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von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 6. Mai 2012, Cantate

Sing! - Rippenstoß der Seele

23 Sie ließen ihnen viele Schläge geben und sie ins Gefängnis bringen; dem Gefängniswärter befahlen sie, sie in sicherem Gewahrsam zu halten. 24 Auf diesen Befehl hin warf er sie in das innere Gefängnis und schloss zur Sicherheit ihre Füße in den Block.
25 Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und sangen Loblieder; und die Gefangenen hörten ihnen zu. 26 Plötzlich begann ein gewaltiges Erdbeben, so dass die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Mit einem Schlag sprangen die Türen auf, und allen fielen die Fesseln ab.
27 Als der Gefängniswärter aufwachte und alle Türen des Gefängnisses offen sah, zog er sein Schwert, um sich zu töten; denn er meinte, die Gefangenen seien entflohen. 28 Da rief Paulus laut: Tu dir nichts an! Wir sind alle noch da. 29 Jener rief nach Licht, stürzte hinein und fiel Paulus und Silas zitternd zu Füßen. 30 Er führte sie hinaus und sagte: Ihr Herren, was muss ich tun, um gerettet zu werden?
31 Sie antworteten: Glaube an Jesus, den Herrn, und du wirst gerettet werden, du und dein Haus. 32 Und sie verkündeten ihm und allen in seinem Haus das Wort Gottes. 33 Er nahm sie in jener Nachtstunde bei sich auf, wusch ihre Striemen und ließ sich sogleich mit allen seinen Angehörigen taufen. 34 Dann führte er sie in seine Wohnung hinauf, ließ ihnen den Tisch decken und war mit seinem ganzen Haus voll Freude, weil er zum Glauben an Gott gekommen war.


Apostelgeschichte 16, 23-34

Liebe Gemeinde!

1.1 Beim Gottesdienst zu Jubilate hatten wir uns damit beschäftigt, wo das Lob Gottes herkommt: Vom Thron Gottes. Der Heilige Geist gibt unserem Geist Flügel, damit wir es erreichen und es uns erfüllt.
Heute wollen wir danach schauen, wie wir es ausdrücken können. Wie wird das Lob in uns zum Lied? Cantate heißt unser Sonntag. Singt! Wie finden wir zum Singen des Gotteslobes?

1.2 Wir wollen die Geschichte von Paulus und Silas dabei betrachten, die uns im März schon einmal beschäftigte (18.03.2012). Doch jetzt wollen wir sie betrachten, indem wir ein Loblied als Wegweise nehmen, ein Loblied, das wir alle kennen: Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön.

1.3 Singen wir die erste Strophe (EG 302, 1):
Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön / dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. / Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; / ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.


2.1 Loblieder im Gefängnis anstimmen wie Paulus und Silas das taten, das wirkt fremd und unpassend. So wird fast jeder denken, der davon hört. Die Stimmung vom Gotteslob passt nicht zu den Umständen eines Gefängnisses. Loben passt nicht zu Schmerzen. Anbetung passt nicht in einen Kerker.
Paulus und Silas, was macht ihr da? Habt ihr die Realität nicht mehr vor Augen?

2.2 Es ist erstaunlich, dass Paul Gerhard die Zeilen seines Liedes in vergleichbarer Situation dichtete. Auch ihm ging es in vielem nicht besser als Paulus und Silas. Der Dreißigjährige Krieg hatte Europa verwüstet. Sein Heimatdorf war niedergebrannt worden. Ein Drittel aller Bewohner hatte ihr Leben durch Hunger oder Kriegskämpfe eingebüßt. Für die Waisenkinder hatte Paul Gerhard in seiner Gemeinde angefangen, Patenschaften aufzubauen. Was für eine Not. Würde sich Europa jemals wieder erholen? Und über den niedergebrannten Feldern seiner Heimat dichtet er die Zeilen: Du meine Seele singe. Wie kann er das?


