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Jahreslosung 2012
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 8. Januar 2012

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig

8 Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse.
9 ER aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.
Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.
10 Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.


2. Korinther 12, 9

Liebe Gemeinde!

1.1 Das macht keinen Sinn, was Paulus da schreibt und auch vertritt. Er habe ein Wort vom Herrn: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Das klingt als ob Schwäche schön sein soll.

1.2 Tatsächlich. Paulus argumentiert so. (9) Viel lieber will ich mich meiner Schwachheit rühmen.

1.3 Wenn es wenigstens nur ein taktisches Manöver wäre, was Paulus hier beschreibt. Ich zeige mich mal schwach. Dann locke ich die Stärken der anderen locker raus. Jede unserer Beziehungen ist von solchen Spielchen durchwebt, je nachdem was wer erreichen will. Nein, Paulus meint das ernsthaft. Es ist ein Wort des Herrn. ER sagt das. Sogar ER.

1.4 So haben wir für 2012 ein Wort vom Herrn selbst, das Paulus empfangen hat. Wunderbar. Aber der Inhalt wirkt zunächst sehr rätselhaft. Wie sollen wir es verstehen?

1.5 Es heißt: die Worte des Herrn sind lauter Güte. Sie sind ein Licht auf unserem Weg. Fragen wir also, wo Gottes Güte darin liegt und welches Licht uns für 2012 aufgehen soll.


2.1 Manchmal geht es gemein zu auf dieser Welt, auch unter Christen. Paulus musste das erleben. Wir wissen nicht genau, was für eine persönliche Not er hatte. War er körperlich krank? Hatte er eine Depression? Bei den Verfolgungen, die Paulus erlitten hatte, war jeder Tag seines Lebens ein Wunder und Grund, Gott zu loben. Statt dies zu tun warf man ihm vor: Du bist krank. Dann stehst du wohl nicht recht in Gottes Gnade. Einem richtigen Apostel passiert das nicht. Der lebt in Gottes Stärke. Wir sehen an deiner Schwäche: Apostel sein, das bildest du dir ein. Du wärest sonst nicht krank.

2.2 O Gott, was Menschen sich gegenseitig antun. Sich Krankheit vorzuwerfen. Die Sorgenfalten in den Gesichtern vieler kommen oft nicht von dem, was Menschen zu tragen haben. Oft sind sie von Vorwürfen verursacht, die andere ihnen noch über ihre Nöte machen: Siehst du wohl. Bist es ja selber schuld.

2.3 Also, das kannte Paulus auch. Und was sehr gemein war: Die Schuldvorwürfe hier wurden mit Dingen des Glaubens begründet. Und weil die ja niemals widerlegbar sind, sind sie besonders tückisch. Wer das erlebt hat ist oft für sein ganzes Leben von christlicher Gemeinschaft kuriert.

2.4 Paulus nicht. Er startet den Widerstand, stellt richtig, klärt und zeigt den Weg des heilsamen Umgangs miteinander. Das ist der Hintergrund des paradoxen Wortes von Stärke und von Schwäche. Für 2012 eine wunderbarer Lehrgang, um auch in gemeinen Situationen zu bestehen. Schauen wir uns vor diesem Hintergrund das Wort noch einmal an.


3.1 Ihr habt mich schwach erlebt? Ihr werft mir dieses vor? Ich will euch dazu was erzählen.

3.2 Und jetzt spricht Paulus mit knappen Worten ein Geheimnis von Christen an. Es gibt keinen Glaubensweg ohne Anfechtung. Wer konkrete Schritte mit Jesus geht und sich in Seinen Dienst stellt macht immer auch Erfahrungen wie Hiob. Der Weg mit Gott ist niemals störungsfrei. Im Gegenteil. Je mehr du mit IHM lebst, je mehr Schlaglöcher sind auf deinem Weg. Natürlich kennt jeder Mensch dies Phänomen: Aber bei Christen, die sich in Gottes Segen stellen und ihn weitergeben, fällt das besonders auf.

3.3 Warum das so ist? Das Reich Gottes in dir fällt auf. Und deshalb wirst du Zielscheibe für alle Mächte, die das verhindern wollen. Die Bibel nennt den Unterschied den breiten und den schmalen Weg. Der eine ist bequemer. Der andere ist angefochten von Schwierigkeiten, die andere so nicht haben. Warum ist das so?

3.4 Die Liebe soll halt in dir sterben. Wer dieses will? Paulus sagt: Der Bote Satans. Ein Engel, nicht des Lichtes, sondern der Finsternis, die Macht des Bösen. Du fällst ihm auf mit deinem Leben. Du stehst in der Schusslinie. Paulus tat das.

3.5 So wundert es ihn nicht, wenn er an Stellen schwach ist, wo andere vielleicht überhaupt keine Probleme haben. Es wundert ihn auch nicht, wenn er vielleicht von Krankheit überfallen wird, viel mehr als andere. Natürlich kann das auch anderen passieren. Aber ihm passiert es auch und nicht nur das, sondern fast immer. Beschuss vom Bote Satans.


