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Jahreslosung 2012
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 12. Februar 2012

Spieglein, Spieglein an der Wand - Rating des Glaubens
Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.
2. Korinther 12, 9

Die Königin vor dem sprechenden Spiegel: Spieglein, Spieglein an der Wand, Wer ist die Schönste im ganzen Land? -  Illustration, wahrscheinlich von Theodor Hosemann (1852)

Liebe Gemeinde!

1.1 Wir alle leben in geheimer Konkurrenz: Zähle ich? Komme ich vor? Bin ich groß genug? Das umgibt uns auf Schritt und Tritt, selbst wenn wir selbst davon nichts halten. Ob Jugendgruppe oder Golfparty, geheime Konkurrenz liegt immer in der Luft.

1.2 Wer ist der oder die Größte? Wer davor sein "Ich bin" setzt, der zählt - als Großmaul oder Sieger. Egal. Man ist dabei.

1.3 Wir wissen, dieses Prahlen mit Können, Besitz und Aussehen ist keine wahre Größe. Und dennoch lebt der Spruch im Herzen immer weiter: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Und Schönste kann auch Beste, Größte, Erfolgreichste heißen. Wer nicht mit diesen Zwischentönen rechnet verliert die Realität und wird oft bitter überrascht von dem, was um ihn herum und mit ihm geschieht.

1.4 Das Spieglein des Prahlens lebt also, weil wir mit ihm leben.
Auch im Glauben? Auch im Glauben.

1.5 Korinth - die damalige Weltstadt liberalen Denken und Lebens lebte in diesem Geist. Welche Stadt hat das liberalste Image? Wo steht der größte Tempel? Wer hat die besten Sportanlagen? Und in den Menschen lebte dieser Geist. Auch in den Christen. Welche Glaubensgruppe hat den interessantesten Priester? Welche Kirche nennt den größten Apostel ihren Gründer? Wo werden die besten Predigten gehalten?

1.6 Rating Agenturen zu allem und jedem hat es also immer schon gegeben. Sie leben in unseren Köpfen. Wie wenig sich verändert hat.

1.7 Es ist unsere Selbstverliebtheit, die dem Spieglein Leben einhaucht. Und das Spieglein lockt uns auf den Irrweg falscher Größe.

1.8 Wie geht Paulus mit diesem Thema um? Wie wehrt er sich gegen religiöses Rating? Woher zieht er sein Selbstbewusstsein wenn nicht aus dem geheimen Vergleich: Bin ich besser? Sind wir besser?
Wie wächst wahre Größe, die das Spieglein verblassen lässt?


2. Korinther 11, 18.23b-30. 12, 1-10

18 Da viele Menschen im Sinn dieser Welt prahlen, will auch ich einmal prahlen.
23b Ich ertrug mehr Mühsal, war häufiger im Gefängnis, wurde mehr geschlagen, war oft in Todesgefahr. 24 Fünfmal erhielt ich von Juden die neununddreißig Hiebe; 25 dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, eine Nacht und einen Tag trieb ich auf hoher See. 26 Ich war oft auf Reisen, gefährdet durch Flüsse, gefährdet durch Räuber, gefährdet durch das eigene Volk, gefährdet durch Heiden, gefährdet in der Stadt, gefährdet in der Wüste, gefährdet auf dem Meer, gefährdet durch falsche Brüder. 27 Ich erduldete Mühsal und Plage, durchwachte viele Nächte, ertrug Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Blöße.
28 Um von allem andern zu schweigen, weise ich noch auf den täglichen Andrang zu mir und die Sorge für alle Gemeinden hin. 29 Wer leidet unter seiner Schwachheit, ohne dass ich mit ihm leide? Wer kommt zu Fall, ohne dass ich von Sorge verzehrt werde?
30 Wenn schon geprahlt sein muss, will ich mit meiner Schwachheit prahlen.

1 Ich muss mich ja rühmen; zwar nützt es nichts, trotzdem will ich jetzt von Erscheinungen und Offenbarungen sprechen, die mir der Herr geschenkt hat. 2 Ich kenne jemand, einen Diener Christi, der vor vierzehn Jahren bis in den dritten Himmel entrückt wurde; ich weiß allerdings nicht, ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, nur Gott weiß es. 3/4 Und ich weiß, dass dieser Mensch in das Paradies entrückt wurde; ob es mit dem Leib oder ohne den Leib geschah, weiß ich nicht, nur Gott weiß es. Er hörte unsagbare Worte, die ein Mensch nicht aussprechen kann.
5 Diesen Mann will ich rühmen; was mich selbst angeht, will ich mich nicht rühmen, höchstens meiner Schwachheit.
6 Wenn ich mich dennoch rühmen wollte, wäre ich zwar kein Narr, sondern würde die Wahrheit sagen. Aber ich verzichte darauf; denn jeder soll mich nur nach dem beurteilen, was er an mir sieht oder aus meinem Mund hört.

7 Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. 8 Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse.
9 Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.
Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.10 Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.


3.1 Haben Sie mal darüber nachgedacht, was für Geschichten Paulus hätte erzählen können?
Und als der Sturm noch weiter zunahm - die Matrosen hatten sich längst an die Masten gekettet - da krachte es im Holz. Mit einem riesigen Bersten fiel der Mastbaum und zerschlug das Oberdeck. Eine Welle ergriff mich und spülte mich ins kalte Meer. Ich wurde … Schiffbruch auf offener See. Und dennoch gerettet. Geschichten dieser Art hätten selbst in Korinth einen normalen Gläubigen zum Heiligen erhoben. Paulus bestimmt. Und so jemanden als Gemeindegründer? Das ist doch was. Hinter dem stehen wir gut da. Mit so einer Geschichte lässt sich ein Volk sammeln.

