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von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 19. Februar 2012

Stopp! Missbrauchter Gottesdienst.

1 ICH hasse eure Feste, ICH verabscheue sie und kann eure Feiern nicht riechen.
22 Wenn ihr Mir Brandopfer darbringt,
ICH habe kein Gefallen an euren Gaben, und eure fetten Heilsopfer will ICH nicht sehen.
23 Weg mit dem Lärm deiner Lieder! Dein Harfenspiel will ICH nicht hören,

24 sondern das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.


Amos 5, 21-24

Liebe Gemeinde!

1.1 Alles kann missbraucht werden. Das Golfspiel kann zu einer Aktion gesellschaftlichen Showlaufens werden. Ein gutes Auto zu einem Blickfänger für Gerngesehene. Die Marke bürgt für Ansehen. Das Dinner zu einer Demonstration für "Du bist wer". Du zahlst und du zählst. Die Kleidung zu einem Hinweis, welche Marken ich mir leiste. Der Gottesdienst - ja kann der auch verkommen? Ja, er kann. So sagt es der Prophet.

1.2 Man sollte es nicht glauben. Aber es stimmt. Nicht nur materielle Werte können sich verkehren. Ihr Nutzen nutzt nicht mehr allein, sondern wird für ganz andere Botschaften benutzt. Und die sind oft leer und hohl. Wir merken das sofort. Doch dieses gilt auch für geistige Werte. Auch die können missbraucht werden. Ein Umweltforum. Eine Konferenz für Frieden. Und auch ein Gottesdienst. Kein Name bürgt an sich schon für den rechten Inhalt.

1.3 Wir denken manchmal, unsere Welt ist kompliziert geworden, weil nichts mehr an sich stimmt. Das stimmt. Doch sehen wir in unseren Bibeltext, dann merken wir. Das war wohl immer so. Nie konnte sich das Herz zurücklegen und sagen: Er sagt es doch. Deswegen stimmt es. ER sagt und es geschieht, das gilt auf dieser Erde nur bei Gott. Bei allem anderen müssen wir Herz und Verstand ganz wach behalten, gesunden Menschenverstand anwenden, geistlich unterscheiden, als Wächter tätig sein.

1.4 Propheten haben diesen Wächterdienst stets ausgeführt. Ob materieller Missbrauch oder geistiger. Sie sagten Stopp. Leider gibt es nur wenige von Gott berufene und viele selbsternannte Wächterstimmen. Von letzteren ist unsere Welt auch angefüllt. Wird man in seinem eigenen Egoismus nicht gehört, dann macht man sich zum selbsternannten Propheten und Protestler. Doch dieser Schwindel hilft auch nur denen, die laut schreien wollen. In welchem Namen sprichst du? Das ist noch immer eine gute Prüfungsfrage.

1.5 Schauen wir in diesem Wirrwarr nach Amos, der damals im Namen Gottes sprach. Und was er sagte trifft einen Bereich, in dem Missbrauch eigentlich ein Fremdwort sein sollte: Den Gottesdienst. Fragen wir nach dem, was Amos sagt: Wodurch wird ein richtiger Gottesdienst falsch? Wie können wir das unterscheiden? Was können wir von einem Propheten für unseren Glauben lernen?


2.1 Manchmal geht es gemein zu auf dieser Welt, auch unter Christen. Paulus musste das erleben. Wir wissen nicht genau, was für eine persönliche Not er hatte. War er körperlich krank? Hatte er eine Depression? Bei den Verfolgungen, die Paulus erlitten hatte, war jeder Tag seines Lebens ein Wunder und Grund, Gott zu loben. Statt dies zu tun warf man ihm vor: Du bist krank. Dann stehst du wohl nicht recht in Gottes Gnade. Einem richtigen Apostel passiert das nicht. Der lebt in Gottes Stärke. Wir sehen an deiner Schwäche: Apostel sein, das bildest du dir ein. Du wärest sonst nicht krank.

2.2 Für die meisten Menschen ist es zu Recht ein Ort der gewünschten Begegnung mit Gott. Und das nicht nur für mich allein, sondern in Gemeinschaft mit anderen. Kurz im Bild: Eine Tankstelle, wo ich und auch andere in der Reihe stehen. Wie ist dein Reifendruck? Was tankst du? Mein Auto braucht eine Wäsche. Ich bin ganz glücklich. Es läuft. Und das ist gar nicht falsch.

