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 <>< Predigt vom 29. Dezember 2002, Gottesdienst

(Friedhelm Peters)

1. Sonntag nach Weihnachten, Johanniskirche

Thema: Nach Weihnachten, was bleibt?

21 Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde. 22 Dann kam für sie der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, 23 gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. 24 Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. 25 In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. 26 Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. 27 Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, 28 nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: 29 Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. 30 Denn meine Augen haben das Heil gesehen, 31 das du vor allen Völkern bereitet hast, 32 ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel. 33 Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. 34 Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. 35 Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen. 36 Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; 37 nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. 38 In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. 39 Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. 40 Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.

Lukas 2, 21-40

Liebe Gemeinde!

Nach Weihnachten ist oft der Alltag voll mit Aufräumen. Den Baum abschmücken ist noch zu früh. Doch das Geschenkpapier muss weg und auch manches unpassende Teil, was nicht gefällt, zu groß ist oder kaputt. Und was Gefällt und Freude machte muss seinen Platz im Alltag finden. Der Schlips gehört in den Schrank, die CD in den Ständer, wenn noch Platz ist. Aufräumen, Einsortieren, Saubermachen. Dass dieses Arbeit ist weiß jeder. Denn nichts ist so schlecht zu ertragen, wie eine Reihe von guten Tagen.

Mit der Geschichte der Geburt des Herrn ist das nicht anders. Auch sie muss einen Platz im Alltag finden. Das war schon damals so. Maria und Josef taten, was jetzt dran war. Sie gingen nach Jerusalem. Darstellung hieß das damals. Ein neu geborenes Kind wurde vor Gottes Angesicht gestellt. Von IHM kommt alles Leben, so gehört es auch vor IHN. Und um es auszulösen wurde ein Opfer dargebracht. An Stelle dieses Kindes wurde ein anderes Leben gegeben. Für Wohlhabende geschah dies im Opfer eines Stieres. Arme nahmen zwei Tauben. So taten es Jesu Eltern.
Ist das nicht merkwürdig. Schon hier wird etwas deutlich von dem Lebensweg des Herrn. Im Stall geboren, ausgelöst mit dem Opfer der Armen, steht ER später mit Sündern bei der Taufe im Jordan und hängt als Verbrecher am Kreuz. ER war wirklich unten.
Und noch etwas ist hier schon Zeichen. ER selber wird Seinen Heiligen Geist zu Pfingsten senden, die Taube des Friedens, der von oben kommt. Dafür lässt ER hier selbst sein Leben auf der Erde. Dies ist als Zeichen hier schon festgehalten. Die Taube lässt ihr Leben. Das steht am Anfang seines Lebens wie ein prophetisches Zeichen. Der Alltag zeigt wohin es geht. Die Botschaft rückt ins Leben.
Doch damit nicht genug. Lukas hält noch mehr fest. Zwei unscheinbare Besucher kreuzen Jesu Weg. Und in den Randbegegnungen vielleicht im Tempelvorhof wird weiteres von Jesu Leben klar. Die beiden sagen etwas, was Jesu Lebensweg betrifft und sich erfüllt oder erfüllen wird. Weihnachten im Alltag.
Simeon spricht hier als erster. Er wendet sich an dieses junge Elternpaar und sieht dann Jesus. Sein Herz fängt Worte auf, die er dann ausspricht.
So macht das der Heilige Geist bis heute. Hat ER den Raum in uns, sind wir gereinigt, offen, dann kann ER plötzlich in uns sein, mit Worten, Bildern, Taten. Der Eindruck kommt nicht aus dem Bauch, ER kommt von oben. Wir spüren das daran, dass es genauso in uns wirkt, wie wenn bei der Vergebung unserer Sünden, vielleicht auch bei einer Segnung, der Strom des Geistes in uns verändernd fließt. Am Ufer dieses Stromes wachsen Früchte. Es fühlt sich an wie Wärme und Erfüllung.
Simeon erfährt das hier wie Lukas schreibt. Er spricht ein Wort für Jesus aus, was er nicht planen konnte. Herr, nun lässt Du Deinen Diener in Frieden fahren, wie Du gesagt hast. Denn meine Augen haben Deinen Heiland gesehen. Den Heiland gesehen. Was sah er? Ein Baby - den Heiland?
Wir merken wieder worauf es ankommt. Durchschauen. Die Weihnachtsbotschaft muss ihren Platz im Alltag finden. Den Heiland sehen. Haben wir heute den Heiland gesehen. Haben wir durchgehört durch die Worte der Lesung, des Gebets,der Predigt und haben den Heiland entdeckt. Haben wir durchgesehen durch die Begegnungen des Tages, durch die Bilder, die wir vor Augen haben, und haben mit unseren Augen den Heiland gesehen. Erst dann hat das Geschenk von Weihnachten seinen Platz bei uns, wird nicht beim Saubermachen weggeräumt, umgetauscht weil nicht recht passend. Jeden Tag den Heiland sehen. Das ist das Geschenk.
Simeon konnte damit sein Leben beschließen. Er hatte gewusst, er könne in Frieden sterben, wenn er dies erfahren hat. Damit lässt sich auch in Frieden sterben, wenn wir für uns den Heiland gesehen haben. Aber es ist auch möglich, damit in Frieden zu leben, wie Maria und Josef es taten.

Die augenblickliche Lebensaufgabe lässt sich damit erfüllen, wenn wir den Heiland sehen.

Simeons Worte begleiten das Leben Jesu. Bei Jesus wird es immer darauf ankommen, so durchzuschauen, wie Simeon es bei IHM tat. Die Weihnachtsbotschaft war bei ihm im Leben angekommen.
Die zweite Gestalt trägt den Namen Hanna. Ihr Leben war ein Leben voller Sehnsucht auf den Erlöser. Und dann sieht sie wie Simeon den Herrn. Und in dem Augenblick weiß sie, ER ist die Antwort auf die Frage der Erlösung. Nichts ist zu sehen als das kleine Kind. Doch weiß sie diese Antwort vor der Frage: ER ist es. ER wird siegen. Und als eine hochbetagte Frau spricht sie die Hoffnung aus. Dies Kind wird der Erlöser unserer Welt.
Wir merken wieder etwas Besonderes. Aussprechen. Die Weihnachtsbotschaft braucht ihre Sprache im Alltag unserer Zeit. Vom Heiland sprechen. Zu IHM einladen. Andere auf IHN ansprechen. Hanna tut dies. Ihr Herz ist voll. Ihr Mund geht über. Sie ist kein junges Mädchen. Sie spricht als alte Frau von ihrer jungen Entdeckung.

Der gegenwärtige Alltag braucht die Erlösung durch unseren Herrn. Sprechen wir davon wie Hanna es damals tat.
Lukas hält das fest vom Anfang des Lebens Jesu. Immer wieder werden Menschen um IHN sein, die die Entdeckung der Erlösung formulieren und aussprechen. Gehören wir dazu? Ist Weihnachten so Teil von unserem Leben? Hanna macht es uns vor. Nicht Warten. Der Stimme unseres Herzens folgen und aussprechen. So kommt Weihnachten ins Leben.
Zwei Randgestalten der Weihnachtsgeschichte, die uns vor Augen stehen: Simeon,Hanna. Beide haben für sich Jesus entdeckt und in ihr Leben hereingenommen. Es tut gut, solche Vorbilder zu haben. Sie sind dann wertvoll, wenn wir es wie sie tun.
Und nebenbei werden wir so selbst Vorbilder für andere, die einen Weg für sich noch suchen.

Amen.



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Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)