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Vorletzten Sonntag des Kirchenjahres
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

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Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 13. November 2011

So weicht der Fluch vom Geld

1 Jesus sagte zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen.
2 Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein.
3 Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich.
4 Doch - ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin.
5 Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?
6 Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib "fünfzig".
7 Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreib "achtzig".
8 Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.
9 Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht.


Lukas 16, 1-8.9

Liebe Gemeinde!

1.1 Über diese Geschichte ist viel herumgerätselt worden. Sie passt so gar nicht in die Ethik und Logik unseres Herrn. So ein Betrug soll gut sein. Wenn der Text wenigstens nicht echt wäre und Jesus nur untergeschoben. Aber selbst dann: warum steht die Geschichte in der Bibel?

1.2 Mit ein paar Erklärungen lässt sich deutlich machen, dass es anders ist. Was uns stört wird - wenn wir es verstehen - zur wertvollen Hilfe.


2.1 Der Herr lobte seinen betrügerischen Verwalter, weil er klug gehandelt habe (8). Erste Erklärung: Der kluge Chef. Selbstverständlich lobte nicht der Herr Jesus, sondern der Herr, der Besitzer, lobte seinen Knecht. Passt das?

2.2 Es muss ein sehr schlauer und genialer Chef gewesen sein, wenn er seinen Verwalter lobte, den er entlassen wollte. Es könnte sein.

2.3 Er erkannte im Betrug die Raffinesse seines Mitarbeiters und - würdigt sie. Wie kann er das? Er war reif genug, nicht nur seinen Schaden zu sehen, sondern auch noch das Talent des Schadenden. Mag sein, dass er genug hatte und deshalb so reagieren konnte. Mag sein, dass er selbst so ein schlauer Fuchs war oder es selbst so getrieben hatte und dachte: Donnerwetter. Endlich finde ich einen, der es kann wie ich. Vielleicht bewegte ihn bei dem geplanten Rausschmiss auch die Pfiffigkeit des Mannes. Soll ich ihn vielleicht doch behalten? Was er für sich erreicht hat, warum soll er das nicht auch für mich und unter meiner Fahne schaffen?

2.4 Das alles sind Gedanken, die im Hintergrund stehen könnten, wenn Jesus als Erläuterung bemerkt: Die Kinder dieser Weltzeit sind im Verkehr mit Ihresgleichen klug (8).
Es stimmt, klug sind beide. Klug ist der Verwalter und klug ist auch der Chef. Der Verwalter hatte die Schuldner seines Herrn durch veränderte Schuldscheine mit niedrigeren Beträgen in der Hand. Und der Chef hatte einen schlauen Mitarbeiter entdeckt und dessen - wir würden heute sagen - durchaus kriminelle Energie durchschaut. Er lobt ihn, nicht den Betrug, der ihm schadet, weil er dessen Schlauheit vielleicht für sich gewinnen kann.


3.1 Es ist beschämend zu sehen, dass Christen - Kinder des Lichtes - nicht sehen, dass ihr himmlischer Chef genau so klug mit ihnen umgeht. Jesus meint, wir die Verwalter haben in unserem himmlischen Vater einen Gutsbesitzer, dem alles gehört, was wir in unserem Leben haben und verwalten. Und ER hätte schon lange das Recht, uns zu entlassen. Du kannst nicht länger in Meinem Dienst bleiben (2). Und angesichts unserer großen und kleinen Tüchtigkeiten und Lebensschlauheiten steht am Ende doch nur unser Bankrott vor dem Herrn.

3.2 Und was macht dieser Herr? ER lobt uns noch. Wenn ER nicht großzügig ist, wer dann? Wenn seine Anerkennung statt Donnerwetter nicht unfassbar ist, was dann?

3.3 So ist der Herr. Natürlich ist er schlau. ER will uns doch gewinnen. Dafür setzt ER alles ein.
ER möchte doch, dass wir nicht entlassen werden aus Seinem Dienst. ER will uns doch halten in Seinem Reich.

3.4 Dafür steht Seine Gnade am Anfang. ER sagt: Betrug, ja. Du hast es gemacht. Du nahmst dein Leben für dich, nicht als meine Gabe. So lebtest du. Tu jetzt alles, damit in Zukunft anderes geschieht. Tu Gutes mit deinem Leben. Schenke. Gib.
ER sucht das Helle im Dunkeln, das Gute im Schlechten, die Liebe in unseren Egoismen. ER handelt wirklich nicht mit uns nach unseren Sünden, sondern nach Seiner großen Barmherzigkeit. Was für ein Herr!