2.3 Ein Kirchenbau hält im Aufbau fest, was im Herzen für eine Begegnung mit Gott wichtig ist.
Am Eingang passierte man früher den Taufstein oder die Taufkapelle. Übrig geblieben ist in den katholischen Gotteshäusern das Weihwasserbecken. Das bedeutet: Ich bin getauft, ein Christ, ein Gotteskind. Da beginne ich. Ich trenne mich beim Kyrie und Sündenbekenntnis folgerichtig noch einmal von allem, was mich von Gott scheidet und lasse mir die Vergebung meiner Sünde zusprechen.
Dabei befinde ich mich im Raum der Kanzel. Das bedeutet: Auf meinem Glaubensweg orientiere ich mich an dem, was Gott heute zu mir sagt. Ich höre auf Sein Wort in Lesung und Predigt. Ich will das hören, verstehen und beachten.
Dann kommt der Teil, bei dem mein Herz von der Erde zum Himmel erhoben wird: Erhebet eure Herzen. Drei Stufen sind das in der Regel zum Altar: Zeichen für den Vorhof, das Heiligtum und das Allerheiligste im alten jüdischen Tempel. Im jetzt offenen Allerheiligsten auf dem Altar wird mir das Abendmahl gereicht. Es ist ein Vorgeschmack des Himmels, dem Ziel meines Glaubensweges. Der Auferstandene Jesus gibt Brot und Wein als Zeichen Seiner Erlösung für uns. Mit dieser Vorspeise sagt ER: Durch Mich hast du einmal einen Platz am himmlischen Festmahl. Du bist in Mir, Ich bin in dir. Das reicht für den Eintritt. Nimm und iss als Vorspeise der kommenden Herrlichkeit.
Von diesem Ort vorgezogener Herrlichkeit werde ich zurückgesandt mit Seinem Segen in meine Welt. Gehet hin im Segen des Herrn. Und Fürbitte ist dabei in meinem Gepäck. Fürbitte für die Verantwortlichen, die Armen, die Kirche und alle persönlichen Dinge.

2.4 Ein Gottesdienst ist eine geistliche Prozession, ein innerer Weg des Herzens. Ausgang und Eingang liegen bei Dir, Herr. Ausgang: Ich gehe von Dir, Herr aus, dass ich ein getauftes Gotteskind bin. Ich trenne mich von allem, was mich von Dir trennt. Ich höre auf alles, was Du mir sagst. Ich nehme im Abendmahl als Stärkung ein Stück Himmel für mich, Deine Erlösung in Brot und Wein. Ich gehe wieder ein in meine Welt mit Deinem Segen. Amen. So ist es. Das ist Gottesdienst. So begegne ich mir, anderen und Gott im Gottesdienst.


3.1 ICH hasse eure Feste, ICH verabscheue sie und kann eure Feiern nicht riechen (21). Können wir das jetzt verstehen? Weg mit dem Lärm deiner Lieder! Dein Harfenspiel will ICH nicht hören (23). Können wir ahnen, was sich hinter diesen Worten verbirgt? Nach unseren Erklärungen ist das nicht schwer. Der Gottesdienst ist innerlich nicht das, was er nach außen darstellt. Der Weg des Glaubens ist nicht echt. Die Form läuft ab, der Inhalt fehlt. Begegnungen mit Gott sind nicht erwünscht. Das Halleluja ist ein schönes Lied, doch leider kein Lob Gottes. Und Gott sagt dazu: Stopp. Mit Mir wird nicht gelogen.
Wie kommt Amos zu diesem Urteil?

3.2 Als Mann des Volkes lebte er als Schafzüchter, bis Gott ihn rief, um Sein Wort laut zu sagen. (Am 7, 15) Aber der HERR nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage Meinem Volk Israel! Das tat er. Hinter der glänzenden Fassade des wirtschaftlichen Aufschwungs unter Jerobeam II im 8. Jahrhundert vor Christus (787-747 v.Chr.) brandmarkt er den religiösen, sittlichen und sozialen Verfall.

