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17. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 16. Oktober 2011

Der Glaube ist der Löffel

17 Einer aus der Menge antwortete ihm: Meister, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht. Er ist von einem stummen Geist besessen; 18 immer wenn der Geist ihn überfällt, wirft er ihn zu Boden, und meinem Sohn tritt Schaum vor den Mund, er knirscht mit den Zähnen und wird starr. Ich habe schon deine Jünger gebeten, den Geist auszutreiben, aber sie hatten nicht die Kraft dazu. 19 Da sagte er zu ihnen: O du ungläubige Generation! Wie lange muss ich noch bei euch sein? Wie lange muss ich euch noch ertragen? Bringt ihn zu mir! 20 Und man führte ihn herbei.
Sobald der Geist Jesus sah, zerrte er den Jungen hin und her, so dass er hinfiel und sich mit Schaum vor dem Mund auf dem Boden wälzte. 21 Jesus fragte den Vater: Wie lange hat er das schon? Der Vater antwortete: Von Kind auf; 22 oft hat er ihn sogar ins Feuer oder ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen.
Doch wenn du kannst, hilf uns; hab Mitleid mit uns! 23 Jesus sagte zu ihm: Wenn du kannst? Alles kann, wer glaubt. 24 Da rief der Vater des Jungen: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!
25 Als Jesus sah, dass die Leute zusammenliefen, drohte er dem unreinen Geist und sagte: Ich befehle dir, du stummer und tauber Geist: Verlass ihn, und kehr nicht mehr in ihn zurück! 26 Da zerrte der Geist den Jungen hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei. Der Junge lag da wie tot, so dass alle Leute sagten: Er ist gestorben. 27 Jesus aber fasste ihn an der Hand und richtete ihn auf, und der Junge erhob sich.


Markus 9, 17-27

Liebe Gemeinde!

1.1 Chemie in Form von Medikamenten ist eine gute Gabe Gottes. Oft hilft sie. Wir alle sind dafür dankbar. Hätte ich keine Medikamente gegen die Legionellenerkrankung bekommen wäre ich schon tot.
Doch manchmal hat Chemie Grenzen.

1.2 Das ist dann der Fall, wenn die Ursache der Erkrankung nicht im Körper, auch nicht in der Psychosomatik unserer Seele, sondern noch tiefer in unserem Geist sitzt. Der Geist kann krank sein, gespalten, verbogen, besetzt. Lange hat man sich in der modernen Medizin dagegen gewehrt, solche nicht erfassbaren Probleme unseres Geistes als seriöse Krankheit zu verstehen. Weiß nicht - sagte man. Das stimmt natürlich auch. Doch es half nicht. Und Chemie half auch nicht. Heute ist man vorsichtiger. Nicht alle Phänomene eines kranken Geistes überlässt man den Sektierern. Man weiß noch nicht viel. Aber man weiß, dass uns viel fehlt, um Phänomene eines kranken und besessenen Geistes zu verstehen und zu behandeln.

1.3 Unsere Geschichte ist eine Erzählung von der Heilung eines besessen Jungen. Damals hatte man keine Krankenhäuser mit psychiatrischen Abteilungen. Man kannte keine Psychopharmaka. Viele Ausleger interpretieren von daher in vermeintlich besserer Kenntnis als der Schreiber des Evangeliums: Klarer Fall von Psychose. Damals sah man in jedem Baum, der im Wind ächzte, einen Geist. Also auch hier. Besessenheit können wir heute vergessen. - Wie einfach. Wie schön, wenn es so wäre. Aber selbst wenn es so wäre entgeht uns damit leicht die Besonderheit dieser Geschichte. Markus will uns etwas anderes zeigen. Und da spielt das Phänomen des abgestürzten und besessenen Geistes eine Rolle. Den gibt es bis heute. Schauen wir uns die Interpretation von Markus an.


2.1 Das war ja ein grausames Geschehen, was da von diesem Kind berichtet wird. Stumm, Fallsucht in Feuer und Wasser, Schaum vor dem Mund, Zähneknirschen, Starre. O Gott.

2.2 Wenn Jesus wirklich Heilungskräfte besaß - davon berichten die Evangelien auf Schritt und Tritt - und wenn ER ein Mensch voll Erbarmen war - auch davon erzählt fast jede Geschichte - dann fällt hier seine Härte auf. Nicht: Der arme Kerl! Sondern: O du ungläubige Generation. Das passt doch gar nicht. Zumal kommt hinzu: die Krankheit scheint wieder akut zu sein. Es bildet sich ein Menschenauflauf. Man hat schon immer gerne gegafft. Hier ist doch erste Hilfe nötig. Von alle dem nichts.

2.3 Es beginnt das Diagnosegespräch Jesu mit dem Vater. Auffällig ist, dass dabei die Frage nach dem Glauben für Jesus zentrale zu sein scheint. Der Vater will Hilfe. Jesus fragt nach dem Glauben. Dramatisch wie beide miteinander ringen. Hilf! Hab Mitleid! - Alles kann, wer glaubt. Unglaublich diese Szene vor dem kranken Kind. Warum macht Jesus das? Warum hilft ER nicht einfach? Warum fragt er in einer solchen Situation überhaupt noch nach dem Glauben? Hier treffen wir den Punkt. Hier liegt der Schlüssel. Jesus kann nicht anders. Und zwar aus folgendem Grund.


