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von Prädikantin Gisela Johannes

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Prädikantin Gisela Johannes)

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Predigt am 5. Juni 2011

Lebensdurst

37 Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag, stellte sich Jesus hin und rief: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, 38 wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fließen.
39 Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben; denn der Geist war noch nicht gegeben, weil Jesus noch nicht verherrlicht war.

Johannes 7, 37-39

Liebe Gemeinde,

Durst - liebe Gemeinde, macht Ihnen Durst Probleme?
Wenn wir wirklich Durst verspüren, dann greifen wir auf unsere Wasserflaschenvorräte, auf ein kühles Bier, auf Softdrinks, oder, oder, oder zurück. Und unser Durst ist augenblicklich gestillt. Viele von uns laufen stets mit einer Wasserflasche im Gepäck umher. Sie sind jederzeit in der Lage, sich selbst zu versorgen. Da kommt Durst nur selten auf.
Wasser und Getränke jeglicher Art stehen uns hier in Spanien jederzeit zur Verfügung. Ein paar hundert Kilometer weiter in Afrika sieht das freilich schon ganz anders aus.
Wir ahnen es schon. Wenn Jesus in unserem Predigttext von Durst spricht, ist sehr wahrscheinlich etwas anderes gemeint.

Jesus befindet sich in Jerusalem. Der Höhepunkt des jüdischen Laubhüttenfestes, der siebte Tag, wird gefeiert. Es ist das größte Fest im Jahreskreis und wird mit einem besonderen Ritual begangen. Noch vor dem Morgenopfer steigt ein Priester zum Teich Siloah herab. Dort wird er mit drei Trompetenstößen begrüßt. Das von ihm geschöpfte Wasser wird anschließend über die Schwelle des Tempels ins Kidrontal gegossen. Dazu wird aus dem 118. Psalm gesungen: "Danket dem Herrn, denn er ist freundlich." Die männlichen Israeliten tanzen um den mit Bäumen geschmückten Altar. Zu den Besonderheiten dieses Tages gehört auch die Bitte um Regen für das ganze Land Israel. Denn Wasser war und ist für die Menschen dort schon immer ein kostbares, rares Gut. Viele Menschen kommen jedes Jahr zu diesem Fest nach Jerusalem.
So auch Jesus. Auf einmal tritt er aus der Menschenmenge hervor und fordert die Umstehenden auf: "Wen da dürstet, der komme zu Mir und trinke."

Um eine Versorgung mit Trinkbarem geht es Jesus wohl kaum. Aber was ist es dann, was er den Menschen anbieten will? Um ein menschliches Grundbedürfnis geht es ihm schon, aber nicht ums Trinken selber.
In der Regel haben alle Menschen einen gewissen Lebensdurst. Einen Durst, der mit einem Getränk nicht gestillt werden kann. Fast jeder trägt eine ungestillte Sehnsucht in sich, z.B. nach einem erfüllten Dasein, nach Schönheit, nach Reichtum, nach Veränderung, was auch immer. Und wenn diese Sehnsucht nicht befriedigt werden kann, versucht der Mensch seinen Lebensdurst mit allen möglichen Dingen und Süchten zu erfüllen. Mancher verliert sich in Drogen, in Alkohol, Sex, oder setzt auf einen risikoreichen Nervenkitzel. Andere werden zum Workaholic oder suchen ihr Heil in zahllosen gesellschaftlichen und sozialen Aktivitäten.
Und da fragt Jesus nun: Ist da jemand der Durst, der Lebensdurst hat?

Meint er mich? Fragt Jesus mich das heute so direkt und gerade heraus? Was macht das mit mir? Ich ahne, da schaut mich jemand ganz persönlich an.
"Ich" bin gemeint mit meiner Sehnsucht nach einem erfüllten Leben. Und ich spüre: Jesus spricht mit Vollmacht, mit der Vollmacht Gottes, dem Herrn allen Lebens. Gott, der mich besser kennt als ich mich selbst. Gott, der um alle meine Gedanken und Sehnsüchte weiß. Und ich höre: hast du Lebensdurst, dann komm zu Mir und trinke.

Nachdenken ist angesagt, innehalten. Fragen tauchen auf: was tust du da, was lässt du da, wo läufst du hin?In Jesus steht ein Mann vor mir, der mir die Möglichkeit gibt, meine Bedürfnisse, meinen Lebensdurst zu erkennen. Ihm kann ich meine Sehnsucht hinhalten wie einen leeren Becher. Voll Vertrauen darf ich sagen: Jesus, du hast versprochen, den Durst und den Lebenshunger zu stillen. Hier bin ich.

Das klingt einfach und ist doch schwer. Wer wagt es denn schon sich derart auf Jesus einzulassen? Unser Problem ist doch eher, dass wir die Verbindung zu Jesus zu wenig suchen. Vielleicht sind wir nach dem lebendigen Wortes nicht besonders durstig? Vielleicht sind wir von vielen anderen Dingen übersättigt?

Jesus bleibt mit seinem Angebot an uns ganz dicht bei uns. Voller Liebe und Hingabe tritt er an uns heran. In aller Freiheit können wir entscheiden, ob wir unseren Lebensdurst von Ihm stillen lassen wollen.

Wenn wir ihm vertrauen, an ihn glauben, dann verheißt er uns, dass von uns "Ströme lebendigen Wassers ausgehen werden". Mit anderen Worten: Wenn ich an Jesus glaube, dann erlebe ich Sinn und Halt. Wenn ich bei Ihm angekommen bin, dann öffnen sich mir Türen, kann ich kraftvoll und dynamisch leben. Ich komme fort von meiner Ichbezogenheit. Ich öffne mich meinen Mitmenschen. Ich erkenne, wo ich von Nöten bin und mit meinen Fähigkeiten gebraucht werde. Jesus presst mich nicht in die Schablone einer genormten Nachfolge, sondern er sagt: Du mit deinem Lebensdurst, du wirst bei Mir nicht dürsten. Dein Tun wird Kreise ziehen, dich und die Menschen um dich herum verändern.
Wie viel Freude macht es, zusammen mit anderen ein Hilfsprojekt auf die Beine zu stellen. Ist es nicht schön, wenn wir mitwirken, zwischen Menschen Vertrauen aufzubauen. Ist es nicht ansteckend zu sehen, wenn pensionierte Fachkräfte mit kühnem Schwung ein Haus für Behinderte bauen, allen Schwierigkeiten zum Trotz.

Wie kommt es dazu? Jesus verweist uns auf den heiligen Geist. Damals, in Jerusalem, wirkte dieser im Verborgenen. Erst mit Jesu Verherrlichung wird er öffentlich wirksam. Wenn wir an Christus unseren Herrn glauben, wird der Heilige Geist mitten unter uns sein. Dann werden wir verändert und nichts bleibt mehr wie es war. Eine Woge der Kraft wird uns dahin tragen, wo Gott uns haben möchte.

Manfred Siebald hat es einmal so ausgedrückt:

Herr, meinen Durst nach Leben stillst nur du allein.
Ich will im Strom des Lebens eine Welle sein.
Nur eine Welle, die vor Freude schäumt
weil sie in dir entspringt,
und die noch im Zerfließen davon träumt,
dass sie den Durst`gen Wasser bringt.


Amen.



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Zuletzt geändert am 21.05.2011 von: (fp)