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Rogate
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 29. Mai 2011

Betet mit Vertrauen!

Das Gleichnis vom bittenden Freund:
5 Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote;
6 denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!,
7 wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben?
8 Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.

Vom Vertrauen beim Beten:
9 Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.
10 Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.
11 Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet,
12 oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?
13 Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.


Lukas 11, 5-13

Liebe Gemeinde!

1.1 Stellen Sie sich vor, ihr Knie schmerzt schon ein halbes Jahr. Und morgens wachen Sie auf. Und es tut nicht weh. Sie halten das Bein aus dem Bett - immer noch nichts. Und sie treten auf, laufen, kochen sich ihren Kaffee - nichts. Der Schmerz ist weg. Und dann sagen Sie: Danke Gott. Und die Freude ist gleich dreimal da. Nicht nur der Schmerz ist weg. Es ist auch noch das Herz froh. Und als drittes freut sich zusätzlich der Himmel.

1.2 Da sehen wir was Beten macht. Es schafft eine Verbindung zwischen Himmel und Erde nicht nur in der Kirche, sondern überall im Alltag.


1.3 Es gibt ja nichts, worum wir nicht beten könnten. Stellen Sie sich vor, Sie möchten in Malaga beim Generalkonsulat in der Nähe des Bahnhofs am helllichten Tag einen Parkplatz finden. Da stehen schon alle in der zweiten Reihe dicht. Sie suchen einen Parkplatz? Da hilft nur Beten: Herr, schenke mir einen Parkplatz. Und dann ist ein Platz frei direkt gegenüber vom Eingang. Und alle fahren daran vorbei als ob sie blind wären solange bis Sie eingeparkt haben. Und Sie sagen: Danke Gott. Und wieder lebt die Freude dreifach: Sie haben ein Wunder erlebt. Ihr Herz ist dankbar. Und der Himmel freut sich.

1.4 Nichts ist dieser Verbindung zwischen Himmel und Erde entzogen, nichts. Das wunderbare Kirchcafe hier - Danke für die Leckereien! Der verlegte Schlüssel oder die Brille. Wo habe ich sie nur. Bitte, Herr, zeige sie mir. Du weißt wo sie liegen. - Danke, Herr, ich habe sie gefunden! Das großartige Musikstück - Danke Herr, es hat so gut geklungen. Die Socken, die mir gefallen. Sie passen gut, sie stehen mir gut. Danke Gott. Oder die Farbenpracht der Blumen in der Sonne. Wie sehen sie so schön aus. Danke Gott.
Beten ist den Alltag vor Gott öffnen. Was wir dabei tun ist großartig. Wir nähren uns mit Dankbarkeit.


2.1. In der Öffentlichkeit hat sich in den letzten 20 Jahren etwas geändert. Es wird wieder über das Beten gesprochen. Ja, ich bete, ist ein Satz, den man wieder sagen darf. Die Zeit nähert sich dem Ende, wo Politiker groß dastanden, die das Versprechen verschmähten: So wahr mir Gott helfe! Ich bete, gilt wieder etwas.

2.2 Doch gleichwohl empfinden Menschen Beten häufig als eine Last. Sie hilft in Ausnahmesituationen, ja. Doch normalerweise gilt: Bitte nicht. Man könnte sagen: Beten bitte nur in Not, sonst wird es zu viel.

2.3 Und auch Christen empfinden oft nicht anders. Wenn sie gelernt haben, jeden Tag für sich und andere zu beten, dann wird das auf die Dauer zu einer Last. Habe ich heute schon gebetet? Muss ich heute noch beten? Kann ich nicht auch mal ohne leben? Der Ritus wird zur Regel, die Regel wird zur Last und mit ihr dann das Beten selbst. Wie viele gehen so gebeugt unter einer frommen Erziehung durch ihr Leben.

2.4 Wie kann es uns gelingen, dem zu entfliehen. Wie kann, was uns zur Last werden kann, Lust bleiben? Was hilft uns, dieses Große beim Gebet zu bewahren? In dieser Frage führt uns unser Bibeltext heute weiter.


