Ev. Kirchengemeinde Sodingen - online
Startseite

Grußwort

Gottesdienste

Predigten

Predigtplan

Gottesdienste
passiert...notiert...
und Fotos
Veranstaltungen
Wissenswertes
Kontakt und Anreise
Inhaltsverzeichnis

 <>< Predigt vom Neujahrstag 1. Januar 2003, Gottesdienst

(Friedhelm Peters)

Neujahr 1. Januar 2003, Johanniskirche

Thema: Jahreslosung 2003

Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.

1. Samuel 16, 7

Liebe Gemeinde!

Was für ein Fest. Ein König wird gesucht. Der Beste soll es sein, der jetzt gesalbt wird für ein ganzes Volk. Das war der Auftrag des Propheten Samuel. Mit dieser Frage stand er vor der Kandidaten Gruppe. Größe, Schönheit, stattliche Natur, Intelligenz, Ausstrahlungskraft. Das alles ist entscheidend für Führungskräfte. Und danach war gesucht.
Doch der Prophet Samuel hatte ein Problem. Ein jedes Mal, wenn er auf einen von ihm Ausgewählten zuging sprach Gott in sein Herz. Und er sagte: Nein. Gehorsam wie er war sprach er es aus, was Gott ihm sagte: Nein. Der erste nicht, der zweite nicht, und alle anderen auch nicht. Am Ende wurde Samuel gefragt: Warum denn nicht? Fehlt etwa irgendetwas? Sind alle Kandidaten nicht groß, nicht schön, nicht stark genug? Was fehlt für diesen Besten, den wir suchen?
Und dann kommt dieses Wort, das uns im neuen Jahr begleiten wird und soll: Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.
Nichts Äußeres fehlte. Der Mensch sieht darauf. Und es mangelt nichts. Doch hinter allem pocht ein Herz. Und wie es darin aussieht sieht kein Mensch von außen. Doch Gott sieht unser Herz. ER weiß, wofür es schlägt. ER kennt die Leitgedanken, auch wenn es jeder andere auf dieser Erde übersieht oder nicht sehen will. Gott kennt das Herz. ER sieht es an.

Für lauter große Menschen war das das Aus für eine Führungsaufgabe Gottes. Der eher kleine und noch unerfahrene David wurde von Gott erwählt. Nach außen war er der Kleinste, aus Gottes Sicht der Größte. Gott sieht das Herz an. Das Herz zählt für das, was wir sind. So weit der Rahmen der Geschichte.

Am Anfang dieses neuen Jahres werden wir durch unser Bibelwort auf etwas aufmerksam, was uns helfen könnte für unseren Weg im neuen Jahr. Wir werden ja mit Menschen zusammenleben, die wir einschätzen müssen oder die uns einschätzen. Es wird Augenblicke geben, da werden wir uns fragen, was denn jetzt eigentlich noch zählt. Vielleicht werden wir auch durch Nöte gehen, wo uns äußerlich wenig Halt geboten wird und wir alleine stehen.
In allen diesen Situationen wird entscheidend sein, mit welcher Brille wir unser Leben anschauen. Was wird das Beste für uns und andere sein? Wie werden wir uns entscheiden? Was kann uns dabei helfen? Und ein Gesichtspunkt nennt uns unsere Jahreslosung. Dazu zwei Gesichtspunkte.

1. Was vor Augen ist.
Wir kennen das Beispiel. Da haben sie ein wunderschönes Hotel im Prospekt gesehen, blauer Himmel, schönes Wasser, nettes Grün. Sie buchen, fahren hin - und sind entsetzt. Neben den Bäumen stehen Container. Das Wasser ist verschmutzt. Neben dem Haus wird gerade neu gebaut. Von morgens an tönt laut der Presslufthammer.
Schön, was vor Augen ist. Nur leider sehen wir nicht alles.
Das andere stimmt auch.
Es zählt für uns, was wir vor Augen haben. Das muss auch sein. Stellen Sie sich vor, sie haben bei einem Besuch einen vertrockneten Blumentopf vor sich. Da wissen Sie unter Umständen genau was los ist. Wer so was macht, der guckt nicht nach seiner Umgebung. Der lässt die Dinge laufen oder er ist krank. Die Lebenskraft ist weg. Der kann nicht mehr für sich und andere sorgen. Was innen ist zeigt sich nach außen.
Das dritte Beispiel kennen Sie auch.
Die Gallashow des Abends stahlt, blinkt, leuchtet und blitzt. Alles ist gut und schön und herrlich. Bei soviel Leuchten ist das Leben gut. Stimmt das? Nein, das stimmt nicht. Wir möchten das es stimmt. Wir lieben diese Lüge. Doch es stimmt nicht. Nicht jedes Blümchen ist auch eine Blume. Nicht jeder Glanz ein Herz. Was sich nach außen zeigt, ist lange nicht was es in Wahrheit ausmacht. Hauptsache gut aussehen.
Das macht ja unser Leben oft so schwierig, dass wir auf Falsches reinfallen, auf die Verpackung. Wer groß tut, den halten wir oft für groß. Dabei stimmt das fast nie.
Doch damit leben wir. Wer nicht groß klimpert verschwindet im Rampenlicht. Wer nicht sein Maul weit aufreißt wird nicht gehört. Wir sehen, was vor Augen ist. So funktioniert die Werbung, das öffentliche Leben und oft auch die Politik. Sogar wir Menschen funktionieren so. Wir lieben etwas vor Augen zu haben.

