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 <>< Predigt vom 25. August 2002

(Friedhelm Peters)

13. Sonntag nach Trinitatis, in der Johanniskirche

Thema: Gemeinde, die Mitarbeitende gewinnt

In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung. Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, daß wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen. Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll heiligen Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst. Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben. Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Judengenossen aus Antiochia. Diese Männer stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten die Hände auf sie. Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.

Apostelgeschichte 6,1-7

1.
Was führt eigentlich dazu, dass jemand plötzlich zur ehrenamtlichen Mitarbeit bereit ist?

Die Not macht es. Das erleben wir in unseren Tagen, Gott sei Dank.

Da sitzen Jugendliche in den Ferien herum, wegfahren ist nicht drin, da fehlt das Geld. Und dann packt einer an und organisiert die Flut Hilfe Freizeit. Und jetzt schleppt einer statt zu gammeln Sandsäcke und schippt Schlamm. Die Not hilft, anderen zu helfen.

2.
So wahr das ist - wir wissen, es lässt sich immer nur ein kleiner Teil von Menschen anrühren. Ganz viele sehen Not und sehen vorbei. Wer hilft muss selber Hilfe kennen. Sonst gilt: Pö! Was habe ich davon.

Und nicht nur Jugendliche denken so. Wir Alten machen das doch vor. Enttäuschung und Ausnutzung haben uns gelehrt, ein dickes Fell zu haben.

3.
Die größten Flutopfer werden in Kinderzimmern groß. Die Flut von Fernsehbildern und Geräuschen geht über Kinderseelen längst hinweg. Kein Deich hält da. Wie viele Kinderseelen sind ertrunken in unserem Lebensstil. Die Zuwendung, das Streicheln, das Singen und Erzählen, für Kinder da zu sein - das zählt heute als ehrenamtliche Mitarbeit von Eltern, die ganz und gar nicht selbstverständlich ist. Kinder erziehen ist der größte Luxus. Und Knochenarbeit noch dazu. Wer lohnt mir das? Was habe ich davon? Wie viele Eltern sind schon lange mürbe, weil sie so denken und empfinden. Sie können nicht mehr. Land unter auch bei ihnen.

4.
Nach der Kirche rufen viele Menschen, wenn die Not sehr groß ist. Die Kirche soll als letztes helfen. Doch wer ist denn Gemeinde?

Im Bild der meisten sind das doch die anderen, nicht ich. Doch weil sehr viele so empfinden, türmt sich auf wenige immer mehr auf. Und immer größere Schwierigkeiten soll von immer wenigeren getragen werden. Ich bin für sehr viel Engagement von Ehrenamtlichen in Sodingen dankbar. Doch werden sie oft überfordert von der Not. Und obendrein: Es würdigt unsere Öffentlichkeit kaum, was wir hier leisten. Und viele gibt es auch, die tun nichts.

5.
Was lässt das Herz denn durch die Hände sprechen? Was macht den Ehrenamtlichen denn aus?

Ich sah einen Mitarbeiter der Stadt die Straße reinigen. Super, dachte ich, das gibt es doch gar nicht. Da geht einer herum und sammelt tatsächlich endlich einmal den Müll auf, der in den Blumenbeeten der Stadt liegt. Toll, bei den Straßenreinigungskosten, die wir jedes Jahr zahlen, um fast alles selber sauber machen zu dürfen. Ich überlegte schon, ihm ein anerkennendes Wort zu sagen, da sah ich: Die Bierdose im Beet hob der Mitarbeiter auf, den Müll der Zigarettenschachtel, neben dem Beet ließ er liegen. Das war ja nicht sein Job, das wäre ja zwar nur eine Sekunde, aber eben nicht seine. Das wäre ehrenamtlich.

Wer nicht mit dem Herzen sieht, dessen Hände finden nicht die Arbeit. Die Ehre im Dienste Gottes zu stehen macht erst das Amt, das Ehrenamt. Sonst bleibt es Job und oft noch weniger.

6.
Wir blicken mit unserem Bibeltext so richtig in den Alltag der ersten Kirche. Auch sie erlebte bittere Not. Die älteren Menschen hatten keine Rente. Wer nicht von seinen Kindern lebte, der hatte nichts. Da sprang die Kirche ein. Die erste Suppenküche in Jerusalem.

Doch dann. Was war mit denen, die nicht laufen konnten. Wenn sie sich mit den Krücken aufgerappelt hatten, war schon der Topf gelehrt. Sie kamen zu spät.

Wie sollten denn die Leiter der Gemeinde das übersehen bei dreitausend Leuten? Wer wusste denn von jedem, der jetzt krank lag? Wie sollte man denn jemandem einen Gruß, ein Essen bringen, wenn keiner davon weiß? Und wie sollte das gehen, wenn gerade Gottesdienst für andere ist, die auch die Aufmerksamkeit brauchen.

