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Reformationstag
El Angel, Marbella,
von Pfarrer Andres Kuhn,
Citypfarrer Iserlohn

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Pfarrer Andres Kuhn, Iserlohn
und
Pfarrer Friedhelm Peters, Costa del Sol

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Besuch der Künstlergruppe "Red Carpet" an der Costa del Sol
Predigt am 30. Oktober 2011

Alles neu
Workshop mit Rando, Red Carpet Gruppe Afrikanische Passion, 1985
Workshop mit Jorge Rando,
Red Carpet Künstlergruppe
Jorge Rando,
Afrikanische Passion, 1985

Liebe Gemeinde!

warum gibt es eigentlich Christen, die evangelisch sind? Das kann man sich in einem so katholischen Land wie Spanien ja ernsthaft fragen? Auch wenn die meisten hier schon mal von den "Lutheranos" gehört haben, so wirkt es doch wohl auf viele sehr exotisch. Aber vielleicht ist ja auch in Spanien gut, an das zu erinnern, was im 16. Jahrhundert in vielen Teilen Europas begann. Damals ging ein Bild um die Welt, und es zeigte den Mönch und Universitätsprofessor Martin Luther, wie er am Vorabend von Allerheiligen, also am 31. Oktober 1517 mit einem Hammer in der Hand 95 Thesen an den Türen der Schloss- und Universitätskirche zu Wittenberg anbrachte und damit die Reformation in Europa einläutete. 95 Thesen, die ursprünglich zu einer Erneuerung der katholischen Kirche aufriefen und die dann zur Geburtsstunde des protestantischen, des evangelischen Glaubens geworden sind.
Nach einem langen Streit, ob diese Thesen nur mit Briefen versandt wurden oder wirklich öffentlich angeschlagen worden sind, hat man 2006 in der Universitätsbibliothek in Jena eine kleine Notiz gefunden, in der Luthers Sekretär Georg Rörer 1544 den Thesenanschlag bestätigt hat. Also war es ein öffentlicher Aufruf zum Gespräch unter den Gelehrten, aber der erreichte zusammen mit den anderen Schriften Luthers durch den von Gutenberg erfundenen Buchdruck alsbald breite Schichten der Bevölkerung - vor allem durch die deutsche Bibel in Luthers Übersetzung.

Worum ging es Martin Luther? Zunächst richtete er sich gegen den damals üblichen Ablasshandel, wo die Sündenvergebung im Himmel gegen eine Geldzahlung für die Baukasse des Petersdoms zugesichert wurde. Aber im Grunde ging es damals schon um mehr, wie das schon die erste der 95 Thesen beschreibt: "Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: ‚Tut Buße', hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll." Und Buße meint Umkehr, und Umkehr meint Erneuerung im Glauben. Denn - so schrieb es Martin Luther in der 62. These, die ich für die geheime Mitte der 95 Thesen halte: "Der wahre Schatz der Kirche ist das aller heiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes." Eine Erneuerung der Kirche bedeutet also eine Umkehr zu Gott, um neu zu entdecken, dass der Schatz der Kirche die Botschaft von der herrlichen Gnade Gottes ist. Gott ist wirklich gnädig, er nimmt uns an, wie wir sind (!), und - er lässt uns nicht so, wie wir sind!

Was machen wir eigentlich damit? Wollen wir, das alles neu wird oder soll wenigsten in der Kirche lieber alles bleiben, wie es ist? Erneuerung bedeutet ja Veränderung, ich muss Altes loslassen und Neues wagen. Doch das erleben die meisten wahrscheinlich mit gemischten Gefühlen, mit Unsicherheit und Ängstlichkeit, was da eigentlich auf uns zukommt. Nur kommt man nicht um die Wahrheit herum: "wer will, dass die Kirche bleibt, wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt!"

Es ist alles im Wandel in der Welt. So macht es Sinn, dass wir uns diesen Wandel auch einmal aus der Perspektive Gottes anzuschauen, um herauszufinden, was Er eigentlich verwandeln will? Dazu lese ich uns als Predigttext einen Abschnitt aus dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes im 21. Kapitel:

3 Und vom Thron her hörte ich eine mächtige Stimme rufen: "Seht, die Wohnung Gottes ist jetzt bei den Menschen! Gott wird in ihrer Mitte wohnen; sie werden sein Volk sein - ein Volk aus vielen Völkern, und er selbst, ihr Gott, wird ´immer` bei ihnen sein. 4 Er wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid und keine Schmerzen, und es werden keine Angstschreie mehr zu hören sein. Denn was früher war, ist vergangen." 5 Daraufhin sagte der, der auf dem Thron saß: "Seht, ich mache alles neu." Und er befahl mir: "Schreibe die Worte auf, ´die du eben gehört hast`! Denn sie sind wahr und zuverlässig."

