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12. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 11. September 2011

Bilder des Heils

Friede und Glück für Israel:
17 Nur noch kurze Zeit, dann verwandelt sich der Libanon in einen Garten, und der Garten wird zu einem Wald.
18 An jenem Tag hören alle, die taub sind, sogar Worte, die nur geschrieben sind, und die Augen der Blinden sehen selbst im Dunkeln und Finstern.
19 Die Erniedrigten freuen sich wieder über den Herrn, und die Armen jubeln über den Heiligen Israels.

20 Denn der Unterdrücker ist nicht mehr da, der Schurke ist erledigt, ausgerottet sind alle, die Böses tun wollen,
21 die andere als Verbrecher verleumden, die dem Richter, der am Tor sitzt, Fallen stellen und den Unschuldigen um sein Recht bringen mit haltlosen Gründen.

22 Darum - so spricht der Herr zum Haus Jakob, der Herr, der Abraham losgekauft hat: Nun braucht sich Jakob nicht mehr zu schämen, sein Gesicht muss nicht mehr erbleichen.
23 Wenn das Volk sieht, was meine Hände in seiner Mitte vollbringen, wird es meinen Namen heilighalten. Es wird den Heiligen Jakobs als heilig verehren und erschrecken vor Israels Gott.
24 Dann kommen die Verwirrten zur Einsicht, und wer aufsässig war, lässt sich belehren.


Jesaja 29, 17-24

Liebe Gemeinde!

1.1 Es gibt Bilder des Heils und es gibt Bilder des Schreckens.

1.2 Nur noch kurze Zeit, dann verwandelt sich der Libanon in einen Garten (17), so beginnt unser Text. Bilder aus dem Libanon - die Flagge zeigt die Zeder - erinnern nicht an den Garten, sondern an den letzten Waffengang Israels mit dem Land vor fünf Jahren. Das Land taumelt im Nahostkonflikt. Panzer in Beirut. Bilder des Schreckens.

1.3 Wir brauchen an diesem Wochenende nicht lange suchen, um weitere Bilder des Unheils zu entdecken. ‚Mein Gott!' Das war der Ausdruck vieler, die die beiden Türme des World Trade Centers vor 10 Jahren in sich zusammen sinken sahen. Seitdem gehören die rauchenden Türme vom 11.09.2001 zu den Bildern des Schreckens dieser Welt.

1.4 Es gibt auch Bilder des Heils. Drehen wir die Zahlen von 11/9 um zu 9/11. Ich träumte in der Nacht vom 9. November 1989, jemand lief an einer langen Mauer und rief laut: Sie ist gefallen, sie ist gefallen. Am Morgen erfuhr ich: Die Berliner Mauer ist gefallen. Ich habe mir später ein Mauerstück in Berlin geholt und es verschenkt. Als Bild des Heils. Mauern können fallen.


2.1 Nun sind wir selbst gefragt. Wir alle leben mit inneren Bildern, die uns begleiten. Sterbende berichten, dass alte Bilder wieder vor ihnen stehen. Es mag das Streicheln der Oma über das Haar sein, der eingequetschte Fuß in der Gittertür oder auch ein religiöses Bild. Merkwürdig was unsere Seele speichert. Wir erinnern uns meist unfreiwillig. Dann aber kräftig. Bum ist es wieder da. Und wir erinnern uns meist an Bedrückendes. Bilder des Heils müssen wir suchen. Das Unheil kommt allein vor unser Auge. Warum?

2.2 Unsere Seele speichert, was sie ist. Sie ‚isst und trinkt', was sie ist. Und weil erhebliche Anteile in uns auch Angst und Sorge sind und wir auch Dunkles in uns tragen, zieht sie dunkle Bilder an: Bilder des Schreckens, der Angst, der Sorge. Wir wurden damit gefüttert. Aber - und das ist entscheidend - wir futterten sie auch. Deshalb sind sie in uns. Deshalb kommen sie auch wieder hoch.
Und die Bilder des Heils? Sind die nicht auch in uns? Warum nur überfluten sie uns nicht den ganzen Tag? Es wäre doch zu schön. Wir wären dann so reich.
Sind wir für sie geblendet? Wie werden unsere Augen für sie aufgetan?

2.3 Bilder des Heils, wie erobern sie unser Herz? Wie werden sie uns eigen? Unser Text ist voll davon.


3.1 Ins Jahr 700 vor Christus gehen wir zurück.

3.2 (30, 13) Eine Mauer, seht ihr sie, ruft der Prophet Jesaja. Da, ein Stein, und noch einer, sie wackeln, es bröckelt, sie fallen. Und bald stürzt sie im Ganzen ein. - Mit diesem Bild beschreibt der Prophet seine Warnung an das Volk Gottes. Zusammenbruch auf der ganzen Linie. Warum? Assur - das Gebiet von Irak und Iran - war neue Großmacht geworden. Es wollte die Provinzen am Mittelmeer unterwerfen, auch Juda. ER, der Herr, wird es verhindern, weissagte der Prophet. Macht keine Anti-Assyrischen Bündnisse. Aber genau das tat die Regierung. Sie kaufte sich mit viel Geld in Ägypten ein, der einzigen Gegenmacht. Es wird nicht helfen, warnte der Prophet, ihr werdet arm und erfolglos sein. Doch mein hörte nicht. Die ersten Steine fallen. Ihr denkt, ihr baut eine Mauer. Sie wird stürzen. So das Prophetenwort.

