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 <>< Predigt zum Letzten So nach Epiphanias
von Pfarrer i.R. Friedhelm Peters, Dachau

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Pastor i.R. Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 10. Januar 2016, Letzter Sonntag nach Epiphanias

Lebendiges Opfer

Ich ermahne euch durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.

Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich's gebührt zu halten, sondern dass er maßvoll von sich halte, ein jeder, wie Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat.


Römer 12, 1-3.(4-8)

Liebe Gemeinde!

0.1 Sich Selbst als lebendiges Opfer bringen. Dieses Stichwort im Bibeltext rüttelt auf.

0.2 Bilder stehen vor unseren Augen von Menschen mit Sprengstoffgürteln. Lebendige Opfer, die andere in den Tod reißen. Brutale religiöse Fanatiker, die sich und andere opfern.
Kann denn Paulus überhaupt auf den Gedanken kommen, für so etwas zu sprechen?

0.3. Wir leben in Dachau. Wie viele Opfer hat es hier im Konzentrationslage gegeben. Wie kann Paulus von unserem Opfer sprechen ohne die grausame Seite der auch ihm bekannten römischen Massenhinrichtungen und Opfer zu bedenken.

0.4. Schluss mit dem Opfer! So sagen deshalb viele Menschen und Theologen in unserer Zeit. Das Wort sollte als Deutung des Todes Jesu und unseres Glaubens verschwinden. In unserer Glaubenssprache sollte es gestrichen werden.
Wer könnte nicht den tiefen Wunsch nachvollziehen, es möge in unserer Welt jedes Opfer verbannt werden, Humanität siegen. Geschieht es aber schon dadurch, dass wir das Wort Opfer in unserem Sprachgebrauch streichen? Das wäre schön.

0.5. Und Paulus? Als ob er nicht um dies alles gewusst hätte.
Auch er ist und war genug Opfer von Willkür und Verfolgung. Wie viele Zeilen unserer Paulusbriefe entstanden im Gefängnis und in Ketten. Er wusste um die Brutalität römischer Macht. Er kannte die Not der Sklaven, denen er predigte. Dennoch spricht er vom lebendigen Opfer. Grund genug genau zu fragen: Paulus, was meinst du? Was sollen wir für den Glauben dabei lernen?


1.1. Zunächst spricht der gesunde Menschenverstand: Ohne Opfer gibt es gar kein Leben. Denn Opfer ist Hingabe. Und ohne die Hingabe anderer für uns lebte keiner.
Ohne die gute Hingabe anderer für uns wären wir nie geboren. Es war die Hingabe unserer Mütter, uns Leben zu schenken. Wir wären nicht aufgewachsen ohne die Hingabe derer, die uns begleiteten, um groß zu werden. Keiner hätte etwas zu essen ohne die Hingabe anderer, Lebensmittel zu erstellen. Keiner würde gesund ohne die Hingabe derer, die uns helfen und pflegen. Keiner würde Glauben an Jesus kennen ohne die, die uns den Glauben in Hingabe zeigten und zeigen.

1.2. Wüchse der Egoismus so stark, dass keiner mehr sich für irgendetwas hingibt, dann stünde unser aller Leben still. Geschähe dies bei unseren Zellen im Körper, dass keine mehr für die andere wirkt, wären wir tot.
Opfer als Hingabe hält unser Leben wach. Das weiß schon der gesunde Menschenverstand. -

1.3. Dass es falsche Hingabe gibt in irrsinnigen Opfern, fanatischen Opfern, unmenschlichen Opfern, satanischen Opfern setzt dies nicht außer Kraft. Es zeigt nur: der Widersacher ist unterwegs und versucht alles Gute ins Schlechte zu drehen.
Selbst das Opfer macht er schlecht.

