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 <>< Predigt vom 22. September 2002

(Friedhelm Peters)

17. Sonntag nach Trinitatis, in der Johanniskirche

Thema: Im Glauben verbunden

So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe, und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: EIN Leib und EIN Geist, wie ihr auch berufen seid zu EINER Hoffnung eurer Berufung; EIN Herr, EIN Glaube, EINE Taufe; EIN Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.

Epheser 4,1-6

Liebe Gemeinde

1.
Es gibt ganz unterschiedliche Formen von Glauben.
  • Die Generation meiner Eltern hörte: Ja, ich glaube auch, dass, dass ein Pfund Rindfleisch eine gute Suppe gibt. Nun, das wissen wir heute nicht mehr, ob das noch stimmt. Vielleicht ist die Suppe aus der Tüte besser. Aber was man sagen wollte, das kennen wir: Ich glaube nur, was ich sehe. Das andere gibt es für mich nicht. Viele leben so und oft aus gutem Grund: Blindes Vertrauen auf wer weiß nicht was hat nur Enttäuschung gebracht. Man soll auch nicht Glauben vorschieben, wenn man eigentlich eine gute Suppe kochen soll oder für eine Klassenarbeit lernen muss. Glaube ersetzt nicht Arbeit, sondern lässt sie gelingen.
  • Andere glauben an Gott. ER ist für sie da wie die Luft. Keiner kommt ohne sie aus. Aber sie ist nicht zu greifen. Man weiß, es gibt IHN. Schön. Aber das ist es auch. Es ist eher so: Sorry, ich hatte noch nicht das Vergnügen. Und obendrein: Da sind viele Fragen, wenn ich ernsthaft an IHN denke. Wer weiß schon genau, ob es IHN gibt? Wer hat schon einmal mit IHM gesprochen? Und überhaupt: So (!) viele Fragen! Warum? Warum? Warum? Wenn es Gott gibt, müsste ER nicht ... ?

Glaube ist da. Doch klar ist vieles nicht, was ihn betrifft. Es bleibt ein mulmiges Gefühl. Gewissheit, Frieden, Freude, die wollen nicht entstehen. Zudem kennen das auch die Eltern in der Regel nicht. Also scheint das normal zu sein, so denken viele Jugendliche. Wer es anders sieht muss ein Heiliger sein.

Wie gut das jeder hier verstehen kann, wenn jemand so denkt und fühlt.

Und doch gibt es hier viele unter uns, die würden ihren Glauben noch ganz anders beschreiben. Es sind auch ganz normale Menschen wie Du und ich. Und trotzdem. Vom Glauben sprechen sie eher so:

  • Für mich ist Glaube die Beziehung, die ich zu Jesus habe. ER lebt. Obwohl ich IHN nicht sehe, spreche ich viel mit IHM. Und ER gibt mir Antwort. Manchmal warte ich darauf. Und dann merke ich erst hinterher. ER hat zu mir geredet, durch andere Menschen, durch das was ich erlebte, durch einen Artikel in der Zeitschrift, durch ein Bibelwort.
    Ich habe bei IHM Frieden. ER gibt ihn in mein Herz, das dadurch anders geworden ist. Denn jetzt habe ich eine Sehnsucht nach IHM. Ich möchte nicht mehr ohne IHN leben.
    Jeden Tag spreche ich mit IHM über mein Leben. Besonders wenn ich keinen anderen habe, mit dem das möglich ist, tut es mir gut. ER hat mir oft geholfen, dass ich nicht verzweifelte. Oder wenn ich es tat, hat ER mir wieder auf die Beine geholfen.
    Manchmal habe ich IHN vergessen. Dann hat ER mich nicht fallen lassen. Bei meinen Fehlern habe ich etwas Besonderes gelernt: ER ist viel barmherziger als ich mir das je vorstellen konnte. ER ist echt wie ein besserer Vater und eine bessere Mutter.
    ICH habe mich entschieden, für IHN zu leben. Viele taten das vor mir. Die Bibel ist voll solcher Menschen. Einer von ihnen bin ich.
    Das ist mein Glaube.

Könntest Du dir vorstellen, könnten Sie sich vorstellen, so von ihrem Glauben zu reden? Bitte nicht in diesen Worten, aber dem Sinne nach?

Vielleicht macht es Sie neugierig, was ich erwähnte. Viele hier in Sodingen haben entdeckt, was so ein Glaube wert ist. Er fordert. Denn dafür brauche ich Mut, einen eigenen Weg zu gehen, Jesus den Auferstandenen echt selbst zu entdecken und mich für IHN dann auch zu entscheiden.