(Offenbarung 21,3-5 / Neue Genfer Übersetzung)

Der Schreiber dieses Textes, der Prophet Johannes hatte Visionen, die ihn über den Horizont hinaussehen ließen. Er lebte in einer Zeit, als der römische Staat die Christen verfolgt hat. Er selbst war auf die Insel Patmos verbannt, wie er schreibt. Dort sah er mit einem inneren Auge und hörte mit einem inneren Ohr von der Veränderung für die Welt, die Gott im Sinn hat: "Er - hört - eine - mächtige - Stimme - rufen". Und diese Stimme erzählt von einem Geschehen im Himmel. Das ist der besondere Blickwinkel der Offenbarung, die uns die Endzeit der Welt vor Augen stellt, dass es für sie zwei Wirklichkeiten gibt, die einander gegenüberstehen: den Himmel und die Erde. In dieser Apokalypse, wie das Buch auch genannt wird, fällt abwechselnd der Blick auf den Himmel, wo man erfährt, was bei Gott geschieht und was er zu tun gedenkt, und dann fällt der Blick auf die Erde und zeigt, welche Folgen das für die Menschen haben wird.

Wer die Offenbarung über die Jahrhunderte las, der suchte und fand darin auch Parallelen zur Geschichte, verglich das Gelesene bis heute mit Kriegen und Diktaturen, mit Naturkatstrophen und wirtschaftlichen Notzeiten. Die geschilderten Katastrophen nehmen in der Offenbarung ein globales Ausmaß an. Wir lernen ja zunehmend mehr als alle Generationen vor uns, was es heißt global denken zu müssen, um die Zusammenhänge des ganzen Planeten wahrzunehmen. Zugleich beobachten wir, wie machtlos oftmals der Einzelne und die politischen und wirtschaftlichen Systeme dabei sein können.

In der Offenbarung zeigt sich aber auch ein anderes Zeitverständnis. Wir neigen dazu, die Zeit linear begreifen zu wollen als eine sich hintereinander reihende Abfolge von Ereignissen. Johannes beschreibt aber in seinem Buch keinen "Fahrplan" für die Endzeit, was viele darin gesucht haben. Nein, er zeigt uns Bilder aus dem Himmel, welche Gott auf dieser Erde in für uns noch nicht erkennbarer Weise geschehen lassen kann, wenn sich die große Scheidung vollzieht. Und hier sind alle Menschen gefragt, ob sie die Liebe Gottes annehmen und leben wollen oder ob sie sich dem verweigern.

Und wir erleben all die Schrecken, die kommen, auch nicht gleichzeitig! Die einen sind schon jetzt die Betroffenen. Für sie hat das Unglück schon heute apokalyptische Ausmaße angenommen. Wir anderen hingegen sind bisher nur Zuschauer, erleben das Leid an den Bildschirmen, fühlen uns hilflos und sind froh, noch einmal vom Chaos verschont worden zu sein.
Doch wenn wir schon Zuschauer sind, dann wagen wir auch einen Blick auf dieses eindrückliche Bild der afrikanischen Passion des Malers Jorge Rando.

Vielen Dank, lieber Jorge, dass wir Dein Bild heute hier betrachten dürfen. - Ich sehe eine Gruppe von Menschen, die der Kopfbedeckung nach auf muslimische Art gekleidet sind. In der Mitte nehme ich eine Frau wahr, die ihr Kind auf dem Arm hält. Doch sie hält es nicht so, wie eine Mutter zumeist ihr Kind hält, an sich geschmiegt. Sie kann ihm keine Geborgenheit mehr geben. Es fehlt die Kraft - oder es ist bereits von ihr gerissen worden mit der Endgültigkeit des Todes. Die Kraft ihrer Liebe, die sie diesem Kind bisher gab, scheint nun erstorben, sie ist in tiefes Schwarz gehüllt.
Die Gestalten hinter ihr zu ihrer Rechten blicken dagegen leidvoll auf dieses Kind. Die Gestalten zur Linken jedoch, so scheint es mir, blicken auf uns. Sie schauen uns, die Betrachter, fragend an. Was erwarten sie von uns? Ich frage mich: Wer wagt den Schritt nach vorne, um bei den Leidenden zu sein? Wer stellt sich zu ihnen? Wir dürfen uns nicht trennen lassen in Betroffene und Zuschauer. Wir gehören in Gottes Namen zusammen. - Wage ich den Schritt, wagst Du ihn? Und wenn viele solche Schritte machen würden, was wäre dann?

