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Erntedankfest
15. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 2. Oktober 2011

Erntedank - Dank sagen

28 Da sagte Petrus: Du weißt, wir haben unser Eigentum verlassen und sind dir nachgefolgt.
29 Jesus antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Jeder, der um des Reiches Gottes willen Haus oder Frau, Brüder, Eltern oder Kinder verlassen hat,
30 wird dafür schon in dieser Zeit das Vielfache erhalten und in der kommenden Welt das ewige Leben.


Lukas 18, 28-30

Liebe Gemeinde!

1.1 Es steht so viel im Weg, bis wir einmal Danke sagen. Dabei meine ich gar nicht die Eigenart von Schwaben, bei denen es heißt: Nicht geschimpft ist halb gelobt. Ich meine wirklich den Dank im Herzen. Was in uns ist, nicht nur was rauskommt. Dank wird so schnell übergangen, zugeschüttet, überrannt. Keimt er auf, schwupp ist er weg. Das Leben tritt ihn nieder.

1.2 Ein Dank in der Familie würde manchem Krach das Feuer nehmen. Ein Dankeschön an unsere Nachbarn würde manches Wunder wirken. Ein Dank an Mitarbeitende an richtiger Stelle: es tut so gut. Ein Dank für eine Hilfeleistung, es wäre so einfach und würde Wiederholung leichter machen. Ein Dank an Gott, es würde Freude in unsere Herzen einziehen. Es steht nicht nur so viel im Weg. Wir selbst stehen uns im Weg. Warum?

1.3 Dank ist empfindlich. Warum? Er ist nicht machbar. Ich mache keinen Dank. Ich werde dankbar. Ich empfange ihn, spüre ihn in mir, lasse ihn wieder heraus. Dank geht durch mich. Dank hat einen langen Weg hinter sich, wenn er die Chance bekommen hat, durch einen Menschen durchzukommen. Er kann hängen bleiben: ich bin beschäftigt. Ich bin sauer. Mir geht es nicht gut. Ich sorge mich. Ich habe Urlaub. Dank zwingt sich nicht auf. Er klopft nur an. Wenn ich besetzt bin sagt er: Dann eben nicht.

1.4 Die meisten Menschen gehen ohne Dank durch ihren Alltag. Sie wissen es. Würden sie gefragt, dann hieße es: Sollte ich dankbar sein? Aus welchem Grund? Was ich hab habe ich mir erkämpft. Mit hat keiner Danke gesagt. Und als Kind musste ich immer Danke sagen. Das habe ich gehasst.

1.5 Im Geheimen weiß jeder, dass das eine Abwehr ist. Ein vielleicht richtiges Argument wird für Falsches eingesetzt. Natürlich kann ich in aller meiner Tüchtigkeit auch dankbar sein. Natürlich kann ich im Herzen ein dankbarer Mensch sein, auch wenn mich manche Höflichkeit genervt hat, die ich lernen musste. - Nebenbei: Wer es als Kind nicht lernte, höflich zu sein, hat es später oft viel schwerer. - Es geht nicht nur um Regeln des Benimms. Es geht um eine Herzenshaltung. Ist die von Dank geprägt? Und wenn nicht: wie werde ich ein Mensch voll Dankbarkeit? Was muss geschehen, dass Hindernisse Dank nicht mehr ersticken?


2.1 Wir haben einen Bibeltext, der uns gute Hinweise gibt. Im Kern geht es um einen Jüngerhinweis an Jesus: Wir haben schon sehr viel für Dich gemacht. Und um Jesu Antwort.

2.2 Vorher hatte der sogenannte Reiche Jüngling einen deutlichen Eindruck hinterlassen. Ein Kamel geht nicht leicht durch ein Nadelöhr. Wer viel hat und ein reich beladenes Kamel geworden ist, dessen Herz ist schnell davon gefangen. Nur schwer lässt sich ablegen, was sonst nicht durch das Nadelöhr hindurchpasst. Das Nadelöhr war damals wohl ein niedriges Tor in der Jerusalemer Mauer. Der Reiche Jüngling, er ging weg wie ein beladenes Kamel. Er ging nicht mit Jesus.

2.3 Vor diesem Hintergrund sagt Petrus: Wir haben viel verlassen. Das heißt: Wir sind durchs Nadelöhr gegangen. Wir haben unser Herz an Dich gehängt, nicht an das, was wir haben. Du bist unser Eigentum, nicht unser Besitz.

2.4 Ein schönes Wort. Wie gut für jeden, der es mitspricht. Wie gut, wer so sein Herz auf Kurs hat und seine Schultern frei. Wie gut, wer so zu seiner Taufe steht. Gestorben ist für mein Herz alles, was mich bindet. Mein Leben ist der Herr. ER ist mein Eigentum. Dazu habe ich noch manchen anderen Besitz. Den will ich wohl in Seinem Sinn verwalten. Dann zieh ich einmal frei das letzte Hemd mir an, wenn es so weit ist, das keine Taschen hat. Denn Seinen Reichtum nehme ich mir mit in meinem Herzen.
Zu einem solchen Weg des Herzens kann ich mich entscheiden.


