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von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 11. März 2012

Leben als Heilige

13 Deshalb umgürtet euch, und macht euch bereit! Seid nüchtern, und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch bei der Offenbarung Jesu Christi geschenkt wird.
14 Seid gehorsame Kinder, und lasst euch nicht mehr von euren Begierden treiben wie früher, in der Zeit eurer Unwissenheit.
15 Wie er, der euch berufen hat, heilig ist, so soll auch euer ganzes Leben heilig werden.
16 Denn es heißt in der Schrift: Seid heilig, denn ich bin heilig.
17 Und wenn ihr den als Vater anruft, der jeden ohne Ansehen der Person nach seinem Tun beurteilt, dann führt auch, solange ihr in der Fremde seid, ein Leben in Gottesfurcht.
18 Ihr wisst, dass ihr aus eurer sinnlosen, von den Vätern ererbten Lebensweise nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, nicht um Silber oder Gold,
19 sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel.
20 Er war schon vor der Erschaffung der Welt dazu ausersehen, und euretwegen ist er am Ende der Zeiten erschienen.
21 Durch ihn seid ihr zum Glauben an Gott gekommen, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, so dass ihr an Gott glauben und auf ihn hoffen könnt.


1. Petrus 1, 13-17.18-21

Liebe Gemeinde!

1.1 Die eine nennen ihn "Papa", die anderen "Padre Pateras". Mit bürgerlichem Namen heißt er Isidoro Macías und gehört dem Orden der Franziskaner an. Er hilft Immigrantinnen in Algeciras. Und das hat ihm den Namen "Moderner Heiliger" eingetragen.
In Malaga heißt dieser "Heilige" Don Jose Manuel Mochon. Er ist evangelischer Pastor der Iglesia Evangelista Espanola und Leiter des Flüchtlingswerkes in ganz Andalusien. Das Flüchtlingszentrum in Malaga neben der kleinen evangelischen Kapelle hat er aufgebaut. Wer ihn dort besucht denkt: wie kann man hier leben und noch dabei arbeiten.

1.2 Gibt es heute Heilige? Wen nennt die Öffentlichkeit so?
Man braucht nur auf die Überschriften in der Presse zu schauen, um Klarheit zu bekommen. Ein Heiliger ist ein moderner Held. Europa hat für das Flüchtlingsproblem keine Lösung. In Ehrenamtlicher Arbeit kümmern sich zwei Geistliche darum.
"Papa" ist ein bescheidener, realistischer und vor allem hilfsbereiter Mensch. Wer nach ihm sucht findet ihn auf einem billigen grünen Plastikstuhl, still. Seit 20 Jahren hilft dieser Mensch Immigranten, vor allem schwangeren Frauen, die an unserer Wohlstandsküste stranden.

1.3 Sind diese Geistliche Heilige? Vielleicht nicht im Sinne des römisch katholischen Namenskalenders, denn der hat strengere Regeln. Sicher aber ist "Papa" ein Heiliger für jede der Frauen, denen er geholfen hat. Und für einen kurzen Augenblick vielleicht auch in unseren Herzen. Denn wir staunen über ihren Einsatz. Bestimmt gewinnen sie ihn aus ihrem Glauben. Woher nähmen sie sonst die Kraft und Hoffnung für ihr Heldentum.

1.4 Und noch eins bewirken solche "Heilige" bei uns. Wenn das ein Heiliger ist, dann bin ich keiner. Denn so ein Held bin ich nicht. In der Regel sitze ich nicht auf einem grünen Plastikstuhl und meditiere. Und ich helfe auch nicht rund um die Uhr Menschen in solch aussichtslosen Situationen.
Wenn das Bibelwort meint: Seid heilig. Dann stehe ich meilenweit daneben.

1.5 Mit dieser Beobachtung sind wir beim Thema unseres Textes. Es stimmt, dass unser Wort uns zu einem Leben in Heiligkeit aufruft. Wir seien berufen, heilig zu sein.
Was aber bedeutet das? Waren in der damaligen Zeit der Christenheit alle Menschen solche "Papas", moderne Helden? Sind wir wirklich gemeint als normale Menschen? Und wenn ja: Was sind dann die Maßstäbe für heiliges Leben? Lassen sie uns in den Text schauen.


2.1 Kein Zweifel. Jeder Christ ist gemeint. Nicht nur ein auserwählter kleiner Kreis von Helden. Es wird nicht sortiert: Du da in der zweiten Reihe. Und du mit der christlichen Erziehung. Und du mit dem großen Einsatz für die Nachbarn. Ihr alle seid heilig!

2.2 Heilig bedeutet: Ausgesondert für Gott.
Geweihte Gegenstände wie zum Beispiel ein Altar können deshalb auch nicht einfach als Ablage für Salatschüsseln verwendet oder bei einem Abriss der Kirche als Gartentisch gebraucht werden. Heilig ist reserviert für Gott. Es steht für besonderen Gebrauch zur Verfügung: für Ihn. Das gilt natürlich nicht nur für Gegenstände. Auch für uns Menschen gilt das und geht das. Aber wie? Schauen wir uns an wie wir im Sinne der Bibel zu einem heiligen Leben finden und selbst "Heilige" werden. Es ist das Lebensziel für Christen.


3.1 Wenn Menschen das werden, ausgesondert für Gott, dann beginnt das immer so wie in unserem Text: Umgürtet euch!
Damals trug man ja eine lange Toga als Gewand. Mit der konnte man weder Golf spielen, noch einkaufen gehen und die Tasche tragen, noch kämpfen. Dafür musste man sich gürten, das Kleid raffen, Hände und Füße frei bekommen. Wer etwas tun wollte musste sich gürten. Das Gürten zeigt an der Kleidung: Mein Herz ist bereit.

