Deutschsprachiges Evangelisches Pfarramt an der Costa del Sol - online
Startseite

Grußwort

Gottesdienste

Predigten

Predigtplan

Gottesdienste
passiert...notiert...
und Fotos
Veranstaltungen
Wissenswertes
Kontakt und Anreise

 <>< Predigt zum
4. Advent
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Druck pdf

Gottesdienst am 18. Dezember 2011

Säulen der Glaubwürdigkeit

15.16 Im Vertrauen darauf hatte ich die Absicht, euch auf dem Weg nach Mazedonien zu besuchen. Ich wollte zum zweiten Mal mit dem Segen Gottes zu euch kommen und danach auf der Rückreise von Mazedonien noch einmal bei euch sein. Ihr solltet mich dann für die Reise nach Judäa mit allem Nötigen ausrüsten. 17 Waren meine Pläne etwa leichtfertig? Oder habe ich es nicht ganz ernst gemeint? Sagte ich Ja und dachte Nein? 18 Gott ist mein Zeuge, dass ich euch gegenüber stets sage, was ich denke. 19 Jesus Christus, der Sohn Gottes, den Silvanus, Timotheus und ich bei euch bekannt gemacht haben, ist keiner, der Ja sagt und Nein meint. Im Gegenteil: ER ist durch und durch Ja. 20 Mit Ihm sagt Gott Ja zu allen seinen Zusagen. Darum sprechen wir auch unter Berufung auf Ihn das Amen zur Ehre Gottes. 21 Gott hat uns zusammen mit euch auf diesen festen Grund gestellt: auf Christus. ER hat uns angenommen 22 und uns Sein Siegel aufgedrückt. ER hat uns Seinen Geist geschenkt als Unterpfand für das, was ER uns noch geben will.


2. Korinther 1, 18-22

Liebe Gemeinde!

1.1 Vielleicht kennen Sie, was ich meine.
- Es gibt Leute, die begrüßt man. Man gibt ihnen die Hand und man merkt: Die wollen nicht was sie tun. Das Wort "Guten Tag" und die Bewegungen sagen "Ja", aber die Haltung und die Gesten sagen "Nein".
- Es gibt Wohnungen, da ist alles hell, es ist alles super perfekt eingerichtet. Und doch merkt man: Es ist innerlich alles dunkel und nichts ist wirklich schön. Alles ist perfekt gemacht, Ja. Und doch lässt sich deutlich spüren: Nein, schön ist es hier nicht.
Äußerlich Ja. Innerlich Nein. In der Regel empfinden wir so etwas als unangenehm und unsympathisch. Trifft es uns persönlich, tut uns diese Differenz bei anderen sogar weh. Zumindest irritiert sie.

1.2 Doch schauen wir nicht nur auf andere. Wie geht es uns selbst? Sind wir klar in allen Dingen? Stimmen Herz und Haltung bei uns überein?
Oft ist das gar nicht leicht zu erkennen. Denn wir haben gelernt, eigene Unklarheiten an anderen abzulassen. Wir zerren dann an anderen, weil es bei uns selbst nicht stimmt. Wir sind mit einer Frage nicht im Reinen und finden das bei anderen unausstehlich, was wir laut beklagen.
So ist das mit unserer inneren Klarheit oder Unaufrichtigkeit.

1.3 Aber:
Heute zu etwas Ja sagen, wozu ich gestern Nein sagte, ist nicht immer Ausdruck meiner Unaufrichtigkeit. Denn es ist auch möglich, dass ich meine Meinung aus guten Gründen geändert habe, sie ändern musste, gerade um glaubwürdig zu sein. Meinungswechsel ist keine Unklarheit. Im Gegenteil. Klarheit schließt Meinungswechsel ein. Wenn dann mein Ja zum Nein wird ist das nicht unaufrichtig.

1.4 Genau das aber hatte man Paulus vorgeworfen. Das ist der Hintergrund von unserem Wort.
Paulus, du bist unaufrichtig. Dein Ja ist in Wahrheit ein Nein.
Dabei hatte Paulus nur seine Meinung geändert. Er wollte Korinth besuchen, hatte dann aber Titus geschickt, weil es für ihn nicht ging. Das brachte ihm den Vorwurf: Herz und Haltung stimmen bei dir nicht überein. Man sieht es doch. Paulus, wie steht es mit deiner Glaubwürdigkeit? Was bist du für einer.

