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 <>< Predigt vom 27. Oktober 2002

(Friedhelm Peters)

22. Sonntag nach Trinitatis, in der Johanniskirche

Thema: Den Willen Gottes tun

Meine Lieben, ich schreibe euch nicht ein neues Gebot, sondern das alte Gebot, das ihr von Anfang an gehabt habt. Das alte Gebot ist das Wort, das ihr gehört habt. Und doch schreibe ich euch ein neues Gebot, das wahr ist in ihm und in euch; denn die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt. Wer sagt, er sei im Licht, und hasst seinen Bruder, der ist noch in der Finsternis. Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Licht, und durch ihn kommt niemand zu Fall. Wer aber seinen Bruder hasst, der ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und weiß nicht, wo er hingeht; denn die Finsternis hat seine Augen verblendet. Liebe Kinder, ich schreibe euch, dass euch die Sünden vergeben sind um seines Namens willen. Ich schreibe euch Vätern; denn ihr kennt den, der von Anfang an ist. Ich schreibe euch jungen Männern; denn ihr habt den Bösen überwunden. Ich habe euch Kindern geschrieben; denn ihr kennt den Vater. Ich habe euch Vätern geschrieben; denn ihr kennt den, der von Anfang an ist. Ich habe euch jungen Männern geschrieben; denn ihr seid stark, und das Wort Gottes bleibt in euch, und ihr habt den Bösen überwunden. Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.

1. Johannes 2,(7-11)12-17

Liebe Gemeinde,


Wollen und Können begleiten uns unser Leben lang. Was ist das für ein langer Weg, bis Kinder auf ihren eigenen Beinen stehen. Wie glücklich sind wir, wenn sie endlich nach den Sachen greifen, die sie greifen sollen und nicht nach anderen. Wie stolz sind sie mit Recht, etwas zu können. Wie dankbar sind wir, wenn sie nach unglaublich vielen Mühen ihre Zeugnisse und Prüfungen in der Hand haben und bestätigt finden: Ich kann etwas.

Und dann? Dann geht es erst recht los. Denn jetzt kommt es darauf an, dass sie auch wollen, was sie können. Wie viele könnten lesen, sie tun es nicht. Wie viele könnten sich bewegen, sie sitzen nur rum. Wie viele könnten ihren gesunden Menschenverstand einsetzen, sie lassen es und treiben lieber mit anderen im Strom. Wie viele können etwas, wollen es aber nicht, weil sie blockiert sind und nicht in die Pötte kommen. Erst wenn wir wollen was wir können kommen wir weiter.

Doch noch lange ist das Thema nicht beendet, selbst wenn wir einsichtig geworden sind und so handeln. Denn mit dem Älterwerden geht es umgekehrt. Wir können plötzlich nicht mehr wie wir wollen. Wir schaffen nicht mehr, was wir so gerne täten. Und so kehrt sich um, was wir gelernt haben. Mussten wir lernen zu wollen was wir können, müssen wir am Ende auch noch lernen, nicht mehr alles zu können, was wir wollen. Selbst unser Wille ist begrenzt, er reicht nicht bis in den Himmel. Wir lernen die Bescheidenheit an uns.

Der Wille Gottes ist das Thema unseres Textes. Der Wille Gottes scheint sich an diesem Punkt vom Menschenwillen abzusetzen. Er reicht bis in den Himmel. Was durch den Willen Gottes kommt, das endet nicht wie wir. Der Wille Gottes scheint im Gegensatz zu unserem Willen unbegrenzt. Wie schön, wenn wir von diesem Willen leben, wenn wir den Willen Gottes tun und Ewigkeit entsteht. Wie schön, wenn mit dem Ende unseres Könnens nicht alles auch zu Ende ist. Der Wille Gottes bleibt und mit ihm, was wir tun und was wir können. Was für ein Ziel, was für ein Weg. Die alten Frommen nannten dies Ewigkeitswert. Hat unser Leben dies? Hat unser Tun Ewigkeitswert?

Ewigkeitswert. Was meint Johannes dazu in dem Text von unserem Tag? Ich sehe dazu einige Gesichtspunkte. Der erste ist das Licht.

Johannes sagt es schön. Das wahre Licht scheint jetzt.

Er meint, der Wille Gottes ist nicht dunkel. Er liegt im Licht. Und nicht nur das. Er leuchtet so, das er uns selbst erleuchtet und erhellt.

Da mögen manche jetzt den berühmten frommen Filter anschalten und denken: So ist das in der Bibel. Ich habe das etwas mehr Schwierigkeiten mit dem Willen Gottes. Wenn ich ihn wüsste wäre ich sehr dankbar. Mir scheint das Licht so helle nicht.

Nun Johannes ist kein Träumer, der sagt, was es nicht gibt. Er weiß natürlich auch, dass Gottes Wille für viele Dinge dieser Welt im Dunkel liegt. Was ist der Wille Gottes mit der Entwicklung der Gesundheit? In der Regel haben wir darüber keine Ahnung. Was ist der Wille Gottes mit dem Gang der Geschichte? Normalerweise wissen wir darüber nichts. Was ist der Wille Gottes über meine Schicksal, meinen Partner, meine Kinder? Fragezeichen über Fragezeichen. Und das mit Recht. Wir sind nicht Gottes Geheimsekretär. Und wer sich dafür ausgibt, bei dem gilt Vorsicht!