3.2 Mein Herz ist bereit, Herr, Dir zu gehören.
Vielleicht sind Ihnen wirklich Ihre Kleider im Weg, weil Sie es nach dem Anziehen immer vergessen: Das Gebet, Herr, mein Herz ist bereit, Dir zu gehören. Dann beten Sie es vor dem Anziehen, noch auf der Bettkante können Sie es sprechen, jeden Tag. Und dann schauen Sie voll Bereitschaft, wo Sie für den Herrn gebraucht werden, heilig werden.

3.3 Vielleicht ist Ihnen Ihre Stimmung, Lust und Laune im Weg. Sie haben kein Bedürfnis, zu Ihm zu beten: Mein Herz ist bereit. Dann umgürten Sie sich. Raffen Sie Ihre Laune und sagen: Herr, Du bist der Erste. Mein Herz ist bereit. Warten Sie nicht bis Ihre Laune sich ändert. Sie ändert sich wahrscheinlich viel eher, wenn Sie vorher beten.

3.4 Das Erste zu erst. Umgürtet euch! Damit beginnt der Weg der Heiligen. Die Bereitschaft macht den Start.


4.1 Das Zweite hier Genannte stellt unsere Erwartungen ziemlich auf den Kopf. Nach der Bereitschaft kommt natürlich die Hoffnung. Ich hoffe, ich packe das auch, Gott. Ich hoffe, ich versage nicht zu viel. Ich hoffe, Du kannst mich gebrauchen. Ich hoffe, ich genüge für Dich.
So denken wir. Und damit geht es meist daneben. Denn wir verzweifeln an uns und den anderen.
Es ist erstaunlich. Nahezu neunzig Prozent der Hoffnungen auf Gott sind von Ängsten getönt. Ob wohl? Kann das? Werde ich?

4.2 Deshalb sagt unser Wort ganz klar: Setzt eure Hoffnung nicht auf euch, sondern ganz auf die Gnade. Die Gnade ist das einzige Feld, bei dem ich immer gewinne.
Herr, ich hoffe ganz auf Deinen Zuspruch: ICH bin bei dir in der Not. ICH helfe dir heraus.
Herr, ich hoffe ganz auf Deine Barmherzigkeit: ICH habe dich je und je geliebt.
Herr, ich hoffe ganz auf Deine Vergebung: So wir unsere Sünde bekennen, ist ER treu und gerecht und reinigt uns von aller Untugend.
Die Gnade des Herrn, nicht unser Vermögen, ist das Tor zu einem Leben in der Gewissheit des Friedens.

4.3 Setze deine Hoffnung darauf, wenn Du den Weg der Heiligen gehst, sagt das Wort. Sonst hörst du nach einem halben Schritt wieder auf. Gnade für dich und für jeden anderen ist deine Hoffnung. Übrigens die einzige. Alles andere an Hoffnung steht dahinter zurück.


5.1 Der Weg der Heiligen: Bereitschaft zu Beginn, Hoffnung der Gnade. Es ist erstaunlich, was dann als Nächstes kommt. Es ist die Wertschätzung.
Wo kommt sie her? Was ist ihre Quelle? Alle Heiligen konnten selbst das Geringste und den Geringsten wert schätzen.

5.2 Ihr wisst, ihr seid nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft, nicht um Silber oder Gold, sondern mit dem kostbaren Blut Christi.
Das ist es. Als Kinder Gottes und Menschen, die für Ihn ausgesondert sind, haben wir eine Herkunft. Wir sind irdisch geboren, aber himmlisch angenommen. Wir sind als die Adoptivkinder Gottes vor der unsichtbaren Welt freigekauft von allem, was uns von Gott trennt und uns belastet. Und dieser Preis ist kein irdischer: Silber und Gold, womit damals gefangene Königskinder freigekauft wurden. Dieser Preis ist das Opfer des Sohnes Gottes. ER für uns. Sein Opfer als Gottes Kind macht uns zu Kindern Gottes. Das kostbare Blut Christi, am Kreuz von Golgatha vergossen.

5.3 Wir sind Gott das Opfer Seines Sohnes wert. Welche Wertschätzung. Welche Würde.
Welche Würdigung noch für den Niedrigsten und Geringsten.
Wenn wir als Staub der Weltgeschichte Ihm so viel wert sind, wie sollten wir nicht jeden würdigen, der Ihm das gleiche gilt.

5.4 Wer vom Opfer Jesu lebt der würdigt alle Opfer dieser Welt noch anders. Seien es die eigenen Opfer, die wir erlitten haben oder erbringen mussten. Seien es die, die Menschen heute erleiden. Das Opfer Jesu gibt die Kraft der Versöhnung, eine neue Würde.


6.1 Das alles sind gar keine starren Regeln: Bereitschaft, Hoffnung, Wertschätzung. Es ist kein Codex oder ein System, als Heilige zu leben. Die Bibel sagt, es sei normal. Normal für jeden Christen.

6.2 Wir gehen damit noch lange nicht in den Geschichtskalender ein, Gott sei Dank. Aber wir gehören zu Ihm. Darum nennt ER uns heilig. Und ganz bestimmt leben wir in der liebenden Aufmerksamkeit unseres Gottes. Denn ER liebt die Ihn lieben. Und das ist wohl das Größte. Seine Heiligen.


Amen.


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Zuletzt geändert am 19.02.2012 von: (fp)