3.3 Und dann unser Wort. Wenn ihr am Ende seid, dann kommt eine andere Zeit: Tauben wird das Gehör geöffnet. Sie hören nicht nur. Sie verstehen von innen, meine geschriebene Worte - der Prophet hatte seine Botschaft schriftlich niedergelegt (8, 16). Blinde werden sehen. Aber nicht nur mit den Augen, sondern mit dem Herzen, selbst im dunkeln und finsteren. Sie werden sehen, dass der Herr hilft. Da, ein Gebeugter. Man hat ihn denunziert. Du vertraust auch auf dieses Gotteswort. Wie sieht er jetzt aus. Er strahlt, geht aufrecht: Ich freue mich über den Herrn. ER hat geholfen. Und dort ein Armer. Er lacht. Er jubelt über den heiligen Gott. Der hilft.

3.4 Prophetenworte gehen in Erfüllung. So weissagt der Prophet. Flasche Bündnisse zerbrechen. Gottes Hilfe steht. Wer dagegen blind und taub war wird es sehen und hören und erkennen. Wer darunter gebeugt und arm geworden war wird lachen und jubeln. Unterdrücker und Schurken werden ausgerottet sein. Verwirrte kommen zur Einsicht. Aufsässige lassen sich belehren. Der Name Gottes wird heilig gehalten. Denn ER hat es bewirkt. Bilder des Heils, die der Prophet zeichnet. Bilder des Heils zu einer Zeit, in der das Unheil regierte.

3.5 Und was geschah? Trugen diese Bilder des Heils? Erfüllten sie sich? Ägypten half nicht gegen Assur. Jerusalem wurde von Assur belagert und würde fallen. Doch in einer Nacht wendet der Herr das Geschick. Das Heer von Assur zieht ab (37, 36). Das Prophetenwort ist wahr geworden. Die Bilder des Heils haben getragen für die, die vertrauen.


4.1 Erinnern wir uns, dass Jesus diese Prophetenworte aus Jesaja aufnimmt. Jesus stellt sich damit vor: ER hat mich gesandt, damit Ich den Armen gute Nachricht bringe, Gefangenen die Entlassung verkünde und Blinden die Augen öffne (Lukas 4, 18). Es sind die gleichen Bilder, Bilder vom Reich Gottes. Da setzt Gott sich durch. Da geschieht, was ER sagt. So bei Jesaja, so bei Jesus.

4.2 Und haben sie sich bei Jesus erfüllt?
In noch viel tieferem Sinn als bei Jesaja. Jesus hat viele geheilt, so dass sie wieder sehen und laufen konnten. Dazu hat Er die gute Nachricht gebracht, Gottes Reich ist nah, es ist in dir. Trachte du zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, dann wird dir alles andere zufallen. Bilder des Heils gelten für dich. Trachte nach ihnen. Nimm sie für dich. Sie können in dir sein. Lebe sie.


5.1 Nun sind wir bei unserer Ausgangsfrage. Bilder des Schreckens, Bilder des Heils. Die einen wirken schnell. Die anderen sind flüchtig. Wie leben und überleben ins uns Bilder des Heils?

5.2 Erinnern wir uns. Bilder ruhen in unserer Seele, unserem Wollen, Denken, Fühlen, Handeln. Unsere Seele ist, was sie isst, in sich nimmt, worauf sie sich stellt, was sie in ihre Mitte lässt.

5.3 Nimm ein Bild des Heils und lass es in die Mitte deines Herzens, damit es deine Seele füllt. Wolle es, denke es, fühle es, handele danach. Dann wirst du es überall wiederfinden und erkennen. Und du wirst im Sehen und Erkennen wachsen. Der Libanon in dir wird nicht nur unbebauter Wald sein, sondern zu einem Fruchtfeld werden, zu einem blühenden Garten. Wer das nicht tut, dem wird der Garten seines Lebens schnell zu einem wuchernden Wald werden können. So das Prophetenwort.

5.4 Konkret ist Jesu Kreuz das Bild des Heils der Christenheit. Nimm dies zum Beispiel oder eines, was für dich Gottes Wirken fasst. Hole es in dich beim Aufwachen und beim Einschlafen, beim Innehalten während des Tages und beim Anpacken, wenn es los geht, in Freude und in Schmerz. Dann wirst du Leiden und Erlösung anders sehen lernen. Es wird dich reich machen. Es wird selbst die Bilder des Unheils in dir verwandeln. Denn Gutes kann das Böse ändern, nicht umgekehrt.

5.5 Und Gottes Geist kann wie bei Jesaja Bilder des Heils in uns nutzen. Er wirkt durch sie. Darin sind sie wie Fenster des Himmels in uns. Lassen wir Ihn hineinstrahlen. Schauen wir hindurch.

Amen.


Kreuz im Sand Kreuz im Sand


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Zuletzt geändert am 09.09.2011 von: (fp)