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2. Advent
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 4. Dezember 2011

Sonntagskind

15 Blick vom Himmel herab, und sieh her von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo sind dein leidenschaftlicher Eifer und deine Macht, dein großes Mitleid und dein Erbarmen? Halte dich nicht von uns fern! 16 Du bist doch unser Vater; denn Abraham weiß nichts von uns, Israel will uns nicht kennen. Du, Herr, bist unser Vater, "Unser Erlöser von jeher" wirst du genannt.
17 Warum lässt du uns, Herr, von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart, so dass wir dich nicht mehr fürchten? Kehre zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Eigentum sind.
18 Erst vor kurzem haben unsere Feinde dein heiliges Volk vertrieben; dein Heiligtum haben sie zertreten.
19 Uns geht es, als wärest du nie unser Herrscher gewesen, als wären wir nicht nach deinem Namen benannt. Reiß doch den Himmel auf, und komm herab, so dass die Berge zittern vor dir.
1 Komm wie ein Feuer, das Reisig entzündet, wie ein Feuer, das Wasser zum Sieden bringt. Mach deinen Feinden deinen Namen bekannt, so dass die Völker zittern vor dir, 2 wenn du schreckliche und nie erwartete Taten vollbringst. [Komm herab, so dass die Berge zittern vor dir.]
3 Seit Menschengedenken hat man noch nie vernommen, kein Ohr hat gehört, kein Auge gesehen, dass es einen Gott gibt außer dir, der denen Gutes tut, die auf ihn hoffen.


Jesaja 63, 15-19a. 64, 1-3

Liebe Gemeinde!

1.1 Sonntagskindern sagt man nach, dass sie Glück haben. Stimmt das? Die Sonne sei ihnen in die Wiege gelegt, so sagt man. Ich weiß nicht, wer von Ihnen ein Sonntagskind ist und dies bestätigen kann. Doch unabhängig davon gilt sicherlich dies: Auf der Sonnenseite des Lebens zu leben ist ein wunderbares Geschenk. Viele sind ja deshalb an der Costa del Sol, weil das hier viele Tage des Jahres wenigstens äußerlich wahr ist.

1.2 Zu den Sonnenseiten des Lebens gehört, nicht übersehen zu sein. Das ist Glück. Du bist wahrgenommen. Du kommst vor. Du wirst gehört. Du bist mir wichtig. Du zählst.
Wer so etwas bei seinen Eltern erlebt hat, dem ist ein großes Glückspaket ins Leben mitgegeben worden. Sein Vertrauen ist mächtig. Und er oder sie kann davon viel weitergeben, in eigenen Herzen zu wissen: Ich bin geliebt. Ich bin gemocht.
Wer so etwas bei seinem Partner erlebt teilt eine glückliche Beziehung. Da mag manches nicht einfach sein - wer trägt kein Päckchen? - aber die Basis ist gesund: Ich komme bei dir vor. Du hältst zu mir.

1.3 Vielen Menschen ist das nie zu Teil geworden. Und ihr Herz fühlt sich deshalb auch stets wie auf der Schattenseite. Ich zähle nicht. Ich komme gar nicht vor. Ich bin nichts. Man sieht es doch.
"Man" stand dabei oft für einen Mann oder eine Frau, die nicht hinguckten, wo es für uns wichtig war. Da entstand die Wunde im Herzen. Sie brennt das Leben lang, wenn sie berührt wird. Sie heißt: Ich zähle nicht.


2.1 Es gibt diese Erfahrungen von Sonnenseiten und Schattenseiten, das stimmt. Aber es gibt darüber hinaus eine noch tiefere Erfahrung von Erfüllung. Sie hängt auch damit zusammen, dass wir gesehen werden. Gesehen aber nicht von irgendeinem Menschen, sondern von Gott.
Der Herr nimmt mich wahr. ER sieht von Seiner heiligen, herrlichen Wohnung auf mich. ER zeigt leidenschaftlichen Eifer - hören Sie sich das an, das klingt wie bei einem Verliebten - für mich. ER setzt Seine göttliche Macht für mich ein. Sein großes Mitleid gilt mir, dem oft armen und elenden Menschenkind. ER erbarmt sich meiner. ER ist nicht fern von mir. ER ist mein Vater, mein wahrer Vater.

2.2 Hören Sie diese Worte. Jetzt sagen Sie vielleicht: Ja, so ist das bei mir. Das sind Worte meines Herzens. So lebt das auch in mir. So könnte ich auch sagen: Der ewige Gott ist mein guter Vater.

2.3 Wenn Sie das sagen können lebt in Ihnen eine tiefe Erfüllung. Sie wissen sich zu Hause bei Ihm. Ihr Leben hat Sinn. Denn Sie wissen, Sie gehen Seine Wege. Ob Sonnenseite oder Schattenseite - Sonnenseite ist besser als Schattenseite das ist unstrittig - in Ihnen zählt, dass Sie gesegnet sind. Die Wege Ihres Lebens sind gesegnet. Sie sind für andere ein Segen. Gott blickt auf Sie.


3.1 Mein Gott, wer kann das sagen. So mögen andere vielleicht erwidern, wenn sie nicht schon vorher abgeschaltet haben. Der Herr blickt auf mich, das wäre doch vermessen, so etwas zu sagen. Auf mich?

3.2 Ja, sagt unser Wort. Auf Sie. Im Gegenteil. Vermessen sind wir, wo wir diese Erfüllung des Lebens ausschlagen und dem Herrn nicht zutrauen, dass ER in Liebe auf uns blickt.

