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Abschiedsgottesdienst
von Pfarrer Friedhelm Peters und
Heike Peters, Prädikantin und Pfarrfrau,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 1. April 2012

Halleluja - Kyrie - Amen

Das dritte Lied vom Gottesknecht:
4 Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger.
5 Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück.
6 Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.
7 Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.
8 Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer wagt es, mit mir zu streiten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer ist mein Gegner im Rechtsstreit? Er trete zu mir heran.
9 Seht her, Gott, der Herr, wird mir helfen. Wer kann mich für schuldig erklären? Seht: Sie alle zerfallen wie ein Gewand, das die Motten zerfressen.


Jesaja 50, 4-9

Liebe Gemeinde!

1.1 Im heutigen Gottesdienst verabschieden meine Frau Heike und ich mich von der neunjährigen Arbeit im Pfarramt an der Costa del Sol. Für mich ist es gleichzeitig der Abschied von einer 38jährigen Berufszeit als Pfarrer in der Evangelischen Kirche.

1.2 Ich habe meine Arbeit als Pastor gern getan. Das macht einen Abschied schön und schwer. Schön: für mich bleiben keine zusammen gebissenen Zähne - endlich fertig. Schwer: Ich habe über einer viertel Million Menschen das Evangelium von Jesus weiter gesagt. Ich habe viele tausend Menschen intensiv in der Seelsorge begleitet. Ich habe im Management der Kirche gewirkt und dabei viel Geld gesammelt, verteilt und verbaut. Ich habe Menschen den Weg zu einem eigenen Glauben an Jesus gewiesen. Wie viele ihn leben weiß der Himmel. Es war ein intensives Stück Leben: reich und arm, erkämpft und erfüllt, mit Niederlagen und täglichem Aufstehen. Das lasse ich hinter mir.
Glück hatte ich, denn ich konnte diesen Weg aus der Berufung durch meinen Herrn gehen. Nichts ist schöner als das zu tun, was ich möchte und was der Himmel fragt.

1.3 Doch das soll nicht den Abschied prägen. Heike und ich haben entschieden: Die Bibelworte von Palmsonntag sollen reden. Der Einzug Jesu in Jerusalem: Halleluja. Die prophetische Weissagung über diesen Moment: Das Gottesknecht Lied von Jesaja: Kyrie. Dazwischen stand Jesus. In dieser Spannung zwischen Halleluja und Kyrie stehen wir als Glaubende. Aus dieser Situation erwächst das Lied, das uns heute begleitet: Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren.


2.1 Singen wir die erste Strophe.
1. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören!

2.2 Hören sie den Klang. Wenn wir das auf Hebräisch sängen, dann hieße es: Halleluja.
Jesus, der das Lob im Himmel kannte, Ihn freute es. Seither sind die erhobenen Palmenzweige äußere Zeichen für das Gotteslob. Tragen wir sie?

2.3 Gott der Herr gab mir die Zunge eines Jüngers (4). So heißt es in dem Prophetenwort. Es weist auf Jesus und alle, die Ihm folgen. Gott der Herr gibt die Zunge, die Ihn lobt. Wenn wir das Lob Gottes uns nicht jeden Tag von Ihm schenken lassen, wo soll es herkommen. Nur ER legt es ins Herz, das auf IHN hört. Der Herr hat mir das Ohr geöffnet (5). Dafür kann ich beten: Herr, ich lausche. Schenk mir Dein Halleluja heute.

2.4 Es ist schön, wenn Menschen Gott loben. Zu oft geht es unter. Erst stirbt es im Herzen. Dann auch in den Sinnen. Die Fröhlichkeit ist weg. Das Leuchten unserer Augen erblasst. Die Würdigung von uns und anderen, die es verdienen, fehlt oder ist kraftlos. Lob Gottes ist die geheime Quelle jeder einladenden Gemeinde.

