurden - denn sie hatten keinen Hirten - und weil meine Hirten nicht nach meiner Herde fragten, sondern nur sich selbst und nicht meine Herde weideten,
9 darum, ihr Hirten, hört das Wort des Herrn: )
10 So spricht Gott, der Herr: Nun gehe ich gegen die Hirten vor und fordere meine Schafe von ihnen zurück. Ich setze sie ab, sie sollen nicht mehr die Hirten meiner Herde sein. Die Hirten sollen nicht länger nur sich selbst weiden: Ich reiße meine Schafe aus ihrem Rachen, sie sollen nicht länger ihr Fraß sein.
11 Denn so spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern.
12 Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben.
13 Ich führe sie aus den Völkern heraus, ich hole sie aus den Ländern zusammen und bringe sie in ihr Land. Ich führe sie in den Bergen Israels auf die Weide, in den Tälern und an allen bewohnten Orten des Landes.
14 Auf gute Weide will ich sie führen, im Bergland Israels werden ihre Weideplätze sein. Dort sollen sie auf guten Weideplätzen lagern, auf den Bergen Israels sollen sie fette Weide finden.
15 Ich werde meine Schafe auf die Weide führen, ich werde sie ruhen lassen - Spruch Gottes, des Herrn.
16 Die verlorengegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist.
31 Ihr seid meine Schafe, ihr seid die Herde meiner Weide. Ich bin euer Gott - Spruch Gottes, des Herrn.


2.1 Hesekiel war wahrscheinlich selbst Priester. Er erlebte die Deportation des Volkes Israel nach Babylonien. Was der Prophet zuvor von Gott hörte und seinen Volksgenossen weitersagte, waren nicht Warnungen über böse Feinde. Es waren Warnungen vor der eigenen Kirche, der eigenen Priesterschaft, der Obrigkeit seines Volkes. Er warnte.

2.2 Es gibt Hirten, die nach Hirten aussehen, aber keine sind. Priester, die das Opfer kennen, aber nicht ihr eigenes. Leiter, die sich selber leiten, aber nicht die Menschen, die ihnen anvertraut sind.

2.3 Wer kennt nicht dieses Bild von denen da oben, das Hesekiel hier zeichnet. Leitung ist kein Dienst mehr, sondern mehr ein Verdienst. Einsatz dient nicht den Bedürftigen, es nutzt den Mächtigen.

2.4 Doch Gott greift ein, sagt der Prophet. ICH reiße Meine Schafe aus ihrem Rachen, sie sollen nicht länger ihr Fraß sein (10).
Gott handelte. Kein Pardon vor falschen Hirten. Die Feinde deportierten Israel. Kein Leiter überlebte. Falsche Hirten starben. Doch mit ihnen viele aus dem Volk. Ein ganzes Volk starb fast bei Seinem Gericht. War das die Lösung?


3.1 Die Worte des Propheten weisen weiter. ICH will mich meiner Herde selbst annehmen (11), spricht der Herr. Wann würde das geschehen?

3.2 Als Christen wissen wir, dass Jesus diese Worte aufnahm als ER von sich als gutem Hirten sprach. Es gab unzählige Pastoren, Priester auch nach der babylonischen Gefangenschaft und nach Jesus bis zum heutigen Tag. Und doch gibt es nur Einen, IHN, der Gottes Wort wirklich erfüllt. ICH bin der gute Hirte. Das sagt Jesus. ER sagt es nur von sich. ER steht für die Erfüllung der Verheißung des Hesekiel.

3.3 Was zeichnet diesen guten Hirten Jesus aus? Woran erkennen wir IHN?


4.1 Das Erste: ICH kümmere Mich um Meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben (13).

4.2 Damals war sicherlich damit gemeint: Israel hatte die Heimat Seines Glaubens verloren und lebte verstreut in der Fremde. Die Rückkehr damals war für viele die Erfüllung dieser Verheißung.
Und dann die Gründung des Staates Israel 1948. Wieder griff dieses Wort: Ich hole sie zurück. Sicher gilt dies. Doch es sagt noch mehr.

4.3 Wo immer wir uns selbst verloren haben bei Schicksalsschlägen, Irrtum oder Schuld - der Hirte sucht uns da auf, wo wir stecken. Verlorene sind für IHN noch nicht verloren. Komm mit! An Meiner Hand richte dich auf. ICH bin bei dir.

4.4 Das ist die Botschaft unseres guten Hirten. ER nimmt uns unter Sein Kreuz, wo wir ein Kreuz tragen, und spricht: Leg ab. ER schenkt uns Vergebung, wo wir bereit sind, uns beschenken zu lassen. ER ist ein guter Vater, eine gute Mutter.


5.1 Auf gute Weide will ICH sie führen (14). Mit diesen Worten wird die zweite Eigenart des Hirten genannt.

5.2 Und wieder hatte damals dieses Wort konkrete Wirkung. Die Zukunft ist nicht grau. Wir packen an. Auf uns wartet die grüne Weide. Und wenn wir jetzt nur Steine finden, dann räumen wir sie weg, bis alles blüht. Hoffnung für Deportierte.

5.3 Doch es ist wieder mehr. Mit dieser Hoffnung lebt bis heute Gottes Volk.
Wie viele Menschen trauen Gott nichts Gutes zu. Dabei will ER auf gute Weide führen. Der Plan des guten Hirten ist Erlösung, nicht Ausbeutung, Zerstörung oder Angst.
Wo wir in Zweifeln stecken, da ist die Güte Gottes da. Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Sich täglich neu das Herz in der Barmherzigkeit des Herrn aufladen, das ist der Weg der Hoffnung mit unserem guten Hirten.


6.1 Das Dritte ist das Schönste. Der Hirte schenkt Seine Ruhe, Seinen Frieden. Das ist zu Hause sein, beim Ziel des Lebens ankommen. Die verlorengegangenen Tiere will ICH suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten (16).

6.2 Jeder kommt bei IHM vor, jeder erhält das, was er braucht, jeder ist IHM wichtig. ER weiß, was ich brauche. ER gibt es. So ist der Hirte Jesus. So ist ER. Jeden führt ER zur Fülle. Kein Ort ohne IHN. Und wo ER ist da ist Fülle.


7.1 Kann ich so einen Hirten haben? Ja, in Jesus, dem auferstandenen Herrn. Ihr seid Meine Schafe, ihr seid die Herde Meiner Weide (31). Das sagt der Prophet vom guten Hirten. Als Christen wissen wir, dass das der Herr erfüllt. Der Auferstandene erfüllt auch heute seinen Hirtendienst. IHM gehören wir. Zu IHM ist jeder unmittelbar.

7.2 Kann das ein Mensch für mich erfüllen? Kann ich ein Hirte Gottes sein?
Seit ER der gute Hirte ist, können die Hirten dieser Erde nur Wegweiser zu diesem Hirten sein. Und wer sich selbst damit verwechselt, der leitet sich und andere fehl. Selig ist, wer dem folgt und dabei selbst den wahren Hirten findet.

7.3 So folgen wir dem Herrn und suchen IHN in allem. Das hilft beim Umgang mit allen irdischen Hirten.


Amen.


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Zuletzt geändert am 26.04.2011 von: (fp)