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 <>< Predigt vom 25. Dezember 2002, Gottesdienst

(Friedhelm Peters)

1. Weihnachtstag, Johanniskirche

Thema: Weihnachten, Jesus stillt die Sehnsucht des Lebens

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die aller erste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

Lukas 2, 1-14

Liebe Gemeinde!

Kaum vorstellbar, wie Sehnsucht sich verkleidet. Den einen treibt die Kälte, die Sehnsucht sucht nach Wärme und einer Decke, die schützt. Den anderen quält Einsamkeit. Die Sehnsucht ruft nach Nähe. Wer kommt zu mir, besucht mich, ich will nicht mehr allein sein. Der dritte kennt nur Trubel, die Forderung der Arbeit. Die Sehnsucht schreit nach Ruhe. Wann bin ich nur mal allein? Wann finde ich zu mir und habe endlich Ruhe.

Solange Menschen leben lebt Sehnsucht in den Herzen: Nach Liebe und nach Frieden, nach Heilung und Gesundheit, nach Sattsein und Zufriedenheit. Ein jeder möchte leben. Die Sehnsucht hält das fest. Sie ruft nach dem, was fehlt.

Der Ruf der Sehnsucht klingt durch alle Zeit. Warum? Zu arm ist unser Leben. Schlägt uns die Krankheit, zerbricht eine Ehe, fehlt uns die Kraft zur Ehrlichkeit, bringt uns ein Kummer um - schon meldet sie sich heftig. Und wenn es schlimmer wird stirbt sogar sie als letzte Stimme einer guten Hoffnung auf Veränderung. Und jeder sieht auf seine kleine Welt und hofft auf Gott, dass der sich dort doch zeige.

Ob uns Maria und Josef zur Zeit der Christusgeburt nicht darin wirklich nah sind. - Maria, kannst du noch? Die Sehnsucht Josefs ist ganz klar: Wenn wir doch bloß bald eine Bleibe hätten. Ich würde alles geben, doch ich habe nichts. Herr, hilf doch. - Wenn es nur ein gesundes Kind wird. Bei der Belastung und der Not der Reise. Ach, wenn es doch nur gut geht. Die Sehnsucht der Maria ist ganz klar. Gott soll ihr ein gesundes Baby schenken. Sehnsucht zieht IHN den Höchsten in die Niedrigkeit herab. ER soll dort helfen, wo der Alltag ist. Darin sind wir mit allen Menschen gleich, die jemals Sehnsucht fühlten.

Ob Josef und Maria es merkten, was mit ihnen passierte? Ob sie begriffen, was wirklich bei der Geburt geschah? Sie fanden ja die Hütte, und die Geburt ging gut. Doch dies war es nicht allein. Schon war wieder neue Not da. Wo gibt es sichere Unterkunft? Wer schützt uns vor den Soldaten? Wie wir das kennen. Das eine ist geschafft, schon stehen andere Sorgen Schlange. Doch da gab es die Botschaft des Himmels: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Davon hatten die Hirten erzählt. Merkwürdiger Weise hatte das diese rauen und sicherlich nicht zarten Gesellen umgewandelt. Wie sie vor dem Kind standen. Ihre Sehnsucht war gestillt. Einmal die Stimme des Himmels gehört und dem gefolgt ließ ihr Herz zufrieden werden. Maria behielt dies in ihrem Herzen. Doch auch ihr Josef war anders, fiel ihr auf. Auch er hatte die Not diesmal ganz anders angepackt. Maria, sagte er, lass uns vertrauen. Was war das nur. Auch seine Sehnsucht war gestillt. Und dann sie selbst. Warum nur war sie nicht verzweifelt. Genug Grund gab es schon bei aller Hilfe im Moment, vor allem im Hinblick auf die Zukunft. Doch auch ihr Herz blieb getrost. Auch sie war anders. Um sie und in ihr war ein Friede, der alles Brennen stillte. Was hatte sie? Und dann sah sie ihr Kind. Sie hörte innerlich noch einmal die Worte dieses Engels, der ihr den Namen dieses Kindes gesagt hatte: Jesus, Gott hilft. Schon damals hatte sie eine Ahnung dieser Hilfe von oben. Und jetzt erkannte sie es wieder in den Hirtenworten: Euch ist heute der Heiland geboren.