3.1 Du meine Seele singe ist die Vertonung des Bibelverses aus Psalm 103: Lobe den Herrn, meine Seele. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass dieses Wort ein Rippenstoß ist? Ein Rippenstoß für die Seele. Los! Auf Seele! Fang an! Du meine Seele, singe! Das Lied fängt mit einem Stups an: Mach schon! Jetzt aber los!

3.2 Wer stupst? Wer kann der Seele so was sagen? Einer Seele, die alles andere als singen will, eher klagen. Einer bedrückten Seele, die Schmerzen hat und trauert.
Paulus und Silas, Paul Gerhard, sie hatten keine andere Seele als wir. Sie hatten keine anderen Gefühle und Empfindungen als wir sie in ihrer Lage gehabt hätten. Singen - ausgeschlossen.
Los Seele! Sing. Wer gibt solche Anweisung?

3.3 Es ist die Anweisung des Geistes an die Seele. Los, sagt der Geist zur Seele: Sing! Es ist der Glaube im Herzen, der den Gefühlen der Seele den Rippenstoß versetzt. Es ist der Himmel in uns, der angesichts der Hölle sagt: Trotz allem, singe! Es ist der auferstandene Jesus in uns, der sagt: Wer in Mir bleibt und Ich in ihm, der bringt viel Frucht.

3.4 Paul Gerhard hat in seiner ersten Liedzeile das Geheimnis der Christen vom Singen festgehalten. Singen kommt nicht aus dem Lied, sondern aus dem Herzen. Es kommt nicht aus unserer Stimmung, sondern aus unserem Glauben. Es ist die Aufforderung unseres Geistes, der der singfähigen aber nicht singfrohen Seele sagt: Los. Wer das nicht weiß wird selten singen, schon gar nicht im Kerker dieser Welt oder in den Gefangenschaften, die uns das eigene Leben oft bereitet. Du meine Seele singe, wohlauf! Damit fängt es an. So entsteht das Lied zum Gotteslob.

3.5 Grund genug hätten wir zu sagen: Jetzt aber nicht. Das kann ich nicht. Dazu fühle ich mich nicht gestimmt. - Sing, Seele! Sagt der Geist. Und gegen den Trend und die Stimmung entsteht das Lied zur Ehre Gottes.
Du, meine Seele, singe! Wohlauf! Und singe schön (EG 302, 1). Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und sangen Loblieder; und die Gefangenen hörten ihnen zu (25).

3.6 Das ist kein Realitätsverlust, sondern ein Realitätsgewinn. Der Geist reicht weiter als die Seele. Er holt den Himmel ein und bringt ihn auf die Erde, selbst in die Kerker und Kriege dieser Welt. -
Wann geben wir unserer Seele den nächsten Rippenstoß aus unserem Geist?


4.1 Singen wir die zweite Strophe (EG 302, 2):
Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil! / Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil, / das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt; / sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt.

4.2 Wo die Kraft für diesen Rippenstoß hernehmen? Wie ein Loblied im Kerker anstimmen? - Wieder beginnt Paul Gerhard mit einem wunderbaren Hinweis.

4.3 Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil. Die Blickrichtung unseres Geistes entscheidet. Wohin sind wir hauptsächlich geneigt mit unserem Herzen? Was ist die wesentliche Richtung unseres Gemütes? Suchen wir Gott und Sein Heil? Schauen wir auf Seine Zusage und Verheißung? Wohin sind wir im Inneren gerichtet? Wenn wir hinfallen, fallen wir auf Ihn, in Seine Hände? -

4.4 Wohl dem, der dies mit Ja beantworten kann: Ja, ich schaue zuerst im Herzen auf Ihn, meinen Herrn. -
Wer dies tut, dem wachsen Flügel in seinem Geist. Wer so vertraut, der hat das beste Teil, weil Sein Herz am Thron Gottes zu Hause ist, schon jetzt und einst in Ewigkeit. Wer so lebt hat den größten Schatz gefunden. Er ist fähig zum Rippenstoß der Seele. Und damit bleibt er im Wesen unbetrübt. Denn die Seele ist zum Gotteslob befähigt. Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und sangen Loblieder (25). Sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig unbetrübt (EG 302, 2).

