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 <>< Predigt zum 3. Sonntag nach Epiphanias
von Prädikantin Gisela Johannes

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Prädikantin Gisela Johannes)

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Predigt am 22. Januar 2012

Heilung erfahren

1 Naaman, der Feldherr des Königs von Aram, galt viel bei seinem Herrn und war angesehen; denn durch ihn hatte der Herr den Aramäern den Sieg verliehen. Der Mann war tapfer, aber an Aussatz erkrankt. 2 Nun hatten die Aramäer bei einem Streifzug ein junges Mädchen aus dem Land Israel verschleppt. Es war in den Dienst der Frau Naamans gekommen. 3 Es sagte zu seiner Herrin: Wäre mein Herr doch bei dem Propheten in Samaria! Er würde seinen Aussatz heilen. 4 Naaman ging zu seinem Herrn und meldete ihm: Das und das hat das Mädchen aus Israel gesagt. 5 Der König von Aram antwortete: So geh doch hin; ich werde dir ein Schreiben an den König von Israel mitgeben. Naaman machte sich auf den Weg. Er nahm zehn Talente Silber, sechstausend Schekel Gold und zehn Festkleider mit 6 und überbrachte dem König von Israel das Schreiben. Es hatte folgenden Inhalt: Wenn jetzt dieser Brief zu dir gelangt, so wisse: Ich habe meinen Knecht Naaman zu dir geschickt, damit du seinen Aussatz heilst. 7 Als der König von Israel den Brief gelesen hatte, zerriss er seine Kleider und rief: Bin ich denn ein Gott, der töten und zum Leben erwecken kann? Er schickt einen Mann zu mir, damit ich ihn von seinem Aussatz heile. Merkt doch und seht, dass er nur Streit mit mir sucht. 8 Als der Gottesmann Elischa hörte, der König von Israel habe seine Kleider zerrissen, ließ er ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Naaman soll zu mir kommen; dann wird er erfahren, dass es in Israel einen Propheten gibt. 9 So kam Naaman mit seinen Pferden und Wagen und hielt vor dem Haus Elischas. 10 Dieser schickte einen Boten zu ihm hinaus und ließ ihm sagen: Geh und wasch dich siebenmal im Jordan! Dann wird dein Leib wieder gesund, und du wirst rein. 11 Doch Naaman wurde zornig. Er ging weg und sagte: Ich dachte, er würde herauskommen, vor mich hintreten, den Namen Jahwes, seines Gottes, anrufen, seine Hand über die kranke Stelle bewegen und so den Aussatz heilen. 12 Sind nicht der Abana und der Parpar, die Flüsse von Damaskus, besser als alle Gewässer Israels? Kann ich nicht dort mich waschen, um rein zu werden? Voll Zorn wandte er sich ab und ging weg. 13 Doch seine Diener traten an ihn heran und redeten ihm zu: Wenn der Prophet etwas Schweres von dir verlangt hätte, würdest du es tun; wie viel mehr jetzt, da er zu dir nur gesagt hat: Wasch dich, und du wirst rein. 14 So ging er also zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie ihm der Gottesmann befohlen hatte. Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes, und er war rein. 15 Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge zum Gottesmann zurück, trat vor ihn hin und sagte: Jetzt weiß ich, dass es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Israel. So nimm jetzt von deinem Knecht ein Dankgeschenk an! 16 Elischa antwortete: So wahr der Herr lebt, in dessen Dienst ich stehe: Ich nehme nichts an. Auch als Naaman ihn dringend bat, es zu nehmen, lehnte er ab. 17 Darauf sagte Naaman: Wenn es also nicht sein kann, dann gebe man deinem Knecht so viel Erde, wie zwei Maultiere tragen können; denn dein Knecht wird keinem andern Gott mehr Brand- und Schlachtopfer darbringen als Jahwe allein. 18 Nur dies möge Jahwe deinem Knecht verzeihen: Wenn mein Herr zur Anbetung in den Tempel Rimmons geht, stützt er sich dort auf meinen Arm. Ich muss mich dann im Tempel Rimmons niederwerfen, wenn er sich dort niederwirft. Dann möge das Jahwe deinem Knecht verzeihen.
19 Elischa antwortete: Geh in Frieden!

