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 <>< Predigt zu Jubilate
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 29. April 2012, Jubilate

Barach - niederknien und loben

16 Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert.
17 Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit,
18 uns, die wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken; denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig.


2. Korinther 4, 16-18

Jubilate Deo EG 181.7 Jubilate Deo, Kanon

Liebe Gemeinde!

1.1 Jubeln, loben ist das meist genannte Wort in der Bibel. Es wird so häufig erwähnt, dass man sich fragen muss: Warum ist es für den Glauben so wichtig zu loben?

1.2 Viele sagen: Loben, das sollen mal die Kinder. Erwachsene lieben die Ratio. Der Volksmund sagt sogar: Nicht loben, sondern Not lehrt beten. Falsch ist das alles nicht. Doch ist es schon die ganze Wahrheit?

1.3 Gegenüber Jubel fühlen wir oft eine kritische Distanz, gegenüber religiösem Jubel besonders. Zu viele wurden damit irregeleitet, so denken wir. Und das stimmt. Denn wer jubelt hört auf zu denken.
Schauen Sie mal Fußball. Wenn sie da anfangen zu jubeln macht der Verstand Pause. Passen sie also auf, bevor sie zu jubeln anfangen.

1.4 Unser Verstand. So nötig wie er ist, das Wichtigste gibt er uns nicht. Gerade um seinetwillen brauchen wir das Jubeln. Unsere richtigen Überlegungen sind oft wie trockenes Brot. Erst das Lob ist wie Butter und Aufschnitt. Wir können auch sagen wie Öl, das runtergeht.
Es ist ein Unterschied, ob uns jemand sagt: Das war richtig. Oder ob wir hören: Das hast du großartig gemacht. Du bist toll. - Lob würdigt. Der Verstand drückt das aus.

1.5 Wir brauchen Lob. Denn unsere Seele wächst im Lob.
Wer das in seiner Kindheit anders bitter erlebte weiß wovon ich rede. Ohne Anerkennung und Lob groß werden ist oft härter als Hunger und Armut. Lob hungrige Seelen wohnen wie in unsichtbaren Wüsten. Kein anderer weiß oft davon. Und diese Wüsten gehen mit. Sie reisen mit. Sie umgeben uns von Jahr zu Jahr. Wenn doch nur Leben in mir wachsen würde, so denkt mancher, den diese innere Leere nicht loslässt. Kein Lob. Kein Jubel. Nichts davon lebt in mir. Wird dieses krankhaft sitze ich in Depression. Dann frage ich mich:
Scheint mir je wieder die Sonne? Hör und erlebe ich in mir je neu Lob? Wie lerne ich zu jubeln?

1.6 Wir merken wie wichtig das Lob ist. Für mich, für andere, für den Glauben.
- Weil es so wichtig ist, hat Gott das Lob vom Anbeginn der Schöpfung in unsere Welt mit eingewoben. Und Gott sah an alles was ER gemacht hatte. Und siehe: Es war sehr gut. Wenn wir die Sonne, Wind und Wellen hier bestaunen, entdecken wir dies Lob der Schöpfung, das in ihr steckt.
- Das gilt auch für uns selbst. Die Seele lebt vom Loben und vom Jubeln. Wir spüren es wenn man uns lobt.
- Es gilt auch für den Glauben. Er braucht Lob ebenfalls. Er blüht wenn Gotteslob in ihm lebendig ist.

1.7 Das Gotteslob ist noch das Höchste. Wer dies hat findet auch zum Lob für sich, für andere und für die ganze Schöpfung.
Singen wir deshalb noch einmal: Jubilate Deo.


2.1 Fragen wir: Wo kommt das Gotteslob als Quelle allen Jubels her? Und: Wie kommen wir daran?

2.2 Wie schön. Wir brauchen es nicht selbst erfinden. Das Gotteslob gibt es bereits. Es ist die Wohnung Gottes. Gott wohnt im Lob, sagt uns die Bibel. Adresse: Lob. Im Psalm (22, 4) heißt es: Gott wohnt in den Lobgesängen Seines Volkes. Engel und Menschen sind da eingeschlossen. Die Himmel erzählen die Ehre Gottes (Psalm 19, 2). Das ist das ständige Lob in der Ewigkeit. Singt Gott in eurem Herzen (Kolosser 3, 16). Das ist das Lob Gottes in den Herzen der Gotteskinder hier auf Erden.

2.3 Die Bibel beschreibt diese Wahrheit als himmlischen Gottesdienst. Er findet ständig statt. Und unser Gottesdienst hier kann davon ein Abbild sein. Drei große Propheten haben ihn beschrieben. Jesaja (6), Hesekiel (1) und Johannes (Offenbarung 4). Das Lob Gottes hat dort einen Vertreter für uns. Er wird als Thronwächter Gottes bezeichnet. Es ist der Heilige Geist, der Geist Jesu. Durch ihn haben wir Zugang zum Lob. Er macht die Verbindung von dort zu uns, von diesem himmlischen Gottesdienst im Lob zu unserem Gottesdienst und zu dem in uns.

2.4 Was tut der Heilige Geist? ER nimmt etwas von diesem Feuer der Liebe zu Gott. Er nimmt es wie ein wirklich olympisches himmlisches Feuer und entzündet damit meine Bereitschaft: Herr, ich liebe dich. Ich will Dich loben. Und dann ist es in mir. In mir brennt das Feuer der Liebe zu Gott und sein Knistern ist das Lob. Ich lobe dich, Herr. Ich lobe dich.

