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von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 13. Mai 2012, Rogate

Betet!

2 Lasst nicht nach im Beten; seid dabei wachsam und dankbar!
3 Betet auch für uns, damit Gott uns eine Tür öffnet für das Wort und wir das Geheimnis Christi predigen können, für das ich im Gefängnis bin; 4 betet, dass ich es wieder offenbaren und verkündigen kann, wie es meine Pflicht ist.
5 Seid weise im Umgang mit den Außenstehenden, nutzt die Zeit!
6 Eure Worte seien immer freundlich, doch mit Salz gewürzt; denn ihr müsst jedem in der rechten Weise antworten können.


Kolosser 4, 2-4.5-6

Liebe Gemeinde!

1.1 Singen ist das Atmen der Seele. Davon sprachen wir den letzten Sonntag. Beten ist das Atmen des Geistes. Denn was geschieht beim Atmen? Ich öffne meine Lunge, ich nehme auf, ich gebe wieder ab. Beim Atmen eben Luft. Und dies geschieht beim Singen. Ich öffne meine Seele für das Schöne, ich nehme es auf, ich gebe es mit meiner Stimme zurück. Genau dies geschieht auch beim Gebet. Ich öffne meinen Geist für Gott. Ich nehme Seinen Geist in mich auf. Ich lasse ihn wieder heraus in Form von Worten, Gedanken, Gefühlen oder Taten.

1.2 Beten hält unseren Geist lebendig. Wie zeigt sich das?


2.1 Es gibt einen flapsigen Satz der meint: Wer schläft, der sündigt nicht. Das lässt sich auch aufs Beten übertragen. Wer betet sündigt nicht. Aber er ist obendrein dazu auch noch wach. Sein Geist schläft nicht.

2.2 Wach im Geist. Was das bedeutet, das wissen alle, die mit Menschen zu tun haben. Es gibt unglaublich viele, deren Geist schläft. Innere Schlafmützen. Bei manchen ist das seit ihrer Geburt. Sie sind nie richtig wach geworden in ihrem Inneren. Andre gaben in ihrem Leben irgendwann auf, ernsthaft selbst zu leben. Vielleicht erlitten sie ein Trauma, sie durften es nicht oder es ging ihnen einfach nur zu gut. So sie sind innerlich eingeschlafen und nie mehr wach geworden. Wie im Traumland verbringen sie die Jahre. Schlafende Geister. Solche Menschen laufen nur mit, übernehmen keine Verantwortung. Sie führen keinen Lebenskampf, kein eigenes Leben. Am Ende ist Ihr Geist noch ungelebt wie ganz am Anfang. Die anvertrauten Pfunde ihres Lebens blieben vergraben. Sie lebten zwar ihre Jahre, doch blieb ihr Herz nur stehen.

2.3 Schlafende Geister gibt es auch im Glauben. Sie sprechen wohl Gebete, doch treten sie dabei nicht innerlich vor Gott. Sie sagen Worte. Ihr Herz, es bleibt da wo es ist. Es schläft.

2.4 Seid dabei wachsam!, sagt deshalb Paulus in seinem kleinen Glaubenskurs zum Beten als erstes in unserem Text. Der wache Geist ist wohl das Wichtigste. Kein Plappern, wie Jesus in der Bergpredigt sagt. Warum? Es ist das beste Training für einen wachen Geist. Wer betet hält seinen Geist lebendig. Das möchte Gott. Das lässt dich wachsen vor Ihm. Das macht dich zu einem selbständigen, geliebten Gotteskind.

