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 <>< Predigt vom 18. August 2002

(Friedhelm Peters)

12. Sonntag nach Trinitatis, in der Johanniskirche

Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld, Gottes Bau. Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde, habe ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt; ein anderer baut darauf weiter. Aber jeder soll darauf achten, wie er weiterbaut. Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. Ob aber jemand auf dem Grund mit Gold, Silber, kostbaren Steinen, mit Holz, Heu oder Stroh weiterbaut: das Werk eines jeden wird offenbar werden; jener Tag wird es sichtbar machen, weil es im Feuer offenbart wird. Das Feuer wird prüfen, was das Werk eines jeden taugt. Hält das stand, was er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn. Brennt es nieder, dann muß er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch.

1.Korinther 3,9-15

1.
Es gibt vieles, womit wir als Gemeinde verglichen werden. Viele drücken Gutes aus.

  • Karawane entsprechend dem Zug des Volkes Israel durch die Wüste.
  • Schiff entsprechend der Arche des Noah.
  • Leib, Körper des Auferstandenen Jesus Christus, Hand und Fuß Gottes hier auf Erden.
  • Und dann auch mit einem Kirchenschiff, damals Tempel genannt, als Gottes Haus. Wer einmal unsere Kirchenmauern gesehen hat, der weiß, wie stark so ein Fundament sein muss. Und die tragenden Säulen hat hier jeder vor Augen. Und oben am Dach oder am Turm staunt man über die massiven Träger.
  • Im Kern ist ja Gemeinde Gottes unsichtbar und sichtbar zugleich. Das ist wie bei der Liebe in einer Beziehung oder Familie. Sie selbst ist nicht zu sehen, ihre Auswirkungen aber freilich wohl. Die selbe Gestik, das gleiche Wort "du", kann Zeichen ihrer Gegenwart oder dem Zerbrechen der Liebe sein. Die Zeichen sind dann sichtbar.

Nicht anders bei der Gemeinde: Fundament als Glaubensbekenntnis, Mauern als Christen, die ihre Berufungen und Führungen durch Jesus kennen und annehmen, das Dach als Segen und Schutz des gütigen Gottes. Texte, Menschen, Liturgie - das alles ist bei der Kirche zu sehen. Doch das Wesentliche ist unsichtbar. Kommt die Liebe Gottes darin durch? Ist alles Ausdruck unserer tiefen Beziehung zu IHM, dem unsichtbaren Auferstandenen. Die Kunst ist, dies zu spüren, um nicht einem Bluff zu folgen und aufzusitzen. Liebe kann verraten werden, am meisten dort, wo viel von ihr geredet wird. Das gilt auch gerade in der Kirche.

2.
Paulus weiß um diese Not der Gemeinde, die nicht mehr hält, was sie verspricht. Das ist wohl immer unsere Not gewesen, dass wir sehr schnell in Äußerlichkeiten hängen bleiben. Schon vor Zweitausend Jahren spricht er deswegen die Christen in der Hafenstadt Korinth auf diese Not an.

Hängt doch nicht euer Herz an falsche Dinge: Wir gehören aber zu der und der Gruppe, wir sind aber die eigentlich Wichtigen in dieser Aufgabe.

Hat nicht jeder seinen Platz und Auftrag? Kann denn das Fenster sagen: Ich bin wichtiger als die Tür, weil man durch mich zwar gucken, aber nicht gehen kann. Oder kann die Säule sagen: Sieh erst einmal mich. Wer kann es mit mir schon aufnehmen, was ich alles trage.

Keiner darf fehlen. Keiner zählt durch das, was er ist. Jeder zählt für das, wofür er da ist. Die unsichtbare Dimension, die zählt. Ein Fenster kann völlig nutzlos sein, der Zug der Luft einen krank machen, eine Säule kann reine Zierde sein.

Was zählt ist der wirklich Sinn und Zweck. Wird die Gemeinde ihrem wahren Ziel gerecht? Trägt jeder dazu bei, in seiner sichtbaren Leben, der inneren Bestimmung der Gemeinde zu entsprechen? Wird jeder von uns ein Ausdruck Seiner großen Liebe? Lächelt Gott durch uns? Ist ER in uns die innere Bestimmung?

Auch Gemeinde kann die eigene Bestimmung verlieren und verraten. Wie jede menschliche Beziehung kann auch die Beziehung zum unsichtbaren Herrn noch gar nicht existieren oder verloren gehen. Leider ist das seit Anbeginn ein Fakt.