1.4. Aber das gute Opfer kann er nicht unwirksam machen.


2.1 Blicke darauf, sagt Paulus. Blicke auf die gute Hingabe in deinem Leben. Und fange damit bei Jesus an.

2.2 Da ist zuerst diese Hingabe unseres Herrn Jesus Christus. Sein ganzes Leben ist davon durchzogen:
Von der Menschwerdung als Gottessohn im Stall von Bethlehem, an die wir Weihnachten dachten. Von der Opferung einer Taube zu seiner Darstellung im Tempel als Säugling als Gabe von armen Leuten.
Von der Taufe bei Johannes mit den Füßen wie ein Sünder im Jordan während der Himmel über Ihm aufging.
Von der Kreuzigung unter Verbrechern als gottlos Verstoßener mit den Worten: Vater vergib.
Das war eine Hingabe vom Anfang bis zum Ende. Alles war Opfer.

2.3 Und warum? Das tat ICH für dich, so wissen wir von Jesus. Stellvertretend lebte ER dies Opfer, damit ich bis heute Mühsal, Plage und Sünde auf IHN legen kann. Und ER sagt es immer wieder: Kommet her zu MIR, die ihr mühselig und beladen seid. ICH will euch erquicken. Das ist Opfer, wo ER das tut. Ohne Opfer keine Erlösung. Ohne Jesu Opfer kein Frieden und keine Gewissheit im Leben. Ohne das Opfer Jesu keine Gotteskindschaft für uns.

Paulus hat das in elf Kapiteln vor unserem Text in vielen Einzelheiten entfaltet. Gönnen Sie es sich, diesen Opferweg Jesu einmal im Zusammenhang bei Paulus zu lesen. Nehmen sie dafür eine gute Übersetzung zur Hand oder lesen Sie im Internet in der Online-Bibel oder Basis-Bibel: Römer 1-11. Sie werden staunen. Die gute Hingabe Jesu für uns. Sein Opfer.


Und dann sind wir bei uns. Das tat ICH für dich, sagt Jesus. Was tust du für MICH, so fragt ER.
Was tun wir für Jesus?

Gebt eure Leiber hin als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.
So sagt Paulus. Und jetzt verstehen wir.
Das Opfer Jesu ist einmalig. Nur ER kann uns die Gotteskindschaft schenken. Durch Seine Hingabe für uns bekommen wir sie und nehmen sie dankbar an: Danke, Jesus. Durch DICH bin ich vor Gott Sein Kind. Ich bin erlöst. Ich bete und meine es: Vater unser! Mein Gott ist mein Vater und Jesus mein Bruder und der Heilige Geist mein Begleiter. Danke.

3.3 Das Abendmahl, die Eucharistie – Danksagung – hält dies in Brot und Wein fest: Jesu Opfer für uns macht uns zu Tischpartnern Gottes. In Seinem Reich ist unser neuer Platz.

3.4 Aber auch mein Leben, das immer auch ein Opfer für alles mögliche ist, kann dadurch Sinn und Ziel bekommen.
Ich kann doch nicht nehmen was Jesus mir gibt und schenkt – und mein Leben sinnlosem Zeug opfern oder noch schlimmer: Lieblosem Handeln.
Stellt euch nicht dieser Welt gleich! sagt Paulus. In der opfert man ständig jedes und jeden für alles. Das ist üblich und normal – es war damals nicht besser als heute. Aber ihr, in denen die Früchte des Opfers Jesu leben, ihr: Tut das nicht.


