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 <>< Predigt vom 27. Oktober 2002

(Friedhelm Peters)

Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres, in der Johanniskirche

Thema: Der schlafende Geist

Von den Zeiten und Stunden aber, liebe Brüder, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr -, dann wird sie das Verderben schnell überfallen wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entfliehen. Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis.
So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.
Denn die schlafen, die schlafen des Nachts, und die betrunken sind, die sind des Nachts betrunken. Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, das Heil zu erlangen durch unsern Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben. Darum ermahnt euch untereinander, und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.

1. Thessalonicher 5, 1-6 (7-11)

Liebe Gemeinde.

Sie haben vielleicht auch schon mal vor einem Blumentopf gestanden. Dann haben sie das traurige Geschöpf angeschaut und gedacht, warum wird das denn nichts. Und dann haben sie gedacht: Na ja, vielleicht fehlt doch noch ein bisschen Wasser, denn der Boden sieht doch trocken aus. Und dann haben sie geschüttet. Und sie schütten und schütten. Und das läuft weg wie nichts. Und dann haben Sie gedacht: Ich muss doch mal nachgucken. Und Sie haben die Pflanze aus dem Topf gezogen, um nach den Wurzeln zu sehen. Und da waren gar keine mehr. Die waren längst weg. Und der Rest war ersoffen.

So kann es uns Menschen passieren, nicht nur mit Blumen, auch mit uns selbst. Denn manchmal sind wir auch merkwürdige Pflanzen. Und der lebendige Gott gießt und gießt. Und es blüht nicht. Denn im Herzen sind wir längst ersoffen. Unsere Wurzeln sind erledigt. Etwas hat uns im Innersten die Fähigkeit beraubt, Nahrung aufzunehmen.

Manche nähren sich von jedem Sonnenstrahl, den sie empfangen. Und andere sind innerlich ertrunken. Das Paradies könnte sie nicht zufrieden stellen.


Nun ist es Gott sei Dank nicht immer gleich so schlimm. Denn selbst wenn unsere Innerstes ersoffen ist - die Bibel nennt das unseren Geist, der Volksmund Herz - dann ist die Hoffnung nicht erstorben. Nichts ist so widerstandsfähig wie das Innerste von uns. Solange wir auf Erden sind kann immer etwas Neues wachsen. Nie ist es zu spät mit uns. Der Geist als unsichtbares Zentrum unseres Lebens vermag von allem wieder aufzustehen, sich zu erheben. Wenn Gott uns anrührt wächst der Geist empor. Selbst wenn er abgestorben ist, kann er noch neu entstehen. Verlorene Jahre kann uns Gott erstatten. Schuld kann vergeben werden. Bei Gott ist jedes Wunder drin.


Doch gibt es dennoch Hindernisse im Geist, die uns im Leben und im Glauben schaden. Zum Beispiel, wenn ständig Gift an unseren Wurzeln sitzt. Das kann ein böses Wort der Eltern sein, das uns verfolgt, vielleicht auch eigene Bosheit, die wir nie bereuten. Das kann Charaktersünde sein, wie ungebremster Ehrgeiz, Wut, Gerechtigkeitssinn, Sicherheitsstreben, Bequemlichkeit oder Habsucht. Was immer. Wird unser Geist davon nicht los gelassen, quält und regiert uns dies, dann wird das Sünde, trennt uns das vom Herrn. Der Geist von uns hat andere Themen oben an. Gott ist nicht mehr der Herr, der Erste, der uns zu erst bestimmt, dem wir bereit sind, alles zu geben oder zu lassen. Wir sind zu IHM auf Abstand. Wer das nicht korrigiert und Buße tut, der wird im Glauben müde. Die Frömmigkeit ist da, doch sie ist blass. Die Freude kommt nicht auf, es fehlt der Mut. Jesus ist fern. Ich kenne IHN, doch ER ist auf Abstand. Ich glaube, doch wirkt es wie Routine. Es mangelt. Die Blume blüht nicht recht.

Dagegen kann der Geist von uns ein Spiegel Seines Geistes sein, wie ein Gefäß, das Sein lebendiges Lebenswasser trägt. Doch gibt es alle möglichen Abstufungen, in denen wir von IHM wegrutschen können. Dann sind wir nicht mehr ein vor IHM geöffnetes Gefäß. Wir sind ein wenig abgeneigt, vielleicht verdreht, am Ende auf dem Kopf, wir kriegen nichts mehr mit. Und dann wird unser Geist zuerst ein wenig müde, wir sehen Glaubensdinge wie im Film. Es tut auch nicht mehr weh. Wir duseln ein. Am Ende schlafen wir.

Das ist nicht dieser gute Kirchenschlaf, von dem wir so oft sprachen. Das ist der eingeschlafene Geist, der nichts mehr mitkriegt von der Wirklichkeit des Herrn.


Von dem redet das Bibelwort im Text:

"So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein." Und warum soll ich denn die Mühe dieser Wachheit meines Herzens auf mich nehmen? Warum nicht schlafen, es ist doch so bequem. Und beinahe alle Menschen tun dies doch. Wer bleibt denn bis zum Lebensende wach im Geist und hält das durch? In unserer Welt ist das doch purer Luxus. Wer lohnt uns das? "Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis."


Gott ist Geist. Und wenn ER unseren Geist berührt, dann kommt lebendiger Glaube. Und dann stört alles Schlafen. Sie können keinen Kaffee trinken und dabei bewusstlos sein. Sie können auch nicht mit Gott auf Du sein, und innerlich im Käfig. ER sprengt das. Oder ER geht weg, genauer: Wir gehen weg.

Warum ist IHM das wichtig?

Der Text weist hin auf alle Themen, die uns im Kirchenjahr zum Schluss bewegen, die Ziel der Kirche sind. Das Ziel des Glaubens ist nicht allein Erlösung, dass wir gerettet sind. Das ist der Anfang in der Taufe. Davon leben wir schon jetzt. Das Ziel ist Jesu Wiederkunft und Aufrichtung der öffentlichen Herrschaft Gottes. Und dieses wird - vom Datum unberechenbar - plötzlich doch auch nicht unerwartet kommen. Im Herzen meldet ER sich: Erwarte Mich, erwarte Mich, ICH komme bald.

Wer schläft hört diese Stimme nicht. Dem geht es gut. Der ist vielleicht zufrieden. Doch der verpasst das Ziel. Bleibe wach im Geist, sagt deshalb uns das Wort. Es wäre schade vor dem Ziel noch einzuschlafen. Wir sind doch auf Sein Kommen hin geschaffen: "Adam, wo bist du?" So rief ER am Anfang. Der Ruf klingt weiter durch die Zeit. Die Antwort könnte lauten:

"Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil."


Wer Wurzeln hat, der blüht. Wer Seine Glaubenswurzeln tränkt durch Warten auf die Wiederkunft des Herrn, der wird nicht überrascht. Er tut das Nötige und freut sich auf was kommt: ER kommt. So will der Herr uns vorfinden.


Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)