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18. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 23. Oktober 2011

Reich aber draußen

17 Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?
18 Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen.
19 Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter!
20 Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt.
21 Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!
22 Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.
23 Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen!
24 Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen!
25 Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
26 Sie aber erschraken noch mehr und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden?
27 Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich.


Markus 10, 17-27

Liebe Gemeinde!

1.1 Diese Geschichte ist schon provokant. Ab welcher Gehaltsklasse oder ab welcher Rente passt man nicht mehr durchs Nadelöhr? Wie viel darf ich besitzen, erarbeitet oder ererbt, ohne draußen zu sein? Ab wann bin ich für das Reich Gottes reich?

1.2 In der Geschichte der Kirchen war dieser Text oft ein gutes Feigenblatt. Man konnte jedermann Armut predigen. Doch die Kirchen wurden reich. Wären die Kathedralen anders entstanden, die wir hier in Spanien und auf der ganzen Welt bewundern?
Kommen reiche Kirchen durch das Nadelöhr, von dem Jesus spricht? Vielleicht hat man sich dies nie selbst gefragt, sondern stets nur anderen gepredigt. Leider hatte ich dies Problem in meiner Kirche nicht. Ich musste stets mit wenig Geld höchst effektiv das Beste erwirtschaften.
Doch geblieben ist in Kirchen oft ein geheimer Vorbehalt gegenüber allen, die viel besitzen. Ob euch das Himmelreich wohl offen steht? Wirkungsgeschichte des Reichen Jünglings.

1.3 Dabei ist ja nirgendwo verzeichnet wie reich der reiche Jüngling war: er hatte ein großes Vermögen. Haben wir das nicht fast alle im Vergleich zu denen, die auf der anderen Seite des Mittelmeeres leben? Kommen nicht deshalb viele unter Lebensgefahr als Boatpeople an unsere Küste, weil wir ein großes Vermögen haben. Das wollen sie auch.

1.4 Doch es gibt noch mehr Fragen. Was ist das für ein guter Mensch, dieser Reiche Jüngling. Jesus erfragt und würdigt seinen Lebensstil. Alle Gebote gehalten. Und das von Kindheit an. Unfassbar.
Und da geht Jesus nicht hin, nimmt ihn in die Arme und sagt: Du. Solche Leute braucht die Welt. Gut und reich. Ich bin dankbar, dass es Dich gibt. Ich brauche dich auch. Wenn du nicht mein Jünger bist, dann weiß ich nicht, wer sonst. Das passiert alles nicht. Jesus legt die Latte immer höher bis der Reiche Jüngling traurig weg geht.
Selbst Seine Jünger waren bestürzt. Was geschieht da? Wenn Jesus nichts gegen Reiche hat - die Evangelien schildern keine Berührungsängste weder zu Reichen noch zu Armen - warum verhält sich Jesus so zu diesem netten Menschen?

1.5 Schauen wir nach Antworten.


2.1 Jesus erzählt vom Kamel und vom Nadelöhr. Vielleicht hatten alle gerade das vor Augen. Kamele standen vor den Toren von Jerusalem. Nicht durch alle Tore konnten sie in die Stadt. Ein Tor war besonders klein. Das Nadelöhr. Ein niedriges Tor. Ein richtiges Kamel ging da gerade noch hindurch. Aber nur wenn es nichts geladen hatte. Sonst nicht. Für Lastenkamele gesperrt.

2.2 Kamele sind in der prophetischen Bedeutung anders als im Volksmund ein Bild für begabte Menschen. Warum? Sie können auf Vorrat trinken. Sie speichern Wasser, das Lebenselixier. Und sie können darauf zurückgreifen, wenn es nötig wird. Sie können in der Wüste aus eigenen Fähigkeiten überleben. Und mit dieser Fähigkeit ausgestattet können sie dann Lasten tragen. Viele Lasten. Sie sind die Könige der Wüste.
Das macht sie bis zum heutigen Tag zu Karawanentieren.

2.3 Wohl dem, der ein richtiges Kamel ist. Tüchtige, begabte, reiche Menschen sind das. Sie halten durch. Sie tragen. Sie bringen uns durch Wüsten.

2.4 Hat Jesus etwas gegen solche Menschen? Wie sollte ER, ihr Schöpfer und Erhalter. Warum sollte ER nicht mögen was ER selbst erschuf und möglich machte. Nein, Jesus liebt Begabt, Jesus liebt Tüchtige, Jesus liebt verantwortliche Lastenträger, Jesus liebt die, die in der Wüste standhalten. Jesus liebt Kamele.


3.1 Aber der Reiche Jüngling hat etwas anderes gefragt.
Er fragte nicht: Liebst du mich? Das tat Jesus. Es wird sogar besonders erwähnt. Ich denke, es wird deshalb ausdrücklich festgehalten, weil "Kamele" sich besonders schwer tun, die Liebe Jesu für sich anzunehmen. Sie gestehen sie lieber anderen zu. Auch der Reiche Jüngling konnte Jesu Liebe nicht nehmen. Typisch.
Der Reiche Jüngling hatte etwas anderes gefragt. Seine Frage war: Wie bekomme ich ewiges Leben? Oder: Das Reich Gottes: wie krieg ich einen Platz darin? Wahrscheinlich hatte er manchen Platz in Gremien dieser Welt. Er wollte den im Reich der Himmel. Nicht nur für hier, auch für die Zukunft in der Ewigkeit, wenn wir hier gehen. Das war die Frage. Eine gute Frage. Und Jesus gibt darauf eine Antwort. Und jetzt sieht alles schon ganz anders aus. Kein Vortrag also über Reichtum, über gute Taten, über: wer macht noch mit?