2.5 Ich werde gelegentlich gefragt: Wie kann ich mit dem Glauben bei mir anfangen? - Die Antwort, die ich gebe, ist sehr einfach. Beginn zu beten, wach und von ganzem Herzen. Wer nicht betet ist wie jemand der nicht atmet. Nach kurzer Zeit sind wir bewusstlos. Beginn zu beten, dann gewinnt dein Geist Bewusstsein vor Gott. Das macht dich nicht nur wach vor Gott, sondern wach in deinem ganzen Leben. Bete! Danach weißt Du von ganz alleine, was Du als nächstes in Deinem Glauben tun oder lassen musst. Doch wenn Du schläfst weißt Du gar nichts. Deshalb: Beginn zu beten. Das weckt Deinen Geist. Der wird dich mit Gottes Geist dann weiter leiten. Bete!


3.1 Wache Geister sind oft sehr stolz. Das ist oft unerträglich. Wen Gott wach küsst wird dankbar, nicht stolz.

3.2 Paulus erkennt sehr schnell, was die Gefahr von einem innerlich reichen Leben ist. Sehr schnell gewöhnt sich jeder an das Gute und meint nach einiger Zeit, es sei normal. Und dann wird das auch noch zum eigenen Wert gerechnet. Wer bin ich. Und was hab ich. Dabei schenkt Gott doch jeden Atemzug und jeden Euro, den wir nehmen und verdienen. Wie schnell könnte ER alles anders werden lassen.

3.3 Vergesst beim Beten nicht, wer wen beschenkt. Gott gibt, wir nehmen. ER hat, wir empfangen. Wer dies behält wird dankbar.

3.4 Die Dankbarkeit macht demütig. Wer demütig ist empfängt auch weiter und weiter und weiter. Er hat nicht einmal bekommen und bleibt dann leer. Jeden Tag wird der Dankbare reich.

3.5 Dankbare Menschen sind eine Wohltat für ihre Umgebung. Von ihnen geht viel Heilung aus für Familien, Freundschaften und Beziehungen. Sie schaffen richtig was weg und machen nicht nur neuen Dreck, wo schon genug von da ist. Dankbarkeit ist wie ein gutes Beet, in dem was Neues wachsen kann.

3.6 Sei dankbar. Wie? Durchs Gebet. Erkenne deine Situation vor Gott und nimm sie an. Dann wirst du es. Sind wir im Zentrum unseres Herzens dankbar? Wenn nicht, wir können es noch ändern. Bete.


4.1 Betet auch für uns, bittet Paulus. Selten bittet er für sich. Um das Gebet schon.

4.2 Ich denke an dich! Das ist gut und stärkt, wenn jemand mir das sagt. - Ich bete für dich!, ist dies und noch viel mehr. Ich denke beim Beten an dich und weil ich es Gott sage tut ER es auch noch. Einer mehr. Und auch noch der Höchste. Fürbitte ist ein Schatz der Kirche.

4.3 Bei der Fürbitte geht der Strom des Geistes nicht nur von Herz zu Herz. Er geht wie ein Satellitensignal über den Himmel zum anderen. Dort wird er gerichtet, verbessert, intensiviert, vom Schöpfer passend gemacht für den Empfänger. Mehr geht nicht.

4.4 Familiengebete. In jeder Familie sollte mindestens eine Person sein, die für alle Angehörigen jeden Tag betet. Dass manches im Miteinander überhaupt noch klappt liegt an den Omas, die dies in aller Stille taten. Doch wenn die Omas fehlen können auch Opas ran. Man muss nicht Großeltern sein, um dies zu tun. Jeder Beter ist gefragt. Im Geist zählt nie das Alter, sondern die Stellung vor Gott. Es gibt jugendliche Beter. Und manche Großeltern leben nur, weil ihre Enkel Gott um deren Heilung baten.
Beten Sie konkret: Die Chefs der Kinder oder Enkel. Die Klassenarbeiten oder Examensprüfungen. Die Finanzen, die Geburt, die Wohnung. Tragen Sie das vor Gott, dann segnet er was Sie erbitten.
Familienfürbitte. Tun Sie es schon. Schön. Sonst fangen Sie doch heute damit an.

