Deutschsprachiges Evangelisches Pfarramt an der Costa del Sol - online
Startseite

Grußwort

Gottesdienste

Predigten

Predigtplan

Gottesdienste
passiert...notiert...
und Fotos
Veranstaltungen
Wissenswertes
Kontakt und Anreise

 <>< Predigt zu Judika
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Druck pdf

Gottesdienst am 24. März 2012

Sieh deinen Schatten. Sieh auf das Kreuz.

4 Die Israeliten brachen vom Berg Hor auf und schlugen die Richtung zum Schilfmeer ein, um Edom zu umgehen. Unterwegs aber verlor das Volk den Mut, 5 es lehnte sich gegen Gott und gegen Mose auf und sagte: Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Etwa damit wir in der Wüste sterben? Es gibt weder Brot noch Wasser. Dieser elenden Nahrung sind wir überdrüssig.

6 Da schickte der Herr Giftschlangen unter das Volk. Sie bissen die Menschen, und viele Israeliten starben. 7 Die Leute kamen zu Mose und sagten: Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt. Bete zum Herrn, dass er uns von den Schlangen befreit. Da betete Mose für das Volk. 8 Der Herr antwortete Mose: Mach dir eine Schlange, und häng sie an einer Fahnenstange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht.
9 Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben.


4. Mose 21, 4-9

Liebe Gemeinde!

1.1 Manchmal sind Katastrophen, die über uns hereinbrechen, heilsame Augenblicke. Denn sie werden für uns zu einem Spiegel, der uns zeigt wer wir sind, wer wir auch noch sind. Einen Augenblick verbündet sich das Schreckliche mit der Gnade.
Es ist Gnade, meinen abgewehrten Schatten zu erkennen.
Danach ist der Vorhang meines Lebens meist wieder zu.
Und in einem Augenblick entscheidet sich, ob ich die mühselige Wiederholung meines alten Lebens wähle, meine alten Sprüche, Erklärungen, vertrauten Gedanken, die ich immer anderen erzähle und auch mir. Oder aber ob ich die leidvolle Verwandlung eines liebesfähigen Lebens beginne.
Oh, sagt die, der eine: Wie schrecklich! - Oh, sagt die, der andere: Das bin ich auch. Und geht neue Schritte.

1.2 Solche Katastrophen im Kleinen oder Großen passieren fast täglich. Jeder erlebt das, wenn er in der Familie übersehen wird, wenn die Nachbarn Ekel sind, wenn der Alltag nicht klappt und eins nach dem anderen schief geht.
In der großen Welt ist das nicht anders. Die Presse lebt davon und das Gerede der Leute.

1.3 Doch wem gelingt der heilsame Blick? Wer kann von sich behaupten, er hätte gelernt, die Gnade im Schrecklichen zu sehen und deshalb auch noch dankbar zu sein?
Wo sind die Menschen, die uns so durchs Leben leiten? Und haben wir gelernt, in unseren Krisen so zu stehen, dass andere uns als Wegweiser sehen?

1.4 Zu diesem großen Thema, wie Katastrophen Augenblicken der Gnade werden, gibt uns der heutige Text ein Beispiel. Eine alte Geschichte. Sie wäre längst vergessen in ihrer Wunderlichkeit, gäbe es da nicht diesen Gnadenaugenblick. Den suchen wir.


2.1 Das muss schrecklich gewesen sein im israelitischen Wüstenlager. Da wandte es sich plötzlich im Sand, wischte und zischte. Und dann wurde es traurige Realität.

2.2 Der Sand, den sie gerade noch verflucht hatten, dieser Sand der heißen Wüste, der alles tötet:
Ihre Kraft - kein Brot; ihre Lust - kein Wasser; ihre Hoffnung - kein Ende; ihren Glauben - Warum?
Dieser Sand wurde nun zum Fluch für sie.
Er formte sich und wandte sich. Die Windverwehung wurde selbst lebendig und gebar das Gift. Die Schlangenköpfe hoben sich empor und stießen zu.

2.3 Sie hatten den Fluch über den Sand geschrien: Warum sind wir von Gott verlassen! Fluch über diesen Weg im Wüstenland! Knechtschaft ohne Gott, sie ist besser als diese unerfüllte Hoffnung auf ein gelobtes Land.
Das wandte sich als Fluch auf sie zurück im Biss der Schlangen. Es brachte was es säte: Tod.