3.3 Jetzt sind wir beim Thema des zweiten Advents, den wir feiern. Kehr um zu einer großen Erfüllung deines Lebens. Lass nichts unversucht, um nicht nur auf die Sonnenseite des Lebens zu kommen, sondern auch die Sonne in dir zu tragen. Kehr dafür um, wo immer es nötig ist. Erfüllung auch für dich.
So hat das schon Johannes der Täufer gesagt, der zurzeit Jesu die Menschen zur Buße aufrief. So haben es die Propheten gesagt, die zur Umkehr mahnten. Von einem von ihnen stammt unser Wort.
Kehr um. Einem erfüllten Glauben kann der Herr mehr schenken. In einen leeren Korb passt mehr rein als in einen vollen. Ein gesegnetes Herz erfährt mehr von Gottes Güte als ein skeptisches. Deshalb sagt der zweite Advent: Kehr um.

3.4 Aber wie geht das? Wie gelingt eine solche Umkehr oder wie die alten Frommen sagten, eine solche Lebensbeichte? Muss ich dafür in den Beichtstuhl? Was soll ich machen?

3.5 Mit dieser Frage beschäftigt sich unser Predigttext. Lassen Sie uns deshalb nachsehen, was der Prophet dort vorschlägt.


4.1 Zunächst einmal. Er kennt die Situation, du hast nahezu alles und bist doch nicht erfüllt.
Israel hatte, was es wollte. Zurück aus der babylonischen Gefangenschaft, wieder ein Volk, wieder in relativem Wohlstand, jedenfalls viele. Aber es mangelt an innerer Erfüllung. Es fehlen die tiefen Werte im Volk: Leidenschaft für den Aufbruch, Mitleid füreinander, Erbarmen mit den zu kurz Gekommenen. Jeder war dem anderen fremd und fern. Was ist das? Woher kommt das? Wir haben vieles und sind doch leer?

4.2 Der Herr sieht uns nicht, sagt der Prophet. Das ist die knappe Analyse. ER blickt nicht mehr auf uns. Dann müssen wir Ihn darum bitten.

4.3 Umkehr beginnt mit der tiefen Sehnsucht: Blick vom Himmel herab (63,15). O Heiland, reiß die Himmel auf. Wenn Du uns nicht siehst, was soll es, was machen wir? Herr, schaue wieder auf uns. Es gibt doch keinen Gott außer Dir, der denen Gutes tut, die auf Dich hoffen (64,3).

4.4 Damit beginnt es immer. Mit dem aufrichtigen Gebet: Herr sieh her (63,15).
Du bist heilig, sieh auf uns Sünder.
Du suchst uns mit leidenschaftlichem Eifer, wie sind weggelaufen.
Du hast die Macht, wir hielten uns für mächtig.
Du hast Mitleid, wir stellen unser Leid in die Mitte und jammerten.
Du erbarmst dich, wir urteilen.
Du bist uns nicht fern, du unser Vater. Wir liefen weg als Deine Kinder.
Herr, blicke auf uns.

4.5 Das ist das Zweites Advents Bußgebet. Das ist Umkehr. Wenn wir wieder danach suchen, dass das Angesicht Gottes über uns leuchtet. Es beginnt damit, aus dem eigenen Schatten zu treten und sich Gott zu stellen. Was ich vielleicht fürchte, dass ER mich sieht, das gilt es zu erbitten: Blick vom Himmel herab. Denn Gott ist gut zu uns. ER will nicht fern sein.


5.1 Manchmal schafft die Sonne nicht, die Wolken zu durchdringen. Manchmal ist das im Glauben auch so. Wir wissen irgendwie um die Erfüllung. Doch ganz dringt sie nicht durch. Auch der Prophet weiß das. Deswegen spricht er noch drei Wolken an. Sie lassen Gottes Strahlen Seiner Sonne nicht durch.
Und der Prophet, er sagt sich los von diesen Hindernissen. Im Namen Gottes, weg damit. Und hören Sie, was da kommt. Was für Gedankengebäude werden abgeräumt.

5.2 Es hilft nicht, Abrahams Kinder zu sein (16). Was für ein Wort. Es hilft nicht, evangelisch oder katholisch oder sonst was zu sein. Es hilft nicht, aus einer frommen Tradition zu kommen. Es hilft nicht. Kein falscher Traditionalismus. - Nur Du, Herr. Dein Blick auf uns heute.

5.3 Es hilft nicht, von den Wegen Gottes abzuirren und Gott nicht mehr zu fürchten. Am Ende wird das eigene Herz nur hart (17), weil es für alles selber einstehen muss und keine Entlastung findet. - Die Gebote des Herrn zählen und sie sind Leben, heute.

5.4 Es hilft nicht so zu tun als trügen wir als Christen nicht den Namen des Herrn, als wäre unser Kontinent nicht ein christliches Erbe, als wäre der Herr nie unser Herrscher gewesen (19). So etwas lässt sich als modern anpreisen. Es entwurzelt aber nur die letzten Bäume, unter denen wir leben. - Der Herr braucht heute Menschen, die unter Seiner Herrschaft leben. Dann lebt auch heute gute christliche Kultur.

5.5 Weg mit diesen falschen Gedankengebäuden von Traditionalismus, Modernismus, Egoismus. Weg.


6.1 Am Ende zählt: Der Herr sieht mich. ER sieht auf unsere Wege. ER sieht, wir hoffen doch auf Ihn. ER tut uns Gutes. Auf diesen Kurs will uns der zweite Advent hinweisen. Dazu umkehren erfüllt das Herz für ein tiefes Leben als Sonnenkind.

Amen.


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Zuletzt geändert am 04.12.2011 von: (fp)