3.1 Wer kennt nicht diese Freundesbitte: Kannst Du nicht mal ... . Nein eigentlich kann ich nicht. Wie hier im Text. Ein Raum für alle als Schlafzimmer, so war das damals. Und wird die Tür geöffnet, dann werden gleich alle wach. Und dann will einer Brot, weil er Besuch bekommen hat. Soll um des Fremden Gastes willen die Ruhe aller leiden? Doch er ist Freund. Ja, Augenblick. Und wenn schon nicht geholfen wird, weil er der Freund ist, so doch, weil so wie so schon alle gestört sind. Also ja.

3.2 Mit dieser Geschichte schildert Jesus nicht, was Gott über uns denkt: Nächtliche Störenfriede der göttlichen Ruhe. Vielmehr schildert Jesus, was wir oft unbewusst über Gott denken.
Ach, soll ich den jetzt anrufen. Das stört doch nur. Mein Anliegen ist viel zu klein. Dafür zu Ihm gehen. Und wenn ich es täte, mit was für wichtigen Sachen ist ER in Wirklichkeit beschäftigt. Und dann komme ich. Ich störe.
Die Unerreichbarkeit der wichtigen Menschen dieser Erde hat dazu geführt, dass wir dieses Verhalten der Prominenten auch auf Gott übertragen. Und wenn wir darüber zynisch geworden sind, dann sagen wir: Gott schläft und wacht über die Ruhe Seiner Heiligen.

3.3 Nein, sagt Jesus. Was bei unseren Freunde schon nicht gilt, das gilt erst Recht nicht bei Gott. Und ER nennt drei Dinge, die das Beten leiten.
1. Habe Vertrauen bei deinen Bitten.
Dein Herz folgt immer einer Richtung. Beobachte das. Lass nicht alles zu. Lenke die heimliche Bewegung. Willst du stets weiter der Enttäuschung folgen? Nein. Gib deinem Herz die richtige Richtung. Folge nicht der Enttäuschung. Wende dich dem Vertrauen zu bis dass es dich erfüllt. So kannst du mit Vertrauen beten. Bei Gott lässt sich das üben.
2. Suche den Herrn, um Ihn zu finden.
Wie stark ist mein inneres Radarsystem, um den Kontakt zu Gott zu finden. Wie suche ich Ihn?
Sie wissen, dass jedes Handy erst einmal den nächsten Peilpunkt finden muss, um bei Ortswechsel den Empfang zu garantieren. Ununterbrochen sucht und sucht es, bis es findet. Warum? Es ist darauf programmiert.
Und mein Herz? Wie stellt es sich auf Gott ein? Jesus sagt: Mache es in der Haltung, dass Dein inneres Suchen nach der Gegenwart des Herrn nicht umsonst bleibt. Suche in dem Vertrauen, dass Du Ihn findest. Suchen ist, das Finden in sich tragen.
3. Habe Mut, mit Deinem Anliegen bei Ihm anzuklopfen.
Du störst Gott nie. Was ist das für eine Botschaft. Gott ist kein Mensch. Nur ER kann dieses garantieren.
Weil wir so oft im Leben merken, dass unser Anliegen bei Menschen gar nicht zählt, das kleine nicht, das große nicht, so fällt es schwer, bei Gott anders zu denken. Mit allen Dingen und vor allem mit Dir selbst darfst du vor Ihn in jedem Augenblick kommen. Und ER hört.
Jetzt wechselt Jesus das Bild. ER spricht nicht mehr vom Freund, ER spricht vom guten Vater. Gott quält nicht. ER gibt nicht die Schlange für den Fisch und nicht den Skorpion für das Ei. Selbst wenn missbrauchende Eltern so etwas täten. Gott ist so nicht.
Habe Mut. Tritt vor Ihn hin und sprich.


4.1 Wir können diese Haltung beim Gebet in einem schlichten Wort zusammenfassen: Hin zum Herrn. Vertrauen, Suchen in der Haltung zu finden, Mut - dies alles macht das deutlich: Du kannst hin zum Herrn, mit den drei Broten, die dir fehlen. Und mit dem ganz Großen Deines Lebens, das Dir fehlt. Immer kannst Du hin. Mit dem fehlenden Parkplatz und der Bitte um den Frieden. Mit dem Glück in der Familie und dem Dank für Dein Leben. Hin zu IHM.

4.2 Und dann ist Beten vielleicht noch eine Last, doch durch die Last auch Kraft und Gegenwart des Herrn.


Amen.


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Zuletzt geändert am 23.05.2011 von: (fp)