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 <>< Predigt zum 2. Sonntag nach Epiphanias
von Prädikantin Gisela Johannes

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Prädikantin Gisela Johannes)

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Predigt am 15. Januar 2012

Gottes Weisheit

1 Als ich zu euch kam, Brüder, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen.
2 Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten.
3 Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht, zitternd und bebend zu euch. 4 Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden, 5 damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützte, sondern auf die Kraft Gottes.
6 Und doch verkündigen wir Weisheit unter den Vollkommenen, aber nicht Weisheit dieser Welt oder der Machthaber dieser Welt, die einst entmachtet werden. 7 Vielmehr verkündigen wir das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes, die Gott vor allen Zeiten vorausbestimmt hat zu unserer Verherrlichung. 8 Keiner der Machthaber dieser Welt hat sie erkannt; denn hätten sie die Weisheit Gottes erkannt, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. 9 Nein, wir verkündigen, wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.
10 Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes.

1. Korinther 2, 1-10

Liebe Gemeinde,

Gott schuf mich und dich. Wer Gott ist, bleibt ein Geheimnis.
Es fragte ein Junge den Rabbi: "Rabbi, ich gebe dir ein Geldstück, wenn du mir sagst, wo Gott ist." Da antwortete der Rabbi: "Und ich gebe dir zwei Geldstücke, wenn du mir sagst, wo Gott nicht ist." Ob der Junge mit dieser Antwort zufrieden war?
Vom Geheimnis und der Weisheit Gottes spricht Paulus in unserem Predigttext. Ähnlich wie der Gemeinde in Korinth bereitet uns dieser Briefabschnitt so manches Kopfzerbrechen. Schon ein Geheimnis selbst ist ja etwas, das sich anderen, im Gegensatz zu dem Geheimnisträger, nicht erschließt. Wie schwierig ist es erst, einem Gottesgeheimnis auf die Spur zu kommen.

Geheimnisse gibt es seit Anbeginn dieser Welt. Die Erschaffung der Erde liegt in geheimnisvoller Dunkelheit, es gibt ein Geheimnis des Lebens, und die vielen Geheimnisse, die wir Menschen haben.
Ein Geheimnis ist etwas, von dem ein anderer nichts weiß. Fast jeder Mensch hat etwas, das er nicht preisgeben kann oder will, etwas, das er geheim hält, und zu dem er sich nicht äußert. Aber nicht nur Menschen haben Geheimnisse. Es gibt in vielen Firmen Betriebsgeheimnisse. Streng geheim sind z.B. die Gewürzmischungen von Spezialitäten oder die Rezeptur einer Leckerei. Die Anzahl der Beispiele lässt sich beliebig erweitern. Geheimnisse stellen für viele Menschen immer wieder eine große Herausforderung dar, sei es, dass man sie "knacken" möchte oder dass man sie bewahren möchte. Eine ganze Unterhaltungsindustrie, in Form von Büchern, Filmen oder Hörspielen, bietet uns Geheimnisse an, die wir mehr oder weniger erfolgreich mit klugen Detektiven, Polizisten etc. lösen können. Ganze Wissenschaftszweige sind damit beschäftigt, in der Mathematik, Physik, Chemie oder der Medizin Ungeklärtes zu ergründen. Große Erfolge sind dabei zu verbuchen, wie man an der jährlichen Verleihung internationaler und nationaler Preise sehen kann.

Auch unser Predigttext gibt uns eine klare Vorgabe. Vom Geheimnis Gottes ist hier die Rede, und wir ahnen bereits, dass damit etwas zur Sprache kommt, das unser menschliches Vorstellungsvermögen übersteigt.
Paulus will Gottes geheimnisvolle Wahrheit verkündigen. Jeder, der von Gott spricht, berührt ein Geheimnis, ein Mysterium. Es geht um Gottes Verborgen Sein, um sein So-Sein, das wir mit allen Worten dieser Welt nicht ausdrücken können. Erinnern wir uns, dass auch Mose Gott nur im Verborgenen erfahren durfte?
Ein Geheimnis einfach stehen zu lassen, ist in unserer heutigen Zeit überhaupt nicht aktuell. Von allen Seiten wird das Privatleben von Schauspielern, Fußballern, Politikern oder ‚Royales' von unbarmherzigen Paparazzos unter die Lupe genommen. Da bleibt nichts im Verborgenen, alles wird ans Licht gezerrt und einem großen Publikum zur Unterhaltung verkauft. Nicht ein Geheimnis ist respektabel, sondern das sog. "Sich-Outen" liegt im Trend. Die oftmals fatalen Folgen sind dabei völlig gleichgültig.
Wenn wir von Gottes Geheimnis sprechen erfordert das von uns eine bestimmte Haltung. Ein religiöses Geheimnis meint etwas Heiliges. In der Abendmahlsliturgie wird in der katholischen uns evangelisch-lutherischen Kirche vom "Geheimnis des Glaubens" gesprochen, voller Ehrfurcht und Respekt. Wir spüren, dass es hier um etwas ganz Großes geht.
Es klingt paradox. Paulus spricht vom Geheimnis Gottes und zugleich bewahrt er darüber redend dieses Geheimnis. Er sagt nicht, worin es besteht.