3.1 In der Geschichte vor dieser Erzählung bekommen wir einen Einblick in den Himmel. Wirklich. Es ist die Erzählung auf dem Berg Tabor. Jesus, Petrus, Jakobus und Johannes sind dort hinauf gestiegen. Und dann wird den Jüngern der innere Blick geschenkt. Sie sehen in die unsichtbare Welt. Sie hören wie sich Jesus mit Mose und Elia unterhält. Sie sehen im Geist den Himmel offen. Sie sind benommen von Wonne. Danach wollen sie drei Hütten, Tempel, geweihte Orte, Heiligtümer bauen. Für Jesus, Mose, Elia. Wie viele Heilige haben dies getan. Und wie viele Heiligtümer stehen auch hier in Spanien. Doch Jesus winkt ab. Bleibt auf der Erde mit euren Himmelseindrücken. Dafür sind sie euch gegeben, dass ihr in Liebe zu Gott und den Menschen lebt. Das hält euren Glauben frisch. Den sollt ihr hier auf Erden üben. So kommen sie vom Berg.

3.2 Und da passiert, was unsere Geschichte erzählt. Es ist als ob Jesus, dem auch das Schicksal untertan ist, seinen Jünger den nächsten Schritt im Glauben zeigt. Den Blick in die Hölle. Denn Himmel ist, wo Gottes Geist sich durchsetzt. Und Hölle ist, wo dieser Geist vor Gott flieht: verdirbt, zerbricht, zerstört. Das kann sich auch in Besessenheit zeigen. Freilich nicht nur dort. Aber auch dort.
Wasser, es heilt nicht mehr. Es ertränkt. Feuer, es wärmt nicht mehr, es verbrennt. Zerstörung aller guten Gaben Gottes ist das Ziel der Hölle. Der Junge erlebte es.

3.3 Deshalb ist Markus wichtig, dass das nicht nur ein Schnupfen, ein Rückenleiden war. Hier ist die Tür zur Hölle offen. Jesus sieht das. ER möchte Seinen Jüngern beibringen: Die Pforten der Hölle sollen dich nicht überwinden. So tief mussten sie blicken lernen, um helfen zu können bei dem armen Kerl, dem Jungen.


4.1 Jetzt ist auch klar, warum Jesus nach dem Glauben fragt. Der Glaube ist die Tür zum Geist.
Wäre es ein verstauchter Knochen gewesen, dann wäre Einrenken oder Gymnastik das Richtige. Aber bei einer Besessenheit im Geist, da hilft nur ein Wort des Geistes. Und das kann nur von uns ausgehen und in uns eingehen durch den Glauben. Vertraue ich nicht Gott, dann habe ich keinen Empfang.

4.2 Der Junge war blockiert. Der Vater ist Empfänger in seiner natürlichen Verantwortung. Durch seinen Glauben kann der Geist der Heilung seinen Sohn erreichen. Was nutzen die Tropfen, wenn ich den Löffel nicht nehme. Was nutzt der Geist, wenn ich nicht glaube. Der Glaube ist der Löffel. Durch ihn kommt Gottes Geist in mich und zu den Meinen. Und alles was Gottes Geist uns schenkt.

4.3 Der Vater hat es gepackt. Er vertraute. Egal ob in Druck wie hier oder bei einem gemütlichen Spaziergang. Vertrauen in Gott zählt. Durch das kann Jesus wirken.


5.1 Wie gut, dass es in vielen Familien noch Menschen gibt, die dieses Gottvertrauen leben. Sie sind die "Tabor Berge" unserer Welt, die geheimen Heiligen Orte, die wirklichen Heiligtümer. Durch diese Herzen kann Segen fließen. Es sähe in unseren Familien oft noch ganz anders aus, wenn diese Menschen fehlten. Erst wenn sie weg sind merken manche, was sie waren.

5.2 Halten Sie durch. Das ist die Botschaft, die Jesus damals seinen Jüngern gab. ER gibt sie bis heute. Schrecken Sie nicht zurück, selbst wenn es scheint als ob die Hölle lacht. Gott zu vertrauen bleibt die Tür, durch die Segen und Heilung fließen. Und das braucht unsere Welt. Das brauchen wir.
Bleiben Sie die Person, die jeden Tag einen Segen spricht und Fürbitte hält für alle um Sie herum. Wenn Sie es noch nicht sind: werden Sie selbst solche Gott vertrauenden und vertrauten Menschen.

5.3 Natürlich lag der Junge da wie tot. Er war es ja auch fast. Sein Geist war besetzt von Tod. Doch Jesus richtete ihn auf. Neues Leben fließt in ihn ein. Wen Jesus anfasst, der steht immer auf. Weil neuer Geist in ihn strömt. ER ist die Quelle unseres Lebens. Immer.

Amen.

Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen.
Erzählen will ich von all Seinen Wundern und singen Seinem Namen.
Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen.
Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir. Halleluja!
Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir. Halleluja!

Ich singe meinem Gott von ganzem Herzen.
Erzählen will ich von all Seiner Liebe und preisen Seinen Namen.
Ich singe meinem Gott von ganzem Herzen.
Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir. Halleluja!
Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir. Halleluja!

Ich danke meinem Gott von ganzem Herzen.
Erzählen will ich, dass er alle Menschen in Seinen Händen trägt.
Ich danke meinem Gott von ganzem Herzen.
Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir. Halleluja!
Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir. Halleluja!

EG 272, 1-3



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Zuletzt geändert am 07.10.2011 von: (fp)