2.5 Danke möchten wir heute deshalb allen sagen, die halfen: der Gemeindearbeit und uns. Wenn wir über jede Hilfe das Lob Gottes legen: Halleluja. Dir Gott zu Ehren - dann geschah es Recht und wirkt bis in die Ewigkeit. Als Gottes Lob wollten wir sehen, was wir hier taten. In diesem Sinne kann jede Gemeindearbeit "Einzug in Jerusalem" werden. Vergessen wir nicht den Palmzweig. An der Costa del Sol haben wir ihn jeden Tag vor Augen. Behalten wir das Lob Gottes im Herzen.


3.1 Singen wir die zweite und dritte Strophe:
2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret?
3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!

3.2 Der Schutz des Herrn ist mit dir. Und unter Seinen Flügeln bist du bewahrt. Das stand über dem Lebensweg Jesu. Das steht auch über dem Lebensweg derer, die IHM folgen. Es ist ein Weg, der Gottvertrauen übt. Jeden Tag. Bei allem.

3.3 Konflikte sind darin eingeschlossen. Jesus wusste dies. ER musste Seinen Rücken hinhalten, auch sein Gesicht (6). Geistlicher Verrat wartete auf Ihn. Judas war ein Jünger. Öffentliche Verurteilung gehörte dazu. Aus Halleluja wurde Kreuziget. Aus Gottesnähe wurde Gottesferne. Warum hast DU Mich verlassen.
Schlaglöcher auf dem Gottesweg. Wer kennt sie nicht in der Nachfolge unseres Herrn.

3.4 Doch Gott wird mir helfen. Darum werde ich nicht in Schande enden (7). So das Prophetenwort. Jesus lebte das. Was für ein Gottvertrauen. Vertrauen ist das stille Lob im Leid.

3.5 Die Übung solchen Gottvertrauens auf Flügel, die bewahren, dauert an. Das gilt für uns alle. Wir mussten sie an vielen Stellen suchen, erbitten, finden für uns und viele andere. Herr, wir vertrauen Dir.
Danke, der Wagen vor uns ist gerade nicht umgekippt. Wir wurden nicht zerquetscht. - Danke, die Tage meines Lebens hast DU noch mal verlängert. - Danke, DU hast in dem Konflikt geholfen. Du hast Vergebung und Frieden geschenkt.
So heißt es hinterher. Doch dahin führt nur der Kampf im Herzen: Herr, ich vertraue. ER, der mich freispricht, ist nahe (8). Nehmen wir das stille Lob des Gottvertrauens in Seine Führung mit. Es ist ein starker Halt.


4.1 Singen wir die 4. Strophe.
4. Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet. Denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet.

4.2 Ströme des Segens. Darum ging es im Leben Jesu. Liebe Gottes sollte fließen, vom Himmel zur Erde, vom Herz in die Sinne und Wege von uns Menschen. Die erste tiefe Berührung mit dem lebendigen Segensstrom: Seine Liebe als Friede auf Erden. Wer das erfährt möchte Jesus gehören. Der zweite Segensstrom: Die Liebe Seiner Vergebung. Es muss die dunklen Mächte irritieren, dass Bosheit durch Vergebung besiegbar ist. Seht: Sie alle zerfallen wie ein Gewand, das die Motten zerfressen (9). Der dritte Segenstrom: Die Liebe Seiner Früchte und Gaben, die der Heilige Geist schenkt. In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis Gottes.
Nicht Tröpfchen, Ströme sind das.

4.3 Und oft ist es in unseren Kirchen mächtig trocken. Nichts strömt.
Und doch war dies von uns und vielen anderen genau der Wunsch: Herr, lass Segensströme fließen. Wie oft haben wir das im Sakristei Gebet vor dem Gottesdienst ausgesprochen: Öffne Deinen Himmel über El Morche, über El Angel.
Und der Herr hat es geschenkt. Sein Wort saß plötzlich, traf, erreichte und erfüllte uns. Wir merkten wie ER selbst uns segnete.