3.1 Merkwürdig. Jesus reagiert nicht - wie ich - mit Lob auf diese großartige Einstellung des Petrus. Warum? Es fehlt Ihm nicht an Würdigung. ER führt nur weiter. ER weiß, so leben ist noch nicht das Ziel, es ist der Anfang. Auch wenn wir oft noch lange vor dem Anfang sind. Jesus führt weiter.

3.2 Denn um des Herrn, um Gottes willen zu verzichten ist nur eins. An sich fordert das meinen Willen. Den will Gott auch von mir. Willst du Mich?, so fragt ER. Doch das macht noch nicht froh. Es ordnet nur. Und wer sein Leben lang an diesem Punkt nicht weiter kommt, der wird irgendwann schnell mürrisch. Verzichts-Christen sind zu würdigen. Doch sind sie oft wie eine bittere Pille. Sie laden ein und meckern. Sie tun viel und stöhnen. Sie tragen viel und zeigen es sehr deutlich. Was habe ich alles vor dem Nadelöhr abgelegt! Und was habe ich für andere schon getan! Und das stimmt auch.
Nur andere sagen: Christen müssten erlöster aussehen.
Was müsste noch dazukommen, so dass es stimmt?


4.1 Wie schön, dass Jesus unser Seelsorger ist. ER fordert nicht, was ER nicht gibt. Bei Ihm sind wir in exzellenter Begleitung. So Seine Jünger auch schon damals.

4.2 Was Jesus sagt wird hinlänglich als Gotteslohn bezeichnet. Im Volksmund spricht man vom "Vergelt's Gott"! Im übelsten Sinne meint man damit auch: kannst du abschreiben. Ist verloren. Da wartest du bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Doch steckt in diesem Jesuswort ein wunderbares Geheimnis, das unser Volksmund diesmal nicht erfasst.

4.3 ER spricht von einem Strom des Lebens, in dem wir unsere Lebenszeit verbringen. Und dabei werden uns - mit eigenem Bemühen - Menschen geschenkt und Güter dieser Welt zu Eigen. Das was wir haben ist Geschenk. Es geht durch unsere Hände, kommt aber her von Gott. Reich sind wir durch den, der uns reich macht. Schaffen können wir, weil ER für uns zuvor bereitet hat, was wir an guten Dingen tun. In diesem Strom zu leben, das macht dankbar. Es macht frei. Und es macht froh. In dem was ich bin, tue und habe bin ich Teil von Dir, Herr. Wer das erkennt bekommt viel mehr zurück als es sich ahnen lässt. Der Sinn des Lebens ist erfüllt mit Dank.

4.4 Dahin führt Jesus Seine Jünger. Verzichten wird in Größeres eingebettet. In den Strom des Lebens, der mich trägt und der nur Gnade ist. Dies sehen und erkennen, das macht Dank.

4.5 Und Jesus meint, das sei hier nur ein Vorspiel, ein kleiner Imbiss, ein Vorgeschmack. Denn dieser Strom des Lebens wird zur Fülle in der Ewigkeit. Freu dich! Es kommt noch mehr. Das ist die Botschaft. Lass davon doch dein Herz durchdrungen sein. Dann lebst du die Erlösung und siehst vielleicht auch zwischendurch ein wenig erlöster aus.

4.6 Natürlich ist dieser Gnadenstrom auch "Gotteslohn". Doch falsch ist an dem Wort jeglicher Gedanke an Verdienst und Gegenleistung. Genau darum geht es ja nicht. Dank kommt nicht durch Verdienst in unser Herz. Dank kommt durch die Einsicht in die Gnade, die mir geschenkt ist. Groß wird er, wenn diese Einsicht groß wird, wenn sie mein Leben mehr und mehr durchdringt. Herr, danke, Du hast zuvor bereitet, was ich für dich hier sein und auch tun kann. Und Danke Herr, einmal wird das in Ewigkeit vollendet werden ohne die Fehler dieser Welt. Ich freue mich auf Deine Vollendung.


5.1 Wer danach lebt und Jesu Worte mit sich nimmt, dem ist der Weg zum Danken frei. Da ist die Laune sicherlich auch mal im Keller. Nicht jeden Tag scheint unserer Seele eben Sonne. Doch unser Herz ist dabei immer noch im Dank. ER gibt. Wir nehmen. Und wir geben Ihm und anderen zurück.

Amen.


Kleines Senfkorn Hoffnung Kleines Senfkorn Hoffnung, pdf


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Zuletzt geändert am 29.09.2011 von: (fp)