2. Könige 5, 1-19a

Liebe Gemeinde,

es war einmal ein Mann, der hieß Naaman, was so viel wie "der Angenehme", oder der "Großzügige" bedeutet. Vor 2800 Jahren lebte er in Syrien. Als Heerführer des Königs von Aram war er äußerst erfolgreich, von vielen geachtet und geschätzt.

Mit "es war einmal", oder "vor langer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat", beginnen gewöhnlich die Geschichten in unseren Märchenbüchern. Und irgendwie märchenhaft geht es auch in unserem Predigttext aus dem 2. Buch der Könige zu. Die Bibel ist ein Buch voller Geschichten. Sie alle sind Träger einer Botschaft, wollen uns mit einer wichtigen Erkenntnis konfrontieren. Ob das auch heute, nach so langer Zeit auch für uns gilt? Die Geschichte von Naaman ist die Einladung zu einer Begegnung mit dem lebendigen Gott.

Die Bibel beschreibt ihn als Feldherrn, der in der damaligen Gesellschaft eine Hauptrolle spielte, ähnlich wie heute angesehene Leute aus Wirtschaft und Politik. Sein Handeln war enorm wichtig für die Bevölkerung des kleinen Königreichs, garantierte es doch Sicherheit in dessen Region. Doch aller Erfolg kann ihm nicht über seine gesundheitlichen Probleme hinweghelfen. Eine Hautkrankheit, Aussatz, hat ihn befallen und macht ihm schwer zu schaffen. Nichts wünscht er mehr, als von dieser Krankheit geheilt zu werden. Bisher sind alle Versuche missglückt.

Doch ein neuer Hoffnungsschimmer tut sich für ihn auf. Eine Dienerin seiner Frau, die von Soldaten aus Samaria verschleppt wurde, ist sich sicher, dass der Prophet in ihrem Heimatland Naaman heilen kann. Ist es nicht wundersam, dass diese Frau, die allen Grund hätte ihm feindlich gesonnen zu sein, ihm den Weg zu einer Heilung aufweist? Warum tut sie das?

Aber Naaman ist so verzweifelt, dass er nach jedem Strohhalm greift, der ihm zur Rettung verhelfen könnte. Er bespricht mit seinem König den Vorschlag nach Samaria zu gehen. Mit einem Brief an den König von Israel bekommt der Kranke jegliche Unterstützung seines Herrn. Reich bepackt mit Geschenken macht er sich auf den Weg, eine große Hoffnung im Herzen. Seine Erfahrung ist: Mit den richtigen Beziehungen und mit genügend Geld ist alles möglich.

Unser Kranker hat eine feste Vorstellung: So eine Krankheit, wie er sie hat, können nur bedeutende Menschen, wie z.B. der König von Israel, heilen.

Hier kommen wir der Botschaft unserer Geschichte auf die Spur. Eigene Bilder, eigene Meinungen, die ein Mensch sich macht, haben mit Gott oft wenig oder gar nichts zu tun. Immer wieder glauben wir zu wissen, wie Gott handeln müsste. Mal denken wir ihn zu klein, manchmal zu groß. Wie selten spüren wir seinem Willen nach, wie selten hören wir, was er uns in leisen Tönen und kleinen Gesten sagt.

In unserer Geschichte wird Naaman enttäuscht. Der König von Israel erklärt sich für eine Heilung völlig unzuständig. Er sei nicht Gott, er habe keine Macht über Tod oder Leben. Der Brief des Königs von Aram sei eine Provokation. Dieser suche einen Kriegsgrund. Die Situation ist äußerst angespannt.

Da kommt der Prophet Elisa - der, von dem die Dienerin von Naamans Frau gesprochen hatte - dem König von Israel zu Hilfe. Er schlägt vor, dass Naaman zu ihm, dem Propheten, kommen solle. Das befolgt der Mann auch, allerdings wieder mit falschen Vorstellungen. Elisa reagiert anders als der Kranke es erwartet. Naaman bekommt nicht Elisa, sondern dessen Boten zu Gesicht. Der übermittelt ihm, dass er zum Jordan gehen solle. Dort solle er sieben Mal untertauchen. Dann sei er geheilt.