Doch solch ein Glaube fördert auch. Ich bin nicht mehr einsam, selbst wenn ich allein bin. Ich kann für mein Herz Nahrung finden, die meinen Hunger nach Leben stillt und sättigt. Ich lebe in Kontakt mit der unsichtbaren Welt und zwar in persönlichem Kontakt. Ich kann beten und auf Antwort hoffen. Das trägt.

2.
Ich finde was ich sagte an einer Stelle in unserem Bibeltext wieder.

Der Apostel Paulus sprach die damalige Gemeinde in Ephesus auf ihren Glauben an. Und das erste, was er dabei nannte, war nicht die Rindfleisch-Wirklichkeit (glaube nur, was du hast) und auch nicht eine religiöse Ahnung (vielleicht gibt es einen Gott). Er spricht die Menschen an auf die Berufung: Ihr seid berufen (Vers 1). Glauben als Berufung.

3.
Mir selbst als Pastor begegnet das öfter, dass Menschen mich auf meine Berufung ansprechen. Trotzdem sind dann viele überrascht, wenn ich zugebe, dass es Berufung gibt und ich sie kenne. Doch würde jemand, der nicht Pastor ist, von einer Berufung sprechen, dann würden viele meinen: Er oder sie spinnt oder ist eben doch ein Heiliger oder eine Heilige.

Doch Paulus scheint das anders zu sehen. Völlig normal spricht er die Christen auf ihre Berufung an. Was meint denn das? Berufung heißt doch nichts anderes, dass ich von Gott etwas höre im Herzen.

Gibt es eigentlich einen Menschen, der von Gott noch nichts im Herzen gehört hat? In wie vielen Bibelworten und Hinweisen hat jeder schon einmal gehört: ICH, der Herr, bin dein Gott. ICH liebe dich. Das scheint mir nicht das Problem zu sein.

In der Regel sitzt der Haken an anderer Stelle. Es geht um die Frage, ob ich dem glaube und darauf mit meinem Herzen Ja antworte. Tue ich dies, dann hat ER mich berufen, Teil Seiner Liebe zu sein. Und ich habe Seine Berufung angenommen. Ich bin berufen.

4.
Ich sprach vom Haken, der in meiner Antwort sitzt, nicht in Seinem Ruf. Mein Herz muss bei der Antwort über eine Hürde. Und die ist oft sehr hoch:

  • Habe ich mich nicht getäuscht?
  • Gibt es das wirklich auch für mich? Soll ich mich trauen?
  • Soll ich dem mehr vertrauen als allen anderen Einwänden?
  • Was ist, wenn es nicht stimmt?
  • Ich habe Angst.

Ach, und vieles mehr. Jeder Berufene weiß um diese Einwände. Unser Herz ist Schatzkammer und Mülleimer des Lebens. Wir habe immer etwas gegen Gott in uns.

Doch Gott ist größer als unser Herz und fragt uns trotzdem. Und er meint es gut. Ein jeder mag das testen, der noch zweifelt. Wer IHM antwortet, der macht die großartige Entdeckung, dass

  • Gott nicht nur eine Ahnung ist, sondern ein lebendiger Wegbegleiter und Herr
  • Gott meinen Glauben zu einer inneren Kraft und Größe formt, die mich trägt und gestaltet
  • Gott in mir zu einer Gewissheit wird, von der ich ständig ausgehen und leben kann.

Die Bibel nennt das ein Leben der Berufung. Natürlich hatte das jeder sogenannte Heilige. Aber die Bibel meint, dass jeder normale Mensch, der so glaubt, auch ein Heiliger ist.

Die Taufe ist das sakramentale, d.h. geheimnisvolle Zeichen für ein Leben im Glauben.

5.
Lebt eurer Berufung gemäß, sagt Paulus den Christen in unserem Bibeltext.

Das könnte das Programm unserer KU Zeit sein.

Zuerst: Erkennen und annehmen, was Gottes Ruf an mich ist. Dafür ist es nötig, beten zu lernen und dies zu tun.

Dann: Jesus kennen und das Geheimnis Seines Lebens: Warum starb ER? Wieso lebt ER?

Dann: Wie lebe ich den Glauben in der Gemeinde, mit Sakramenten und Geboten als Gesegneter.

6.
Mit einem Segnungsgottesdienst beenden wir in der KU die Ausbildungszeit. Mit einem Segnungsteil beginnen wir sie heute. Denn dieser Glaubensweg kann nur gelingen, wenn wir in Seiner Kraft, das ist der Segen, Schritte machen. In diesem Sinne für euch und für Sie: Eine gesegnete Zeit.

Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)