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Johannistag, 1. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 26. Juni 2011

Johannistag - ER muss wachsen, ich aber muss abnehmen

22 Darauf ging Jesus mit seinen Jüngern nach Judäa. Dort hielt er sich mit ihnen auf und taufte. 23 Aber auch Johannes taufte damals, und zwar in Änon bei Salim, weil dort viel Wasser war; und die Leute kamen und ließen sich taufen. 24 Johannes war nämlich noch nicht ins Gefängnis geworfen worden.

25 Da kam es zwischen den Jüngern des Johannes und einem Juden zum Streit über die Frage der Reinigung. 26 Sie gingen zu Johannes und sagten zu ihm: Rabbi, der Mann, der auf der anderen Seite des Jordan bei dir war und für den du Zeugnis abgelegt hast, der tauft jetzt, und alle laufen zu ihm.

27 Johannes antwortete: Kein Mensch kann sich etwas nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist. 28 Ihr selbst könnt mir bezeugen, dass ich gesagt habe: Ich bin nicht der Messias, sondern nur ein Gesandter, der ihm vorausgeht. 29 Wer die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dabeisteht und ihn hört, freut sich über die Stimme des Bräutigams. Diese Freude ist nun für mich Wirklichkeit geworden. 30 Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.


Johannes 3, 22-30

Liebe Gemeinde!

1.1 Haben Sie in den vergangenen Nächten die Feuer am Strand gesehen? Auch in Spanien ist es eine alte Tradition, in der Johannisnacht Feuer anzuzünden. Das Licht brennt in der Finsternis. Das ist die Botschaft. Und: Das Alte muss weg. Buße und Umkehr, sie zeigen sich im verzehrenden Feuer, der Asche.
Im spanischen Sprachkurs gab es für uns Anfänger die Geschichte zu lesen, wie der alte, teure, hölzerne Wohnzimmerstuhl vom Sohn im Garten abgefackelt wurde. Es musste doch zu Johannis etwas brennen.
Was ist der Johannistag für ein Tag?

1.2 Einige nordische Länder feiern ihre Nationaltage an diesem Datum. Denn in den dunklen Regionen des Nordens ist jetzt die Nacht am kürzesten und der Tag am längsten. Weil es nicht ganz dunkel werden kann brennen zum Zeichen dafür überall Feuer.

1.3 Im Kalender ist es beinahe die Mitte des Jahres, der 175. Tag. Die Kirche hat auf den 24. Juni, die Sommerweihnacht, den Geburtstag von Johannes den Täufer gelegt, ein halbes Jahr vor Weihnachten mit der Geburt Jesu am 24. Dezember.

1.4 Die Katholische Kirche feiert ein Hochfest mit besonderer Liturgie. Für Menschen gibt es nur vier im ganzen Jahr: Joseph, Petrus und Paulus. Und eben für Johannes. Auch die evangelische Kirche denkt an den Johannistag mit besonderen Lesungen. Warum ist das Mittsommerfest etwas Besonderes?

1.5 Es lässt sich heute nicht mehr entwirren, was die Quellen welcher Traditionen sind. Zu breit ist der Strom von Sitten und Gebräuchen. Schauen wir auf den Bibeltext. Der hilft uns nicht nur zum Verstehen bekannter Gebräuche. Er hilft uns, im Glauben zu wachsen.


2.1 Johannes der Täufer war eine schillernde Figur. Freund und Feind rief er zur Umkehr und zur Buße auf. Als Ort hatte er sich dafür die Wüste ausgesucht, einen Ort, wo nur noch Lebenswichtiges zählt. Luxus ist hier nur Last.

2.2 Kehrt um! Das sagte er den Menschen von der Straße. Kehrt um! Das sagte er heuchlerischen Religionsvertretern. Kehr um! Das ließ er Herodes, der politischen Führung im Land, ausrichten. Gott hält Gericht über jeden. Wer jetzt nicht reagiert und anders lebt, den wird ER treffen.

2.3 Und dann steht Jesus vor Johannes. Und Johannes erkennt Ihn als den Sohn Gottes. Er sagt: Das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt.

2.4 Konnte jemand besser auf Jesu Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen hinweisen? Kehrt um. Dort ist Der, der Sünde wegnimmt, die ihr ablegt.

2.5 Er war der beste Wegweiser zu Jesus, der größte Prophet vom Reich Gottes, der klarste Hinweis auf IHN, den Herrn. Ein glaubwürdiger Zeuge.