4.1 Ja, wofür sollen sich denn Christen hingeben, ihr Leben lebendig opfern?

4.2 Drei Hinweise gibt Paulus. Unsere Hingabe, unser Opfer soll 5.1. lebendig, 5.2. heilig, 5.3. Gott wohlgefällig sein.


5.1 Lebendig. Also nicht gekünstelt, theoretisch, ideologisch, nicht echt, sondern authentisch.
Fangen wir also im normalen Leben damit an.
- Krach in der Familie. Jeder hat Recht für sich und keiner beim anderen. Streit. Ärger und Zorn. – Lebendiges Opfer?
Hingabe an den Herrn würde bedeuten, nicht Hingabe an den Streitenden fortzusetzen. Vergebung vor IHM unhörbar aussprechen. Das Herz lässt Verletzung abfließen und Frieden eindringen. Worte suchen, die helfen und heilen und keine Giftpfeile sind. Hingabe für den Herrn und nicht mehr Hingabe in den Streit. – Das ist lebendiges Opfer.
Die katholischen Freunde bauen in mancher Tradition auf dieses alte Wort: Ich opfere diesen Streit DIR, Herr, auf.
Denken Sie mal dran wenn es so weit ist. Opfern Sie auf, dem Herrn. ER belohnt das.
- Wie viele haben im KZ Dachau auf diese Weise dem Herrn aufgeopfert: erhaltene Schläge, erlittenes Unrecht, erlebte Krankheit, auch ihren Märtyrertod. Hingabe an IHN im gerade Erlebten. – Lebendiges Opfer.

5.2 Heilig soll das Opfer sein. Vom Heiligen kommt die Kraft.
Nur Gott ist heilig. Jesus als unser Bruder reicht uns diese Heiligkeit durch Seine Hand. An der Hand Jesu gehen wir heilige Wege. Die machen unsere Kraft aus, nicht was in uns selbst steckt.
Fehlt uns Kraft zur Hingabe sollen wir uns nicht anstrengen, sondern schneller, genauer, sofort zu Jesus gehen.
Stellen Sie mal Ihren geistlichen Wecker: Wie lange brauchen Sie, um bei einer Not auf die Idee zu kommen, mit ihr zu Gott zu gehen. Wenn Sie es tun, dann merken Sie wie ich: O Gott. Wie lange schlafen wir. Und unsere Opfer sind nicht heilig, sondern hilflos. Erst zu IHM. Sofort. Dann wird die Hingabe unseres Lebens an Kraft zunehmen.

5.3 Gott wohlgefällig sei unser Opfer.
Paulus entnimmt seine Hinweise der jüdischen Gottesdienstsprache. Wohlgefällig ist dort der aufsteigende Rauch des Räucheraltars. Eine Nachahmung finden wir in der katholischen Messe beim Weihrauch. Er besagt:
Wie der Rauch aufsteigt, so seien unsere Gebete. Gegründet auf dem Opfer Jesu – dargestellt auf dem Altar und gewiss in unseren Herzen – steige unser Gebet auf zu Gott in dem Vertrauen: DU, Vater, hörst uns.
Wohlgefällig ist also alles, was wir im Glauben vor Gott bringen: ER hört uns und tut dann wie und was ER will.

5.4 Lebendig, heilig, wohlgefällig.
Konkret im Alltag, mit der sofort aufgesuchten Gegenwart Jesu, im Vertrauen: DU hörst. So sei unsere Hingabe, so sei unser Lebensopfer.


6.1. Wer so sein Leben in Hingabe an Jesus lebt, der lebt sehr reich und sinnvoll.
Vieles wird viel schwerer. Denn normal ist das nicht. Normal ist, sich immer gerade an das hinzugeben und zu opfern, was in den Weg kommt. Sinnvoll wird das Leben dadurch nicht. Wer sich dem Herrn opfert, der holt den Himmel auf die Erde, in sein eigenes Leben hinein. Und das macht viel Sinn.
Das Leben von Christen, so gelebt, wird sogar KZ fähig, wie es ein Mitchrist unserer Tage einmal fast missverständlich formulierte. Es hält der Hölle stand, meint er damit. Aber es wird auch himmlisch schön, schon hier auf Erden.

6.2. Versuchen wir es doch einmal in kleinen Schritten ab jetzt, unser Leben hinzugeben als ein lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer, so wie Paulus es empfiehlt.


Amen.


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Zuletzt geändert am 29.05.2012 von: (fp)