3.
Probleme sehen und erkennen, vor ihnen nicht weglaufen, das ist schon immer der erste Schritt zur Bewältigung. Wer weise ist, der weiß das. Paulus legt den Finger auf diesen Punkt: Lebst du als Christ deiner Bestimmung treu? Stimmt noch dein unsichtbares Ziel? Lebst du, was du bist?

4.
Und hier fängt die wichtige Frage an. Was bin ich denn für Gott? Was ist denn Seine Gemeinde für ein Bau? Wie merke ich denn, wenn ich Seiner unsichtbaren Bestimmung nicht entspreche? Zu diesen Fragen nimmt Paulus Stellung.

  • Er macht das in unserem Text von der Krise aus, die uns treffen kann. Nicht immer tut er das, aber hier. In der Krise zeigt sich, was hält und was Substanz ist.
  • Wir sehen ja im Augenblick die schrecklichsten Bilder der Zerstörung in vielen Städten der neuen Bundesländer. Wer hätte vor einem Monat an diese Katastrophe gedacht. Und heute. Es rührt das Herz, das wir weinen könnten, wenn wir in die Gesichter der verzweifelten Menschen schauen, die alles Äußere verloren haben. In der Krise kann uns alles genommen werden. Und keiner weiß, ob wir nicht morgen selbst drin stecken und Opfer sind. Wer hätte geglaubt, dass einmal die Semper Oper unter Wasser stehen könnte, als unsere Gemeindefreizeit das Gebäude vor nicht langer Zeit besichtigte.
  • So ist das. Auf einen Schlag wird deutlich, dass wir nichts mehr haben. Wer sind wir dann?

  • So etwas meint Paulus, wenn er vom Gericht spricht. In unserem Text spricht er nur nicht vom Wasser, das alles umspült und klar macht, ob es hält oder nicht. Paulus spricht vom Feuer, durch das unser Leben geprüft wird. Was hält im Feuer? Fundament, Mauer, Dach - hält das dem Feuer stand? Ist unser Glaube gefestigt, dass er hält? Ist die Gemeinde so gebaut, dass sie ein Feuer übersteht?

5.
Es ist deutlich, das Material entscheidet über den Bestand. Holz, Stroh, was brennt, hat keine Chance. Die Flammen machen kurzen Prozess. Sogar im Wasser würden Strohhütten weggeschwemmt, im Feuer aber ganz gewiss verzehrt. Es muss schon anderes Baumaterial gefunden werden, dass dann dem Feuer standhält, widersteht und bleibt.

Paulus nennt Gold und Silber. Diese Metalle sind für ihn Bild des Wesens, das besteht und hält. Wir sollen Gold und Silber sein, nicht Holz und Stroh, in unserem Glauben und als Seine Gemeinde. Was meint er damit? Was drückt sich für ihn in Gold und Silber aus vom unsichtbaren Bestand, was Holz und Stroh nicht hat?

6.
Gold ist für Paulus die edelste Substanz.

Sie ist für ihn die Wahrheit Gottes über mich und Sein Volk. Was ist die Wahrheit? Ihr seid doch geliebt. Ihr seid wertvoll, weil ICH euch doch so sehe. Dass ihr erlöste Gotteskinder seid ist Wahrheit in Meinem Herzen, vor der unsichtbaren Welt und - auch bei euch?

Nehmt ihr die Wahrheit an? Lasst ihr euch reinigen, dass dieses Gold auch leuchtet und erstrahlt?

Im Feuer bleibt Gold doch Gold. Dass ihr doch meine Kinder seid wird in der Krise nicht verändert. Es ändert sich die Form. Was vorher vielleicht kunstvoll schmückte, zerfließt und schmilzt. Und in dem Schmelzprozess kommt aller Schmutz nach oben. Tu ihn doch weg. Du bist doch Gold, das ist die Wahrheit über dich. Leg Schmutz beiseite.

ICH nehme ihn. Das ist das tiefste Geheimnis Meines Umbaus, Meiner Veränderung. Bevor ICH aufbaue und dann ein Kunstwerk aus dir mache, reinige ICH dich. Lass es geschehen. Verlieb dich nicht in Unrat. Lass zu, dass du Ausdruck Meiner Wahrheit bist: Mein Kind.