1.5 Nicht leicht für Paulus. Wie geht er mit einer solchen Anschuldigung um?
Uns kann es helfen. Denn wir sehen, auf welchen Säulen die Glaubwürdigkeit eines Paulus ruht. Was trägt ihn und seine Aufrichtigkeit? Darüber spricht Paulus in unserem Wort.
Wir wollen die Säulen der Glaubwürdigkeit betrachten.


2.1 Die erste Säule: Das Ja Gottes.

2.2 Kein Zweifel, Paulus ist keiner, dem es an Klarheit mangelt. Das ist nicht sein Punkt, obwohl ihn dieser Vorwurf trifft. Als Antwort greift er das auf, was ihn wirklich bewegt.
Nicht seinen Charakter will er verteidigen. Was ihn prägt ist der Charakter Gottes. Und Gottes Charakter ist das Ja Gottes. Was ist das?

2.3. Es ist die heilsamste Medizin für unseren Charakter, das Ja Gottes zu entdecken. Nirgendwo gibt es eine schönere Oase, größeren Reichtum und tiefere Erquickung.
- Gibt es bei uns das Feld der Sünde - was du tust geht an Gott vorbei -, dann bietet Gott die Decke der Vergebung an. Komm, ICH decke das mit Meiner Vergebung zu. Du kannst neu beginnen.
- Gibt es die Abgründe des Hasses, die wie Tagesbrüche in unsere Beziehungen einbrechen und manche Beziehungen auch ganz vernichten und verschwinden lassen - Gott schenkt den Mantel der Liebe, mit dem ER uns zudeckt und sagt: Beginne neu und diesmal anders.
- Haben wir die Überfälle der Angst in uns erlebt, die uns schrecken, zurückstoßen, ängstlich machen und am Ende arm - Gott baut um uns die Mauer des Schutzes. Der Name des Herrn ist eine feste Burg. Der Gerechte geht dorthin und ist darin geborgen.

2.4 Und bei dem allen gilt: Du lässt Dein Angesicht über mir leuchten.
Ja, Du, der lebendige Gott, freust dich über mich. Ja, Du meinst es wirklich gut mit mir. Ja, Du sagst zu mir Ja, nicht Nein.
Viele Menschen haben das ihr Leben lang noch nie für sich gehört. Zu Ihnen sagt einer Ja.
Ich stehe unter Deinem Ja. Und alles Nein meiner Geschichte und meines Herzens kann das nicht ungeschehen machen. Du sagst Ja. Es gibt einen - zumindest einen - der mich bejaht. Was für eine Botschaft.
Wer das für sich entdeckt, der wird ein anderer Mensch.
Und für viele Spannungen, in denen wir stecken, wäre das ein Halt, wenn auch noch keine Lösung.

2.5 So auch für Paulus. Das Nein der Korinther trifft in seinem Charakter auf das Ja Gottes. Und diese Säule seiner Glaubwürdigkeit wankt nicht. Sie steht fester als das, was daran rüttelt. Paulus ist vom Ja Gottes getragen und fällt nicht um. Das zeigt er den Korinthern. Das Ja Gottes, die tiefere Wirklichkeit.


3.1 Nun gibt es viele Christen, die um diese Dinge wissen. Aber ihr Verhalten ist sehr wenig davon geprägt. Das Wissen um das Ja Gottes zum eigenen Leben sitzt im Kopf, aber es ist nicht ins Herz gerutscht. Es dringt nicht durch. Es zeigt keine Früchte. Es entfaltet keine Kraft. Es strahlt nicht aus. Es ist nicht zu einer Säule des Charakters geworden.

3.2 Als ob Paulus das ahnte, das hier ein Problem sitzt, fügt er deshalb hinzu: (20) Darum sprechen wir dazu, zu dem Ja Gottes, … auch das Amen.
Paulus nennt hier die zweite wichtige Säule seiner Glaubwürdigkeit. Er nennt sie Amen. Das bedeutet auch Ja. Ja, so ist es. Es ist mein Ja. Amen sagt: Ich stimme zu. Es ist das Ja meines Willens, meiner Phantasie, meiner Gestaltungskraft, meines Denkvermögens. Amen.
Was das bedeutet?

