Deutschsprachiges Evangelisches Pfarramt an der Costa del Sol - online
Startseite

Grußwort

Gottesdienste

Predigten

Predigtplan

Gottesdienste
passiert...notiert...
und Fotos
Veranstaltungen
Wissenswertes
Kontakt und Anreise










 <>< Predigt zum letzten Sonntag nach Epiphanias
von Prädikantin Gisela Johannes

(Rückmeldung oder Frage an
Prädikantin Gisela Johannes)

pdf

Predigt am 29. Januar 2012

Der Erste und der Letzte

9. Ich, euer Bruder Johannes, der wie ihr bedrängt ist, der mit euch an der Königsherrschaft teilhat und mit euch in Jesus standhaft ausharrt, ich war auf der Insel Patmos um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus.
10 Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune. 11 Sie sprach: Schreib das, was du siehst, in ein Buch, und schick es an die sieben Gemeinden: nach Ephesus, nach Smyrna, nach Pergamon, nach Thyatira, nach Sardes, nach Philadelphia und nach Laodizea.
12 Da wandte ich mich um, weil ich sehen wollte, wer zu mir sprach. Als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter 13 und mitten unter den Leuchtern einen, der wie ein Mensch aussah; er war bekleidet mit einem Gewand, das bis auf die Füße reichte, und um die Brust trug er einen Gürtel aus Gold. 14 Sein Haupt und seine Haare waren weiß wie weiße Wolle, leuchtend weiß wie Schnee, und seine Augen wie Feuerflammen; 15 seine Beine glänzten wie Golderz, das im Schmelzofen glüht, und seine Stimme war wie das Rauschen von Wassermassen. 16 In seiner Rechten hielt er sieben Sterne, und aus seinem Mund kam ein scharfes, zweischneidiges Schwert, und sein Gesicht leuchtete wie die machtvoll strahlende Sonne.
17 Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte 18 und der Lebendige. Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.

Offenbarung 1, 9-18

Liebe Gemeinde,

was haben Sie empfunden, als die Flut der Bilder in unserem Predigttext auf Sie einstürmte? Meine erste Assoziation war, das hier ist Science Fiction, das klingt merkwürdig künstlich, irgendwie esoterisch. Wäre da nicht der letzte Satz des Predigtabschnittes in seiner kraftvollen Vertrautheit: "Ich bin der Erste und der letzte und der Lebendige. Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle". Mit diesem Satz, so glaube ich, befinde ich mich auf vertrautem Boden. Zugleich fasziniert mich die fremde Bilderwelt des Eingangstextes.

Unser Predigtwort stammt aus dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes. Dieses Buch der Bilder gilt als ihr umstrittenstes. An sieben Visionen lässt uns der Seher Johannes teilhaben.

Nun sind Visionen heute nicht mehr unsere Sache. Visionen sind Offenbarungen die einer hat, und ein anderer nicht. Sie entziehen sich der Einsichtigkeit für jedermann. Grundsätzlich werden wir misstrauisch, wenn wir hören, dass jemand eine Vision hat. Unser apokalyptischer Text macht uns Schwierigkeiten, weil uns der Schlüssel zu dieser fremden Bilderwelt abhandengekommen ist. Wenn heute jemand eine Vision zu haben glaubt, wird er schräg angeguckt, und als Spinner abgetan. Damals, zur Zeit des Johannes, wird den meisten diese Symbolik vertraut gewesen sein.

Aber was ist es, was Johannes sieht? Der Seher sieht Christus den Weltenrichter in unvergleichlichem Glanz, in aller Herrlichkeit.

Dieses strahlende Christusbild ist manchem von uns vielleicht aus der Kunst vertraut, z.B. aus der Musik. Georg Friedrich Händel hat das Bild vom Weltenherrscher in seinem einzigartigen Chorgesang, dem "Halleluja" aus dem Oratorium " Der Messias", vertont. Der Sopran schraubt sich in seinem gesungenen Lobpreis in schwindelerregende Höhen, um dann mit allen Stimmen in den glanzvollen Jubel "Herr der Welt" einzugehen. Das ist mitreißend und zutiefst berührend. Noch heute erhebt man sich in England von seinem Platz, wenn der Chor dieses Halleluja anstimmt.

Anderen von Ihnen wird das Bild des Weltenrichters in den großartigen Mosaiken aus byzantinischer Zeit vertraut sein. In Ravenna, Venedig oder Istanbul thront Christus als Weltenherrscher in den Kuppeln der alten Kirchen. Der goldene Glanz von tausenden Mosaiksteinchen verleiht ihm eine ungeheuer prächtige Aura.