3.1 Unsere Erzählung bestätigt dies. Neidisch sind die Jünger des Johannes auf die Jünger Jesu. Auch sie taufen. Und zu ihnen kommen mehr Menschen als zu ihrem Meister. Hat Er etwa eine "bessere Reinigung"? Alle laufen zu IHM. So ihre Klage. Und Johannes. Er zeigt ihnen auf: Genau darum geht es doch. Ich bin nicht der Messias, sondern der Gesandte, der ihm vorausgeht. Hauptsache sie gehen zu IHM. Die Braut gehört zum Bräutigam, die Kirche gehört zu Jesus. Freut sich der Freund des Bräutigams nicht mit, wenn die Braut erscheint? ER muss wachsen, ich aber muss abnehmen.

3.2 Johannes gibt so nicht nur einen Hinweis auf Jesus. Er lebt vor, Jesus groß zu machen.
Wie viel Neid gibt es unter Glaubenden? Sollten nicht alle Christen wie Johannes nicht den Erfolg für sich, sondern den für den Herrn an erste Stelle setzen? Der Herr ist groß, nicht ich, selbst wenn ich ein großer Hinweis auf Ihn sein darf. Die Jünger schafften das nicht. Johannes lebte es.
Wie gut tut das, Menschen zu treffen, die Jesus groß machen. Sie lassen sich nicht verwickeln. Sollten wir nicht solche Menschen werden? ER muss wachsen, ich aber muss abnehmen. Das ist das Ziel.

3.3 Und Johannes gibt einen klaren Hinweis, warum er so demütig leben und reden kann. Kein Mensch kann sich etwas nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist (27).
Er fragt damit: Wozu bist du berufen? Das ist die entscheidende Frage für dich. Das erkenne. Das ergreife. Das erfülle. Darin sei zufrieden. Denn das ist dir vom Himmel gegeben.
Greife nicht nach anderem, denn dann greifst du ins Leere. Greifst du aber nach dem, was dir der Himmel gibt, dann wird dir das Kleine groß, die scheinbare Niederlage ein Sieg, das Geringe wertvoll.
Johannes zeigt in einer Welt voll Neid den Weg der inneren Zufriedenheit. Er lebte es.


4.1 Wir verstehen jetzt, warum die Tradition den Johannistag, seinen Geburtstag, auf die Mittsommernacht legte. Er ist wirklich unter allen Nächten dieser Welt die hellste. Mit ihm ist in aller Dunkelheit unseres unerlösten Lebens ein helles Feuer entfacht worden. Buße brennt, aber sie macht auch etwas hell und licht. Sie verzehrt Altes und stiftet neue Lebenswärme. Sie macht klar, wozu wir leben. Lebensneid stirbt. Jesus wird groß.
Es ist die hellste Leistung einer dunklen Welt, auf die Erlösung Jesu hinzuweisen, ein Leben in Zufriedenheit zu finden. In der hellsten Nacht des Jahres soll dies gefeiert werden.

4.2 Wenn wir diesen Weg des Glaubens gehen, wo Er wächst und ich abnehmen, dann wird das in den Tagen der zweiten Jahreshälfte sogar zeichenhaft im Kalender wahr: Die Tage werden kürzer.

4.3 In der längsten Nacht, im tiefsten Dunkel, wird dann Gott Mensch durch Jesu Geburt, am 24. Dezember zu Weihnachten.
Johannes wird zum Zeichen des größten Menschen, Jesus zum Zeichen für den niedrigsten Menschen, in dem Gott zur Welt kam. Die Sonne steht am höchsten - sie steht am tiefsten, Sommerweihnacht - Winterweihnacht, Johannistag - Heilige Nacht, 24. Juni - 24. Dezember. Der Kalender weist auf dieses geistliche Geheimnis.

4.4 Doch klar ist auch: es ist nur ein Feuer. Das schafft Licht und Wärme. Aber die Sonne ist das nicht. Die bleibt mit ihrem Tageslicht die eigentliche Quelle von Wärme und Leben.
So auch als Bild. Johannes war zwar ein Feuer in der Nacht. Das hilft, das leuchtet, das fasziniert. Doch Jesus ist die Lebenssonne, die Leben spendet. Ein Licht, das viel mehr leuchtet als die Feuer unserer Welt.


5.1 So lassen Sie uns zum Johannistag hören und tun, was in einem ökumenischen Kirchengebet zu diesem Tag festgehalten ist:

Täufer, was sollen wir tun, wenn ER jetzt kommt? -
Dem Herrn die Ehre zollen und glauben Seinem Bund.
Täufer, was sollen wir tun, wenn ER jetzt kommt? -
Teilt Brot und Mantel, raubt niemandem sein Gut
und macht mit eurem Wandel bedrückten Menschen Mut.

(Jürgen Henkys nach Huub Oosterhuis)

Amen.


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Zuletzt geändert am 16.06.2011 von: (fp)