3.2 Und Paulus schweigt darüber. Er verkauft nicht, was doch jeder hören, haben, genießen will. Das Spieglein hätte ihn den Größten genannt. Törichte Prahlerei nennt er diese Stimme. Nein. Ich verzichte darauf, so Paulus (12, 6).


4.1 Vielleicht aber stimmt das Thema nicht. Verfolgung, Katastrophen sind ein dunkler Stoff. Mit Hellem, Lichten, mit Erleuchtung lässt sich leichter leben. Und wenn der Leiter ein Erleuchteter auf Erden ist, wie gut können wir zu ihm aufschauen und uns stärken.

4.2 Und Paulus hätte auf das Thema setzen können. Wie viele Interessierte fragen bis heute nach außergewöhnlicher Religiosität. Er hatte sie. Und wie!
Ich bin im Paradies gewesen. Im Paradies. Zwei weitere Himmel habe ich dazu durchschritten. Die Stimmen, die ich hörte. Unglaublich schön. Zu schön, um sie in Sprache dieser Welt zu übersetzen. Ich sah die Jenseitswelt mit klarem Blick, ich sah die Himmelsordnung.
Wenn das nichts ist. Wenn das ein Paulus weitergäbe und erzählte. Wie viele hingen wohl an seinen Lippen.

4.3 Nein, sagt Paulus. Ich verzichte darauf. Keine Erhebung und Überheblichkeit wegen besonderer Offenbarungen. Das Spieglein mag reden. Ich, Paulus, höre auf eine andere Stimme. Und deren Botschaft gebe ich weiter.


5.1 Das ist die Botschaft: Die Kraft Christi kommt auf mich herab. Sogar in meiner Schwachheit trägt sie mich. Und gerade dort. Deswegen prahle ich nicht mit meinen Stärken. Ich "prahle" nur mit meiner Schwachheit. Aber dies tue ich auch nur vermeintlich, damit die Stärke und die Kraft von Christi groß werden.

5.2 Wie erfährt Paulus Christi Kraft? Und wie können wir das lernen, wovon er spricht?


6.1 Es gibt noch ein anderes Spieglein. Es ist nicht an der Wand. Es ist in unserem Herzen. Doch meist ist es getrübt, unklar, nicht deutlich wie das der Selbstverliebtheit. Es ist der Spiegel der Liebe in unserem Geist. Wer Gott liebt, dem wird der Spiegel klar. Wer Ihn nicht liebt, dem bleibt er dunkel.

6.2 Ich schaue in diesen Spiegel Gottes in mir, wenn ich Jesus die Liebe meines Herzens schenke, sein Wort und seine Gebote halten möchte, für Ihn da bin. Was sehe ich dann?

6.3 Ich sehe das was Paulus sah. Das Fünkchen meiner Liebe ist nur ein Abglanz von Seiner großen Liebe zu mir. Ich sehe, die Wege von Ihm mit mir sind gut, wo immer ich mich auf sie einließ. Ich sehe Licht schon vor der Lösung von Fragen und Problemen, die mich belasten. Ich erkenne die Erfüllung Seiner Verheißung: Selig sind die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. Ich schaue Ihn und Seine Gnade für mich und andere. Sein Spiegel der Liebe in mir baut Glaube und Hoffnung in mir auf als Seine Gaben. Und noch viel mehr.


7.1 Ich könnte Geschichten erzählen über Seine Hilfe in den Schiffbrüchen meines Lebens. Ich könnte von Offenbarungen sprechen, wo in mein Herz das Licht der Ewigkeit einfiel und ich nur sagen kann: Mein Gott. Das alles erlebe ich als Folge. Doch auch bei mir ist das nicht die Botschaft des Spiegels Seiner Liebe.

7.2 Der Gottesspiegel sagt: Es ist die Kraft von Mir von der du lebst. Die Botschaft, die du empfängst, ist jeden Tag neu und doch gleich: Mit Meine Kraft trag Ich dich. Heute. Das sage ICH dir. Sogar in deiner Schwachheit ist sie mächtig. Meine Kraft.
Du wirst auch heute neu von Meinem Frieden leben, der in dich kommt und den du weiter gibst. Nimm ihn jetzt. Lebe ihn. Du wirst in deinem Glauben darin neu und frisch Verheißungen entdecken, die dich tragen. Du wirst zur Liebe fähig sein. Sie geht wohl durch dein Herz, kommt aber nicht aus ihm. Geschichten könntest du erzählen. Doch wichtig ist die Kraft, die aus Mir auf dich herab kommt.
Liebe Mich. Dann wirst du in deiner wahren Größe wachsen.

7.3 Jesusliebe und die Kraft von Ihm empfangen sind die wahren Wachstumskräfte glaubender Menschen. Das eine macht den Spiegel klar. Das andere lässt uns in der Realität bestehen.


8.1 Jetzt sehen wir worauf Paulus sich stützte: die tägliche Kraft vom Herrn. In seinen Alltag nahm er sie als Fels, auf dem er stand und ruhte. Die eigene Stärke oder Schwäche war ein Transparent für sie.

8.2 Und wir sehen wie Paulus sie empfing: durch Liebe zu Jesus, den gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Nicht durch Anerkennung aufgrund seiner großen Verfolgungs- und Rettungsabenteuer oder durch Verehrung aufgrund seiner außergewöhnlichen religiösen Erfahrungen. Sie wiesen nur auf den, den wir als erstes anerkennen und verehren sollen: Jesus.

8.3 Wie schön, was Paulus uns hier zeigt.


Amen.


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Zuletzt geändert am 12.02.2012 von: (fp)