Kennen Sie die Fragen? Die Mitarbeitende in Sodingen kennen sie. Die Zeit hat sich in diesem Punkt noch nicht geändert. Es gibt nur wenig Hilfe, ja. Doch oft denken wir, man weiß um meine Not. Doch dieses Denken ist ein Irrtum. Es braucht meine Mitteilung, was ich wann, wo, wie benötige. Und oftmals ist das schon das Schwerste, sich mitteilen.

7.
Ich habe einfach diese Suppenschlange vor mir, die sich an jedem Tag damals gebildet hat. Und dieser Stephanus geht mir nicht aus dem Sinn. Er hat den großen Topf vor sich, ein guter Eintopf, den andere gespendet hatten. Er rührt noch mit dem großen Löffel. Doch deshalb ist die Schlange bei ihm nicht die längste, viel länger als die an den anderen Töpfen, die da stehen. Bei ihm faßt man die Suppe jedesmal am liebsten? Und gerne wartet man darauf, den Schlag von ihm zu kriegen. Warum? Was macht die gleiche Suppe denn so angenehm? Was ist an Stephanus besonders? Was zeichnet seine Arbeit aus?

8.
(Lied singen) Ich lobe meinen Gott, von ganzem Herzen. Und ich will erzählen von allen Seinen Wundern. Er singt beim Helfen. Er ist bei Gott, bei seiner Ehre, während der Löffel unten auf dem Boden kratzt. Das ist Geheimnis ehrenamtlicher Mitarbeit. Das Herz in die Höhe, die Hand nach unten.

9.
In dieser Bewegung hat der Herr auch selbst gelebt. So ist ER zu uns gekommen. Vom Herzen des Vaters, in das Stroh der Krippe. Vom Lobpreis Gottes an das Holz des Kreuzes. So zwischen Himmel und Erde wächst Mitarbeit. Keine Seite auslassen.

10.
Nie ohne den Blick zu IHM: Danke, Herr. Ich lebe für Dich. Auch heute. ICH gehöre Dir. Du bist für mich da. Mein Herz weint oft. Doch Du bist Mein Trost, und vielleicht kommt ja Dein Trost auch zu anderen.

Mitarbeit ohne himmlische Kraftspeise ist bald leer gebrannt. Bei den Engagiertesten bleibt Zynismus. Die anderen werde schlicht mürbe. Die Kraft der Hoffnung kommt von IHM, nicht aus den Umständen. Die Ehre liegt bei IHM. Ich hebe Müll für Jesus auf.

Aber das alles nie ohne den Blick auf die Erde. Wir sind für diese Schöpfung da, solange Gott uns leben lässt. Wir sind als Eltern und Erwachsene für die nächste Generation dieser Erde da. Hätte Gott das nicht gewollt, hätte er bestimmt nicht die Erdenkraft erfunden. Mit dem Herzen nach oben, mit den Augen nach unten blicken.

Was hilft jetzt, woran sollte ich hier denken, was macht das Leben hier ein wenig schöner, wem kann ich jetzt zur Seite stehen? Wachsame Aufmerksamkeit für den anderen ist der Mitarbeitendenstil der Christen. Fehlt es daran, hat Gott unser Herz noch nicht genug schöne Dinge des Himmels sehen lassen. Denn wie könnte ich mich von Jesus verwöhnt erleben und blind sein für alles um mich herum?

11.
Es wundert nicht, dass damals die längste Schlange bei Stephanus anstand. Er hatte sein Herz beim Herrn während er Suppe rührte.

Das ist Mitarbeit zur Ehre Gottes, Gottes ehrenamtlicher Mitarbeiter.

12.
Nun, wir wissen, kein Mensch kann das Herz eines anderen lenken. Nur Gott tut das, wenn wir es IHM gestatten.

So braucht auch keiner Sorge haben, jemand wollte ihm etwas hinsichtlich seiner Mitarbeit. Der Kern für eine Mitarbeit ist und bleibt für jeden die eigene Entscheidung, die mit Ja oder Nein zu finden ist. Keiner kann einen anderen zum Stephanus machen. Doch wichtig ist etwas anderes. Wie wir selbst ein Stückchen Stephanus in unserem Leben werden können.

Wie schön muss das sein, wenn wir an dieser Verbindung zwischen Himmel und Erde mit beteiligt sein dürfen.

Sagen Sie doch in Ihrem Herzen: Für den Herrn. Und dann Einkaufen, Losfahren, Fensterputzen, einen Besuch machen. Das Herz nach oben, die Hand nach unten.

Beginnen Sie doch wie Stephanus, sich danach zu sehen, so ein Kanal für die Güte Gottes zu sein, so ein ehrenamtlicher Mitarbeiter.

Eine Aufgabe hat doch jeder von uns, woran er das beginnen könnte zu üben.

Es ist schön, wenn viel für die Flutopfer getan wird, und es ist bitter nötig. Aber es gibt auch schon vorher genug Aufgaben, an denen wir zu Menschen der Mitarbeit werden.

Und eines zum Schluss als Trost: Es wird bestimmt nie langweilig. Gott hat genug zu tun für uns.

Vielleicht ist es mir ja gelungen, Sie für einen Lebensstil der Mitarbeit im Namen Gottes zu gewinnen.

Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)