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13. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 18. September 2011

Geistliche Verwandte

31 Da kamen seine Mutter und seine Brüder; sie blieben vor dem Haus stehen und ließen ihn herausrufen.
32 Es saßen viele Leute um ihn herum, und man sagte zu ihm: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und fragen nach dir.
33 Er erwiderte: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?
34 Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen, und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder.
35 Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.


Markus 3, 31-35

Liebe Gemeinde!

1.1 Es gibt Worte, die sitzen wie Pfeile oder sogar noch tiefer. "Du bist nicht mein Sohn". "Du bist nicht meine Mutter". Das sticht und bleibt ein Leben lang hängen.

1.2 Dahinter stehen meist Szenen menschlichen Zerwürfnisses. Wenn die tiefste Bindung in die Wagschale geworfen wird, dann sagt das viel über die Verletzung. Denn eines ist klar: Mutter bleibt Mutter.

1.3 War das so bei Jesus? War er verletzt von seinen Verwandten? Wir wissen davon nichts.

1.4 Er hätte froh sein können, dass sie sich melden. Denn zuvor hatten ihn die Pharisäer des Tempels für einen Verwandten von Beelzebub, dem Chef der Teufel, bezeichnet. So berichtet Markus. Da ist es doch ein Trost, wenn die Mutter auftaucht und sagt: Ich bin da. Du gehörst zu uns.

1.5 Doch Jesus sagt: Ich bin kein Sohn des Teufels. Aber meine Verwandtschaft ist auch nicht die natürliche Familie. Verwandt sind die, die Gottes Willen tun. Was für eine Dimension zeigt Jesus hiermit auf? Was ist das: Geistliche Verwandtschaft? Was sagt sie unserem Glauben?


2.1 Familie Gottes ist kein Alibi für Familienprobleme, kein Ersatz. Das würde nicht zu Jesus passen. Wir sehen später, dass Jesus sehr wohl auch für die Seinen sorgt. Noch am Kreuz vertraut Er seine Mutter der Fürsorge von Johannes an. Sieh, das ist deine Mutter, sagt Er zu ihm.

2.2 Familie Gottes nimmt geistliche Bindung ernst. Ist jemand in seinem Herz zu aller erst mit Jesus, Seinem Herrn, verbunden, dann strahlt das aus. Das Licht der Ewigkeit fällt in sein Herz. Der Geist leuchtet nicht nur mit irdischer Begabung. Er hängt nicht nur an Blutsverwandtschaft, die ihn bindet. Er hängt an Jesus, liebt Ihn, lebt von Seiner Liebe, strahlt Ihn aus.

2.3 Das ist erstaunlich, dass unser Geist sehr offen und flexibel ist. Tun wir nichts ist er durch unsere Seele gebunden an die Blutsverwandtschaft bis in das dritte Glied im Hinblick auf Verletzungen und Sünde. Wie viel wird heute erst an Traumata entdeckt von damaligen Kriegskindern. Und was an Nöten lebt unbewusst in uns von Eltern und Großeltern weiter.
Doch tausend Generationen bindet sich der Geist an Segen, das heißt ohne Ende. Wer Jesus und Sein Heil für sich als Seine erste Bindung wählt, der lebt in diesem Segensstrom. Er gibt ihn auch in seiner natürlichen Verwandtschaft weiter. Doch Träger dafür ist dann nicht mehr die natürliche Bindung einer Blutsverwandtschaft. Träger dafür ist Gottes Geist, der in uns lebt. Für die, die mit uns leben, ist Er ebenfalls als Segensquelle wählbar. Geschieht dies entsteht geistliche Verwandtschaft. Sie kommt vom Himmel.


3.1 Wie schön ist es, wenn ich auf Erden sagen kann: Ich bin mit dir verwandt in der Familie und im Himmel. Das ist Segen.

3.2 Doch meistens ist das anders. Natürliche Verwandtschaft ist selten auch Familie Gottes. Die meisten Christen sind in ihrer eigenen Familie allein. Die Wahl für Jesus als die erste Bindung, sie konkurriert für alle, die sie gar nicht kennen und deren Herz die Blutsverwandtschaft als das Höchste stellt. Fromme Spinnerin, ich zähle wohl nicht mehr, ist wohl was Besseres, die mit ihrem Jesus und der Kirche - wie viele Pfeile wurden schon auf Christen abgeschossen. Da lernt sich Demut und Verzeihen.