Der Brief des Apostels an die Gemeinde in Korinth ist die Reaktion auf eine Anfrage, wie sie, die Gemeinde, über Jesus reden solle. Als ihren Gründer kennen sie Paulus gut. In seiner Abwesenheit sind nun aber Probleme aufgetaucht, und man ist sich nicht einig, wie man sie angehen soll.
Es ist schon erstaunlich, wie ehrlich Paulus seine eigene Haltung analysiert. Er schreibt der Gemeinde zunächst, was er nicht getan hat. Auf alle Regeln der Rhetorik hat er verzichtet. Ganz im Gegenteil zu unserer heutigen Vortragsweise, die psychologisch aufbereitet ist, weil jeder optimal herauskommen möchte. Das alles ist Paulus nicht wichtig.
Er geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er der Gemeinde gesteht, dass er als schwacher Mensch voller Angst und Sorge vor sie getreten ist. Luther übersetzt es mit "Furcht und Zittern". Es mag sein, dass seine Zuhörer das gar nicht bemerkt haben. Aber Paulus ist sich sicher: Nicht eine glänzende Rhetorik noch große Überredungskünste bringen die Menschen zum Glauben. Es nützt nichts, den Menschen nach dem Mund zu reden und ihnen den Glauben so anpassungsfähig darzustellen, dass er in das je eigene Lebenskonzept jedes Einzelnen passt. Hart und streng klingt das. Unmissverständlich weist Paulus darauf hin, dass Gottes Weisheit nicht mit Menschenweisheit zu ergründen ist.
Paulus schreibt den Korinthern klar und deutlich, dass Glaube und Verkündigung nur durch den Geist Gottes möglich sind. Der Glaube gründet in der Kraft Gottes, und darüber verfügen Menschen nicht von sich aus.
Der Apostel hält daran fest, dass die Weisheit Gottes im Geheimnis verborgen ist. Das ist für uns schwer nachvollziehbar, schwer zu ertragen. Aber wir alle haben diese Weisheit nicht verstanden, sonst wäre Jesus Christus nicht gekreuzigt worden. Kein Auge hat Gottes Weisheit gesehen, kein Ohr sie gehört, und kein Herz hat sie erkannt.

Wie kann das sein? In unseren Gottesdiensten versuchen wir mit Musik und Sprache das Ohr für Gottes Wort zu öffnen. Wir versuchen das Auge in das Gottesdienstgeschehen mit einzubinden und bemühen uns, das Herz zu befriedigen. Die Schönheit oder auch die zeitgemäßen Elemente der Liturgie und der Gottesdienste verfehlen ihre Wirkung, wenn sie nicht von der Weisheit Gottes durchdrungen sind.
Paulus ist der festen Überzeugung, dass das Gottesgeheimnis jenseits von Ohr, Auge und Herz liegt. Der Apostel weiß, dass es nicht Wissen im messbaren Sinn ist, das ihn zur Verkündigung des Glaubens befähigt. Paulus ist von Gott ergriffen, erleuchtet und zur Erkenntnis geführt worden.
Der Schlüssel zu dieser Erkenntnis ist in Vers 2 unseres Textes zu finden: Jesus Christus der Gekreuzigte. Jesus ist der Schlüssel zur Weisheit Gottes. Er verschafft uns den Zugang und die Sicht auf Gott. Gottes Weisheit ist Seine Erlösung durch Liebe, Seine Vergebung in Gnade. Der gekreuzigte Jesus hat dies vollbracht und gezeigt.
In dieser Weisheit Gottes gibt es keinen Egoismus. Seine Liebe zählt. Wenn wir zulassen, dass Jesus der Herr unseres Lebens ist, dann wissen wir auch, was Gott bewegt. Gott will, dass alle Menschen seine Wahrheit kennen. Da gibt es keinen Egoismus. Gott bevorzugt keinen Menschen. Gott ist für alle da, die sich von ihm ansprechen und helfen lassen. Unser aufrichtiges Ja zu Christus, unser Vertrauen zu Gott, ist alles was wir dazu tun müssen.

Gottes Weisheit verhilft uns zu einer völlig neuen Lebensgrundlage. Im Jakobusbrief liest man dazu folgendes: "Die Weisheit aber von oben her ist zuerst lauter, dann friedfertig, gütig, lässt sich etwas sagen, ist reich an Barmherzigkeit und guten Früchten, unparteiisch, ohne Heuchelei." Mit Christus zu leben heißt, Gottes Weisheit zu leben. Das ist eine große Herausforderung und Lebensaufgabe.
Das Geheimnis des gekreuzigten Christus wird bewahrt. Es ist gekommen, was kein Auge gesehen hat.

Traugott Giesen, der ehemalige Pfarrer in Keitum auf Sylt, hat es einmal so beschrieben: "Gott ist das Geheimnis der Welt. Wenn ich das wieder für wahr glauben könnte, dass Gott auch mein Geheimnis ist, dann könnte ich das Leben ertragen und liebhaben mit allem Rätselhaften."


Amen.



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Zuletzt geändert am 15.01.2012 von: (fp)