Doch dennoch sagt Johannes: Das wahre Licht scheint jetzt. Was meint er? Nun er wird konkret. Jesus ist dieses Licht. ER scheint. Daneben bleibt viel dunkel. Von Jesus abgesehen wissen wir fast nichts von Gottes Willen. Doch in IHM scheint es hell.

Hier liegt die erste große Besonderheit für Christen. Die meisten denken, Christen sind Idealisten, die eben ihren Regeln folgen, wie andere halt anderen. Doch ist der Wille Gottes keine Regel, sondern Person: Jesus. Wir folgen keiner Regel, sondern IHM. Wir laufen nicht hinter einem hehren Ziel her, sondern gehen mit IHM. Wir sind nicht auf dem Weg zum Licht, wir sind erleuchtet. Wie viele Christen sind an dieser Stelle dunkel und enttäuscht. Das Regelfolgen klappt nicht. Also lass ich es.

Deswegen weise ich in allen Dingen immer wieder hin auf IHN. Mit Jesus anfangen, mit Jesus aufhören. Mit Jesus aufbauen, mit Jesus Abschied nehmen. Mit IHM, mit IHM, mit IHM. Nur dort ist Licht. Wer es mit IHM konkret macht, der kann Gottes Willen nahe sein. Denn wie es Jesus macht, so will es Gott. Mit Jesus leben ist das große Thema Seines Willens. Lebe ich mit IHM?

Stehe ich mit IHM am Morgen auf und schließe ich am Abend mit IHM meine Augen? Beginne ich mit IHM die Arbeit und beende sie mit IHM? Lerne ich mit IHM? Esse ich mit IHM? Träume ich mit IHM? Bin ich mit IHM zusammen, wo immer ich auch bin? Das ist der erste Schlüssel für den Willen Gottes für mein Leben. Dann ist nicht alles klar, und doch schon einiges. Und einiges nennt uns Johannes.

Als erstes nennt er unseren Hass. In jedem Herzen wohnt er, vielleicht im Keller, vielleicht im Wohnzimmer. Hass macht andere zu Nichte. Hass sagt: Ich lebe nur, wenn du nicht lebst. Hass ist tödliche Ablehnung. Der Wille Gottes ist liebende Annahme. Beides kann nicht in einem Herzen leben, sagt uns Johannes. Der Wille Gottes sagt: Du bist in Liebe angenommen. Und dieser Wille Gottes kämpft, setzt sich durch, will unseren Willen überwinden, nicht mehr in tödlicher Ablehnung zu bleiben.

Im Herz von uns lebt oft beides miteinander. Das lässt Jesus nicht zu. ER wirbt. Willst du nicht deinen Hass auf dich beenden? Willst du nicht Mir mehr glauben als dir selbst? Willst du nicht deinen Hass auf andere beenden? Willst du nicht sehen, dass es reicht, wenn du verschieden bist? Warum denn soll der andere sterben?

Das wahre Licht scheint jetzt, sagt uns Johannes. Wahr ist Seine Liebe zu uns.Wer sich im Herzen überwinden lässt, der lebt den Willen Gottes, der bleibt in Ewigkeit, der schafft Ewigkeitswert.

Merken Sie. Nach außen sieht gar keiner den Willen Gottes. Der ist sehr verborgen. Doch im Himmel wächst der Lebensbaum.

Das zweite, was uns Johannes nennt, ist die Vergebung. Er sagt: Euch ist die Sünde vergeben. Das ist das wahre Licht, in dem wir sind. Mir ist vergeben. Wer darin lebt, der lebt in Gottes Willen, der bleibt in Ewigkeit. Ist mir Vergebung meiner Sünde wirklich gewiss? Gönne ich sie auch allen anderen Christen?

Gewissheit der Vergebung ist für ganz viele ein sehr schwieriges Kapitel. Sie halten sich für arrogant, wenn sie behaupteten: ich bin gewiss. Ich bin ein Sünder - ja, das stimmt. Da bin ich keineswegs hochmütig, wenn ich es sag. Warum bin ich es, wenn ich sag: Mir ist vergeben? Der Grund ist oft: Ich traue mir nicht. - Mit Recht. Wie schnell betrüge ich mich selbst. Doch das ist auch der Weg nicht zur Gewissheit. Gewiss bin ich erst dann, wenn ich dem Herrn vertraue: ER vergibt mir. Denn ER betrügt mich nicht. ER hält was ER verspricht. Und ER verspricht es: ICH vergebe dir.

Haben Sie also wirklich alle Dinge des Lebens schon einmal Jesus vorgelegt und IHN gebeten: Herr verzeih. Und dann gesagt: ICH nehme Deine großartige Vergebung an. So kommt Gewissheit. Wenn sie dann weg geht, fragen Sie den Herrn, was musst Du noch vergeben? Und lassen Sie es zu, bis ER es tut. Dann setzt der Wille Gottes sich in Ihrem Leben durch. Das wahre Licht scheint jetzt, so sagen Sie für sich.

Noch andere Dinge nennt uns Johannes, die jetzt schon klar sind: Gotteskenntnis, Stärke gegen das Böse, Liebe dieser Welt nicht ohne Gott.

Das alles sind Dinge, wo Gottes Wille schon klar ist. Diesen wenigen Punkten folgen reicht schon für ein ganzes Leben. Wir werden damit schon kaum fertig. Und doch entsteht mit ihnen Ewigkeitswert. Wer das tut bleibt in Ewigkeit.

Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)