4.5 Wohin ist unser Herz hauptsächlich geneigt?


5.1 Singen wir Strophe 3 (EG 302, 3):
Hier sind die starken Kräfte, die unerschöpfte Macht; / das weisen die Geschäfte, die seine Hand gemacht: / der Himmel und die Erde mit ihrem ganzen Heer, / der Fisch unzähl'ge Herde im großen wilden Meer.

5.2 Wieder beginnt Paul Gerhard mit einem geistlichen Impuls: Hier sind die starken Kräfte. (26) Plötzlich begann ein gewaltiges Erdbeben, so dass die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Mit einem Schlag sprangen die Türen auf, und allen fielen die Fesseln ab. - Starke Kräfte. Und wer die außergewöhnlichen Wunder nicht kennt, der mag die normalen Wunder in der Natur sehen: Himmel - Erde - Meer und alles was darinnen ist. Von Seiner Hand gemacht und erhalten.

5.3 Wer Loblieder singt rechnet mit Wundern. Er verrechnet sie nicht. Denn sie bleiben Gottes Geschenke. Aber er rechnet mit ihnen und sagt Gott Danke, wenn sie eintreten. Und er bezeugt Gottes Heil, wenn andere beginnen zu fragen. (31.32) Paulus und Silas antworteten: Glaube an Jesus, den Herrn, und du wirst gerettet werden, du und dein Haus. 32 Und sie verkündeten ihm und allen in seinem Haus das Wort Gottes.

5.4 Loblieder singen - Wunder erleben - Wort Gottes weitersagen. Das ist der Dreiklang der Kinder Gottes.

5.5 Kenne ich das: Mein Herz ist voll der Wunder Gottes. Habe ich dieses Heil jemals anderen mitgeteilt?


6.1 Wir springen zur letzten Strophe (EG 302, 8):
Ach ich bin viel zu wenig, zu rühmen seinen Ruhm; / der Herr allein ist König, ich eine welke Blum. / Jedoch weil ich gehöre gen Zion in sein Zelt, / ist's billig, dass ich mehre sein Lob vor aller Welt.

6.2 Lob Gottes ist kein Größenwahn. Christen sind nicht Prometheus. Den Himmel auf Erden in sich zu tragen macht uns nicht größer, besser, wichtiger als andere. Wir flattern nicht davon auf Wolke sieben. Wir bleiben welke Blumen.
(28) Da rief Paulus laut: Tu dir nichts an! Wir sind alle noch da. Wir sind keine Götter. Wir nutzen das Wunder nicht aus. Wir sind wie du. So Paulus und Silas zum Gefängniswärter.

6.3 Wer glaubt und singt und Wunder erlebt und Gottes Heil bezeugt - der bleibt doch bescheiden, denn Gott ist es, der wirkt, nicht wir. Und nicht nur das. Wer Gott erlebt merkt erst richtig, wie wenig wir vor Ihm sind. Ach ich bin viel zu wenig, zu rühmen seinen Ruhm; der Herr allein ist König, ich eine welke Blum.
Wer lobt wird demütig. Und der Demütige erkennt: Was für eine Ehre ist es, Ihn überhaupt loben zu dürfen, Ihn den Herrn der Welt. Was für ein Vorzug, als vergänglicher Mensch vor Seinem ewigen Thron sein zu dürfen. Was für ein Glück, Sein Lob auf Erden anzustimmen. Was für eine Erfüllung, in der vergänglichen Welt zum unvergänglichen Volk Gottes zu zählen. Das macht bescheiden glücklich. Demütig froh.

6.4 In dieser Haltung lässt sich leben - singen.

7.1 Singen wir noch Strophe 4 (EG 302, 4):
Hier sind die treuen Sinnen, die niemand Unrecht tun, / all denen Gutes gönnen, die in der Treu beruhn. / Gott hält sein Wort mit Freuden, und was er spricht, geschicht; / und wer Gewalt muss leiden, den schützt er im Gericht.


Amen.


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Zuletzt geändert am 02.05.2012 von: (fp)