Bei der Ausstellungseröffnung der Afrikabilder Jorge Randos in Iserlohn hat Dr. Jean Gottfried Mutombo, ein Pfarrer aus dem Kongo, folgendes aus seiner Erfahrung in Afrika eingebracht:

"Natürlich spiegeln die Bilder die Armut, die Gewalt, die Ungerechtigkeit, Korruption, Straflosigkeit, etc. und ihre Folgen, die täglich die Menschen in Afrika erfahren. Nicht nur viele Menschen leiden an Hunger, auch steigt die Zahl der Arbeitslosen immer weiter. Es gibt auch zahlreiche Kinder, die keine Chance haben zur Schule zu gehen, die als Kindersoldaten und Kinderarbeiter eingesetzt sind. Andere Kinder befinden sich auf den Straßen, weil sie kein Zuhause haben. Viele Frauen und Mädchen werden systematisch vergewaltigt, insbesondere in den Konfliktgebieten. Aber gleichzeitig stellen sie die Frage nach der Rolle, die jede oder jeder von uns spielen könnte, um das Leid zu beenden. Im Kongo versuchen die verschiedene Konfessionen, die christlichen Kirchen (Katholische, Protestantische, Orthodoxe), die kimbanguistische und die islamische Gemeinschaft zusammenzuarbeiten im Rahmen der Gerechtigkeit und des Friedens." Und dann rief Dr. Mutombo dazu auf, Christus "im Leiden der Menschen zu entdecken, die Spur der Hoffnung zu finden und gemeinsame Wege für eine bessere Zukunft der Menschen zu suchen".

Liebe Gemeinde, scheinbar geht unsere Welt einfach weiter in ihrem Gang. Aber im Himmel geht es nicht so weiter. Der Himmel geht nicht einfach zur Tagesordnung über, so berichtet es Johannes in seiner Vision. Nein, Gott hat eine Initiative gestartet, die diese Welt auf den Kopf stellen wird. Der Himmel hat ein Programm ausgerufen, dass sich nicht in leeren Worten erschöpfen wird. Es geht um eine Reformation, die Gott selber bis zum Ende durchführt. Da ist von einem neuen Himmel und einer neuen Erde die Rede und der, der Himmel und Erde geschaffen hat, sagt es ausdrücklich:
"Seht, ich mache alles neu." Und er befahl mir: "Schreibe die Worte auf, ´die du eben gehört hast`! Denn sie sind wahr und zuverlässig."

Es ist nicht unsere Initiative. Wir haben schon so vieles zugelassen. Es ist nicht unser Programm. Keine Partei hat es sich auf die Fahnen geschrieben. Wer es vereinzelt leben möchte, gar eine Zeit bei den Hilfsorganisationen in Afrika oder anderswo mitarbeitet, der kann erzählen, wie schnell man auch mit bestem Willen an seine Grenzen stößt. Und es greift auch weiter als alles, was wir bisher unter Reformation der Kirchen verstanden haben.

Nein, es ist Gottes Initiative. Ihr Anfang war, dass er sich einen ganz eigenen Weg gewählt hat, um sie auszuführen: Er verließ einfach seinen Thron. Er kam herunter in der Gestalt dessen, den er gesandt hat: Jesus teilte schon als Kind das Leben der Menschen, mit den Hirten im Stall von Bethlehem oder bei der Flucht nach Ägypten vor dem Kindermord des Herodes. Später suchte er sich als Erwachsener bei den Kranken und Ausgestoßenen, bei den Verachteten und Verlorenen seine Wohnung. Da hat er gelebt, da hat er gelitten, da wurde er getötet, da hat er die Sünde der Welt ans Kreuz getragen. Aber er wurde auch von seinem Vater auferweckt, so berichten die, die dem Auferstandenen begegnet sind, bis er zu Gott entrückt wurde. Der Vater und der nunmehr als Sohn eingesetzte Christus sandten zu Pfingsten gemeinsam den Tröster, den Heiligen Geist in die Herzen der Menschen, zu denen, die sich anrühren ließen.