4.1 Merken wir hier schon die erste Klärung, die Paulus macht? Mir geht es schlecht. Ja. Mir geht es so, nicht obwohl ich Apostel bin - was ihr darauf hin bestreitet -, sondern weil ich es bin. Ich stehe unter ganz anderen Belastungen im Glauben als ihr. Ich bin viel mehr Zielscheibe der Feinde des Reiches Gottes als ihr. Ist es ein Wunder, dass ich schwach bin?

4.2 Kennt das nicht jeder, der als Erwachsener Verantwortung trägt, ein Firma führte? Was das kostet. Wie schön können da Kinder reden, die gar nicht mitkriegen, worum es eigentlich geht.

4.3 Im Glauben ist das nicht anders. Wer im Glauben stark ist, wird oft im Leben schwach gemacht. Wie oft ist dies zu sehen. Und da verbirgt sich hinter scheinbar unscheinbaren Menschen ein Heiliger, eine Heilige. Nach Außen machen die nicht viel her. Nach Innen sind sie die Säulen.

4.4 Wie müssen wir dem Paulus danken für den Scharfblick, den er uns hier verpasst. Doch es geht weiter.


5.1 Wissen Sie, dass die Boten des Satans - wie Paulus sie nennt - zwar die Glaubenden sehen, aber an einer entscheidenden Stelle blind sind. Das ist hoch interessant und nützlich zu wissen. Um es einfach zu sagen: Der Teufel kann in uns eines niemals sehen. Er sieht zwar Licht Gottes in uns - deshalb fallen wir auf. Aber er ist blind für dessen Inhalt. Denn den lehnt er als gefallener Diener des Lichtes ab. Niemals kann er deshalb in unseren Glauben eingreifen. Niemals kann er uns die Gottesliebe rauben. Er sieht sie nicht. Niemals den Frieden, die Gewissheit, die Hoffnung und Freude in Gott. Der Geist von Gott in uns ist für ihn absolut tabu. Er weiß das. Wir wissen das oft nicht. Glauben können Boten des Satans niemals schwächen. Der ist so stark wie wir ihn wollen.

5.2 Anfechtungen im Leben eines Christen können deshalb immer nur indirekt angreifen. Sie trifft uns in unserem Teil des Geistes, der Jesus noch nicht gehört. Sie trifft uns in unserer Seele. Unser Wille, Gefühl, unsere Fähigkeit zu handeln, Phantasie werden verwundet und gekränkt. Wir irren. Anfechtung trifft uns in unserem Körper. Wir haben Not mit Krankheit, Schmerz und Schwäche. In dem allen sind wir sehr verwundbar. Doch im Glauben selbst: nie.

5.3 Und jetzt haben wir klar, wie Paulus von Schwäche und von Stärke spricht.

5.4 Ich kann in meinem Glauben stark sein. Denn Gott hat ihn in mich gepflanzt. Und weil ich damit Zielscheibe vieler Anfechtungen bin, kann ich dabei sehr wohl schwach sein. Schwach in vielem meines Lebens, in meiner Seele, in meinem Körper. Weil sie den Kern in mir nicht treffen, so prügeln Satans Boten - so Paulus - an vielen anderen Stellen auf mich ein. Aber: Blind sie die Boten Satans für das Werk der Boten Gottes. Anrühren können sie das nicht. So wollen sie verhindern, dass ich es lebe. Sie wollen, dass ich selbst absage oder aufgebe. Also: Ich bin vielleicht schwach nach außen, aber stark im Kern. Das ist das Geheimnis des angefochtenen Glaubens.

5.5 (10) Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich (nach außen) schwach bin, dann bin ich (doch als Bote Gottes) stark.


6.1 Wir haben hier ein starkes Stück des Glaubensweges von Paulus vor Augen.

6.2 Für gemeine Vorhaltungen ist hier nicht mehr Platz. Vor dieser Tiefe der Selbsterkenntnis können Vorwürfe nur schweigen.

6.3 Und auch wenn eigene Zweifel aufstehen - und die sind oft noch viel gemeiner als Vorwürfe anderer - dann hilft uns dies Wort sehr wohl: Sieh doch mal, den Glauben selbst kann diese Schwierigkeit nicht treffen, die dich jetzt trifft. Sie trifft. Aber nicht in die Mitte deines Lebens. Die gehört dem Herrn. Sein Friede bleibt. Wie das ruhige Auge mitten im Sturm. Vor diesem Hintergrund packe dein Leben jetzt neu an.


7.1 Zum Schluss noch einmal ein Blick auf den Anfang. Ich sagte dort: Paulus meint das nicht nur selbst so. Er sagt: Es ist auch ein Wort des Herrn. Er hat es von IHM selbst empfangen.

7.2 Das ist ein großes Geschenk, dass dieses Wort vom Herrn selber kommt. Es ist nicht ausgedacht in irgendeinem Menschen dieser Welt. Es würde auch nicht dem standhalten, was oft an Not und Leid zu tragen ist. Doch jetzt hat es der Herr uns selbst gegeben. Von IHM ruht es in uns wie damals auch in Paulus: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

7.3 Auch Herr, Du sagst es. Dann will ich standhalten. Du bist unbesiegbar. Wenn davon ein Fünkchen in mir sein darf, dann will ich weiter stark sein und Dir folgen. Danke.

Amen.


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Zuletzt geändert am 12.12.2011 von: (fp)