Das war es: Die Sehnsucht ist gestillt. Nicht alle Wünsche sind erfüllt, nicht alle Not zu Ende, nicht jedes Leid verschwunden, nicht alles im Lot. Doch die Sehnsucht hinter allem ist gestillt, es wird doch gut. Wir können vertrauen.

Kann so etwas von einem Kind ausgehen? Braucht das nicht mehr, nicht größeres als Zeichen? Ist so viel hilflos Armes wie in diesem Stall denn fähig, unser Leben zu verwandeln?

Nur Gott kann Großes in uns tun. Wäre nicht ER in Jesus drin und gegenwärtig, wir wären wohl berührt, doch nicht verwandelt. Weil ER uns anrührt kann der Frieden kommen. Weil ER die Lebensquelle ist, wird unser Lebensdurst gestillt.Weil ER der Geber aller guten Gaben ist, kann unsere Sehnsucht jetzt gestillt werden. Doch es muss ER sein. Bitte durchdringen zu IHM. Vielleicht hat ja der Wirt wie oft in Krippenspielen angedeutet, auch reingeschaut und nichts gesehen. So hilft es nicht. Es ist schon nötig in den Weihnachtsdingen so lange auf den Herrn zu schauen, bis Sein Licht unser Herz erreicht und wir als Antwort sagen: Danke! Jetzt bist Du auch bei mir. Wie lange dieser Herzensweg für jeden ist, ist völlig offen. Vielleicht in einem Augenblick oder in langer Zeit des suchenden Gebets. Die Hirten fanden es schnell, die Weisen suchten lange. Ankommen bei dem Herrn ist ganz alleine wichtig.

Und warum nicht in Gold, nicht im Palast, nicht mit Posaunen und Trompeten wie wir es lieben? Warum kam Jesus arm und klein und bloß? Warum nur macht sich Gott denn so bescheiden? Es würde uns nicht stören, wenn er als Stiller unserer Sehnsucht ein wenig prächtiger gekommen wäre. Glanz färbt doch ab, wir hätten auch etwas davon.

ER macht es so nicht, kommt ganz schlicht. Die Sehnsucht wohnt ganz unten. Die Kranken, Armen, Schuldigen, die unten sind im Herzen und im Leben - sie alle sollen gleich zugreifen können.
Gott wohnt im Dunkeln. Da beginnt Sein Licht.
Gott wohnt in der Gefahr. Vertraue IHM.
Gott wohnt bei Hoffnungslosen. Gib deine Hoffnung niemals auf.
ER ist da, wo du bist. Du brauchst nicht erst wohin gehen. Du findest IHN bei dir. Deswegen kam ER arm. Du brauchst dich nur zu bücken, denn da findest du IHN. Weil uns das Leben beugt kam Gott dahin, nach unten. Wir können für Gott Werkzeug sein. Jesus stellt sich für unsere Wirken zur Verfügung, unten.

Wer IHN sucht und IHM hier auf Erden hier begegnen will, kann IHN in jeder Not und Armut finden. Bis heute versteckt ER sich auch dort. Will ich IHM dienen kann ich es dort sehr gut. Die Krippe von Bethlehem ist wohl das meist verbreitetste auf dieser Erde geblieben. Und keine Sorge, auch damals ging es dort bestimmt nicht sehr romantisch zu. Doch himmlisch, denn ER war da.

Bethlehem,
ein Ort in allen vier Winden, ein Ort mit Taben und Blinden, - Bethlehem.
Ein Ort, so arm wie verloren mit verschlossenen Herzen und Toren - Bethlehem.
Ein Ort mit Gassen und Straßen, in denen Flüchtlinge saßen - Bethlehem.
Ein Ort mit Spöttern und Frommen, ein Ort, wo wir alle herkommen - Bethlehem.
Ein Ort, wo wir alle hingehen, das Kind in der Krippe zu sehen - Bethlehem.
Ein Ort, wo wir knien auf der Erden: Gott will unser Bruder werden - Bethlehem.


Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)