Aber das Programm Gottes geht ja noch weiter. Die Initiative Gottes, seine Reformation, will den Sieg davon tragen, deshalb können das Leiden und das Böse und die Gewalt und der Tod und das Unrecht und die Verzweiflung nicht das letzte Wort behalten. Auch wenn alles dagegen zu sprechen scheint, sie sind im Kreuz Jesu schon besiegt! Welche Bilder die Offenbarung dann auch benützt, wenn sie vom Bösen als vom Drachen, vom Tier oder von der Hure Babylon erzählt, sie alle haben schon verloren und wissen es auch. Die Frage ist aber, ob wir dessen gewiss sind, dass das Ende, das kommt, in Wahrheit die Vollendung des Neuen sein wird?

Die Himmelschau des Propheten Johannes will die Gegenwart und die Zukunft beschreiben: "Seht, die Wohnung Gottes ist jetzt bei den Menschen!" schreibt er. Das ist Gegenwart. Es bleibt nicht bei einem Rückblick auf das, was Jesus Christus für uns getan hat. Wir hören vielmehr die Zusage, dass Gott heute bei seiner Schöpfung ist, das Jesus Christus jetzt in denen lebt, die an ihn glauben, und dass der Heiligen Geist in diesem Augenblick in den Herzen derer wirkt, die sich von ihm anrühren lassen.

Und dann wird noch die Zukunft kommen: "sie werden sein Volk sein - ein Volk aus vielen Völkern, und er selbst, ihr Gott, wird ´immer` bei ihnen sein". Sie werden und er wird - da wird unsere Zukunft beschrieben, eine hoffnungsvolle und tröstliche Zukunft!

Doch bevor wir diese einzigartige Hoffnung noch weiter anschauen, lassen sie uns einen Moment innehalten, und fragen, was diese Verheißung der Nähe Gottes für immer und ewig mit uns heute macht? Vermag sie uns zu verändern? Und wie? Können wir die Spannung aushalten zwischen dem, was schon "ist" und dem, was noch "werden" soll?

Der Maler Jorge Rando verbindet in seinen Bildern die Passion Afrikas mit der Passion Jesu Christi. Es eröffnet sich die Frage, was eigentlich passiert, wenn die Welt untergeht? - und sei es in jedem einzelnen Menschenleben! Er hat das mit einem trefflichen Zitat ausgedrückt und gesagt:

"Der Schmerz appelliert an die Liebe."

Noch ist der Schmerz da, er ist unübersehbar auf den Bildern und im Alltag unserer Welt. Aber dieser Schmerz braucht keine Zuschauer, sondern er braucht Liebende, so wie Christus die Liebe ist. Liebe, in der Gott selbst zu uns gekommen ist, in der er zu uns kommt und zu uns kommen wird - um seine Wohnung zu nehmen unter uns.

Gott kann und will dazu ganz unterschiedliche Menschen zusammenführen und wir sind heute zu Gast bei Ihnen als eine sehr ungewöhnliche Reisegruppe aus der Stadt Iserlohn in Westfalen.
Es sind Jugendliche und junge Erwachsene christlichen und muslimischen Glaubens, aus ganz unterschiedlich geprägten Elternhäusern. Wie so oft ist der Start ins Leben dabei schwierig gewesen, etwa wenn zuhause durch Hartz IV das Geld knapp ist und manchen von uns der Migrationshintergrund vieles schwer macht - auch weil der Zugang zur Bildung in Deutschland nur sehr milieubezogen eröffnet wird.

Aber unsere Kirchen und das zentrale Lutherhaus in unserer Evangelischen Versöhnungs-Kirchengemeinde in Iserlohn liegen genau dort, wo wir aufeinander treffen. Wir wollen entdecken, was uns verbindet, den Wert einer jeden und eines jeden, die Talente, die wir einbringen können, an denen wir einander teilhaben lassen dürfen.
Deshalb sind die Gewinner unseres Jugendkunstwettbewerbs nicht die Jahrgangsbesten aus der Jugendkunstschule, sondern die Autodidakten eines faszinierenden Gemeinschaftsprozesses: Sie haben sich im Jugendcafé Checkpoint im Rahmen des "Red-Carpet-Projektes" miteinander auf den Weg gemacht in vielen Malkursen, um nun mit dem berühmten Jorge Rando auf seine Einladung hin hier zu malen. Mit ihm durften wir in seinem Atelier ausprobieren, wie man ohne Angst mit Farben und Linien gegen die Leinwand kämpft und auszudrückt, was in einem steckt. Sie erahnen vielleicht, was da alles in diesen Tagen Neues auf uns zukommt. Überlegen Sie einmal: die Hälfte unserer jugendlichen Teilnehmer sind vorher noch nie geflogen, drei von Ihnen waren noch nie am Meer. Und es ist alles andere als normal für uns, dass uns der Oberbürgermeister von Málaga - wie am Freitag geschehen - im Spiegelsaal des Rathauses die Hand schüttelt. Diese ganze Reise ist eine bewegende Erfahrung.