3.3 Es gibt kein Trinken ohne dass Sie schlucken. Der Kaffee kann noch so lecker sein, den Sie gleich beim Kirchcafe bekommen. Wenn Sie ihn nicht schlucken wird er nur lästig und störend in ihrem Mund.
Es gibt keine frische Luft ohne Atmen. Wenn Sie die Lunge nicht voll und wieder leer machen bleibt alle frische Luft der Costa del Sol wirkungslos.
Es gibt keine Liebe ohne Umarmung. Wenn Sie nicht sagen und zeigen, ich mag dich, dann sind die liebevollsten Gedanken nur bei Ihnen und nicht offenbar.

3.4 Wenn Sie nicht Ja zu Gottes Ja sagen, dann geschieht nichts. Die Frucht bleibt aus. Ihr Herz bleibt unter den schönen Verheißungen Gottes leer. Ihre Zustimmung als Antwort auf Gottes Zustimmung, das heißt Amen. Das ist die zweite Säule, die die Aufrichtigkeit unseres Charakters trägt.

3.5 Ich habe dazu Ja gesagt, dass Gott zu mir Ja sagt. Amen.
Was meinen Sie, wie kritikfähig Sie dadurch werden. Was meinen sie, wie falsche Beschuldigungen daran abgleiten. Wie zugefügtes Unrecht Ihre Barmherzigkeit nicht erstickt.
Unser Herz sehnt sich nach einem solchen Halt. Hier ist er. Das Amen, mein Ja zu Gottes Ja ist diese zweite Säule. Sie trägt.

3.6 Wo fehlt mein Amen auf das Angebot des Herrn? Das ist die Frage, die uns Paulus vorlegt, die uns am 4. Advent begegnet. Wir können umkehren.


4.1 Wie das praktisch geht?

4.2 Nehmen Sie das Bibelwort: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes. - Amen. Ich stimme zu mit aller meiner Kraft des Denkens, Fühlens, Wollens und der Vorstellung.
Und achten Sie mal darauf, was sich dann tut. Sie können fast zugucken, was mit dieser festen Zustimmung in Ihnen anders wird. Ihr Ja gibt Gottes Ja den Raum zur weiteren Entfaltung.

4.3 Oder: Meine Seele erhebt den Herrn. - Amen. Ich stimme zu mit aller meiner Kraft.
Was macht das Amen mit Ihnen. Merken Sie es? Spüren Sie den Widerstand? Bleiben Sie beim Amen. Merken Sie, wohin der Widerstand Sie leitet? Möchten Sie das klären? Entscheiden Sie. Dem Widerstand nicht nachgeben, sondern folgen. Und wenn Sie das tun, dann geht das Wort des Herrn in Ihnen einen Weg und nimmt Sie mit zu Neuem. So wächst die Frucht.


5.1 Der lebendige Gott hat Sein Ja zu uns gegeben. Es hat IHN etwas gekostet.
Die Geburt Seines Sohnes hier auf Erden, Sein Sterben und Seine Auferstehung für unsere Sünde. Das war eine teure Konsequenz. ER hat sie bezahlt. Deswegen gilt sie für uns. Sie ist eine feste Säule.

5.2 Auch unser Amen hat Konsequenz. Das Wachsen im Ja geht immer durch den Schmerz unserer Veränderung. Doch es lässt die Früchte des Glaubens wachsen. Es stellt unsere Glaubwürdigkeit auf eine tragfähige Säule.


6.1 Blicken wir zurück. Was haben wir gesehen?

6.2 Da hatte Paulus Knatsch mit diesen Christen in Korinth. Sein Besuch, er platzte. Eigentlich nicht der Rede wert. Aber wie so oft: Anlass für richtiges Meckern und mehr.
Und was tut Paulus?

6.3 Er meckert nicht zurück, wehrt sich mit neuer Kränkung. Vielmehr:
Er zeigt uns auf welchen Säulen die Glaubwürdigkeit von Christen ruht. Es sind sehr feste Säulen, wenn wir sie kennen. Das Ja Gottes zu uns. Und unser Ja zu IHM. Wer dazu Amen sagt steht fest.


Amen.


Zur Startseite      Zum Anfang dieser Seite

Zuletzt geändert am 09.12.2011 von: (fp)