So hatte sich der aramäische Heerführer seine Begegnung mit Gott nicht vorgestellt. Elisa, der Mann Gottes, hält es nicht für nötig persönlich aufzutreten. Die Anweisungen des Propheten sind so banal, dass Naaman meint, sich dafür überhaupt nicht auf den Weg hätte machen zu müssen. Warum begegnet man ihm, dem Heerführer des Königs, nicht auf der gleichen gesellschaftlichen Ebene? Naaman hat es hier lediglich mit Knechten zu tun. Er tobt, er will abreisen, und seine Hoffnung in den Wind schreiben.

Aber Naaman hat Glück, viel Glück. Seine Knechte überzeugen ihn, dass er sich auf dieses banale Bad im Jordan einlassen soll. Wie dankbar kann er seinen Leuten sein, dass sie ihn aus Zorn, Enttäuschung und Frustration hinausführen.
Das ist ein großes Geschenk. Warum sind wir Menschen so zögerlich wenn es um den kleinen, unspektakulären Schritt geht, den Gott uns vorschlägt? Warum scheint das Komplizierte vielversprechender zu sein? Naaman jedenfalls lässt sich auf Elisas Anweisung ein. Er überspringt die Hürden seiner Stellung, seine festen Vorstellungen, seine Lebenserfahrung.
Das Wunder geschieht. Er steigt geheilt aus dem Wasser. Seinen Stolz, seine vorgefasste Meinung, wie etwas zu laufen habe, gibt er auf. Er hat sich gebeugt. Nun kommt etwas in Bewegung. Um ein Haar hätte er seine Heilung verpasst. Aber Gott, der Unsichtbare, steht zu seinem Weg mit uns.

Darüber machte sich einmal ein kleiner Junge Gedanken als er seinen Großvater fragte: "Früher gab es doch Menschen, die Gott gesehen haben. Warum sieht man ihn heute nicht mehr?" Der Großvater überlegte kurz und antwortete: "Weil sich heute keiner mehr so tief bücken mag."

Naaman kehrt überglücklich zu Elisa zurück. Aufgrund seiner Heilung bekennt er: "Siehe, nun weiß ich, dass es nur in Israel einen Gott gibt, der helfen kann, sonst nirgends auf der Welt." Gott ist Naaman begegnet. Der mächtige Mann hat auf Menschen gehört, die in seinen Augen nicht seines gleichen sind. Nachdem er seine Eitelkeit abgelegt hat, und in einem kleinen, schlammigen Fluss untergetaucht ist, hat er Heilung erfahren. Er glaubt jetzt, dass es Gott gibt, der ihn heil macht und erhält.

Aber nun macht ihm erneut ein altes Denkmuster zu schaffen. Naaman möchte seine Heilung durch eine großzügige Spende vergelten, bezahlen. Wieder erfährt er eine Kränkung. Elisa nimmt seine Spende nicht an. Naaman muss es sich gefallen lassen, dass Gott ihn aus Gnade geheilt hat. Die Gnade Gottes ist weder zu kaufen, zu bezahlen noch zu vergelten. Sie ist ein Geschenk Gottes. Naaman akzeptiert das.

Eingangs hieß es, dass jede Geschichte der Bibel eine Botschaft in sich birgt. So wie damals könnte sie auch heute für uns heißen: Mach dich frei von deinen vorgefertigten Meinungen wie Gott dir zu begegnen hat. Gott kommt auch in leisen Tönen und Gesten. Er ist überall, aber das heißt nicht, dass man ihm überall begegnet. Fragen tun sich auf.

Wann waren wir zuletzt ein "Naaman", der auf Menschen hörte, die in unseren Augen nicht so wichtig sind? Wann waren wir das letzte Mal jemand, der einem anderen die Augen öffnete, weil ihm sonst etwas verborgen geblieben wäre?

Der Prophet Elisa verabschiedet den geheilten Naaman mit dem Segensgruß: "Zieh hin mit Frieden".

Dieser Wunsch gilt auch uns nach 2800 Jahren. Gott schenkte uns das Leben, zu ihm kehren wir wieder zurück. Unser Weg dahin möge ein friedvoller sein. Und dazu bewahre der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere menschliche Vernunft, unsere Herzen und Sinnen in Christus Jesus.

Amen.



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Zuletzt geändert am 22.01.2012 von: (fp)