Ich frage mich, ob dieses Bild unseren heutigen Vorstellungen von Jesus Christus entspricht. Wenn wir heute Auskunft über unser Christusbild geben, dann denken wir an ihn als das Kind in der Krippe. Für uns ist Jesus der sich über alle erbarmende Heiland. Manche sehen ihn als Revolutionär. Christus steht vor unseren Augen als der irdische Jesus, der Gekreuzigte. Als Weltenherrscher und Weltenrichter ist er uns aus dem Blickfeld geraten.

Seine Vision empfängt Johannes in einer ganz bestimmten Situation. Wichtig ist der historische Zusammenhang. Mit Johannes befinden wir uns in der Zeit um 80 nach Christus. Kaiser Domitian, der sich als "höchster Zeus und Heiland" ansprechen lässt, besteht darauf, dass vor seinem Standbild geopfert wird. Die Christen verweigern ihm das. Viele von ihnen werden getötet, oder wie Johannes, in die Verbannung geschickt. Er kommt auf die Insel Patmos, im Ägäischen Meer. Dort lebt er einsam in einer Höhle, getrennt von seinen Gemeinden, für die er verantwortlich gewesen ist. Viele der Glaubensgeschwister sind verängstigt und verunsichert. Sie leiden um ihres Glaubens Willen, werden angefeindet, ihnen wird das Leben schwer gemacht. Zweifel plagen sie, und sie sehnen sich nach Christus, ihrem Herrn.

Am Tag des Herrn, also an einem Sonntag, hört Johannes auf der Insel Patmos eine Stimme, und erhält gleichzeitig eine Beauftragung. Aufschreiben soll er, was sich ihm offenbart, für sieben namentlich genannte Gemeinden. Was er hört und sieht soll er niederschreiben zum Trost der verfolgten und geschmähten Glaubensbrüder. Er soll ihnen mitteilen was am Ende der Welt kommen wird.

Zuerst hört Johannes, dann aber sieht er. Der Seher hat Christus vor Augen. Eine ehrfurchtgebietende, schöne, überwältigende Erscheinung weist auf etwas Überirdisches, Heiliges hin.

Die Zahl sieben wird genannt. Wie eine magische Zahl drängt sie sich dem Leser auf. Hier steht sie für die sieben Gemeinden. Sie stellen die Gesamtheit der Kirche dar. Die sieben Sterne, die Christus in der Hand hält, sind eine Anspielung auf den römischen Kaiser, der sich auf Münzen mit sieben Sternen in der Hand abbilden ließ.

Das zweischneidige Schwert wird im Hebräerbrief (4,12) als Wort Gottes erklärt, das alles aufdeckt, und die Menschen zur Rechenschaft zieht.

Das feierliche Gewand und die goldenen Brustriemen entsprechen der königlichen und priesterlichen Würde. Die Farben Gold und Weiß sprechen von überirdischer Reinheit und Ewigkeit. Mit diesen Bildern wird eine andere Welt, jenseits von Zeit und Raum, verkündet.

Können wir heute damit etwas anfangen?
Der Seher Johannes sieht ein ihn überwältigendes Licht. Es lässt ihn wie tot zu Boden sinken. Und an dieser Stelle kommt es nun zu der alles entscheidenden, wirklich wichtigen Stelle unseres Textes. Jesus berührt Johannes, er fasst ihn an, und stellt sich ihm vor. Er sagt ihm wer er ist, wofür er steht. Das gilt auch uns heute, das können wir verstehen.
Nicht die Bildersprache ist wichtig, sondern Jesu Selbstvorstellung.

Er teilt sich uns mit, als der Erste und der Letzte. Er ist der, der alles umfasst, alle Zeit umgreift. Er ist der, der schon immer da war. Er wird kommen. Er ist der lebendige Herr, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Er ist vor uns, bei uns, und nach uns. Er ist in uns und kennt uns. Schon in Psalm 139,5 heißt es dazu: "Von allen Seiten umgibst du mich, ich bin ganz in deiner Hand."

Der lebendige, auferstandene Herr ist immer für uns da, er kommt auf uns zu. Er hat den Tod überwunden. Durch seine Auferstehung hat Gott ihm das ewige Leben geschenkt. In Christus sind wir hineingenommen in das ewige Leben bei Gott, auch wenn wir sterben. Gott in Christus.

Gott, unser Vater, du bist das Alpha und das Omega, der da ist, der da war, der da kommt. Du bist der Allmächtige, der alles in Händen hält, auch uns.


Amen.



Zur Startseite      Zum Anfang dieser Seite

Zuletzt geändert am 29.01.2012 von: (fp)