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 <>< Predigt vom 1. Dezember 2002, Abschied in Sodingen

(Friedhelm Peters)

1. Adventssonntag, Johanniskirche

Thema: Abschied als Einzug

Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen. Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9): "Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers." Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte, schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

Matthäus 21, 1-9

Liebe Gemeinde.

Es wirkt merkwürdig, dass im Abschiedsgottesdienst von mir in Sodingen ein Ankunftstext Thema ist. Die Mitarbeitende des Mini Gottesdienstes haben es uns vorgespielt: Jesus kommt. Das ist das große Thema. Nun gebe ich gerne zu, dass ich mich über diese Ungereimtheit gefreut habe. Wirft sie doch das richtige Licht auf den Abschied dieses Tages. Ich will das gerne erläutern.


Mancher von Ihnen war über die Nachricht, dass ich mit meiner Familie Sodingen verlasse, geschockt und betroffen. Ich gestehe, dass ich es ja auch war. In den Gesprächen darüber sagte mir mancher: Sie haben sich hier ein Denkmal gebaut. Nun: Leider habe ich es nicht verhindern können, dass wir auch noch äußerlich Denkmal geworden sind mit Kirche und Pfarrhaus. Heute ist das eher eine Belastung. Aber ich weiß, was gemeint ist neben aller Bautätigkeit, für die wir dankbar sein können, wenn Menschen dieses sagten. Mit wie vielen sind meine Frau und ich innerlich Wege gegangen. Wege durch Abgründe der Seele und des Geistes. Bergwege, die steil empor führten, bei denen galt: Du schaffst den Aufstieg, gib nicht auf! Wege, auf denen ein Stopp gesetzt wurde. Hier geht es nicht weiter! Und wenn doch, dann landest du im Abgrund. Wir haben Menschen begleitet, vielleicht auch Sie. Vielleicht war der Faden des Kontaktes manchmal dünn. Aber nie betraf das den Inhalt. Es war oft dicht, intensiv, gefüllt mit Freud und Leid des Lebens. Deshalb sind wir alt geworden und jung geblieben. Langeweile lässt altern. Wir haben Kräfte gelassen und sind doch gemeinsam wieder aufgestanden. So haben wir eine Generation mit Ihnen gelebt. Kein Tag war leer. Viele haben diese inneren Wege oft nicht mitbekommen, weil die praktische äußere Gemeindearbeit ja bei allem mitlief. Und das war schon genug um einen jeden Tag zu füllen. Der Herr hat beides oft gelingen lassen.

Auf diesen inneren Wegen haben wir oft Gedenksteine gesetzt, Meilensteine des Herzens, Denkmäler. Manchmal geschah dies durch eine Psalmwort beim Geburtstag, manchmal durch ein Gebet auch im Auto. Und der Himmel ging auf. Sein Licht fiel herab. Manchmal geschah dies auch durch Handauflegung und Segen während wir knieten. Und der Heilige Geist kam stark mit seiner Kraft in unser armes Leben und machte Jesus groß. So war es. So haben wir es gewollt. Denkmäler im Herzen für den Herrn. Sie bleiben unerreichbar für die Ämter dieser Welt. Sie sind nicht angewiesen auf Bauordnungen und Konfessionsgrenzen. Sie sind nicht umzustürzen von Menschen, die es anders sehen. Sie stehen in unseren Herzen, weil hier der Herr vorbeigekommen ist. Und ER hat Seinen Altar in Herzen gebaut. Orte der Hilfe, Stätten der Anbetung, Plätze Seiner Gegenwart. Wir sind dankbar, dass dies gelungen ist. Hier liegt die Schönheit, auf die wir blicken.

Wenn Menschen also sagen: Sie haben in den Jahren hier ein Denkmal gebaut!, dann will ich das gerne so verstehen und bestätigen. Ein solches Denkmal: ER ist da! Das sollte wohl entstehen. Und angesichts von dieser Sicht der Dinge geht es bei meinem Abschied wohl um Ankunft, um Seine. ER kommt. ER ist in unser Leben getreten. Sein Denkmal ist gesetzt. Darum ist es gegangen. Und das soll auch beim Abschied unserer Arbeit hier die Mitte sein.

Wir selbst haben dies immer so erfahren. Wir sind mit Jesus hierhin gekommen, wir sind mit Jesus hier geblieben, wir werden mit IHM gehen. Ohne IHN nie. In Seiner Liebe ist der einzige Ort, die Stürme zu bestehen, die uns treffen. Dafür müssen wir manchmal unsere Kleider ausziehen und IHM auf den Weg legen, wie die Menschen es damals taten. ER macht uns manchmal arm, damit wir sehen, wer der Herr ist. Aber wenn wir IHM das unsere geben, dann gibt ER uns das Seine. Und manchmal können wir nach Palmenzweigen greifen und ihm zuwinken. Wer Teil des Lobpreises der Schöpfung unseres Herrn wird entdeckt die tiefen Quellen der Ewigkeitsfreude in seinem Leben. Und manchmal gehen wir mit IHM, der auf dem Esel reitet, den Königsweg der Niedrigkeit und auch des Leides. In welchem Zustand ist sein Volk und Seine Kirche!Doch immer mit IHM.

Ich habe gelegentlich gesagt, um dies als Pastor zu leben, braucht es mindestens 10 Berufe: 3 x Sozialarbeiter, 1 Handwerker, 1 Büroangestellter, 2 x Manager, 4 x Alleinunterhalter, 1 Seelsorger, 1 Therapeut, 5 x nur ein freundlicher Mensch, 2 x ein Finanzgenie - ich bin schon bei 20 Berufe. Es stimmt, Pastor sein und beten und predigen ist gelegentlich mein Hobby nebenbei. Wo eigentlich ist der Mann und Ehemann, der Vater und die Familie?

Wir haben mit unserer Familie nicht gespart. An unserem Küchentisch war oftmals auch Altar mit allen Nöten und Freuden. Wie das möglich ist? Ich weiß nur, dass es so war. Und ich weiß, dass es wahr ist, was jemand mir beim Abschied sagte: Hinter einem starken Mann steht immer eine starke Frau. Das stimmt. Ich war und bin, was ich bin, nicht ohne meine Heike, die mich getragen und begleitet hat, gefordert und gefördert. Und meine Kinder sind ein Teil davon. Dafür bin ich sehr dankbar. Wenn wir heute gehen, dann gehen wir beide, nachdem unsere Kinder schon gegangen sind. Wir packen beide gemeinsam wieder etwas an, wie wir es hier auch taten.

Sie aber, liebe Sodinger und Menschen, die wir begleiten und die uns begleitet haben: Es ist doch schön, dass wir dies Bild vom Einzug Jesu mitnehmen. Sie wissen, es ist im Letzten auch ein Bild von Seinem zukünftigen Kommen. ER kommt wieder in Herrlichkeit. Das hat mich an der Johanniskirche immer sehr berührt. Die Mitte der Altarfenster hält dieses fest: ER kommt in Herrlichkeit. Dann hat das Leid, das ER für uns am Kreuz getragen hat, ein Ende. Darauf leben wir hin. Und das ist unsere Hoffnung. Damit segne uns alle der Herr.


Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)