3.2 Ins ewige Leben hat jeder seine eigene Eintrittskarte. Jeder hat eine andere, weil jeder anders ist vor Gott.

3.3 Die Antwort, die der Herr dem Reichen Jüngling gab, die gab er nicht Zachäus oder Nikodemus, die vielleicht noch viel reicher waren. Die wahrscheinlich relativ armen Jünger - durchweg Fischer - hatten dies auch nicht von Jesus gehört. Für jeden kleidete Jesus Seine Einladung ins Reich Gottes in andere Worte. Folge Mir nach! Das zeigte sich für jeden mit einem anderen Gesicht. Und wie?


4.1 Ins Reich Gottes tritt jeder ein mit seinem Geist. Und der zieht unsere Seele mit sich nach. Der Körper wird vergehen und auf der Erde bleiben. Ein neuer Auferstehungsleib wird kommen wenn ER kommt.
Was aber ist die Mitte unseres Geistes? Wem widmen wir uns ganz? Wer ist der "Herr" in uns?

4.2 Ist es der Herr, der auferstandenen Jesus, ist es Sein Wort: du bist geliebt!, dann ist die Eintrittskarte klar. Auf ihr steht: Die Gnade Jesu, sie ist die Mitte deines Geistes. Die Mitte deines Herzens ist Seine Liebe. Und damit hast du einen Platz im Reich des Herrn hier und in Ewigkeit.
In vielen Worten beschreibt die Bibel dieses Geheimnis vom Platz im Reiche Gottes: Wer den Sohn Gottes hat - in seinem Geist - der hat das ewige Leben. Also hat Gott die Welt geliebt, dass ER Seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an IHN glauben, ewiges Leben haben.


5.1 Doch bis es dahin kommt, steht vieles auf der Eintrittskarte unseres Lebens für die Ewigkeit. Was alles hat in unserem Herzen Platz. Was alles drängt bis in die Mitte. Was bestimmt als Mitte meines Geistes hier mein Leben? Wer sitzt auf meinem Chefsitz?

5.2 Darauf blickt Jesus, wenn wir Ihn fragen. ER sieht es. Und ER sagt: Das musst du tauschen. Deines gegen Meines. Du gegen Mich. Die Eintrittskarte fürs Reich Gottes hast du nur wenn draufsteht: Gnade. In unserem Geiste sind wir immer was wir sind. Und im Reich Gottes sind wir nur, wenn wir in Gnade sind. Sonst sind wir vielleicht großartige Kamele, doch nicht im Reiche Gottes.
Doch keine Sorge: Es ist möglich, in Gnade zu leben und dabei dennoch ein großartiges Kamel zu sein. Es ist möglich bei Gott. Von Gott aus reich sein und begabt. Von Gott aus Lasten tragen und in Wüsten leben. Von Gott aus. Das ist der Schlüssel.

5.3 Beim Reichen Jüngling, der nach dem ewigen Leben fragte, sah Jesus in die Mitte seines Herzens. ER sprach nicht gegen Reichtum. ER sprach für eine neue Mitte. Die schlug der aus.
Wer sie nicht in der Gnade Jesu findet kommt niemals in das Reich des Herrn, ob reich, ob arm. Denn alles klemmt im Nadelöhr, was wir nicht vorher Jesus abgeben haben als dem eigentlichen Herrn des Lebens. Doch tun wir dies, so gibt uns Jesus meist viel mehr zurück. Nur unser Sinn ist anders, die Weise wie wir mit dem Reichtum unseres Lebens umgehen. Wir wissen nämlich, es ist Wegzehrung auf dem Weg zur Ewigkeit.


6.1 So klären sich die Fragen. Jesus gibt jedem Seine Antwort, der Ihn fragt. Und jede Antwort fällt bei Ihm ganz anders aus. Passgenau trifft sie, was unserem Geist zur Hilfe wird. Damit in unserer Mitte auch Seine Gnade lebt.

6.2 Was wir dazu dann lassen oder nehmen müssen weiß jedes Herz allein. Durchs Nadelöhr geht jeder ganz allein. Alleine stehen wir vor Gott. Alleine weihen wir uns dem Herrn. Alleine nehmen wir Sein Leben in uns auf. Alleine finden wir den Platz im Reich des Herrn.
Mit anderen teilen wir dann die Freude und den Reichtum, den das macht. Mit anderen tragen wir die Lasten. So geht der Weg des Glaubens.

6.3 Ein harter Brocken, dieser Reiche Jüngling. Man möchte ihm wünschen, dass er sich später noch besinnt. Doch das lässt Gottes Wort ganz offen.

Amen.


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Zuletzt geändert am 21.10.2011 von: (fp)