4.4 Das ist der Stand der Gotteskinder. Gesegnet sein. Denke daran. Das kann nur der Allmächtige. Streb stets danach. Und dahinter verblassen alle Titel und Themen, die wir als völlig unterschiedliche Menschen haben. Gotteskinder rechnen mit dem Segen, der sie begleitet. Darin sind wir verbunden, hier schon bis in Ewigkeit. Such diesen Segen.

4.5 Wenn das sichtbar wird haben unsere Kirchen Leuchtkraft. Mein Wunsch als Pastor ist in allen Jahren meiner Arbeit genau der gewesen: Ach fände jeder im Gottesdienst doch seinen Segen vom Allmächtigen. Es wäre nicht vergeblich hier zu sein. Denn Segen ist die Quelle allen Lobs.


5.1 Singen wir Strophe 5.
5. Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen. Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen. Er ist dein Licht, Seele, vergiss es ja nicht. Lobende, schließe mit Amen!

5.2 Joachim Neander (1650-1680) hat dies Lied gedichtet. Nur 30 Jahre lebte der begabt Theologe, Lehrer, Komponist und Organist. Für seine Zeit ging er dabei ganz ungewöhnlich neue Wege. Er lud zu Gottesdienst im Freien ein. Kein Gartengottesdienst, keine Strandhochzeiten, wohl aber Tal-Versammlungen. Neandertal wurde deshalb das Tal bei Düsseldorf nach seinen Gottesdiensten genannt. Ein Tal, das später durch die frühmenschlichen Funde des Neandertalers weltberühmt wurde. Warum nur konnte er gegen den Trend der Zeit auch außerhalb der Kirchenmauern zu Gott einladen?

5.3 Den Grund für diese frühe "Tourismusarbeit" im 17. Jahrhundert nennt er in seiner eben gesungen Strophe. Wie Franziskus im Sonnengesang es festhielt, so singt er es im Lied: Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen. Wasser und Blätter, Vögel und Fische, Tiere und Pflanzen, nichts ist vom Lob Gottes ausgeschlossen. Die größte Kathedrale ist immer noch die unter Gottes freiem Himmel. Der Odem Gottes durchwebt die ganze Schöpfung. Seele, vergiss es ja nicht. Wenn wir das nur begreifen, dann ist uns Gottes Nähe überall geschenkt. Die Weihe, die das ermöglicht, ist ER selbst in uns.

5.4 Komm Herr, erfülle die Herzen Deiner Gläubigen. Und entzünde in uns das Feuer Deiner göttlichen Liebe. Dies altkirchliche Gebet um die Gegenwart des Herrn in uns begleitet mich seit Jahrzehnten. Der Gottesknecht und nach ihm Jesus wussten darum. Seht her, Gott, der Herr, wird mir helfen (9). Das sagt wer Gottes Namen kennt: ICH bin für dich da. Im Lied heißt es dazu: was in mir ist lobe den Namen. ER in uns. Jesus: Ihr in Mir und ICH in euch. Ohne Mich könnt ihr nichts tun.

5.5 Darauf mit Amen - Ja, so ist es, antworten ist unser letztes Ziel. Lobende, schließe mit Amen! Wir wollen das tun.
Ja, so ist es. Das möchten wir zu dem sagen, was wir an der Costa del Sol mit Gott erlebten an Halleluja, Kyrie und Segen. Amen.
Ja, so ist es. Das möchte ich nach meiner beruflichen Tätigkeit als Pfarrer zu dem sagen, was ich mit Jesus erlebte und weitergab.
Ja, so ist es. Das möchte ich einmal sagen, wenn ich nicht mehr durchs "Neandertal dieser Welt", sondern durchs dunkle Tal des Todes gegangen bin und vor IHM stehe. Amen.
Und ich freue mich, wenn dieses Amen in vielen Herzen klingt.


Amen.


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Zuletzt geändert am 03.04.2012 von: (fp)