2.5 Dieser Heilige Geist ist der Geist Jesu. Der Geist des Herrn ist auf Mir (Lukas 4, 18-19), so hatte ER gesagt. ER hatte das Lob auch in Sich: Vater, ICH preise Dich (Matthäus 11, 25). Und Jesus hatte Seinen Jüngern gesagt: Wenn einer Mir dienen will, folge er Mir nach; und wo ICH bin, dort wird Mein Diener auch sein (Johannes 12, 26). Wo ist Jesus jetzt? Als Auferstandener ist er zur Rechten Gottes. Er wohnt mit im Lob. Und wer IHM dient kann für sich in Anspruch nehmen: Auch mich zieht ER dorthin durch Seinen Heiligen Geist. Jetzt tut ER das in meinem Glauben als Erfahrung in meinem Herz. Später bei meiner Auferstehung werde ich dort bei IHM sein mit neuem Auferstehungsleib.

2.6 Das Lob Gottes ist also da. Wo? Wo Gott wohnt. Im himmlischen Gottesdienst. Wie kommt es zu mir? Der Geist des Herrn, der Heilige Geist, ist immer bereit, dies Lob auch in mein eigenes Herz zu tragen. Es ist mein Gebet zu sprechen: Komm, Heiliger Geist, und entzünde in uns das Feuer Deiner göttlichen Liebe.


3.1 Und nun zur Frage: Wie kann ich mich dem öffnen?
Es ist interessant, dass Paulus sich in unserem Text genau der Frage widmet. Denn alles Wissen reicht mir nicht, wenn ich nicht selbst das Lob in mir erfahre. Und viele Christen stolpern eben hier. Sie wissen und erleben nicht. Sie denken Lob, doch loben sie selbst nicht. Ihr Herz schweigt.

3.2 Warum? Wir haben dafür gute Gründe.
Wir werden aufgerieben Tag für Tag (16), sagt Paulus. Und weiter: Es sind die kleinen Lasten der gegenwärtigen Not (17). Und: Wir sind so gefangen von den Alltagsdingen. Wir starren auf das Sichtbare (18). Stimmt's? So sind wir. Da ist der Dauer-Alltags-Trott. Darin erstirbt das Gotteslob. Wir sind gefangen von dem ganz Normalen. Wie war das gerade noch? Hast du das schon gesehen? Wir starren auf das Sichtbare. Der Heilige Geist steht vor der Türe unseres Alltags-Geistes. Das Lob von Gott bleibt mit Ihm draußen vor der Tür.

3.3 Und Paulus meint: Das können wir ändern. Das muss nicht sein. Er meint, die Nöte, Sorgen, Alltagsdinge, sie schaffen in uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit (17). Wie kann aus dem, was uns den Mangel macht, bei ihm so Fülle werden?


4.1 Das hebräische Wort für loben heißt "barach". Es hat eine merkwürdige Bedeutung. Wenn ein Kamel in der Wüste niederkniete, um eine Last zu übernehmen, dann wurde dieses Knien als "barach" bezeichnet. Im Weiteren heißt es dann: Gott loben. Was hat das Niederknien in der Wüste mit dem Lob Gottes gemein?

4.2 Lob Gottes ist nicht Auswandern aus der Welt, um sich in weltfremden Gefühlen zu ergötzen. Lob Gottes ist, die Lasten meines Lebens übernehmen und durch die Wüste dieser Welt tragen.
Dazu Ja sagen: Herr, ich übernehme, weil Du es offensichtlich so willst. Dabei Hoffnung leben: Herr, mit Dir komme ich ans Ziel. Dabei glauben, ER legt nie mehr auf als wir tragen können: Herr, Du hilfst mir, zwar nicht vorher, aber auf dem Weg. Dabei IHN lieben: Herr, ich tue es für Dich.
Wer so niederkniet, der lobt Gott.
Denn in allem Alltäglichen sieht und lebt er Gott als Grund. In allem Schweren sieht und lebt er Gott als Gegenüber. Das Niederknien vor Gott in den Nöten ist Sein Lob.

4.3 Das Herz und auch den Mund zu öffnen ist dann nur noch ein Kleines.
Ich lobe Dich Gott mit meinen Tränen und mit meinem Lachen. Ich lobe Dich Gott mit meinen Schmerzen und mit meiner Heilung. Ich lobe Dich Gott mit meinem Kummer und mit meiner Ausgelassenheit. Ich lobe Dich Gott, weil alles in mir vor Dir Platz hat. Ich lobe Dich. Barach. Ich knie vor Dir und dadurch stehe ich vor Dir in himmlischer Herrlichkeit.

4.4 So lebte Paulus. Für ihn war das ganz klar.
Die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit (17). Denn wir starren nicht auf das Sichtbare, sondern blicken aus nach dem Unsichtbaren (18). Denn daher kommt das Lob.

4.5 Darauf zu bauen macht unser Leben reich und voll des Lobes Gottes.
Singen wir es aus diesem Geist heraus: Jubilate Deo.


Amen.


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Zuletzt geändert am 23.03.2012 von: (fp)