Hier nimmt uns das Bibelwort den Wind aus unseren Segeln. Es sagt uns was wir wissen. Traue nicht der Lüge äußeren Lebens. Was außen sichtbar ist sagt lange nicht, wie es in Wahrheit innen aussieht. Bleibe bei Dir. Du siehst nicht sofort das Innere, vielleicht siehst du es nie. Der Mensch sieht was vor Augen ist. Mehr nicht. Du lebst von mehr, nicht nur vom Äußeren. Deshalb: Vorsicht.
Du brauchst auch nicht erschrecken, wenn Du falsch angesehen wirst. Wer dich nach Äußerem beurteilt sieht nicht dein Herz. Und wer dein Herz nicht sehen will, sieht von dir wenig. Folge dem nicht. Lass dich nicht fertig machen. Es kann dich nicht erreichen, was nur im Äußeren stecken bleibt.
Vielleicht bekommst du einen Blick für Menschen, die um ihre Beschränkung wissen und nicht auf Äußeres alleine abfahren. Vielleicht suchst du nach ihnen, guckst wie sie leben, lernst von der Art, wie sie beeindruckt sind. Das wäre eine gute Brille für die Zukunft.

2. Das zweite ist in unserem Wort ein guter Trost. Gott aber sieht das Herz an.
Wie gut, dass einer sieht, wer ich im tiefsten bin. Wie gut, dass ER mich kennt.
Schon dies wäre genug, um jeden Tag mit IHM persönlich zu leben. Mein Herz wäre nicht allein. Du siehst mich.
In vielen Psalmworten ist das die Trosterfahrung. Du Herr erkennst mich und erforschst mich. Ich sitze oder stehe, Du weißt es. Du kennst meine Gedanken von ferne (Psalm 139). Zu dieser Erfahrung immer wieder durchzudringen, bis ich sie für mich selber sprechen kann, ist Aufgabe für jeden Tag.
Ich habe es schon oft erzählt, dass mir es hilft, am Morgen damit aufzuwachen.Danke, Herr, Du bist wieder da und siehst mich wie ich heute bin. Du nah bei mir. Das spreche ich nicht laut. Das spreche ich im Herz. Von Herz zu Herz. Ich lasse IHN in mich sehen. Ich verharre dabei so lange, bis mein Herz eine Antwort signalisiert: Angekommen, gesehen. Du siehst mich.

Dass ER mich sieht ist auch ein Schutz gegen den Druck des Lebens.
Was mich beurteilt: ER weiß wie es wirklich ist.
Was mich verletzt: ER sieht die Wunde.
Was mich erschöpft: ER weiß um meine Not.
Was ich falsch mache: ER kennt meinen Fehler. Ich laufe schnell zu IHM. ER wird mir verzeihen und mich vor falscher Flucht und falscher Leugnung schützen.
Wenn ER mich kennt bin ich gefeit gegen die Dinge, die mich angeblich oder wirklich kennen und bestimmen wollen. Kennt ER mich bin ich frei. Das ist der große Raum, der Herzen weit macht.

Jetzt habe ich ein wenig von den Dingen erzählt, die unser Herz ausmachen. Es sind große Reichtümer, gute Brillengläser für ein Leben im neuen Jahr.
Doch eine Brille ist nur gut, wenn ich sie auf der Nase habe. Und oftmals kommt das vor, dass wir sie suchen. Das alles lebt davon, dass unser Herz IHM auch gehört. Herr, sei mein Herr. Wohne Du in meinem Herzen.

Mit diesem Glauben haben wir die Brille auf der Nase. Dann lebt in uns, dass ER uns ja so liebt, dass ER in Liebe unser Herz ansieht.

Amen.



Zur Startseite      Zum Anfang dieser Seite

Zuletzt geändert am 22.04.2007 von: (fp)