3.3 Wie ein Blitz aus heiterem Himmel wirkt seine Predigt vom gerechten Gott: Ihr wollt ja gar nicht Gott begegnen in euren Gottesdiensten. Ihr wollt ja nicht auf Ihn hören. Wenn ihr euch trefft und Harfenspiel erklingt, dann denkt ihr nur an euch und euren Vorteil. Der Kult dient eurer Ehre, nicht Ihm.
Und ER sagt dazu: Stopp. ICH hasse eure Feste. Ihr lügt mit Meinem Namen. Ich verabscheue das.


4.1 Wir können uns leicht denken, wie das ankam. Entsetzen und verletzend. Der Hohepriester klagt ihn beim König an. Wer reinsticht wird schnell selber auch erstochen. Amos hatte wenige Freunde. Warum eigentlich?

4.2 Die Autobranche macht heute Werbung mit einem neuen Frühwarnsystem. Ist eine Gefahr auf der Straße, die der Fahrer selbst noch nicht erblickt, dann warnt ein Ton und blinkt. Im Notfall bremst das Fahrzeug selbst. Der letzte Schrei. Warum denn eigentlich nur beim Auto?

4.3 Wenn Kult zum Irrtum wird, wenn Gottesdienst nicht mehr dem Treffen mit Gott dient, wenn meine Glaubensstraße in Gefahr ist, blockiert zu sein - was dann? Wer warnt?

4.4 Muss ich nicht dankbar sein für jede Warnung. Ist es nicht vorteilhaft, wenn jemand sagt: Gott mag das nicht. Höre damit auf. Stopp. So nicht.
Denn das bedeutet doch: Gott sieht mich an. ER achtet noch auf mich. Ich komme bei Ihm vor. ER blickt auf meinen Glaubensweg. ER möchte, dass ich Sein Ziel erreiche.
Es ist nicht komfortabel, wenn Gott uns korrigiert, aber eine große Gnade. Wir sollten Gott dafür sehr lieben, statt uns entrüstet und verletzt von Ihm abzuwenden. Das können wir von Amos lernen.


5.1 Missbrauchen des Gottesdienstes. Natürlich geht das. Ich brauche dafür nur den Gottesdienst in mir von der Begegnung mit Gott trennen. Dann ist der Pilgerweg des Gottesdienstes ein Joggingpfad für mich und meinen religiösen oder nach außen demonstrierten Lebensstil. Es geht dann nicht um Gott und seine Gerechtigkeit, sondern allein um mich und was ich recht und billig finde. Dafür kann Gottesdienst auch dienen. Nach außen sieht das gleich aus. Der Himmel weiß um den geheimen großen Unterschied. Mit Amos wissen wir es auch.

5.2 Und Amos lockt im Namen Gottes. Lass Gottes Recht doch wie lebendiges Wasser strömen. Lass Gottes Gerechtigkeit doch für dich und andere wie ein nie versiegender Bach sein. (24) Aus dem kannst du schöpfen.
Ein Stopp sagt Halt. Ein Stopp von Gott auch wie es weiter geht. Wie geht es weiter?

5.3 Dienst du Gott wieder, dann dient dir auch Gott. Denn du bist bei Ihm angeschlossen an sein wunderbares richtiges Leben. Es ist wie lebendiges Wasser. Es versiegt nie. Du schöpfst daraus für dich und andere.
Du wirst anders handeln als jedermann, weil du dich daran misst, wie Gott mit dir umgeht. Was Recht und Gerechtigkeit ist wird dir von Gott her klar werden und nicht mehr vom Mainstream derer, die um dich sind.
Das ist der richtige Pilgerweg im Glauben.

5.4 Das Bild vom lebendigen Wasser hat Jesus aufgegriffen. ER sprach von sich als diesem Lebenswasser. Wer von diesem Wasser trinkt, den wird nimmermehr dürsten. Und: Wer an Mich glaubt, von dem werden Ströme lebendigen Wassers fließen. So mit Jesus leben erfüllt das eigene Leben und auch jeden Gottesdienst.


6.1 Wofür ist rechter Gottesdienst da? Lebendiges Wasser des Lebens tanken.

6.2 Was zeigt uns Amos? Ein Stopp, das wir lieben sollten. Denn es macht den Weg des Glaubens wieder frei, wo wir blockiert sind, Gott zu begegnen. Auch im Gottesdienst.
Sein wir für uns und andere wachsam.


Amen.


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Zuletzt geändert am 19.02.2012 von: (fp)