2.4 Wir wissen nicht viel über diese Katastrophe. Wir wissen auch nicht viel über vergleichbare Naturereignisse, wo Schlangen Wüstenstämme überfielen. Wir wüssten überhaupt nichts von diesem Ereignis, wo ein kleines Volk beinahe durch eine Katastrophe vernichtet wurde. Wenn da nicht diese Wende wäre.


3.1 Schaut hierhin!, tönt plötzlich Moses Stimme. Hierhin! Wer das sieht, der wird leben. Das Gift stirbt, wenn du hierauf siehst!

3.2 Die Stimme eines Kindes: Was meint er, Mama? So fragt ein Kind. - Oh, stöhnt die Mutter. Es kriecht zum Herzen. - Die Hilfe, Mama? - Nein, das Gift. Das Bein ist schon ganz lahm.
Er spricht von Hilfe, Mama. Für jeden, auch für dich. Gegen das Gift. - Was soll schon helfen? Wir waren und wir sind verflucht. -

3.3 Du sollst nur schauen, Mama. - Ja, gut. Ich kann nicht. Was siehst du? - Mama: Eine Schlange.
Verfluchtes Gift, sagt sie und stirbt.
Mama, Mama. Die Schlange an meinem Fuß, sie trocknet. Ja, sie stirbt. Sie ist so tot, wie diese Schlange, die ich da vorne sehe.
Ich lebe ja.


4.1 Es gibt Momente in der Katastrophe wo Gott einen Spiegel aufrichtet. Wir können sehen: Was uns umbringt ist in uns, Teil von uns selbst. Ich bin auch diese Schlange.
Meine Heilung beginnt wo ich nicht wegschaue und es annehme.

4.2 Um hin zu schauen brauche ich kein Christ sein. Aber Christen teilen diese Erkenntnis mit allen Menschen dieser Erde. Für sie gilt aber noch mehr.

4.3 Der Herr sprach zu Mose: Mach dir eine Schlange, und häng sie an einer Stange auf! Jeder, der gebissen wird und sie ansieht, der wird am Leben bleiben (8).
Das sind Gnadenaugenblicke. Eine Katastrophe wird zur Geburtsstätte von Neuem. So etwas kann nur Gott machen: Gift stirbt bei Gott.

4.4 Ich sehe nicht nur was schlimm ist. Der Herr schenkt Gnade, es zu lassen. Das Gift, erkannt und vor den Herrn gebracht, tut seine Wirkung nicht. Es tötet nicht mehr. Es stirbt selbst. Der Herr macht das.


5.1 Sie wissen, dass Jesus diese Geschichte aufgreift. Es gibt nicht viele Geschichten, von denen ER das tut. Aber diese merkwürdige gehört dazu.
ER gibt ihr sogar einen besonderen Platz: Seine Biographie. Die Deutung Seines Todes erklärt er mit ihr. (Johannes 3, 14) Wie Mose in der der Wüste die Schlange aufrichtete, so muss auch der Menschensohn erhöht werden. Da sprach Jesus von Seinem Kreuzestod.

5.2 Die Bibel nennt den Widersacher die alte Schlange. Und Seine Bisse sind Attacken. Die Bibel spricht von Lügen. Das ist sein Gift. Dies Gift trägt jeder von uns in sich.


6.1 Für alle Schlangenbisse dieser Art gilt Jesu Erhöhung am Kreuz.
ER sagt: Mein Kreuz ist die Aufrichtung Deines Schattens, Grauens, Deines Giftes. Das ist der Spiegel.
Das tue ich für Dich. Du brauchst nicht sterben in Deinem Elend. Du wirst in Meiner Liebe bleiben. Du sollst leben. Das ist Gnade.
Denn Ich nehme dein Gift und du erhältst Mein Leben. Sieh auf deinen Schatten und erblicke darin Mein Kreuz. Das ist das Geheimnis Meiner Erhöhung am Kreuz. Es ist deine Erlösung.

6.2 Und ER fragt: Siehst du im Kreuz Dich - Mich? Blick hin.


Amen.


Zur Startseite      Zum Anfang dieser Seite

Zuletzt geändert am 19.02.2012 von: (fp)