Wir würden damit etwas unglaublich Wertvolles sein. Wir sind es, weil wir es durch IHN sind, nicht weil wir etwas haben oder machen. Gold sein - das ist die bleibende Bestimmung für den Glauben, für die Gemeinde. Wie ER es formt, verändert, läutert, reinigt, gießt und wieder umformt - das können wir meistens nicht verstehen. Nie aber können wir daraus die Schmuckauslage eines Juweliergeschäftes machen, wo einer sich im Preis beim anderen überbietet. Auf Erden wird geschmolzen, der Wert ist Gold, weil ER uns dazu macht. Mehr ist nicht, doch das reicht.

So sieht Paulus das Wesen unseres Glaubens: Wertvoll durch IHN. Das nehmen und dabei bleiben.

7.
Und Silber wären wir. Nach der Symbolik damaliger Zeit stand Silber für die Liebe.

Paulus meint damit ein wunderbar wertvolles Geheimnis. Was ist das erste, was uns einfällt, wenn wir an Gott denken und mit ihm zu tun kriegen?

  • Schrecken und Vorbehalt, man kann ja nicht wissen.
  • Ehrfurcht und Abstand, wer weiß ob Der mich kennt.
  • Selbstprüfung und Nichtigkeit, dem halte ich nicht stand.
  • Vielleicht noch andere innere Bilder. Oft tönt sich die elementarste Eltern Erfahrung, die wir machten, in die Gottesbegegnung hinein.

Und jetzt Paulus. Wenn du an Gott denkst, dann strömt über dich ein Fluss von Liebe. Lass dich darin tragen, treiben, mitnehmen. ER liebt dich. ER liebt dich, auch wenn du IHM Kummer gemacht hast. Unfassbar ist Seine Güte. Das Silber ist das kalte Gold. Es zählt auch in der Nacht. Der Mond ist silbern. Auch in der Nacht von deinem Leben leuchtet ER. ER ist immer für dich da.

Das Silber der Liebe Gottes hält dem Feuer der Krise stand. Sicher, auch das Silber schmilzt. Auch die Liebe Gottes verwandelt sich und mit ihr mein Leben. Ich glaube nicht mehr wie ein Kind an den lieben Gott. Aber ich glaube an die Liebe Gottes quer durch ein kompliziertes und komplexes Leben.

Das Silber legt Lichtbahnen, Perspektiven. Was Herr hat in Deiner Liebe für mich Bestand? Was soll für mich zählen? Wohin soll es in Deiner Liebe gehen?

Was Herr ist Dein Weg für Mich? Wo führt mich Deine Liebe hin? Wo soll ich selbst sie hintragen? Dein Wort ist Meines Fußes Leuchte. Ich gehe in Deiner Liebe.

8.
Mit Gold und Silber haben wir eine innere Bestimmung, die hält was sie verspricht. ER hält. Das macht eine Gemeinde zu einem Ort, wo vielleicht nichts äußerlich spektakuläres geschieht. Aber die innere Bestimmung leuchtet durch.

Fenster, Tür, Mauer, Säule, Dach, das sind alles Funktionen eines Baues, der nichts anderes zum Ziel hat, Raum für die Wahrheit Gottes zu geben, dass Seine Liebe zählt.

Wir können das leicht prüfen bei uns selbst. Ist dieser Ort der Johanniskirche Gold und Silber? Lässt sich die Wahrheit Gottes hier erspüren? Ist Seine Liebe so präsent, dass sie uns trägt?

Ein jeder prüfe bei sich selbst. Er kehre um von äußerlichen Werten und sage Ja zu dem, was ER meint.

9.
Wir können jetzt sehr schnell zum Schluss begreifen, was Holz und Stroh meint. Das sind die irdischen Gewächse, das ist Natur. Alles, was auf uns selbst gewachsen ist, sehr schön, sehr fest, sehr notwendig. Doch das hält nicht im Feuer Gottes stand. Das soll zwar sein als Teil von Seiner Schöpfung. Doch kann es nicht das Wesen unseres Glaubens, noch der Gemeinde sein. Es wird verzehrt, verbraucht, in Krisen hält es nicht. Es brennt, macht große Hitze und vergeht.

Wir sollen uns selbst und den anderen lieben. Doch in der Krise und im Feuer hält, wenn Gottes Liebe trägt und ich darauf vertraue.

Wir sollen schon Gemeinde leben und aufbauen. Doch hält das alles nur, wenn Gottes Wahrheit uns durchdringt: ER formt uns in Sein Bild. In allem sind wir schon geliebte Kinder Gottes. So ist ER. ER ist treu.

10.
Im Glauben gibt es keine Feuerversicherung. Es gibt nur die Chance sich zu verändern. Und die ist umsonst.

Amen.



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Zuletzt geändert am 24. September 2002 von: (tl)