4.5 Notgebete. Wie lange soll ich für einen Menschen beten? Manchmal werde ich darum gebeten: Beten sie für diese Person, für dieses Anliegen. Manchmal fällt es mir selbst aufs Herz. Dann bete ich. Heute. Morgen. Jeden Tag. Wie lange soll ich das?
Wenn das Problem gelöst ist? Ja, dann sage ich: Danke. Aber oft weiß ich es nicht oder es dauert. Für manche bete ich seit Jahren. Wie entscheiden wann Schluss ist?
Beim Beten stehen wir vor Jesus unserem auferstandenen Herrn. Wir tragen andere zu Ihm. Fragen Sie Ihn doch: Soll diese Person durch mich noch weiter vor Dir sein an jedem Tag? Wenn Sie den Eindruck haben, Nein. Dann hören Sie auf. Wenn Sie nichts merken oder ja empfinden, machen Sie weiter. Folgen Sie dem, was vor Ihm klar ist.

4.6 Missionsgebete. Paulus bittet um Fürbitte für eine offene Tür für das Wort Gottes.
Vielleicht haben Sie schon lange einen Menschen in ihrer Umgebung, von dem Sie denken: Wenn er oder sie einen eigenen Glauben an Jesus Christus finden würde, das wäre schön.
Doch je näher uns die Menschen stehen, umso weniger können wir darüber reden. Leider ist das oft so. In der engsten Verwandtschaft ist der Maulkorb sogar am größten.
Aber das betrifft nicht das Gebet. Wir können ohne Scham den Herrn bestürmen: Mach eine Türe auf bei meinem Partner, bei meinen Kindern, bei meinen Enkeln, bei meinen Patenkindern. Für Dich.
Wir können das für unsere Kollegen erbitten, für unsere Freunde.
Wir können das für unsere Politiker und Minister bitten. Wie schön wäre das, wenn sich bei Ihnen Türen für den Glauben öffneten.
Und nicht zuletzt. Beten Sie für die Arbeit im Dt. Ev. Pfarramt und in der Dt. Kath. Gemeinde. Öffne Türen, Herr, für Dich. Was gibt es Schöneres, wenn das geschieht. Der Herr wartet auf unsere Bitten.


5.1 Es ist interessant, dass Paulus seinen kleinen Glaubenskurs zum Gebet mit ein paar Hinweisen zum Lebensstil schließt. Was hat das mit Beten zu tun?
Seid weise. Nutzt die Zeit. - Sea sapiens. Carpe diem.

5.2 Das waren die Top Tugenden der damaligen Welt. Philosophen und Weise strebten danach. Wer so lebte gehörte zu den Besten. Dessen Leben konnte gelingen.

5.3 Und Paulus. Er meint, wonach die Weisen dieser Welt streben das können Beter finden. Ihr Herz ist so verankert am Thron Gottes, dass sie in Weisheit die Vielfalt der Eindrücke sortieren und bewerten vermögen. Und wo es fehlt, da können Sie Gott bitten. Der gab selbst Josef die Deutung eines Traumes, den er nicht kannte.
Und Beter vermögen ihre Zeit zu nutzen, weil sie in der Ewigkeit zu Hause sind. Ihnen läuft nichts weg.
Unglaublich, dass Paulus hier die höchste Lebenskunst den Betern zusagt.
Und das blieb kein Spruch. Schon bald waren Christen im Römischen Reich bekannt und beliebt, weil sie Verlässlichkeit, Fleiß und Ehrlichkeit erbrachten, die allerorten fehlte. Carpe diem, das lebten sie.

5.4 Freundlichkeit und Würze, Humor kommen dabei heraus. Das meint Paulus. Wer sich in Gott versenkt beim Beten, der kann die Freundlichkeit und den Humor des Himmels als Gabe hier verteilen.

5.5 Wer sollte da nicht neugierig werden, dies selbst mal zu probieren. Betet.


Amen.


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Zuletzt geändert am 10.05.2012 von: (fp)