3.3 Da lässt sich gar nichts diskutieren. Denn was ich für mich selbst in meinem Geist entscheide, was in der Mitte meines Herzens zählt, das kann ich zwar erzählen. Dennoch bleibt es stets ein "verborgener Schatz" in meinem Lebensacker. Ich kann ihn nie direkt zeigen. Sichtbar sind nur die Wirkungen. Wirkt Jesus in mir gut, dann kommt auch Seine Liebe aus mir heraus. Die Liebe zu Ihm und zu den Menschen, auch den Verwandten. Das ist in der Verwandtschaft dann immer noch die beste Predigt.

3.4 Erst wenn Offenheit entsteht lässt sich auch sprechen. Was bewegt dich wirklich? Warum bist du so? Wofür hast du dich eigentlich entschieden? Warum bist du anders und warum? Warum kannst du denn Jesus lieben und auch mich. Und es ist keine Konkurrenz? Da öffnet sich die Tür. Doch gehen muss ein jeder selbst in seinem Geist in diesen eigenen Raum der Stille vor Gott, um dort zu wählen: Du zu erst. Und dann entsteht die geistliche Verwandtschaft.

3.5 Wie immer man geistliche Verwandtschaft ausdrückt ist egal. Sie treffen auf Konferenzen oder im Urlaub Menschen. Und sie wissen in einer Sekunde, die haben auch Jesus als Herrn für sich gewählt. Sie wissen nichts von denen, kennen keine Geschichte oder Lebensumstände. Und wenn jemand dann als Wiedererkennung sagt: Are you born again? Dann kann ich ohne Schwierigkeiten: I am, sagen. Es in jeder Sprache und Kultur mit anderen Begriffen festgehalten, was Jesus meint: Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter (35).


4.1 So gibt uns Jesus mit dem schroffen Wort der scheinbaren Ablehnung seiner natürlichen Verwandten den entscheidenden Hinweis auf eine innere Unterscheidung.

4.2 Wofür hat sich dein Herz entschieden im Hinblick auf die erste Bindung deines Lebens. Du bist auf dieser Erde nicht allein, um deine natürlichen Bindungen verantwortlich zu leben. Das sollen wir alle. Du bist zudem berufen von Gottes Geist. Hat dein Geist dazu schon Ja gesagt?
Verantwortlich sollst du nach deinem Willen leben. Doch wartet Er, dass du auch Seinen Willen lebst. Du wählst. Tust du dies und entscheidest dich für Ihn bist Du ein Gotteskind mit himmlischer Verwandtschaft.


5.1 In der Sterbebegleitung begegne ich oft der Frage, ob wir im Jenseits unsere Verwandten wiedertreffen. Sehen wir dort unsere Eltern, Partner, Kinder?

5.2 Nach dem, was wir vom Jenseits als Christen wissen, besteht daran wohl kaum Zweifel. Doch wird nicht mehr die Blutsverwandtschaft zählen, auch nicht mehr die Wahlverwandtschaft einer Partnerschaft. Jesus sagt: Es wird im Himmel nicht mehr gefreit.

5.3 Doch wissen wir nach diesem heutigen Text, wie wir die Zukunft sehen können. Die geistliche Verwandtschaft zählt im Himmel. Befreit von seelischen Schwächen und irdischen Nöten wird was in unserem Geist lebt Bindung sein. Himmel ist, wenn unser "verborgene Schatz" ganz offenbar ist und alles bestimmt. Dann wird der Geist von Gott, der in uns lebt, nicht nur die erste Wahl, sondern auch erste Führung sein. Sichtbare Realität. Dann wird sich zeigen, dass der hier so "gemischte Acker" unserer Kirchen auch Himmelsfrüchte auf sich trägt.

5.4 Bis dahin lernen wir: Liebe.


6.1 Und wer in seiner geistlichen Verwandtschaft Verantwortung übernimmt, der wird dann Vater und Mutter im Glauben für andere Menschen. Du wirst viele Kinder haben. Hat ihnen dies schon Gott gesagt? Und sie können vielleicht gar keine Kinder mehr bekommen. Oder sie haben gar keine. Wenn ja, dann wissen sie, was ihre Aufgabe ist.

6.2 Es ist schön, geistlich verwandt zu sein. Es führt in eine himmlische Weite.

Amen.




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Zuletzt geändert am 16.09.2011 von: (fp)