3.5. Sind wir so klug, unseren Schuldnern zu vergeben wie Gott klug ist, es uns zu tun? Wir beten es im Vater Unser: Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Tun wir es? Oder trifft uns das Urteil Jesu: Nicht-Christen sind untereinander oft klüger im Umgang miteinander als Kinder des Lichtes. Ob Jesus durchschaut, wie viele Menschen gegenüber der klugen Barmherzigkeit Gottes blind sind. Nie kehren sie um. Die Wege des Gerichtes gehen sie weiter? Klugheit der Vergebung und der Liebe. Verwalter und Herr zeigen sie.

3.6 Das wäre schon eine brauchbare erste Erklärung der Geschichte. Aber es wird noch klarer.


4.1 Die zweite Erklärung: Der kluge Verwalter.
Es hilft, sich einiges aus der damaligen Wirtschaftsordnung klar zu machen. Nach jüdischem Recht war Zinsnehmen nicht erlaubt. Um dies zu umgehen, nahmen sich Unternehmer einen Verwalter, der einen geeigneten Zinssatz - ähnlich Zöllnern - nach eigenem Ermessen erhob. Weil das graues Geld war, konnte der Besitzer es nie offiziell einklagen. Ein Schuldenerlass - wie der vom ungerecht klugen Haushalter - war also nie zu ahnden. Dabei weiß man: Öl hatte damals einen Zinssatz von 50 Prozent - siehe unser Benzin heute, wo die Steuer noch höher liegt - und Weizen etwa 20 Prozent, genau die Werte unseres Textes. Der ungerechte kluge Haushalter hatte den - für ihn völlig korrekten wenn auch für seinen Chef nicht ganz koscheren - Zinssatz als Zugewinn erhoben. Ein schönes Polster für die Zukunft.

4.2 Doch jetzt beginnt die Geschichte. Die Entlassung vor Augen treibt er das Geld nicht für sich ein. Er bietet es auch nicht seinem Herrn als Bonus an mit den Worten: Guck mal, was ich für dich heraushole. Das hätte er alles tun können. Er verschenkt die Schulden vielmehr den Schuldnern. Damit schafft er sich in den Herzen der Armen einen Schatz. Ihnen und sich tut er damit Gutes.
Ist Verschenken und Armen helfen klug? Ja, es ist eine Tat der Liebe.

4.3 Aber warum erzählt Jesus das?
Jesus stellt sich damit auf die Seite mancher Zöllner. Sie liebten Ihn. ER nahm sie an als Gottes Kinder. Doch was machten sie mit ihrem oft unrecht erworbenen Gut in Seiner Nachfolge? Das zeigt Jesus hier. Geld stinkt nicht, aber was ist, wenn Unrecht dran klebt? Wie damit im Glauben umgehen? Wie weicht der Fluch vom Geld?

4.4 Jesus sagt denen, die Ihm folgen: Mach es klug. Mach daraus ein Werk der Liebe. Was dich unter das Gericht des Herrn gebracht hätte kann noch zum Segen werden. Setzt deinen Zugewinn, in dem Unrecht steckt, nach Gottes Willen zum Dienst für Gutes ein. Was Gericht gebracht hätte vor dem Himmel wird so zur Gnade für andere und für dich. Was dich mächtig in den Untergang getrieben hätte wird so zum Werk der Liebe.
So weicht der Fluch vom Geld. So wird aus unrecht Gut noch Gutes. Nicht neues Tricksen, nicht neue Bestechung. Nicht neue falsche Sicherheit. Zum Segen werden ist Ziel. Liebe weiter geben.

4.5 So steckt in dem Lob vom Herrn der Geschichte auch das Lob vom Herrn der Welt für die, die mit Ihrem Geld Gutes tun. Und der Herr (Jesus) lobte den ungerechten Haushalter, dass er so klug gehandelt hatte (8). Weil das Gute siegt, selbst wenn es einmal auf schlechtem Boden entstand. Die neue Einstellung zählt.


5.1 Konkret heißt das: Wenn andere Böses machen, mach du daraus was Gutes. Wie der Herr.
Wenn andere mit Geld nur sich suchen, Geld an dem oft so viel Unrecht klebt, dann mach du mit deinem Geld Gutes. Schafft damit Freude und hilf.

5.2 Und Jesus verheißt: Ihr werdet bis in die Ewigkeit davon Segen haben. Die Freude wird euch in der Ewigkeit Freunde machen. Denn die, denen ihr Gutes tut, die werden euch in der Ewigkeit mit Dankbarkeit empfangen. Ein merkwürdiges Wort, das Jesus hier über das Jenseits weiter gibt. Die guten Taten gehen uns voraus, wenn wir aus Seiner Gnade im Himmel Einlass finden.


6.1 Zwei Erklärungen, die gut tun. Der kluge Chef. Der kluge Verwalter. Sie zeigen wie wir Gutes tun können und dabei die Klugheit unseres himmlischen Vaters gewinnen: Barmherzigkeit in Liebe.

Amen.


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Zuletzt geändert am 31.10.2011 von: (fp)