Und wir finden es atemberaubend, wenn - und das meint "Red Carpet" - der "rote Teppich" einmal nicht für die Superstars ausgerollt wird, sondern für ganz normale Menschen, die es verdienen, gesehen und gewürdigt zu werden. "Talentiert statt frustriert!" ist unser Motto. Für uns lautet die Goldene Regel bei allen Aktivitäten: "Einander annehmen, achten und Kreativität fördern, denn jede und jeder einzelne ist wertvoll und gleich wichtig." Ein weiterer Schritt wird sein, wie wir den Berufseinstieg begleiten und Ausbildungsplätze in den Blick nehmen - es wird gelingen, wenn wir das miteinander entdecken und uns als wertvoll begreifen.

Die Liebe, die Gott schenkt, wird unter uns erlebbar, wo wir aufeinander zugehen, uns wirklich kennenlernen wollen, den anderen mit Gottes Augen sehen und gemeinsam die Zukunft in seinem Sinne zu gestalten versuchen. Übrigens - nachher sind wir gerne noch zum Gespräch bereit, wir möchten Sie nämlich ermutigen, auch solche Schritte zu wagen, weil das an jedem Ort von Menschen jedes Alters getan werden kann - und weil es auch die Frucht des Glaubens ist.

Martin Luther hat das bereits beschrieben in seiner Schrift aus dem Jahre 1520 "Von der Freiheit eines Christenmenschen". Also vor fast 500 Jahren, und es immer noch hochaktuell, was er schreibt:
Ein Christenmensch ist ein freier Herr und niemandem untertan. - so lautet der erste Satz.
Und der zweite klingt zunächst wie ein Gegensatz dazu:
Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht und jedermann untertan.

Ich versuche das im Sinne Luthers für heute zu übersetzen:
Wer sich leiten lässt im Glauben, der ist zur Freiheit berufen - kein Mensch soll ihn niederdrücken und mit Füßen treten, er weiß, dass die Herren dieser Welt gehen und unser Herr kommt. Das verändert unsere Werte und macht uns Mut gegen die Angst in uns und vor anderen!
Und:
Wer sich leiten lässt von der Liebe, der ist zum Helfen berufen. Der kann nicht länger wegschauen, wenn er zugleich auf Gott schaut, der mitten im Leiden dieser Welt zu finden ist und der uns zu sich an seine Seite ruft: Unser Hören und Reden, unser Denken und Handeln wird gebraucht!

Beides gehört zusammen. Reformation meint für uns, dass wir gemeinsam das leben, was Gott in seiner Erneuerung aus uns machen will und dass wir dann auch miteinander tun, was er uns aufträgt!
Und wenn wir Gottes Reformation an uns geschehen lassen, dann werden wir neu durch den, der uns neu macht und der uns miteinander den neuen Himmel und die neue Erde eröffnet.

Dann wird auch Raum sein für alles, was uns auf dem Wege dorthin so schwer geworden ist und auch noch schwer werden wird. Dann werden am Ende endlich die letzten Fragen beantwortet und der letzte Schmerz gestillt. Johannes berichtet, was er von Gott gehört hat:
"Er wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid und keine Schmerzen, und es werden keine Angstschreie mehr zu hören sein. Denn was früher war, ist vergangen."

Da gibt es also einen, der die Tränen der Frau auf dem Bild abwischt und der auch unser aller Tränen nicht übersieht. Der zu uns tritt und uns tröstet. Gott selbst kommt dann zu Dir und wischt sie ab, jede einzelne Träne, die Du geweint hast in Deinem Leben. Er wischt dir mit seinem Tränentuch deine Tränen ab, eine nach der anderen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus bis zum ewigen Leben.

Amen.



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Zuletzt geändert am 29.10.2011 von: (fp)